Die Ärzteschaft befindet sich spätestens seit den Corona-Maßnahmen in einer Vertrauenskrise. Die Maßnahmen wurden als einzig mögliche und medizinisch untermauerte Vorgehensweise deklariert, die tödliche Erkrankungsverläufe verhindern sollte. Die RKI-Files zeigen, dass die nach außen propagierte medizinische Notwendigkeit und Alternativlosigkeit dieses Vorgehens die Folge politischer Vorgaben war. Einige Mediziner des RKIs waren zu Recht kritisch, leider jedoch auch nicht mutig und entschlossen genug, diese Position öffentlichkeitswirksam zu vertreten.
Ein weiteres Beispiel dafür, dass dort, wo im Namen medizinischer Rahmenbedingungen mit dem Ziel gehandelt wird, das „Beste für die Gesundheit des Patienten zu bewirken“ nicht unbedingt von medizinisch wissenschaftlichen Grundlagen, sondern höchst politisch motivierten Grundsätzen ausgegangen wird, ist die neue Leitlinie zur Diagnostik und Behandlung von Geschlechtsdysphorie im Kindes- und Jugendalter. Viele Länder ziehen beim Einsatz von Pubertätsblockern die Notbremse, indem sie diese entweder verbieten oder zumindest stark einschränken. Sie tun es, weil Studien zeigen, dass die Pubertätsblocker nicht den erhofften positiven Effekt erbrachten. Vielmehr sind sie mit zahlreichen und mutmaßlich unumkehrbaren Nebenwirkungen behaftet. Die deutsche Leitlinie empfiehlt die Pubertätsblocker im Gegensatz zum ausländischen Vorgehen nicht nur an sich als großartige Möglichkeit, Leiden zu lindern. Sie heben sogar jegliche Altersgrenze für deren Einsatz auf. Die Leitlinie liest sich wie ein Echoraum der Genderideologie statt einer klaren medizinisch-naturwissenschaftlichen Empfehlung.
Auch die Erfahrung im Sprechzimmer von Ärzten geht häufig mit dem Erleben einher, als Patient lediglich auf körperliche Symptome reduziert zu werden. Wer beispielsweise über Schlafstörungen klagt, erhält häufig nach kurzer Zeit ein Rezept mit Schlafmedikamenten und allgemeine Ratschläge zur Schlafhygiene, mit denen man die Praxis verlässt. Genauere Ursachen, die zur Schlafstörung führen können, werden selten erörtert. Eine ganzheitliche Betrachtungsweise der Beschwerden wird – auch in Anbetracht des Zeitdrucks, unter dem der Arzt zu arbeiten hat – selten angestrebt.
Die Antwort auf diese Entwicklungen in der Medizin besteht mehrfach darin, sich alternativen Heilmethoden zuzuwenden. Das Versprechen: Zeitintensive und ganzheitliche Betrachtung der jeweiligen Beschwerden und eine den gesamten Menschen umfassende Therapie. Sind die Grundlagen der Schulmedizin nicht mehr als plausible Erklärungsmuster anzuerkennen und müssten durch einen anderen, ganzheitlicheren medizinischen Ansatz überholt oder ersetzt werden? Dieser Frage soll im Folgenden auf den Grund gegangen werden. Dazu müssen wir zunächst betrachten, woher der bisherige medizinisch wissenschaftliche Ansatz stammt und worin er ideengeschichtlich seinen Ursprung hat. In einem zweiten Schritt wird dann der Frage nachgegangen, ob sich dieser Grundsatz mit dem biblischen Verständnis von Naturwissenschaft deckt und welche Konsequenzen dies für uns als Christen im Umgang mit Medizin und Alternativmedizin hat.

