Osteopathie im wissenschaftlichen Diskurs

Die Osteopathie erfreut sich in den letzten Jahrzehnten in Deutschland und Europa zunehmender Beliebtheit. Während sie von vielen Patienten als sanfte und ganzheitliche Heilmethode geschätzt wird, sehen viele Mediziner die Praxis mit Skepsis. Vor allem der Mangel an standardisierter Ausbildung, die unklare Studienlage und das kommerzielle Potenzial werfen einige kritische Fragen auf. Doch was sind die Ursprünge und Überzeugungen dieses Behandlungskonzeptes?

Historische Entwicklung und Philosophie

Die Osteopathie wurde 1874 von Andrew Taylor Still in den USA begründet. Sie betrachtet den Körper als funktionelle Einheit, in der der körperliche Aufbau (Muskeln, Sehnen, Knochen) und die Funktionen (Beweglichkeit, Durchblutung) untrennbar miteinander verbunden sind. Still entwickelte die Osteopathie als Reaktion auf die damalige medizinische Praxis, die er als ausgebildeter Landarzt als unzureichend empfand. Die damalige Medizin agierte im Sinne der Humorallehre und konnte in vielen Fällen gar nicht oder nur ungenügend Krankheiten heilen und Beschwerden lindern. Meist wurden Aderlässe oder die Einnahme von Mineralien zum Ausgleich der „pathologischen Körperchemie“ empfohlen.
Still hingegen postulierte, dass der Körper nicht auf externe Hilfe angewiesen sei, sondern über Selbst­heilungskräfte verfüge. Mit diesen sind geistige Kräfte gemeint, die mittels bestimmter Techniken im Körper mobilisiert werden sollen. Die Osteopathie umfasst in der Lehre von Still manuelle Techniken wie beispielsweise Massagen oder spezielle Handgriffe, die Blockaden lösen sollen. Still war etwa davon überzeugt, dass das Haarwachstum durch Bestreichen der Wirbelsäule angeregt werden kann oder sich Krankheiten wie Diabetes mellitus und Malaria durch Manual-Therapie heilen lassen., Dieser Ansatz, den er als ganzheitlich bezeichnet, unterscheidet sich von der traditionellen Schulmedizin, die kausal und symptomorientiert arbeitet. Still distanzierte sich zeitlebens von Louis Pasteurs und Robert Kochs Forschungen zu Mikroorganismen als Auslöser von Krankheiten. Er vertrat die Ansicht, dass Körpersäfte durch Blockaden an Nerven oder durch anatomische Fehlstellungen in ihrem Fluss gehindert werden. Wenn man diese Blockaden manuell bekämpfe, käme der Körper in seinen gesunden Zustand zurück. Die Osteopathie beansprucht, ganzheitlich vorzugehen und die Behandlung nicht auf einzelne Symptome zu reduzieren. Dass die Schulmedizin lediglich Symptome lindern würde, ist der ihr bis heute entgegengebrachte Vorwurf. Ganzheitlich vorzugehen bedeutet also aus der Sicht des Osteopathen, dass stets der gesamte Körper betrachtet wird, nicht nur das betroffene Areal. Die Ganzheitlichkeit impliziert dabei ein nicht wissenschaftliches Konzept, bei dem der Körper in seinen Strukturen und Funktionen durch „falsche“ Körpersäfte und Blockaden krankhaft verändert sei.
Die Begriffe „Osteopathie“ und „Chiropraktik“ werden oft synonym verwendet, obwohl sie unterschiedliche therapeutische Ansätze repräsentieren. Die Osteopathie basiert auf der Annahme, dass der Körper in der Lage ist, sich selbst zu heilen. Die Chiropraktik hingegen wurde Ende des 19. Jahrhunderts von Daniel David Palmer entwickelt und fokussiert sich insbesondere auf Störungen der Wirbelsäule. Obwohl beide Therapieformen manuelle Techniken einsetzen, unterscheiden sie sich in ihrer Philosophie und Methodik. Die Osteopathie verfolgt einen esoterischen Ansatz, während sich die Chiropraktik stärker auf biomechanische Korrekturen konzentriert.

Hohe Nachfrage – trotz geringer wissenschaftlicher Fundierung

In Deutschland haben laut einer Forsa-Umfrage 27 % der Bevölkerung bereits osteopathische Behandlungen in Anspruch genommen, die meisten aufgrund chronischer Rückenschmerzen. Ein Behandlungserfolg über den Placebo-Effekt lässt sich lediglich für Kreuzschmerzen verzeichnen, die jedoch oft nicht somatischer Genese sind. Das bedeutet, dass keine körperliche Ursache hinter den Beschwerden steht, sondern zum Beispiel Stress. Ähnliche Erfolgsraten berichteten Dal Farra et al. in ihrer kontrollierten Studie aus dem Jahr 2021. Für andere Indikationen wie Säuglingskoliken, Asthma oder Migräne ist die Evidenzlage hingegen sehr schwach. Eine systematische Übersichtsarbeit der Cochrane Collaboration von Franke et al. fand keine ausreichende Evidenz zur Wirksamkeit osteopathischer Behandlungen bei Säuglingen. Auch ein Review von Guillaud et al. wies auf die geringe methodische Qualität vieler Studien hin. Insbesondere kleine Stichprobengrößen und fehlende Verblindung werden bemängelt.

Patienten erhoffen sich von der Osteopathie vor allem Schmerzlinderung, Verbesserung der Beweglichkeit und eine ganzheitliche Behandlung. Die individuelle Zuwendung und die Zeit, die Osteopathen für ihre Patienten aufbringen, werden dabei oft als besonders positiv wahrgenommen.

Ausbildung und Regulierung – ein zentrales Problem

Im Gegensatz zu approbierten medizinischen Berufen ist der Begriff „Osteopath“ in Deutschland nicht gesetzlich geschützt. Jeder Heilpraktiker oder Physiotherapeut darf sich nach einer Fortbildung als Osteopath bezeichnen. Das Deutsche Ärzteblatt kritisiert in einem Artikel aus dem Jahr 2020 diese rechtliche Grauzone, da Patienten kaum nachvollziehen können, auf welcher Grundlage ihr Behandler arbeitet. Der Berufsverband der Osteopathen Deutschland (VOD) fordert zwar seit Jahren eine staatliche Anerkennung mit standardisierter Ausbildung, bislang jedoch ohne Erfolg. In Ländern wie Frankreich oder Großbritannien ist die Osteopathie hingegen stärker reguliert, was zumindest einen gewissen Qualitätsstandard gewährleistet. Auch die Chiropraktik ist in Deutschland nicht eigenständig gesetzlich geregelt. In anderen Ländern hingegen sehr wohl – dort erfolgt die Ausbildung an medizinischen Hochschulen oder Universitäten mit Abschluss eines Doctor of Chiropractic.

Kommerzialisierung und Fehlanwendungen

Ein weiteres Problem: Die Osteopathie ist ein lukratives Geschäft. Behandlungen kosten zwischen 80 und 150 Euro pro Sitzung, oft werden fünf bis zehn Sitzungen empfohlen – auch ohne klare medizinische Indikation. Private Krankenkassen und einige gesetzliche übernehmen Teile der Kosten, obwohl der Nutzen in vielen Fällen nicht wissenschaftlich belegt ist.
Die Bundesärztekammer warnt wiederholt vor der osteopathisch manipulativen Behandlung bei Kindern, da Risiken wie Frakturen oder neurologische Schäden bei unsachgemäßer Technik auftreten können. Ich selbst kenne mehrere Patienten, die aufgrund mangelnder Fachkenntnis von Osteopathen im Krankenhaus behandelt werden mussten. Ein Schicksal ist mir besonders in Erinnerung geblieben: Eine junge Mutter wollte sich beim Chiropraktiker aufgrund ihrer Nackenschmerzen behandeln lassen. Beim „Einrenken“ kam es zu einer Dissektion einer hirnversorgenden Arterie, weshalb die Patientin einen schweren Schlaganfall erlitt und bis heute mit neurologischen Ausfällen zu kämpfen hat.
säkulare Vor- und Nachteile der Osteopathie

Vorteile Nachteile
sanfte, manuelle Behandlungsmethode
(im Gegensatz zur Chiropraktik)
fehlende wissenschaftliche Evidenz für viele
Anwendungsgebiete
individuelle Betreuung des Patienten hohe Kosten, oft nicht vollständig von
Krankenkassen übernommen
viel Zeit pro Behandlungseinheit Risiko von Fehlbehandlungen
keine gesetzlich geschützte
Berufsbezeichnung in Deutschland

Osteopathie – eine Option für Christen?

Die Bibel warnt deutlich vor Praktiken, die sich auf verborgene „Kräfte“ oder energetische Prinzipien berufen, ohne sich auf Gott zu stützen. Die christliche Ethik verlangt eine kritische Unterscheidung: Unterstützt eine Methode den Heilungsprozess des Individuums auf Grundlage naturwissenschaftlicher Prinzipien oder bewegt sie sich im spirituellen Rahmen, der den Gott der Bibel ausklammert?
In der Bibel ist Heilung letztlich immer Gnade – ein Geschenk Gottes. Jesus heilte Kranke nicht durch Techniken, sondern durch göttliche Autorität. Die Bibel macht deutlich, dass sie medizinische Behandlungen an sich bestätigt. Dort, wo jedoch Heilungskräfte aus dem spirituell-esoterischen Bereich postuliert werden, ist für Christen eine klare Grenze überschritten. Des Weiteren widerspricht der sogenannte ganzheitliche Ansatz der Osteopathie der biblischen Lehre. Die Osteopathie suggeriert, dass Heilung durch Aktivierung verborgener Kräfte erreichbar ist. Das Heilungsverständnis der Homöopathie nach Hahnemann weist an dieser Stelle einige Parallelen auf. Ein solches Verständnis widerspricht dem biblischen Zeugnis. Ganzheitliche Heilung schließt Versöhnung mit Gott, geistliche Erneuerung und Gemeinschaft mit dem Schöpfer ein – nicht nur körperliche Wiederherstellung. Zuletzt haben wir als Christen den Auftrag, für die Wahrheit einzustehen. Auch auf naturwissenschaftlicher Ebene ist das Osteopathie-Konzept nicht schlüssig. Ein Behandlungskonzept, das Krankheit als Blockade von Körpersäften voraussetzt und diese Blockaden durch bestimmte manuelle Techniken lösen will, lässt sich definitiv nicht in die Erkenntnisse der aktuellen naturwissenschaftlichen Forschung einordnen und sollte daher nicht unterstützt werden.