Grundlage naturwissenschaftlicher Forschung

Ein Blick in die Ursprünge der naturwissenschaftlichen Forschung gibt erste Antworten auf die Frage, warum wir Medizin so wie bisher betreiben. Der Beginn der naturwissenschaftlich-systematischen Grundlagenforschung fällt in die Zeit der Reformation und des Humanismus. Dieser Zeit war die Forderung des Philosophen Roger Bacon (ca. 1220–1292) vorausgegangen, „nach einer Wissenschaft und Philosophie [zu streben], die sich unter Zurückweisung jeder anderen Autorität allein auf unmittelbare Erfahrung und Beobachtung der Natur gründet, [sie ist] ein Fanfarenstoß, der das gewaltige Drama der Entfaltung moderner abendländischer Naturwissenschaft einleitet.“ Der deutsche Universalforscher, Mathematiker und evangelische Theologe Johannes Kepler (1571–1630) fasst es mit folgender Formel zusammen: „Ubi materia, ibi geometria“ – wo Materie ist, da ist Mathematik und „formuliert damit zum ersten Mal das für alle folgende Naturwissenschaft bestimmende mathematische Erkenntnisideal.“
Die naturwissenschaftlichen Erkenntnisse sind dann im weiteren Verlauf die Basis für die moderne Medizin.
Was befeuerte die naturwissenschaftliche Forschung ab dem
16. Jahrhundert? Es war die tiefe Überzeugung, dass die Welt durch einen intelligenten und überaus weisen Schöpfer ins Dasein gerufen wurde.
Hinzu kam die Überzeugung, dass es Regelmäßigkeiten und mathematisch erfassbare Gesetzmäßigkeiten zu entdecken gibt. Eine Vielzahl der Forscher war der Ansicht, dass die Natur-Erforschung denjenigen ehrt, der die Schöpfung kreiert hat, nämlich Gott selbst. Der englische Philosoph und Arzt Thomas Browne formuliert es im 17. Jahrhundert folgendermaßen: „Die Weisheit Gottes erfährt geringe Ehre von solch gewöhnlichen Köpfen, die ordinär herumstarren und sich über Seine Werke mit dörflicher Plumpheit wundern: jene aber verherrlichen Ihn, deren besonnene Untersuchung Seiner Taten und bewusste Erforschung Seiner Kreaturen ihm die Pflicht gottesfürchtiger und gebildeter Bewunderung wiederzugeben.“ Genauso, wie die Bibel studiert und verstanden werden kann, so liegt auch das Buch der Natur offen da: „Die Himmel erzählen die Herrlichkeit Gottes, und die Ausdehnung verkündigt das Werk seiner Hände.“ (Psalm 19,2) Ursache-Wirkungs-Prinzipien hinsichtlich der Erforschung der Natur sind deshalb zielführend, weil Gott die Welt den Gesetzen der Logik folgend erschaffen hat. Die Eigenschaften der Logik sind abstrakt, immateriell, universell, unveränderlich und ausnahmslos. Diese Eigenschaften sind nur unter der Annahme eines ewigen Absolutums möglich. Mit anderen Worten: Logik lässt sich nur begründen, wenn Gott existiert.
Gesetzmäßigkeit bedeutet außerdem Uniformität in der Natur. Weil Gott die Welt in einer geordneten, gesetzmäßigen Weise erschaffen hat, läuft sie nach den immer gleichen Gesetzmäßigkeiten ab und kann daher verstanden und beschrieben werden, ja sogar vor­hergesagt werden. Die Überzeugung, dass alles einer einheitlichen Gesetzmäßigkeit gehorcht, bewegte beispielsweise Johannes Kepler „bei allen seinen Entdeckungen, man kann geradezu sagen, dass diese geboren sind aus dem Bestreben, seine metaphysische Überzeugung von der harmonischen Regelmäßigkeit und Gesetzmäßigkeit alles Geschaffenen exakt zu begründen.“ So nutzte Kepler seine neuesten Erkenntnisse, um zukünftige Planetenkonstellationen exakt vorhersagen zu können.
Zudem unterstützte die wiederentdeckte theologische Erkenntnis, dass der Mensch in Sünde geboren ist, die naturwissenschaftliche Forschung. Sünde bedeutet, dass der Mensch fehlerhaft ist. Er ist für das ewige Leben auf Rettung angewiesen und im alltäglichen Leben bedarf er ständiger Korrektur und Hilfsinstrumente. Wissenschaft war fortan ein ständiges Suchen und Revidieren von Hypothesen, ein Optimieren von Hilfsinstrumenten, ein Verwerfen alter Überzeugungen. Mit diesem erkenntnistheoretischen Hintergrund wurden alte Denkmuster revidiert und unter anderem folgende Theorien entwickelt: Die Erde als Kugel (und nicht als Scheibe), die nicht sichtbare Gravitationskraft nach Newton, die Relativitätstheorie nach Einstein, die Heisenbergsche Unschärferelation, der Welle-Korpuskel-Dualismus des Lichts, das menschliche Genom als komplexe Informationsverarbeitung. Damit waren entscheidende Weichenstellungen für die systematische Erforschung der materiellen Welt gestellt. Francis Bacon (1561–1626) fasst die Arbeitsweise der empirischen Wissenschaft wie folgt zusammen: „Arbeitshypothese als Ausgangspunkt; Sammeln einschlägiger Erfahrung mittels des zweckmäßig angeordneten Experiments; Ziehen der Folgerungen und Formulierungen allgemeiner Sätze, Nachprüfung dieser durch erneute Experimente usw.“ Nachdem wir diese grundsätzlichen Ansätze zur naturwissenschaftlichen Forschung nachvollzogen haben, soll anscheinend gefragt werden, welche weiteren Herausforderungen hinzukommen, wenn der Mensch nun zum Mittelpunkt von wissenschaftlichen Untersuchungen wird.