[1] Die Humorallehre versteht sich als medizinisches Behandlungskonzept des 19. Jahrhunderts, bei der man die Entstehung von Krankheit auf eine Dysbalance der körpereigenen Säfte zurückführte.
[2] https://www.rancholoscerritos.org/medicine-and-health-from-the-mid-19th-to-early-20th-century/ zuletzt abgerufen am 21.07.2025
[3] Mit Selbstheilungskräften können einerseits physiologische Vorgänge im Körper beschrieben werden, die jederzeit aktiv sind, um beispielsweise Infektionen zu bekämpfen oder geschädigtes Erbgut zu reparieren. Meist werden jedoch, wie bei der Osteopathie, geistige Kräfte gemeint.
[4] Still, A.T. (1899). The Philosophy and Mechanical Principles of Osteopathy.
[5] Andrew Taylor Still: Autobiography of Andrew T. Still: With a history of the discovery and development of the science of osteopathy, together with an account of the founding of the American School of Osteopathy. 1897, S. 181.
[6] Andrew Taylor Still: OSTEOPATHY, Research and Practice. 1910.
[7] Dieser Vorwurf kann bei genauerer Betrachtung nicht aufrechterhalten werden. Ein guter Arzt beachtet die Zusammenhänge unterschiedlicher Körperfunktionen und handelt, wann immer möglich, kausal. Er strebt also danach, die Ursache der Symptome zu finden und zu beheben.
[8] Chila, A.G. (2011). Foundations of Osteopathic Medicine. 3. Auflage.
[9] Gatterman, M.I. (2005). Foundations of Chiropractic. Mosby.
[10] Johnson, C. (2008). Comparing chiropractic and osteopathy: What are the differences?
[11] Forsa-Umfrage im Auftrag des VOD (2018). https://www.osteopathie.de/up/datei/forsa_umfrage_osteopathie_2021.pdf zuletzt abgerufen am 21.07.2025
[12] Licciardone, J.C. et al. (2013). Osteopathic manipulative treatment for low back pain: A systematic review and meta-analysis. BMC Musculoskelet Disord. 14: 265.
[13] Dal Farra, F. et al. (2021). Osteopathic manipulative treatment in patients with chronic low back pain: A randomized controlled trial. Complement Ther Med. 58:102686.
[14] Franke, H. et al. (2014). Osteopathy for children: A systematic review. Cochrane Database Syst Review.
[15] Guillaud, A. et al. (2016). Osteopathic manipulative treatment for chronic nonspecific low back pain. BMJ Open, 6(5): e010512.
[16] Deutsche Gesellschaft für Osteopathische Medizin (DGOM). Ausbildungsrichtlinien.
[17] Deutsches Ärzteblatt (2020). Berufsbild Osteopath: Zwischen Anspruch und Realität.
[18] World Federation of Chiropractic (WFC). Educational Guidelines.
[19] Stiftung Warentest (2017). Osteopathie – was bringt sie wirklich?
[20] Bundesärztekammer (2020). Stellungnahme zur Anwendung von OMT.
[21] Eine Dissektion bezeichnet den Einriss einer Schicht der Gefäßwand, weshalb es zur Verlegung und damit zum unterbrochenen Blutfluss im Blutgefäß kommt.
[22] Siehe 5.Mose 18,10–12.
[23] Siehe dazu auch den Artikel „Homöopathie“ auf Seite 05


Ist die Schulmedizin überholt?

Die Ärzteschaft befindet sich spätestens seit den Corona-Maßnahmen in einer Vertrauenskrise. Die Maßnahmen wurden als einzig mögliche und medizinisch untermauerte Vorgehensweise deklariert, die tödliche Erkrankungsverläufe verhindern sollte. Die RKI-Files zeigen, dass die nach außen propagierte medizinische Notwendigkeit und Alternativlosigkeit dieses Vorgehens die Folge politischer Vorgaben war. Einige Mediziner des RKIs waren zu Recht kritisch, leider jedoch auch nicht mutig und entschlossen genug, diese Position öffentlichkeitswirksam zu vertreten.
Ein weiteres Beispiel dafür, dass dort, wo im Namen medizinischer Rahmenbedingungen mit dem Ziel gehandelt wird, das „Beste für die Gesundheit des Patienten zu bewirken“ nicht unbedingt von medizinisch wissenschaftlichen Grundlagen, sondern höchst politisch motivierten Grundsätzen ausgegangen wird, ist die neue Leitlinie zur Diagnostik und Behandlung von Geschlechtsdysphorie im Kindes- und Jugendalter. Viele Länder ziehen beim Einsatz von Pubertätsblockern die Notbremse, indem sie diese entweder verbieten oder zumindest stark einschränken. Sie tun es, weil Studien zeigen, dass die Pubertätsblocker nicht den erhofften positiven Effekt erbrachten. Vielmehr sind sie mit zahlreichen und mutmaßlich unumkehrbaren Nebenwirkungen behaftet. Die deutsche Leitlinie empfiehlt die Pubertätsblocker im Gegensatz zum ausländischen Vorgehen nicht nur an sich als großartige Möglichkeit, Leiden zu lindern. Sie heben sogar jegliche Altersgrenze für deren Einsatz auf. Die Leitlinie liest sich wie ein Echoraum der Genderideologie statt einer klaren medizinisch-naturwissenschaftlichen Empfehlung.
Auch die Erfahrung im Sprechzimmer von Ärzten geht häufig mit dem Erleben einher, als Patient lediglich auf körperliche Symptome reduziert zu werden. Wer beispielsweise über Schlafstörungen klagt, erhält häufig nach kurzer Zeit ein Rezept mit Schlafmedikamenten und allgemeine Ratschläge zur Schlafhygiene, mit denen man die Praxis verlässt. Genauere Ursachen, die zur Schlafstörung führen können, werden selten erörtert. Eine ganzheitliche Betrachtungsweise der Beschwerden wird – auch in Anbetracht des Zeitdrucks, unter dem der Arzt zu arbeiten hat – selten angestrebt.
Die Antwort auf diese Entwicklungen in der Medizin besteht mehrfach darin, sich alternativen Heilmethoden zuzuwenden. Das Versprechen: Zeitintensive und ganzheitliche Betrachtung der jeweiligen Beschwerden und eine den gesamten Menschen umfassende Therapie. Sind die Grundlagen der Schulmedizin nicht mehr als plausible Erklärungsmuster anzuerkennen und müssten durch einen anderen, ganzheitlicheren medizinischen Ansatz überholt oder ersetzt werden? Dieser Frage soll im Folgenden auf den Grund gegangen werden. Dazu müssen wir zunächst betrachten, woher der bisherige medizinisch wissenschaftliche Ansatz stammt und worin er ideengeschichtlich seinen Ursprung hat. In einem zweiten Schritt wird dann der Frage nachgegangen, ob sich dieser Grundsatz mit dem biblischen Verständnis von Naturwissenschaft deckt und welche Konsequenzen dies für uns als Christen im Umgang mit Medizin und Alternativmedizin hat.

Grundlage naturwissenschaftlicher Forschung

Ein Blick in die Ursprünge der naturwissenschaftlichen Forschung gibt erste Antworten auf die Frage, warum wir Medizin so wie bisher betreiben. Der Beginn der naturwissenschaftlich-systematischen Grundlagenforschung fällt in die Zeit der Reformation und des Humanismus. Dieser Zeit war die Forderung des Philosophen Roger Bacon (ca. 1220–1292) vorausgegangen, „nach einer Wissenschaft und Philosophie [zu streben], die sich unter Zurückweisung jeder anderen Autorität allein auf unmittelbare Erfahrung und Beobachtung der Natur gründet, [sie ist] ein Fanfarenstoß, der das gewaltige Drama der Entfaltung moderner abendländischer Naturwissenschaft einleitet.“ Der deutsche Universalforscher, Mathematiker und evangelische Theologe Johannes Kepler (1571–1630) fasst es mit folgender Formel zusammen: „Ubi materia, ibi geometria“ – wo Materie ist, da ist Mathematik und „formuliert damit zum ersten Mal das für alle folgende Naturwissenschaft bestimmende mathematische Erkenntnisideal.“
Die naturwissenschaftlichen Erkenntnisse sind dann im weiteren Verlauf die Basis für die moderne Medizin.
Was befeuerte die naturwissenschaftliche Forschung ab dem
16. Jahrhundert? Es war die tiefe Überzeugung, dass die Welt durch einen intelligenten und überaus weisen Schöpfer ins Dasein gerufen wurde.
Hinzu kam die Überzeugung, dass es Regelmäßigkeiten und mathematisch erfassbare Gesetzmäßigkeiten zu entdecken gibt. Eine Vielzahl der Forscher war der Ansicht, dass die Natur-Erforschung denjenigen ehrt, der die Schöpfung kreiert hat, nämlich Gott selbst. Der englische Philosoph und Arzt Thomas Browne formuliert es im 17. Jahrhundert folgendermaßen: „Die Weisheit Gottes erfährt geringe Ehre von solch gewöhnlichen Köpfen, die ordinär herumstarren und sich über Seine Werke mit dörflicher Plumpheit wundern: jene aber verherrlichen Ihn, deren besonnene Untersuchung Seiner Taten und bewusste Erforschung Seiner Kreaturen ihm die Pflicht gottesfürchtiger und gebildeter Bewunderung wiederzugeben.“ Genauso, wie die Bibel studiert und verstanden werden kann, so liegt auch das Buch der Natur offen da: „Die Himmel erzählen die Herrlichkeit Gottes, und die Ausdehnung verkündigt das Werk seiner Hände.“ (Psalm 19,2) Ursache-Wirkungs-Prinzipien hinsichtlich der Erforschung der Natur sind deshalb zielführend, weil Gott die Welt den Gesetzen der Logik folgend erschaffen hat. Die Eigenschaften der Logik sind abstrakt, immateriell, universell, unveränderlich und ausnahmslos. Diese Eigenschaften sind nur unter der Annahme eines ewigen Absolutums möglich. Mit anderen Worten: Logik lässt sich nur begründen, wenn Gott existiert.
Gesetzmäßigkeit bedeutet außerdem Uniformität in der Natur. Weil Gott die Welt in einer geordneten, gesetzmäßigen Weise erschaffen hat, läuft sie nach den immer gleichen Gesetzmäßigkeiten ab und kann daher verstanden und beschrieben werden, ja sogar vor­hergesagt werden. Die Überzeugung, dass alles einer einheitlichen Gesetzmäßigkeit gehorcht, bewegte beispielsweise Johannes Kepler „bei allen seinen Entdeckungen, man kann geradezu sagen, dass diese geboren sind aus dem Bestreben, seine metaphysische Überzeugung von der harmonischen Regelmäßigkeit und Gesetzmäßigkeit alles Geschaffenen exakt zu begründen.“ So nutzte Kepler seine neuesten Erkenntnisse, um zukünftige Planetenkonstellationen exakt vorhersagen zu können.
Zudem unterstützte die wiederentdeckte theologische Erkenntnis, dass der Mensch in Sünde geboren ist, die naturwissenschaftliche Forschung. Sünde bedeutet, dass der Mensch fehlerhaft ist. Er ist für das ewige Leben auf Rettung angewiesen und im alltäglichen Leben bedarf er ständiger Korrektur und Hilfsinstrumente. Wissenschaft war fortan ein ständiges Suchen und Revidieren von Hypothesen, ein Optimieren von Hilfsinstrumenten, ein Verwerfen alter Überzeugungen. Mit diesem erkenntnistheoretischen Hintergrund wurden alte Denkmuster revidiert und unter anderem folgende Theorien entwickelt: Die Erde als Kugel (und nicht als Scheibe), die nicht sichtbare Gravitationskraft nach Newton, die Relativitätstheorie nach Einstein, die Heisenbergsche Unschärferelation, der Welle-Korpuskel-Dualismus des Lichts, das menschliche Genom als komplexe Informationsverarbeitung. Damit waren entscheidende Weichenstellungen für die systematische Erforschung der materiellen Welt gestellt. Francis Bacon (1561–1626) fasst die Arbeitsweise der empirischen Wissenschaft wie folgt zusammen: „Arbeitshypothese als Ausgangspunkt; Sammeln einschlägiger Erfahrung mittels des zweckmäßig angeordneten Experiments; Ziehen der Folgerungen und Formulierungen allgemeiner Sätze, Nachprüfung dieser durch erneute Experimente usw.“ Nachdem wir diese grundsätzlichen Ansätze zur naturwissenschaftlichen Forschung nachvollzogen haben, soll anscheinend gefragt werden, welche weiteren Herausforderungen hinzukommen, wenn der Mensch nun zum Mittelpunkt von wissenschaftlichen Untersuchungen wird.

Grundlagen medizinischer Forschung

Wird die Krone der Schöpfung zum Forschungsobjekt, tun sich einige Herausforderungen auf, die wir in den naturwissenschaftlichen Grundlagenfächern der Physik und Chemie nicht vorfinden. Der Mensch ist mehr als nur Materie und kann nicht im Labor mittels Experiment erforscht werden. Der Mensch ist nach biblischem Zeugnis sowohl Leib als auch Seele, sowohl materiell als auch immateriell. Der sichtbare Leib kann entsprechend seiner Gesetzmäßigkeiten naturwissenschaftlich erforscht werden. Die Pumpleistung des Herzens kann nach physikalischen Grundsätzen erklärt werden. Die Aktivitäten der Neuronen lassen sich elektrisch und chemisch genauer nachvollziehen. Das sich in unseren Genen befindliche hochkomplexe Informationssystem kann ebenso naturwissenschaftlich untersucht werden.
Im Wissen darum, dass der Mensch mehr ist als nur Materie, soll hier bewusst der Bereich der materiellen Seite des Menschen, also sein Körper, ausführlich thematisiert werden. Beispiele für naturwissenschaftliche Erklärungen von somatischen (körperlichen) und somato-psychischen (durch körperliche Ursachen verursachte psychische Erkrankungen) sind Folgende:

  • Genetische Erkrankungen (vererbt, erworben)
  • Infektionskrankheiten (Viren, Bakterien, Pilze, Parasiten)
  • Autoimmunerkrankungen (Immunsystem richtet sich gegen körpereigene Zellen)
  • Mechanische Einwirkungen (Unfälle, Verletzungen)
  • Chemische oder physikalische Einwirkungen (Vergiftungen, Verätzungen, Verbrennungen)
  • Mangelzustände (Vitamine, Mineralstoffe)
  • Degenerative Erkrankungen (Abnutzung von Organen, Zellen)
  • Tumorkrankheiten (Zellen entarten und wachsen unkontrolliert)
  • Iatrogene Erkrankungen (durch ärztliche Behandlung verursacht)

Die medizinische Forschung unterliegt dabei einigen Besonderheiten, die sie von den naturwissenschaftlichen Grundlagenfächern abgrenzt. Einige Erkenntnisse in der Medizin haben eine kurze Halbwertszeit, die Empfehlungen ändern sich laufend und es kommt zu einer raschen Weiterentwicklung von Medikamenten und Medizintechnik. Der Mediziner William Osler sagte zu seinen Medizinstudenten zugespitzt: „Meine Herren, ich muss ein Geständnis bei Ihnen ablegen. Die Hälfte dessen, was wir Ihnen beigebracht haben, war falsch. Aber wir wissen nicht, welche Hälfte.“ Die kurze Halbwertszeit der medizinischen Erkenntnisse ist zu einem großen Teil durch das Forschungsobjekt bedingt. Der Mensch kann nicht einfach in seine Einzelbestandteile zerlegt und dann erforscht werden. Dies führt dazu, dass bei der medizinischen Forschung und den pharmakologischen Studien unzählig viele Parameter den Ausgang der Ergebnisse beeinflussen können. Während bei einem physikalischen oder chemischen Experiment im Labor die einzelnen Einflussfaktoren gut voneinander getrennt werden können, funktioniert dies beim lebendigen Menschen nicht. Hier spielen unzählige physikalische, chemische, elektrische, biochemische, umweltbedingte Prozesse und Reaktionen hinein, die nicht voneinander separiert werden können. Kurz gesagt, lässt sich der Mensch nicht in ein Reagenzglas stecken. Um dieser Problematik Herr zu werden und dennoch eine möglichst hohe Aussagekraft zu erreichen, ist es wichtig, Studien durchzuführen, die einen hohen Grad an Gewissheit und Vorhersagekraft ermöglichen. Hierfür sind hohe Qualitätsanforderungen einzufordern. Leider erfüllen insgesamt betrachtet nur wenige Studien die hohen Qualitätsanforderungen, die für eine aussagekräftige Ergebnislage nötig wären.
Eine weitere Besonderheit der medizinischen Forschung liegt darin begründet, dass sie von moralischen Leitplanken begrenzt ist. Medizinische Forschung an Kindern, Schwangeren oder Embryonen ist nur eingeschränkt bis gar nicht möglich. Aussagekräftige Studien für dieses Patientenkollektiv lassen sich demnach schwerlich durchführen und finden.
Um eine wissenschaftliche Vorgehensweise in der Medizin zu untermauern, hat sich in der medizinischen Forschung das Prinzip der Falsifikation bewährt. Das Prinzip wurde dank des Wissenschaftsphilosophen Karl Popper zum Goldstandard. Eine medizinisch-wissenschaftliche These grenzt sich demnach von einer nicht-wissenschaftlichen These dadurch ab, dass sie widerlegbar, also falsifizierbar ist. Ein klassisches Beispiel einer nicht-wissenschaftlichen These ist die psychotherapeutische These, dass „die aktuell empfundene Angst durch eine Kindheit bedingt ist, in der negative Erfahrungen ins Unterbewusstsein verdrängt wurden.“ Diese Aussage lässt sich prinzipiell nicht mittels Untersuchungen oder Studien widerlegen und ist daher nicht falsifizierbar. Die These „das Medikament X senkt den Blutdruck bei regelmäßiger Einnahme um 20mmHg innerhalb von einem Monat“ ist falsifizierbar. Die Falsifizierbarkeit einer These ist das entscheidende Kriterium, um wissenschaftliche von nicht-wissenschaftlichen medizinischen Erklärungen und Therapieansätzen zu unterscheiden.

Alternative Erklärungsansätze

Wer wissenschaftliche Erklärungen von Krankheiten ablehnt, stützt sich häufig auf eigene Erklärungsmuster. Ich nenne sie isolierte Erklärungsansätze, auch Laienätiologie genannt. Dies sind Erklärungen, die jeder für seine eigenen Beschwerden automatisch erstellt, bevor eine reflektierte naturwissenschaftlich fundierte Überprüfung durchgeführt wird. Hierzu gehört beispielsweise die Überzeugung, dass Verdauungsbeschwerden von zu vielen giftigen Lebensmitteln verursacht werden. Oder die Überzeugung, dass Schielen durch eine Fehlstellung der Halswirbelsäule entstehe. Hierfür lässt sich neuroanatomisch keine Erklärung finden.
Die Antwort auf die eingangs erwähnte Vertrauenskrise in Bezug auf die Schulmedizin besteht häufig darin, alternative Behandlungen aufzusuchen. Dahinter steckt selten eine reflektierte Ablehnung der Grundannahmen der Schulmedizin, sondern häufiger negative Erfahrungen im Arztkontakt oder auch Erfahrungen mit eingenommenen Medikamenten, die nur unzureichend wirkten, dafür aber zahlreiche Nebenwirkungen hervorriefen. So wird in einem ersten Schritt zunächst auf Schulmedizin verzichtet, beispielsweise auf Vorsorgeuntersuchungen oder kurative Chemotherapien, und dann in einem zweiten Schritt eine alternative Behandlungsmethode (durch Internet-Recherche oder persönliche Weiterempfehlung) gesucht. Der oftmals als sehr hoch empfundene eigene Leidensdruck ist dabei ein Faktor, der eine objektive Einschätzung der alternativen Methode erschwert und eine hohe Bereitschaft bewirkt, auch ungewöhnliche, wenig erforschte Ansätze in Betracht zu ziehen.
Von der Laienätiologie abzugrenzen sind nicht-naturwissenschaftliche Erklärungsansätze, die monokausal arbeiten. Das bedeutet, dass sämtliche unterschiedliche Beschwerden und Symptomkomplexe auf eine einzelne Ursache zurückgeführt werden. Der Klassiker hierfür ist die Ernährung. Für die unterschiedlichsten Beschwerden wird eine falsche Ernährung als Ursache angeführt. Zum Beispiel werde der Mensch durch eine falsche Ernährung übersäuert, wodurch dann entsprechende Symptome aufträten. Die monokausalen Erklärungsansätze simplifizieren die hochkomplexe Welt des menschlichen Körpers und kreieren so eine vermeintlich einfache Lösung.
Ein weiterer großer Bereich alternativer Erklärungen von somatischen und psychischen Beschwerden, die sich bewusst von einer naturwissenschaftlichen Herangehensweise distanzieren, sind metaphysische Erklärungsansätze. Hierzu zählen unter anderem die Homöopathie und die Anthroposophie, die Erkrankungen als Energiestörung deuten, und viele weitere. Die Gedankengebäude der metaphysischen Erklärungsansätze widersprechen biblischen Grundaussagen. Unter Berufung auf andere Kräfte (in der Homöopathie die vis vitalis) oder Seins-Zustände (in der Anthroposophie die sogenannten Wesensglieder) werden immaterielle Wirkprinzipien aufgerufen, die nicht mit dem biblischen Verständnis von der Zweiteilung der Welt zwischen Schöpfer und Geschöpf vereinbar sind. Die biblische Lehre von der geschaffenen unsichtbaren Welt kennt neben den Engel- und Dämonenwesen keinen dritten Bereich.