Grundlagen medizinischer Forschung

Wird die Krone der Schöpfung zum Forschungsobjekt, tun sich einige Herausforderungen auf, die wir in den naturwissenschaftlichen Grundlagenfächern der Physik und Chemie nicht vorfinden. Der Mensch ist mehr als nur Materie und kann nicht im Labor mittels Experiment erforscht werden. Der Mensch ist nach biblischem Zeugnis sowohl Leib als auch Seele, sowohl materiell als auch immateriell. Der sichtbare Leib kann entsprechend seiner Gesetzmäßigkeiten naturwissenschaftlich erforscht werden. Die Pumpleistung des Herzens kann nach physikalischen Grundsätzen erklärt werden. Die Aktivitäten der Neuronen lassen sich elektrisch und chemisch genauer nachvollziehen. Das sich in unseren Genen befindliche hochkomplexe Informationssystem kann ebenso naturwissenschaftlich untersucht werden.
Im Wissen darum, dass der Mensch mehr ist als nur Materie, soll hier bewusst der Bereich der materiellen Seite des Menschen, also sein Körper, ausführlich thematisiert werden. Beispiele für naturwissenschaftliche Erklärungen von somatischen (körperlichen) und somato-psychischen (durch körperliche Ursachen verursachte psychische Erkrankungen) sind Folgende:

  • Genetische Erkrankungen (vererbt, erworben)
  • Infektionskrankheiten (Viren, Bakterien, Pilze, Parasiten)
  • Autoimmunerkrankungen (Immunsystem richtet sich gegen körpereigene Zellen)
  • Mechanische Einwirkungen (Unfälle, Verletzungen)
  • Chemische oder physikalische Einwirkungen (Vergiftungen, Verätzungen, Verbrennungen)
  • Mangelzustände (Vitamine, Mineralstoffe)
  • Degenerative Erkrankungen (Abnutzung von Organen, Zellen)
  • Tumorkrankheiten (Zellen entarten und wachsen unkontrolliert)
  • Iatrogene Erkrankungen (durch ärztliche Behandlung verursacht)