Fazit

Ist die Schulmedizin angesichts dieser beschriebenen Vertrauenskrise also reformbedürftig oder vielleicht sogar bereits überholt? Wir haben im Verlauf feststellen können, dass die naturwissenschaftliche Methodik auf biblischen Grundprinzipien basiert.
Die Schulmedizin ist die einzige Denkrichtung innerhalb der
Medizin, die im Sinne der ausgeführten biblisch begründeten Grundannahmen arbeitet.
Sie ist dennoch wenig überraschend äußerst fehleranfällig und damit auf ständige Korrektur angewiesen. Entsprechend sollten wir keine falschen und zu hohen
Erwartungen an sie haben. Und doch sind die Grundannahmen der Schulmedizin der beste Weg, um in einer Welt, die von Sünde, Leid, Krankheit und begrenztem Wissen gezeichnet ist, den Leib des Menschen zu versorgen und zu behandeln. Auch innerhalb der Schulmedizin müssen die Kosten der Nebenwirkungen und der Nutzen der Behandlung immer wieder gut abgewogen und überdacht werden – hier gibt es keine leichten Patentantworten. Sich als Folge der eigenen frustrierenden Erfahrungen im Bereich der Schulmedizin den beschriebenen alternativen Behandlungsmethoden unhinterfragt auszusetzen, ist jedoch für Christen keine Lösung. Wie dargelegt wurde, sind hier oftmals bereits die Grundannahmen fehlgeleitet und gegen die Bibel gerichtet, sodass sie von vornherein abzulehnen sind.
Auch in der Schulmedizin wird es immer Grenzen und Fragestellungen geben, die nicht einfach aufzulösen sind. Leider steht die tägliche medizinische Praxis in großen Interessenskonflikten. Der Arzt steht durch die zunehmende Ökonomisierung unter ständigem wirtschaftlichem Druck. Durch die zunehmende Spezialisierung hat er sich vielfach von einem empathischen Begleiter zu einem Dienstleister gewandelt. Eine weitere grundsätzliche Grenze der Schulmedizin besteht darin, dass sie keine validen Antworten auf seelische Nöte geben kann. Die unsichtbare Seele lässt sich nicht naturwissenschaftlich erfassen. Woher kommt das Leid? Was kommt nach dem Tod? In welcher Relation steht der Mensch zu seinem Schöpfer? Diese Fragen sind dem naturwissenschaftlichen Zugang prinzipiell verwehrt, da sie sich auf Fragen des immateriellen Menschen beziehen. Wer auf diese Fragen echte Antworten in medizinischen Lehrwerken sucht, wird enttäuscht werden. Wer sie jedoch bei dem sucht, der den Leib und die Seele ins Dasein gerufen hat, wird fündig werden. Jeder Körper wird einmal aufhören zu leben, keine medizinische Intervention kann den Tod endgültig aufhalten. Aber es gibt Hoffnung. Jesus verheißt: „Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt.“ (Johannes 11,25) Darin liegt die große Chance von Christen im Gesundheitswesen. Sie sehen den Menschen in seiner gesamten Dimension, in seiner leiblichen und seiner seelischen. Nicht nur die leiblichen Nöte, sondern auch und vor allem die seelischen wollen in den Blick genommen werden.

[1] Vgl. https://www.tichyseinblick.de/meinungen/fuenf-gruende-die-rki-files-nicht-zu-ignorieren/ abgerufen am 21.07.2025
[2] Vgl. https://www.die-tagespost.de/leben/familie/kritik-an-neuer-transgender-leitlinie-art-261407 abgerufen am 21.07.2025 Zur inhaltlichen Auseinandersetzung u. a. zum Thema Pubertätsblocker s. den Artikel „Kein Weg zurück!“ auf Seite 39 in dieser CDK-Magazin Ausgabe
[3] Hinzu kommt die sich aktuell zuspitzende Problematik der Ökonomisierung und der Kassenfinanzierung, die ebenfalls ein wichtiger Faktor ist, jedoch nicht Gegenstand dieses Artikels sein soll und an anderer Stelle weiter zu behandeln ist.
[4] Hans Joachim Sötrig: Kleine Weltgeschichte der Philosophie. Frankfurt am Main: Fischer. 6. Auflage 2011. S. 317.
[5] Ebd. S. 320.
[6] Zitiert und übersetzt in Birkett, Kirsten: Das Verhältnis von Reformation und Wissenschaft. Konkurrenz oder Symbiose? https://www.iguw.de/textsammlung/2017/das-verhaeltnis-von-reformation-und-wissenschaft/ abgerufen am 20.05.25; S. 8.
[7] Damit sind kausalanalytische Grundannahmen gemeint.
[8] Vgl. Jason Lisle: Eine Frage der Logik und die Frage nach dem Ursprung. Bielefeld: CLV. 2022. S. 83ff.
[9] Hans Joachim Sötrig: Kleine Weltgeschichte der Philosophie. Frankfurt am Main: Fischer. 6. Auflage 2011. S. 320
[10] Ebd. S. 348.
[11] William Osler, Aequanimitas (1904), zitiert in: Harvey Cushing, The Life of Sir William Osler (1925), und zitiert von Kenneth M. Ludmerer, Time to Heal: American Medical Education from the Turn of the Century to the Era of Managed Care (1999).
[12] Hierzu gehören unter anderem eine hohe Probandenzahl, ein hochwertiges Studiendesign (Goldstandard doppelt-verblindet und randomisiert), ein ausreichend langer Beobachtungszeitraum.
[13] Karl R. Popper: Die Logik der Forschung. Tübingen: J. C. B. Mor (Paul Siebeck). 6. Auflage. 1976. S. 15.
[14] Vgl. hier den Artikel „Sauer macht krank?“ auf Seite 26.
[15] s. Artikel „Homöopathie“ auf Seite <?>; zudem https://cdkev.de/alternativmedizin.
[16] Hier sind die somato-physischen Genesen ausgenommen.


Homöopathie – sanfte Medizin

Die Homöopathie ist eine heute weit verbreitete Heilmethode, die dem Spektrum der Alternativmedizin zugerechnet wird. Ihr Ansatz gilt so manchem als harmlos, schonend und doch wirksam. Dabei sind das Wirkprinzip und die Hintergründe dieser Methode vielen Zeitgenossen unbekannt. Von Verfechtern werden oft individuelle positive Erfahrungen als Argument für die Homöopathie angeführt. Gerade der angeblich natürliche und ganzheitliche Ansatz mit wenigen Nebenwirkungen vermag es, Begeisterung zu erwecken.

Ursprung der Homöopathie

Begründet wurde die Homöopathie von dem deutschen Arzt Samuel Hahnemann (1755–1843). Neben seinem Arztberuf war er als Naturforscher und begabter Übersetzer tätig. Als Arzt kritisierte er zunehmend die Schulmedizin seiner Zeit und entwickelte mit der Homöopathie eine eigene Krankheitslehre. Er nahm die Missstände der damaligen Medizin deutlich wahr und distanzierte sich aus tiefer Unzufriedenheit zunehmend von der Schulmedizin und der Mehrheit seiner Kollegen. Aus heutiger Sicht ist Hahnemanns Kritik an der damaligen ärztlichen Kunst durchaus nachzuvollziehen. Er lebte in einer Zeit, in der die Schulmedizin noch lange nicht so weit fortgeschritten war wie heutzutage. Die ärztlichen Behandlungen jener Zeit bestanden zu großen Teilen aus Aderlässen und anderen ausleitenden Verfahren wie der Gabe von Brech- und Abführmitteln. Das Krankheitsverständnis beruhte noch auf der Lehre der Körpersäfte, die von griechischen Denkern wie Galenos von Pergamon (ungefähr 129–199 n. Chr.) formuliert wurde. Man war der Ansicht, Krankheiten würden durch ein Ungleichgewicht der Körpersäfte wie Blut, Galle oder Schleim entstehen. Die Aufgabe des Arztes war es, dieses angebliche Ungleichgewicht durch Arzneimittel, spezielle Diäten oder chirurgische Maßnahmen wieder auszubalancieren. Oft waren solche Maßnahmen aber eher kontraproduktiv und bewirkten eine Zustandsverschlechterung des Patienten. Beispielsweise führten strenge Diäten zu Schwächezuständen und Aderlässe zu Blutarmut. Nicht wenige fanden durch solche Behandlungen den Tod. Ein prominentes Beispiel hierfür finden wir in Kaiser Leopold II., der nicht zuletzt aus dem Grund starb, weil seine Ärzte ihm vier Mal hintereinander einen Aderlass verordnet hatten. Heute gilt die Körpersäftelehre als überholt und unwissenschaftlich. Seine eigens entworfene Methode der Homöopathie bezeichnete Hahnemann als einzig gültige alternative Heilmethode. Sein Hauptwerk ist das „Organon der Heilkunde“, welches auch heute noch als das Grundlagenwerk der Homöopathie angesehen wird. Obwohl einige Grundprinzipien der Homöopathie in abgewandelter Form schon früher in der Medizingeschichte propagiert wurden, muss Hahnemanns Heilverfahren doch als eigenständige Behandlungsmethode eingeordnet werden.

Grundlagen der Homöopathie

Am Anfang von Hahnemanns Ausführungen steht das Konzept der Lebenskraft. Mit Lebenskraft meint Hahnemann das Innerste des Menschen, das seinen materiellen Körper belebt. Hahnemann hat seine Vorstellung so ausgedrückt: „Während der Gesundheit belebt eine geistartige Kraft (Lebenskraft) den Organismus und hält ihn in harmonischer Ordnung. Ohne diese belebende, geistartige Kraft ist der Organismus tot.“ Laut Hahnemann sorgt die Lebenskraft also für eine Aufrechterhaltung der körperlichen und seelischen Funktionen und der Gesundheit. Im Gegenzug verursache eine gestörte Lebenskraft eine Krankheit. Materielle Ursachen für Krankheiten, beispielsweise auf Molekülebene, lehnt Hahnemann strikt ab. Stattdessen betont er, dass Krankheiten „einzig geistartige (dynamische) Verstimmungen der den Körper bestimmenden Lebenskraft sind.“ Um einen Kranken zu heilen, müsse man zwingend die geistartige Lebenskraft wieder ins Gleichgewicht bringen. Auf der Hypothese, dass Krankheit immer vom geistigen, immateriellen Bereich des Menschen ausgeht und sich dann nach außen ausbreitet, baut auch der Heilansatz der Homöopathie auf. Es ist zu beachten, dass es sich bei der Lebenskraft um ein eigens geschaffenes Konzept Hahnemanns handelt, das sich von der biblischen Sicht auf den Menschen unterscheidet.

Das Simile-Prinzip

Ein grundlegendes Prinzip in der Homöopathie ist das Simile-Prinzip oder auch Ähnlichkeitsprinzip. Dieses Prinzip besagt, dass man eine Krankheit mit dem Medikament behandeln soll, bei einem gesunden Menschen die gleichen Symptome hervorruft, die im Rahmen der Krankheit auftreten. Dass man Gesundheitsleiden (altgriechisch páthos) mit einer Arznei heilt, welches die gleichen (altgriechisch homóios) Beschwerden wie die Krankheit selbst verursacht, schlägt sich auch im Namen der Homöopathie nieder. Hahnemann entwickelte dieses Prinzip aufgrund eines medizinischen Selbstversuches. Im Jahr 1790 experimentierte er mit Chinarinde. Dieser Baum enthält den Wirkstoff Chinin. Hahnemann sagt über seinen Versuch: „Ich nahm des Versuchs halber etliche Tage zweimal täglich jedes Mal vier Quäntchen gute China ein; die Füße, die Fingerspitzen und so weiter wurden mir erst kalt, ich ward matt und schläfrig, dann fing mir das Herz an zu klopfen, mein Puls wurde hart und geschwind.“ Er deutete seine Symptome als Schüttelfrost, Anstieg der Körpertemperatur, Anstieg der Herzfrequenz und somit als typische Fiebersymptomatik. Auch zu damaliger Zeit war jedoch schon bekannt, dass die Chinarinde bei Fieberkranken eingesetzt werden konnte, beispielsweise gegen das Malaria-Wechselfieber. Jahrzehntelang war Chinin sogar Mittel der Wahl gegen Malaria, bis Mitte des letzten Jahrhunderts wirksamere Medikamente verfügbar wurden.
Hahnemann interpretierte seinen Versuch dahingehend, dass das eingenommene Chinin in ihm eine Fieberkrankheit hervorgerufen habe. In Verbindung mit der Beobachtung, dass Fieberkranke hingegen gesunden, wenn sie mit Chinin behandelt werden, formulierte er eine Regel, die er auf alle seine Arzneimittel ausweitete: „Jedes wirksame Arzneimittel erregt im menschlichen Körper eine Art von eigener Krankheit. Man […] wende in der zu heilenden Krankheit dasjenige Arzneimittel an, welches eine andere, möglichst ähnliche künstliche Krankheit zu erregen imstande ist, und jene wird geheilt werden; Similia similibus (Ähnliches mit Ähnlichem).“ Ein wahres Medikament zeichnet sich Hahnemann zufolge also dadurch aus, dass es einen Krankheitszustand im Patienten auslöst. Dadurch werde die Lebenskraft gezwungen, gegen diesen herbeigeführten Krankheitszustand „eine erhöhte Energie zu richten“, wodurch die ursprüngliche Erkrankung geheilt werde.
In der Praxis angewendet, bedeutet dies, dass ein Patient mit Fieber ein Arzneimittel verabreicht bekommen soll, das bei einem Gesunden Fieber auslöst. Laut Hahnemann war das Chinin. Einem Patienten, der von einer Biene gestochen wurde, wird Bienengift gegeben. Bei jemandem, der nicht schlafen kann und innere Unruhe hat, kommt ein anregendes Mittel zur Anwendung, zum Beispiel Kaffee. An dieser Stelle muss festgehalten werden, dass Hahnemanns Beobachtung so nicht bestätigt werden konnte. Chinin löst im Allgemeinen bei Gesunden nur selten Fieber aus. Wissenschaftliche Untersuchungen haben gezeigt, dass nur eine von 1000 Personen mit fieberähnlichen Symptomen auf Chinin reagiert. Meist handelt es sich hierbei um allergische Reaktionen auf diesen Stoff. Höchstwahrscheinlich war eine allergische Reaktion auf Chinin ebenfalls der Grund für Hahnemanns Symptomkomplex. Es muss Hahnemann zugutegehalten werden, dass er beobachtende Wissenschaft betreiben wollte. Besonders die Prüfung von Arzneimitteln an Gesunden, die damals keinesfalls üblich war, zeugt von Hahnemanns fortschrittlichem Denken und ist heute Standard in klinischen Phase-I-Studien. Allerdings sind die Interpretationen seiner Beobachtungen aus heutiger Sicht nicht nachzuvollziehen. Nach weiteren wissenschaftlichen Untersuchungen lässt sich das Simile-Prinzip auch nicht bestätigen.

Die Potenzierung

Es muss klargestellt werden, dass in der Homöopathie Mittel in besonderen Dosierungsformen angewendet werden – und zwar in potenzierter Form. So würden auch homöopathisch tätige Ärzte einem Patienten nicht empfehlen, vor dem Einschlafen einen Kaffee zu trinken, wenn dieser unter Schlaflosigkeit leidet. Man würde auch nicht reines Bienengift verabreichen, um einen Insektenstich zu kurieren. Stattdessen werden vielmehr verdünnte Formen dieser Stoffgemische angewendet. Dabei ist aber wichtig zu verstehen, dass die Homöopathie davon ausgeht, dass Arzneimittel umso stärker wirken, je stärker sie verdünnt werden. Wie bereits erwähnt, war Hahnemann davon überzeugt, dass eine Krankheit nur vollständig geheilt werden könne, wenn man eine Arznei verwende, die eine künstliche, stärkere Krankheitsaffektion im Menschen auslöse. Die zu heilende Krankheit bezeichnet er als schwächere Krankheit, die durch das Medikament künstlich erzeugte Krankheit als stärkere Krankheit: „Eine schwächere dynamische Affektion wird im lebenden Organismus von einer stärkeren dauerhaft ausgelöscht, wenn diese jener sehr ähnlich in ihrer Äußerung ist. So werden auch physische Affektionen und moralische Übel geheilt.“ Laut Hahnemann ist die Wirkpotenz eines homöopathischen Medikamentes umso stärker, je höher es verdünnt wird. Wie nun aber werden homöopathische Arzneien verdünnt? Die Herstellung eines homöopathischen Medikamentes beginnt mit einer sogenannten Urtinktur. Diese kann ein Wirkstoffextrakt pflanzlichen oder tierischen Ursprungs oder ein anorganischer Stoff wie Quecksilber sein. In den nachfolgenden Schritten wird diese Tinktur wiederholt verdünnt. Der Vorgang dieser Verdünnungsschritte wird Potenzierung genannt, da die Wirkpotenz mit jedem Verdünnungsschritt gesteigert werden soll. Üblich sind beispielsweise mehrere Verdünnungsschritte vom jeweiligen Verhältnis 1:10. Dabei wird ein Teil der Tinktur mit neun Teilen eines reinen Lösungsmittels wie Wasser oder Alkohol vermischt. Diese Art der Verdünnung wird aufgrund ihres Aufbaus in Zehnerschritten auch Dezimalverdünnung genannt. Aus dem ersten Verdünnungsschritt ergibt sich die erste Potenzstufe, die dann D1 genannt wird. Um die nächste Potenzstufe D2 zu erreichen, wird ein Teil der Potenz D1 wieder mit neun Teilen reinen Lösungsmittels vermischt. Dieses Prozedere kann etliche Male wiederholt werden, bis man Potenzen wie D30 erhält. Im Laufe seines Lebens arbeitete Hahnemann mit immer größer werdenden Verdünnungsschritten von 1:100 (C-Verdünnung) bis zu 1:50 000 (LM-Verdünnung).
Zur Veranschaulichung der Wirkstoffkonzentrationen der verschiedenen Potenzen kann folgendes Beispiel dienen: Wenn man ein Gramm Kochsalz (also ungefähr einen Teelöffel) im Wasser des Bodensees auflöst, entspricht das bezüglich der Wirkstoffkonzentration in etwa der Potenzierung von D12. Eine Potenz von D20 entspräche der Menge von einem Gramm Kochsalz aufgelöst im Wasser des Atlantiks. Ab einem bestimmten Verdünnungsschritt (D24) ist dann in der Lösung nahezu kein Wirkstoffmolekül mehr vorhanden. Eine Wirkung auf biochemischer Ebene ist spätestens ab diesem Punkt nicht mehr plausibel. Wie oben erwähnt, war es aber auch nicht die Absicht Hahnemanns, eine Heilung auf materieller, stofflicher Ebene herbeizuführen. Vielmehr soll die Heilung auf immaterieller, geistartiger Ebene der vermeintlich gestörten Lebenskraft erfolgen. Entgegen manchen zeitgenössischen Vorstellungen beansprucht die Homöopathie also gar nicht für sich, auf einer nachweisbaren biochemischen Ebene zu wirken.
Hahnemann hat es so ausgedrückt: „Die Lebenskraft kann nur durch geistartige Einwirkung der Arzneien wieder zur Gesundheit hergestellt werden.“
Die einer Arznei innewohnende Kraft muss Hahnemann zufolge erst durch eine bestimmte Prozedur aktiviert werden, die sich Dynamisation nennt. Diese Dynamisation geschieht durch mehrmaliges Verschütteln der Lösung während des Verdünnens, beispielsweise durch das Schlagen auf ein Lederbrett. Der Schritt der Dynamisation sei dabei unabdingbar. Nicht dynamisierte, verdünnte Arzneien sah Hahnemann als wirkungslos an. Moderne Homöopathen sprechen teilweise anstelle von einer geistartigen Kraft eher von Information, die beim Potenzieren übertragen wird. Allerdings gibt es kein nachweisbares Korrelat für diese angeblich durch Verschütteln übertragene Information auf biochemischer Ebene.