Die medizinische Forschung unterliegt dabei einigen Besonderheiten, die sie von den naturwissenschaftlichen Grundlagenfächern abgrenzt. Einige Erkenntnisse in der Medizin haben eine kurze Halbwertszeit, die Empfehlungen ändern sich laufend und es kommt zu einer raschen Weiterentwicklung von Medikamenten und Medizintechnik. Der Mediziner William Osler sagte zu seinen Medizinstudenten zugespitzt: „Meine Herren, ich muss ein Geständnis bei Ihnen ablegen. Die Hälfte dessen, was wir Ihnen beigebracht haben, war falsch. Aber wir wissen nicht, welche Hälfte.“ Die kurze Halbwertszeit der medizinischen Erkenntnisse ist zu einem großen Teil durch das Forschungsobjekt bedingt. Der Mensch kann nicht einfach in seine Einzelbestandteile zerlegt und dann erforscht werden. Dies führt dazu, dass bei der medizinischen Forschung und den pharmakologischen Studien unzählig viele Parameter den Ausgang der Ergebnisse beeinflussen können. Während bei einem physikalischen oder chemischen Experiment im Labor die einzelnen Einflussfaktoren gut voneinander getrennt werden können, funktioniert dies beim lebendigen Menschen nicht. Hier spielen unzählige physikalische, chemische, elektrische, biochemische, umweltbedingte Prozesse und Reaktionen hinein, die nicht voneinander separiert werden können. Kurz gesagt, lässt sich der Mensch nicht in ein Reagenzglas stecken. Um dieser Problematik Herr zu werden und dennoch eine möglichst hohe Aussagekraft zu erreichen, ist es wichtig, Studien durchzuführen, die einen hohen Grad an Gewissheit und Vorhersagekraft ermöglichen. Hierfür sind hohe Qualitätsanforderungen einzufordern. Leider erfüllen insgesamt betrachtet nur wenige Studien die hohen Qualitätsanforderungen, die für eine aussagekräftige Ergebnislage nötig wären.
Eine weitere Besonderheit der medizinischen Forschung liegt darin begründet, dass sie von moralischen Leitplanken begrenzt ist. Medizinische Forschung an Kindern, Schwangeren oder Embryonen ist nur eingeschränkt bis gar nicht möglich. Aussagekräftige Studien für dieses Patientenkollektiv lassen sich demnach schwerlich durchführen und finden.
Um eine wissenschaftliche Vorgehensweise in der Medizin zu untermauern, hat sich in der medizinischen Forschung das Prinzip der Falsifikation bewährt. Das Prinzip wurde dank des Wissenschaftsphilosophen Karl Popper zum Goldstandard. Eine medizinisch-wissenschaftliche These grenzt sich demnach von einer nicht-wissenschaftlichen These dadurch ab, dass sie widerlegbar, also falsifizierbar ist. Ein klassisches Beispiel einer nicht-wissenschaftlichen These ist die psychotherapeutische These, dass „die aktuell empfundene Angst durch eine Kindheit bedingt ist, in der negative Erfahrungen ins Unterbewusstsein verdrängt wurden.“ Diese Aussage lässt sich prinzipiell nicht mittels Untersuchungen oder Studien widerlegen und ist daher nicht falsifizierbar. Die These „das Medikament X senkt den Blutdruck bei regelmäßiger Einnahme um 20mmHg innerhalb von einem Monat“ ist falsifizierbar. Die Falsifizierbarkeit einer These ist das entscheidende Kriterium, um wissenschaftliche von nicht-wissenschaftlichen medizinischen Erklärungen und Therapieansätzen zu unterscheiden.