Bewertung der Homöopathie

In der Einordnung der homöopathischen Methode sollen im Folgenden zunächst naturwissenschaftliche Aspekte und Argumente betrachtet werden. Zuerst muss klargestellt werden, dass es sich bei der Homöopathie nicht um eine naturheilkundliche Medizin handelt, da sie auf einem geistartigen Wirkprinzip beruht. Naturheilkunde hingegen beruht auf physikalischen Verfahren oder pflanzlichen Wirkstoffen. Ein erster Kritikpunkt betrifft die potenzielle Schädlichkeit mancher homöopathischer Medikamente. Dies betrifft vor allem Mittel, die Schwermetalle wie Quecksilber oder Blei in niedrigen Potenzierungen, also verhältnismäßig hoher Dosierung, enthalten. Die Einnahme von Schwermetallen kann zu ernsthaften Vergiftungen führen.
Ein anderer Aspekt betrifft die Versuche, die Hahnemann an sich selbst und einigen Studenten durchführte. Wie bereits erwähnt, testete Hahnemann seine Medikamente an gesunden Probanden in der Überzeugung, dass die Homöopathika künstliche Krankheiten hervorrufen würden. Nach Einnahme von homöopathischen Medikamenten wurde jedes kleinste Symptom notiert und als Reaktion auf das Medikament gedeutet. Hahnemann war der Überzeugung, dass jedes subjektive Symptom während des Untersuchungszeitraums auf das Medikament zurückzuführen sei. Zu Belladonna (Tollkirsche) hielt Hahnemann ganze 1422 Prüfungssymptome fest. Dabei ging jeder Kopfschmerz, jedes Hautjucken, Gliederzucken oder auch psychische Verstimmung als unmittelbare Arzneimittelwirkung in die Wertung ein. Auf Basis dieser Symptome wurden dann die Listen der Krankheiten erstellt, gegen die die Mittel wirken sollen. Dass nicht jedes subjektive Empfinden im Untersuchungszeitraum kausal auf die Medikamentengabe zurückzuführen sein muss, ist offenkundig. Eine Versuchsperson Hahnemanns erhielt einmal ein Homöopathikum aus Schwertlilienextrakt und klagte während des Frühstücks über Schmerzen in einem rechtsseitigen, hohlen Zahn. Eine Reizung liegt hier als wahrscheinlichste Ursache nahe. Da die Schmerzen aber im Versuchszeitraum auftraten, wurden sie als Arzneiwirkung gedeutet, sodass noch heute in manchen homöopathischen Verzeichnissen die Schwertlilie als besonders rechtsseitig wirksames Medikament, beispielsweise gegen Kopfschmerzen, gilt.
Die Homöopathie differenziert nur unzureichend zwischen verschiedenen körperlichen Ursachen für ein Symptom. So kann Kopfschmerz beispielsweise durch Migräne, Bluthochdruck, eine Hirnhautentzündung oder durch einen Hirntumor bedingt sein. Da die Homöopathie im Kern aber symptomorientiert aufgebaut ist, käme für die verschiedenen Erkrankungen potenziell das gleiche Medikament in Frage, wobei sich die Auswahl eines Homöopathikums im individuellen Fall sehr komplex gestaltet. Obwohl also die klassische Homöopathie beansprucht, den Menschen ganzheitlich mit Körper und Geist behandeln zu können, fragt sie nicht nach der Ursache einer Erkrankung, sondern achtet vielmehr bloß auf Symptomkonstellationen.
Ein weiteres logisches Problem betrifft das Prinzip der Potenzierung. Innerhalb der Homöopathie geht man davon aus, dass nur die eigentlich erwünschte Wirksubstanz bei jedem Verdünnungsschritt potenziert wird. Wirkstofflösungen enthalten aber immer auch kleinste Verunreinigungen, die von Anfang an in viel niedrigeren Konzentrationen vorliegen als die eigentliche Wirksubstanz. Wendet man die Prinzipien der Homöopathie aber konsequent an, dann müsste die Wirkung der Verunreinigungen die der eigentlichen Wirksubstanz deutlich übersteigen, wenn sie mitpotenziert werden.
Es ist zudem zu beachten, dass Homöopathika oft bei Erkrankungen eingesetzt werden, die eine hohe Neigung zur Spontanheilung aufweisen wie Erkältungen, Schlafstörungen oder Beschwerden des Verdauungstrakts. Für die Einordnung von individuellen Berichten über eine homöopathische Heilung ist dies nicht ganz unerheblich.
Es gibt mittlerweile zahlreiche Studien, die die Wirksamkeit von homöopathischen Arzneimitteln untersucht haben. Besonders bedeutsam sind sogenannte Metaanalysen. Bei diesen werden viele einzelne Studien zu einem gemeinsamen Thema analysiert. Diese Studien und Analysen kommen durchaus zu unterschiedlichen Ergebnissen. In einigen Studien haben homöopathische Heilmittel einen signifikanten Effekt für verschiedene Indikationen gezeigt, der über den Placebo-Effekt hinausging., Es ist allerdings oft bemängelt worden, dass Studien zum Thema Homöopathie mit signifikanten Ergebnissen häufig Endpunkte enthielten, die subjektiv und schwer zu quantifizieren waren. Beispielsweise sind Schmerzen, Lebensqualität oder Symptome wie Harndrang Endpunkte, die starken intraindividuellen Schwankungen unterliegen und von der Tagesform und anderen Faktoren abhängen. Zudem handelt es sich bei vielen Untersuchungen um Studien mit einer relativ kleinen Stichprobengröße und schlechter methodischer Qualität., , Andere Analysen, die homöopathische Medikamente mit schulmedizinischen Arzneien verglichen, kamen zu dem Schluss, dass die Wirkung von Homöopathika maßgeblich auf dem Placebo-Effekt beruht.
Bislang besteht ein großer Mangel an verlässlichen, methodisch korrekten Studien zu homöopathischen Medikamenten. Vom Standpunkt der evidenzbasierten Medizin reichen die Daten aus den vorhandenen Studien zum derzeitigen Zeitpunkt nicht aus, um verlässliche Schlussfolgerungen zu ziehen. Auch in der deutschen Ärzteschaft ist die Homöopathie ein viel diskutiertes Thema. So plädierte der 128. Deutsche Ärztetag im Mai 2024 für eine Streichung der Abrechnungsziffern für homöopathische Leistungen in der Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ), allerdings nur mit knapper Mehrheit. Auch als Kassenleistung sollen homöopathische Behandlungen nicht mehr zur Abrechnung kommen. Als Begründung wurde vorgebracht, dass eine Anwendung der Homöopathie mit den Prinzipien evidenzbasierter Medizin nicht vereinbar sei.
Eine alleinige medizinisch-naturwissenschaftliche Bewertung der Homöopathie greift jedoch zu kurz, da wissenschaftliche Maßstäbe für Hahnemann zweitrangig waren. Für ihn war, wie für viele Menschen heutzutage, vor allem der therapeutische Erfolg von Bedeutung.
Der Bibel nach kann Heilung entweder durch den Gebrauch von Heilmitteln geschehen, die auf naturwissenschaftlichen Prinzipien (Jesaja 1,6; Jeremia 8,22; Lukas 10,34) beruhen, oder aber durch das direkte Eingreifen Gottes in seine Schöpfung (Lukas 4,39; 5,12–13). Die Bibel macht außerdem deutlich, dass nicht nur Gott übernatürlich in die Gesundheit eingreifen kann, sondern in bedingtem Maße auch böse Mächte Wunder vollbringen können (2. Mose 7–8; Matthäus 7,22; 24,24; 2. Thessalonicher 2,9). Eine auf übernatürlichem Wege entstandene Heilung ist nie ein automatischer Beweis für ein Eingreifen Gottes. Zahlreiche Berichte zeugen von Heilungserfahrungen durch Wege und Methoden, die nicht unter Gottes Legitimation stehen wie zum Beispiel Schmerzfreiheit nach Anwendung schamanischer Bräuche, Reiki oder Yoga. Christen müssen eine Heilung immer nach ihrem Ursprung und dem dahinterstehenden Wirkprinzip beurteilen. Das gilt auch für die Homöopathie. Eine körperliche Heilung durch geistliche beziehungsweise übernatürliche Kräfte darf ein Christ nur von Gott erwarten und nicht von anderen geistlichen Mächten. Obige Ausführungen haben gezeigt, dass die Homöopathie nicht auf den naturwissenschaftlichen Wirkprinzipien, die Gott in seine Schöpfung gelegt hat, basiert. Kann eine Heilung auf naturwissenschaftlicher Ebene weitgehend ausgeschlossen werden, wie dies bei Homöopathika der Fall ist, besteht entweder die Möglichkeit, dass eine Heilung über den Placebo-Effekt oder über die propagierte immaterielle, übernatürliche Wirkung zustande kommt. Es wäre sicher nicht haltbar zu behaupten, dass jemand prompt unter den Einfluss okkulter Mächte gerät, sobald er Homöopathika einnimmt. Eine immaterielle, geistartige Heilung, wie sie der klassischen Homöopathie zugrunde liegt, ist aus christlicher Sicht jedoch entschlossen abzulehnen.
Der bedachte Leser sollte argwöhnisch werden ob des Absolutheitsanspruchs Hahnemanns für seine Heil­methode, nannte er sie doch sogar „göttlich“. Hinter Hahnemanns Gottesvorstellung verbirgt sich allerdings nicht der Gott der Bibel, sondern eher ein deistischer, mystischer Gott, den er als Mittel zum Zweck für eigene intellektuelle Erleuchtung versteht. Mit dem christlichen Glauben konnte er nicht viel anfangen, hat er doch Jesus einmal als den „Erzschwärmer“ bezeichnet. Er kam zudem früh mit der Bewegung der Freimaurer in Kontakt und war ein glühender Verehrer von fernöstlicher Philosophie, besonders von Konfuzius. Und auch wenn man die Homöopathie nicht als „konfuzianistische Medizin“ darstellen kann, prägte dieser Einfluss nachweislich Hahnemanns Denken. Beispielsweise gab es schon in der alten chinesischen Medizin eine Art Simile-Prinzip: Man solle Krankheiten des Gehirns mit Walnüssen behandeln, da die Oberfläche des Gehirns der Walnuss ähnele. Für eine biblische Bewertung muss daher berücksichtigt werden, dass die Homöopathie eine Heilmethode ist, die auf anderen Grundannahmen beruht als auf dem biblischen Menschenbild. Es liegt nahe, dass Hilfesuchende bewusst oder unbewusst mit der Philosophie der Homöopathie in Berührung kommen und davon beeinflusst werden. Eine mögliche Gefahr der Homöopathie liegt sicherlich in der schleichenden Übernahme des zugrundeliegenden Gedankengutes und einer sich entwickelnden Akzeptanz für spirituelle Wirkprinzipien. So hat beispielsweise Patric Warten in einer Umfrage unter christlichen Ärzten festgestellt, dass viele über die Jahre die Idee von einer geistartigen Heilung übernommen hatten. An dieser Tatsache lässt sich erkennen, dass die homöopathische Methode Patienten sowie Ärzte vom christlichen Krankheits- und Glaubensverständnis wegführen kann. Wenn Christen sich auf eine solche geistartige Heilung berufen, handeln sie im Widerspruch zu Gottes Maßstäben von Heilung. Aus den obigen Darstellungen lässt sich für Christen keine Empfehlung für homöopathische Medikamente aussprechen, vielmehr deutlich davon abraten.