Alternative Erklärungsansätze

Wer wissenschaftliche Erklärungen von Krankheiten ablehnt, stützt sich häufig auf eigene Erklärungsmuster. Ich nenne sie isolierte Erklärungsansätze, auch Laienätiologie genannt. Dies sind Erklärungen, die jeder für seine eigenen Beschwerden automatisch erstellt, bevor eine reflektierte naturwissenschaftlich fundierte Überprüfung durchgeführt wird. Hierzu gehört beispielsweise die Überzeugung, dass Verdauungsbeschwerden von zu vielen giftigen Lebensmitteln verursacht werden. Oder die Überzeugung, dass Schielen durch eine Fehlstellung der Halswirbelsäule entstehe. Hierfür lässt sich neuroanatomisch keine Erklärung finden.
Die Antwort auf die eingangs erwähnte Vertrauenskrise in Bezug auf die Schulmedizin besteht häufig darin, alternative Behandlungen aufzusuchen. Dahinter steckt selten eine reflektierte Ablehnung der Grundannahmen der Schulmedizin, sondern häufiger negative Erfahrungen im Arztkontakt oder auch Erfahrungen mit eingenommenen Medikamenten, die nur unzureichend wirkten, dafür aber zahlreiche Nebenwirkungen hervorriefen. So wird in einem ersten Schritt zunächst auf Schulmedizin verzichtet, beispielsweise auf Vorsorgeuntersuchungen oder kurative Chemotherapien, und dann in einem zweiten Schritt eine alternative Behandlungsmethode (durch Internet-Recherche oder persönliche Weiterempfehlung) gesucht. Der oftmals als sehr hoch empfundene eigene Leidensdruck ist dabei ein Faktor, der eine objektive Einschätzung der alternativen Methode erschwert und eine hohe Bereitschaft bewirkt, auch ungewöhnliche, wenig erforschte Ansätze in Betracht zu ziehen.
Von der Laienätiologie abzugrenzen sind nicht-naturwissenschaftliche Erklärungsansätze, die monokausal arbeiten. Das bedeutet, dass sämtliche unterschiedliche Beschwerden und Symptomkomplexe auf eine einzelne Ursache zurückgeführt werden. Der Klassiker hierfür ist die Ernährung. Für die unterschiedlichsten Beschwerden wird eine falsche Ernährung als Ursache angeführt. Zum Beispiel werde der Mensch durch eine falsche Ernährung übersäuert, wodurch dann entsprechende Symptome aufträten. Die monokausalen Erklärungsansätze simplifizieren die hochkomplexe Welt des menschlichen Körpers und kreieren so eine vermeintlich einfache Lösung.
Ein weiterer großer Bereich alternativer Erklärungen von somatischen und psychischen Beschwerden, die sich bewusst von einer naturwissenschaftlichen Herangehensweise distanzieren, sind metaphysische Erklärungsansätze. Hierzu zählen unter anderem die Homöopathie und die Anthroposophie, die Erkrankungen als Energiestörung deuten, und viele weitere. Die Gedankengebäude der metaphysischen Erklärungsansätze widersprechen biblischen Grundaussagen. Unter Berufung auf andere Kräfte (in der Homöopathie die vis vitalis) oder Seins-Zustände (in der Anthroposophie die sogenannten Wesensglieder) werden immaterielle Wirkprinzipien aufgerufen, die nicht mit dem biblischen Verständnis von der Zweiteilung der Welt zwischen Schöpfer und Geschöpf vereinbar sind. Die biblische Lehre von der geschaffenen unsichtbaren Welt kennt neben den Engel- und Dämonenwesen keinen dritten Bereich.

Fazit

Ist die Schulmedizin angesichts dieser beschriebenen Vertrauenskrise also reformbedürftig oder vielleicht sogar bereits überholt? Wir haben im Verlauf feststellen können, dass die naturwissenschaftliche Methodik auf biblischen Grundprinzipien basiert.
Die Schulmedizin ist die einzige Denkrichtung innerhalb der
Medizin, die im Sinne der ausgeführten biblisch begründeten Grundannahmen arbeitet.
Sie ist dennoch wenig überraschend äußerst fehleranfällig und damit auf ständige Korrektur angewiesen. Entsprechend sollten wir keine falschen und zu hohen
Erwartungen an sie haben. Und doch sind die Grundannahmen der Schulmedizin der beste Weg, um in einer Welt, die von Sünde, Leid, Krankheit und begrenztem Wissen gezeichnet ist, den Leib des Menschen zu versorgen und zu behandeln. Auch innerhalb der Schulmedizin müssen die Kosten der Nebenwirkungen und der Nutzen der Behandlung immer wieder gut abgewogen und überdacht werden – hier gibt es keine leichten Patentantworten. Sich als Folge der eigenen frustrierenden Erfahrungen im Bereich der Schulmedizin den beschriebenen alternativen Behandlungsmethoden unhinterfragt auszusetzen, ist jedoch für Christen keine Lösung. Wie dargelegt wurde, sind hier oftmals bereits die Grundannahmen fehlgeleitet und gegen die Bibel gerichtet, sodass sie von vornherein abzulehnen sind.
Auch in der Schulmedizin wird es immer Grenzen und Fragestellungen geben, die nicht einfach aufzulösen sind. Leider steht die tägliche medizinische Praxis in großen Interessenskonflikten. Der Arzt steht durch die zunehmende Ökonomisierung unter ständigem wirtschaftlichem Druck. Durch die zunehmende Spezialisierung hat er sich vielfach von einem empathischen Begleiter zu einem Dienstleister gewandelt. Eine weitere grundsätzliche Grenze der Schulmedizin besteht darin, dass sie keine validen Antworten auf seelische Nöte geben kann. Die unsichtbare Seele lässt sich nicht naturwissenschaftlich erfassen. Woher kommt das Leid? Was kommt nach dem Tod? In welcher Relation steht der Mensch zu seinem Schöpfer? Diese Fragen sind dem naturwissenschaftlichen Zugang prinzipiell verwehrt, da sie sich auf Fragen des immateriellen Menschen beziehen. Wer auf diese Fragen echte Antworten in medizinischen Lehrwerken sucht, wird enttäuscht werden. Wer sie jedoch bei dem sucht, der den Leib und die Seele ins Dasein gerufen hat, wird fündig werden. Jeder Körper wird einmal aufhören zu leben, keine medizinische Intervention kann den Tod endgültig aufhalten. Aber es gibt Hoffnung. Jesus verheißt: „Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt.“ (Johannes 11,25) Darin liegt die große Chance von Christen im Gesundheitswesen. Sie sehen den Menschen in seiner gesamten Dimension, in seiner leiblichen und seiner seelischen. Nicht nur die leiblichen Nöte, sondern auch und vor allem die seelischen wollen in den Blick genommen werden.