Foto von Nataliya Vaitkevich: https://www.pexels.com/de-de/foto/blumen-medizinisch-wissenschaft-behandlung-7526061/

[1]Samuel Hahnemann, Organon der Heilkunde, S. 135, 6. Auflage, K. Haug Verlag, Heidelberg, 1996
[2]Wolfgang Uwe Eckart, Robert Jütte, Medizingeschichte – Eine Einführung, S. 66, 2. Auflage, Böhlau Verlag, Köln, 2014
[3]Michael Kotsch, Homöopathie – Wie gehe ich mit alternativen Heilmethoden um?, S. 7, 4. Auflage, Lichtzeichen Verlag, Lage, 2011
[4]Samuel Hahnemann, Organon der Heilkunde, S. 133, 6. Auflage, K. Haug Verlag, Heidelberg, 1996
[5]Ebd., S. 8
[6]Ebd., S. 3
[7]Georg Müller, Heilkraft durch Verdünnen, S. 19, 5. Auflage, clv, Bielefeld, 2010
[8]Ebd., S. 22
[9]Jutta Hermann, Chinarinde – Eine historische Reise um die Erde, abrufbar unter: https://www.pharmazeutische-zeitung.de/titel-18-2001/, zuletzt abgerufen am 12.05.2025
[10]Georg Müller, Heilkraft durch Verdünnen, S. 20, 5. Auflage, clv, Bielefeld, 2010
[11]Ebd., S. 22
[12]Klaus Stemmler, Homöopathie – Religion der sanften Macht, S. 80, 2. Auflage, Verlag 7000, Marienheide,1996
[13]Samuel Hahnemann, Organon der Heilkunde, S. 108, 6. Auflage, K. Haug Verlag, Heidelberg, 1996
[14]Samuel Hahnemann, Organon der Heilkunde, S. 9, 6. Auflage, K. Haug Verlag, Heidelberg, 1996
[15]Klaus Stemmler, Homöopathie – Religion der sanften Macht, S. 74, 2. Auflage, Verlag 7000, Marienheide,1996
[16]Ebd., S. 75; Ulrike Schlüter, Iris versicolor in der Homöopathie, abrufbar unter: https://www.hallo-homoeopathie.de/mittel/iris-versicolor, zuletzt abgerufen am 15.05.2025
[17]Michael Kotsch, Homöopathie – Wie gehe ich mit alternativen Heilmethoden um?, S. 79, 4. Auflage, Lichtzeichen Verlag, Lage, 2011
[18]Ebd., S. 87
[19]Hamre HJ, Glockmann A, von Ammon K, Riley DS, Kiene H. Efficacy of homoeopathic treatment: Systematic review of meta-analyses of randomised placebo-controlled homoeopathy trials for any indication. Syst Rev. 2023 Oct 7;12(1):191. doi: 10.1186/s13643-023-02313-2. PMID: 37805577; PMCID: PMC10559431
[20]Ghosh P, Ganguly S, Mukherjee SK, Dutta S, Shaikh AR, Ali SS, Singh NK, Bhattacharya P, Koley M, Saha S. Individualized Homeopathic Medicines in Treatment of Hyperuricemia: Evaluation by Double-Blind, Randomized, Placebo-Controlled Trial. Homeopathy. 2023 May;112(2):85-96. doi: 10.1055/s-0042-1751272. Epub 2022 Sep 19. PMID: 36122588
[21]Chattopadhyay A, Koley M, Saha S. Clinical trials of homeopathy in urological disorders: a systematic review. J Complement Integr Med. 2020 Jul 14;18(1):23-28. doi: 10.1515/jcim-2020-0068. PMID: 32663171
[22]Wagenknecht A, Dörfler J, Freuding M, Josfeld L, Huebner J. Homeopathy effects in patients during oncological treatment: a systematic review. J Cancer Res Clin Oncol. 2023 May;149(5):1785-1810. doi: 10.1007/s00432-022-04054-6. Epub 2022 Jun 22. PMID: 35731274; PMCID: PMC10097733
[23]Merrell WC, Shalts E. Homeopathy. Med Clin North Am. 2002 Jan;86(1):47-62. doi: 10.1016/s0025-7125(03)00071-3. PMID: 11795090
[24]Shang A, Huwiler-Müntener K, Nartey L, Jüni P, Dörig S, Sterne JA, Pewsner D, Egger M. Are the clinical effects of homoeopathy placebo effects? Comparative study of placebo-controlled trials of homoeopathy and allopathy. Lancet. 2005 Aug 27-Sep 2;366(9487):726-32. doi: 10.1016/S0140-6736(05)67177-2. PMID: 16125589
[25]Ärzteblatt, Ärztetag plädiert für Einschränkung der Homöopathie, abrufbar unter:
https://www.aerzteblatt.de/news/aerztetag-plaediert-fuer-einschraenkung-der-homoeopathie-46b80a4f-43ad-4a14-84a9-dfdbcdd213a1, zuletzt abgerufen am 18.07.2025
[26]Michael Kotsch, Homöopathie – Wie gehe ich mit alternativen Heilmethoden um?, S. 78, 4. Auflage, Lichtzeichen Verlag, Lage, 2011
[27]Els Nannen, Akupunktur aus wissenschaftlicher und biblischer Sicht, S. 15., CDK e.V., 1996
[28]Samuel Hahnemann, Organon der Heilkunde, S. 133, 6. Auflage, K. Haug Verlag, Heidelberg, 1996
[29]Georg Müller, Heilkraft durch Verdünnen, S. 36, 5. Auflage, clv, Bielefeld, 2010
[30]Michael Kotsch, Homöopathie – Wie gehe ich mit alternativen Heilmethoden um?, S. 91, 4. Auflage, Lichtzeichen Verlag, Lage, 2011
[31]Georg Müller, Heilkraft durch Verdünnen, S. 39, 5. Auflage, clv, Bielefeld, 2010
[32]Patric Warten, Naturheilverfahren biblisch hinterfragt, S. 54, Rechte beim Verfasser, 1. Auflage, Oberstenfeld, 2013


Verstrahlt oder verunsichert?

Verstrahlt oder verunsichert?

„Was elektromagnetische Strahlung mit uns macht – und was wir daraus machen“

Im südöstlichen Frankreich gelegenen Departement Drôme scheint die Welt noch in Ordnung zu sein. Doch im bergigen Osten des verschlafenen Departements hat sich eine eigentümliche Gemeinschaft gebildet. Mitten im Wald leben in Zelten und Wohnwägen etwa ein Dutzend Menschen völlig abgeschottet vom Rest der Zivilisation. Jean Revillard hat die Gruppe in seinem Fotoprojekt „Ondes“ thematisiert. Zu ihrer Ausrüstung gehören weder Telefon noch Kühlschrank. Sie besitzen keinen Zugang zum Internet und wärmen das Essen des letzten Tages nicht in der Mikrowelle auf. Spartanisch, möchte man meinen, doch das Exildasein dieser Gruppe, von denen es in den Alpes-Maritimes noch einige weitere mit etwa 50 Bewohnern geben soll, ist eine Flucht vor quälenden Symptomen. All diese Menschen bezeichnen sich als elektrosensibel, berichten also, auf die elektromagnetische Strahlung ihrer Umwelt so heftig zu reagieren, dass die normale gesellschaftliche Teilhabe nicht mehr möglich ist. Strombetriebene Geräte sollen für den sogenannten schädlichen Elektrosmog verantwortlich sein. Das Bundesamt für Strahlenschutz schätzt die Zahl Elektrosensibler auf etwa ein Prozent der Bevölkerung[i], wobei die Ausprägung der Symptome und der Leidensdruck ein großes Spektrum darstellen. Die Erhebung dieser Zahl basiert vor allem auf subjektiven Angaben – wie stark jemand Symptome erlebt, ist schwer objektivierbar.

Alles strahlt

Das Beispiel aus Drôme verdeutlicht: Elektrosensibilität kann Menschen derart belasten, dass sie sich selbst grundlegender Annehmlichkeiten, wie der Elektrizität, völlig entziehen. Doch bevor wir uns den möglichen Ursachen der Elektrosensibilität zuwenden, lohnt es sich, kurz zu verstehen, was Elektrosmog eigentlich ist und wie Strahlung grundsätzlich wirkt. Elektromagnetische Strahlung (EMS) gehört ganz natürlich zu unserer Umwelt und ist auch aus unserem Alltag nicht wegzudenken. Es handelt sich um eine Form der Energie, die sich mit Lichtgeschwindigkeit wellenförmig ausbreitet. Dabei sind masselose Teilchen, sogenannte Photonen, die Energieträger. Eine Unterscheidung der einzelnen Strahlungsarten wird durch die unterschiedlichen Wellenlängen und die Energie der Photonen möglich. Extrem kurzwellige und hochenergetische Strahlung ist dabei besonders gefährlich, da sie direkt schädigenden Einfluss auf das Erbgut haben kann. Deshalb gelten im Zusammenhang mit der Nutzung dieser sogenannten ionisierenden Strahlung, zum Beispiel im Rahmen der Röntgendiagnostik, auch strenge Grenzwerte. Doch nicht alle Strahlungstypen sind ionisierender Natur. Je höher die Wellenlänge und je weniger energetisch das Photon, desto geringer ist der direkt zellschädigende Effekt. Sichtbares Licht hat vor allem eine photochemische Wirkung, verursacht also beispielsweise Sonnenbrände. Alle Strahlungsarten haben auch die Fähigkeit, Stoffe zu erwärmen, wie es sich etwa bei Mikrowellenstrahlung zur Erwärmung von Speisen zunutze gemacht wird. Zu beachten ist ebenso, dass durch entsprechende Schutzmaßnahmen, vor allem Abstand, aber auch Abschirmung und Zeitminimierung, die schädigende Wirkung ionisierender und nicht-ionisierender Strahlung fast komplett verhindert werden kann. Darüber hinaus besitzt der menschliche Körper ein komplexes Reparaturprogramm für geschädigte Zellen, egal ob durch Erbgut- oder Hitzeeinflüsse.