[1] Vgl. https://www.tichyseinblick.de/meinungen/fuenf-gruende-die-rki-files-nicht-zu-ignorieren/ abgerufen am 21.07.2025
[2] Vgl. https://www.die-tagespost.de/leben/familie/kritik-an-neuer-transgender-leitlinie-art-261407 abgerufen am 21.07.2025 Zur inhaltlichen Auseinandersetzung u. a. zum Thema Pubertätsblocker s. den Artikel „Kein Weg zurück!“ auf Seite 39 in dieser CDK-Magazin Ausgabe
[3] Hinzu kommt die sich aktuell zuspitzende Problematik der Ökonomisierung und der Kassenfinanzierung, die ebenfalls ein wichtiger Faktor ist, jedoch nicht Gegenstand dieses Artikels sein soll und an anderer Stelle weiter zu behandeln ist.
[4] Hans Joachim Sötrig: Kleine Weltgeschichte der Philosophie. Frankfurt am Main: Fischer. 6. Auflage 2011. S. 317.
[5] Ebd. S. 320.
[6] Zitiert und übersetzt in Birkett, Kirsten: Das Verhältnis von Reformation und Wissenschaft. Konkurrenz oder Symbiose? https://www.iguw.de/textsammlung/2017/das-verhaeltnis-von-reformation-und-wissenschaft/ abgerufen am 20.05.25; S. 8.
[7] Damit sind kausalanalytische Grundannahmen gemeint.
[8] Vgl. Jason Lisle: Eine Frage der Logik und die Frage nach dem Ursprung. Bielefeld: CLV. 2022. S. 83ff.
[9] Hans Joachim Sötrig: Kleine Weltgeschichte der Philosophie. Frankfurt am Main: Fischer. 6. Auflage 2011. S. 320
[10] Ebd. S. 348.
[11] William Osler, Aequanimitas (1904), zitiert in: Harvey Cushing, The Life of Sir William Osler (1925), und zitiert von Kenneth M. Ludmerer, Time to Heal: American Medical Education from the Turn of the Century to the Era of Managed Care (1999).
[12] Hierzu gehören unter anderem eine hohe Probandenzahl, ein hochwertiges Studiendesign (Goldstandard doppelt-verblindet und randomisiert), ein ausreichend langer Beobachtungszeitraum.
[13] Karl R. Popper: Die Logik der Forschung. Tübingen: J. C. B. Mor (Paul Siebeck). 6. Auflage. 1976. S. 15.
[14] Vgl. hier den Artikel „Sauer macht krank?“ auf Seite 26.
[15] s. Artikel „Homöopathie“ auf Seite <?>; zudem https://cdkev.de/alternativmedizin.
[16] Hier sind die somato-physischen Genesen ausgenommen.