Harter Weg zu harten Antworten

„Elektrosmog“ bezeichnet meist elektromagnetische Felder großer Wellenlängen und verschiedener Frequenzen – von Hochfrequenz (Mobilfunk, WLAN) bis hin zu Niederfrequenz (Stromleitungen). Elektrosmog umfasst also ausschließlich nicht-ionisierende Strahlung, die wie alle Arten der Strahlung thermische Wirkungen auf den Organismus haben. Die oftmals diffusen Symptome wie Schwitzen, Schwindel, Übelkeit und Schmerzen, die Elektrosensible beschreiben, sollen auf sogenannten athermischen Effekten beruhen, also der nicht erwärmenden Wirkungen von Strahlen. Bezüglich der Existenz athermischer Effekte entbrannten in den letzten Jahrzehnten hitzige Debatten. Postuliert werden hierbei beispielsweise Effekte auf die Melatoninsynthese und -freisetzung, etwa durch Russel J. Reiter[ii] oder Barry W. Wilson[iii]. Aber auch genomschädigende Effekte, wie sie Franz Adlkofer[iv] oder Henry Lai und Narendra Singh[v] beschreiben, sind immer wieder Diskussionsgrund. All diese Effekte treten mit teils erheblicher Latenz nach mehreren Jahren auf. Zu den thermischen und athermischen Wirkungen der EMS existiert eine Fülle an Primärliteratur, die allen voran in der zweiten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts publiziert wurde und die Regulationsmaßnahmen beim Umgang mit elektromagnetischer Strahlung maßgeblich beeinflusst hat.[vi] Denn eine potenziell schädigende Wirkung der EMS hat auch Konsequenzen für den Bevölkerungsschutz, müssen doch Grenzwerte definiert und Schutzmaßnahmen formuliert werden, wenn ein gefährlicher Einfluss nicht auszuschließen ist.[vii]

Doch eine große Menge an Primärliteratur führt noch längst nicht zum abschließenden Urteil. Jede einzelne Arbeit muss nicht nur in Bezug auf ihr Ergebnis, sondern auch auf ihre Fragestellung, die Methodik, ihren Umfang, ihre Aussagekraft und ihre Reproduzierbarkeit hin bewertet werden. Den Goldstandard stellen hier hochwertige randomisierte kontrollierte Studien dar. Nur ist die Durchführung dieser Studien extrem aufwendig und auch ethisch nicht vertretbar. Wie randomisiert und verblindet man beispielsweise Menschen bezüglich ihrer Strahlenbelastung? Die Effektgruppe kann unmöglich sozial abgeschnitten in einem Funkloch isoliert werden. Ist es legitim die Probanden potenziell gesundheitsschädigenden Bestrahlungen auszusetzen? Auch das ist nicht vertretbar. Also muss man auf andere Studiendesigns zurückgreifen, die in ihrer Aussagekraft eingeschränkt sind. Studien können von verschiedenen zeitlichen Beobachtungsstandpunkten aus konzipiert werden und bestimmte Sachverhalte an unterschiedlichen Orten analysieren. In prospektiven Studien untersucht man einen Zeitraum, der in der Zukunft liegt. Sie eignen sich schlechter für das Untersuchen seltener Erkrankungen, wie sie in der Diskussion um EMS oft thematisiert werden. Bei retrospektiven Analysen wird auf bereits vorhandene Datenmengen zurückgegriffen, die rückblickend analysiert werden. Leider neigen sie zur Anfälligkeit für unbekannte Störfaktoren. Dies sind jegliche Einflüsse, unter denen die Probanden während des Beobachtungszeitraumes standen und sie können im Nachhinein nicht mehr herausgefiltert werden. In der Elektrosmog-Thematik wären dies beispielsweise die unterschiedliche natürliche Strahlenexposition sowie eine gegebenenfalls berufliche Strahlenexposition, die nicht mehr quantifiziert werden können. Außerdem zeigen Studienergebnisse, die in Tierversuchen gewonnen wurden, oft eine mangelnde Übertragbarkeit auf die menschliche Physiologie. Die vorliegenden Studien müssen also kritisch und im Dialog gelesen und gewertet werden und die Ergebnisse müssen reproduzierbar sein. Bloß weil eine Studie eine Korrelation, also einen Zusammenhang, feststellt, bedeutet das noch längst keine Kausalität, sprich die gegenseitige ursächliche Bedingung der beobachteten Faktoren. Beispiele zum kritischen Hinterfragen von Studienergebnissen finden sich in der Tabelle unten. Endgültige Antworten sind demnach schwer zu formulieren. Jedoch steht fest: Bis zum heutigen Tage ist die athermische Wirkung niedrigenergetischer elektromagnetischer Strahlung nicht nachgewiesen.[viii] Da es sich aber um eine potenzielle Gesundheitsbedrohung von Millionen von Menschen handelt, werden regelmäßig Grenzwerte zur Nutzungsdauer von und zum Abstand zu elektromagnetischen Strahlungsquellen definiert. Außerdem unterliegt elektromagnetische Strahlung einer kontinuierlichen Risikobewertung, unter anderem durch das nationale Bundesamt für Strahlenschutz oder die Internationale Kommission für den Schutz vor nicht-ionisierender Strahlung. Die Vorsicht, mit der hier agiert wird, zeigt sich beispielsweise in der von der Internationalen Agentur für Krebsforschung vorgenommenen Einstufung von EMS als „potenziell krebserregend für Menschen“ (Gruppe 2b). Diese Einstufung stützt sich auf eine limitierte Beweislage der Karzinogenität beim Menschen und eine nicht als ausreichend zu bezeichnende Förderung der Tumorentwicklung im Tiermodell.[ix] In derselben Gruppe finden sich, nebenbei bemerkt, auch Nickel, Aloe Vera, Abgase von Benzin-Motoren und nach asiatischer Art fermentiertes Gemüse. Auch Kaffee wurde zum Zeitpunkt der Einstufung 2011 noch als potenziell krebserregend eingeordnet, ist aber inzwischen durch weitere Forschung in dieser Hinsicht rehabilitiert. Und auch bezüglich elektromagnetischer Strahlung sind seit der Erstklassifizierung viele neue Bestätigungsstudien erschienen. Eine Reevaluation ist in den nächsten Jahren zu erwarten.

Furcht und Finanzen

Während also in Bezug auf die Wissenschaft ein fortwährend abwägender und vorsorglicher Weg eingeschlagen wird, scheint die Angelegenheit für manche Blogschreiber, wie etwa auf der einladend daherkommenden Website von „diagnose:funk“, deutlich geradliniger: Elektrosmog sei der Auslöser für eine riesige Palette an Symptomen und Erkrankungen. Angefangen bei Krebs sei EMS für Bluthochdruck, ADHS, Depressionen, Impotenz, Multiple Sklerose, Tinnitus und frühzeitige Geburten verantwortlich. Nicht selten finden sich in der Websuche auch grauenvolle Darstellungen in Bild und herzzerreißende Krankheitsgeschichten in Wort wieder, etwa bei dem amerikanischen Truther David Dees. Betroffene berichten von schicksalshaften Tumorerkrankungen bei Kindern nach der Installation eines Funkmastes und manch einen Elektrosensiblen treibt die EMS bis zum Suizidversuch. Doch die Lösung findet sich für die meisten Betroffenen nicht wie bei den Exilanten von Drôme im Rückzug in die Natur. Das erkennen auch die vielen einschlägigen Websites an. Um diesen Spagat zwischen sozialer Teilhabe mit dem Komfort der EMS-emittierenden Geräte und der geschürten Angst zu bewältigen, findet sich ein ebenso vielfältiges Angebot an Schutzartikeln – manchmal sogar im websiteeigenen Shop: ein Entstörungsaufkleber für digitale Harmonie – 23 € pro elektrisches Gerät, ein stylischer Abschirm-Ring rabattiert für nur 164 €, sogar mit der Möglichkeit für Ratenzahlung, oder für den Komplettschutz eine mit 24 Karat beschichtete und mit Edelsteinen ausgestattete Eliminationsstation für das ganze Haus, die eine „vielschichtige transformatorische Entgiftung“ ermöglicht und zum schlappen Preis von 5 100 € zu haben ist. Häufig anzutreffende Baubiologen arbeiten mit fragwürdigen Messgeräten und raten zu oftmals kostspieligen Umbaumaßnahmen. Ein physikalisch begründetes Wirkprinzip findet man bei all diesen Gerätschaften nicht. Vielmehr soll man sich auf die wagen Formulierungen, esoterisch anmutende Erklärungen und höchst zufriedene Kundenstimmen verlassen. Für die Produzenten und Vertreiber solcher Produkte sind Menschen mit Angst und Beschwerden in Bezug auf elektromagnetische Strahlung nur eines – ein profitables Geschäft.

Sensibel sein – sensibel bleiben?

Welche Möglichkeiten gibt es also, um in diesen belastenden Situationen Hilfe zu erfahren und zu geben? Zunächst müssen Betroffene von Elektrosensibilität ernst genommen werden. Die Symptome, die sie äußern, sind oft sehr diffus und belastend: Schweißausbrüche, Herzrasen, Schwindel, Schwitzen und Schlafprobleme werden häufig genannt, bilden aber nur einen kleinen Ausschnitt eines großen Spektrums. Die Exilanten in Drôme zeigen eindrucksvoll, welches Ausmaß die Leiden in seltenen Fällen annehmen können. Um dies zu verhindern, gehört zunächst eine fundierte Befunderhebung und Untersuchung Betroffener dazu. Andere möglicherweise zugrunde liegende körperliche Erkrankungen sollten zunächst ausgeschlossen werden. Des Weiteren müssen Überschneidungen aus dem Formenkreis der psychosomatischen Erkrankungen, sowie die Beeinflussung durch geschürte Ängste mit in Betracht gezogen werden, da auch bei diesen Krankheiten unspezifische, plagende Symptome ein häufiges Merkmal sind. Auch die ehrliche Aufklärung über den aktuellen wissenschaftlichen Kenntnisstand ist Teil der Betreuung dieser Patienten. Elektrosensibilität ist aus guten Gründen nicht als selbstständige Erkrankung anerkannt. Bis heute fehlen systematische Beweise, dass Elektrosensible zweifelsfrei elektromagnetische Strahlung identifizieren können. Im Gegenteil – in Übersichtsarbeiten, sogenannten Metaanalysen, die Studien zusammenfassen, konnten keine konstanten Effekte durch EMS bei Elektrosensiblen beobachtet werden[x]. Auch fehlt die physiologische Erklärung zur Wahrnehmung der EMS.

Eine erste Hilfe können beruhigende niederschwellige Basismaßnahmen (WLAN-Router aus dem Schlafzimmer entfernen, Smartphone im anderen Zimmer laden et cetera) sein, auch wenn es für diese keine Evidenz gibt. Sie wirken ausschließlich beruhigend. Außerdem sind die symptomatische Behandlung (beispielsweise Schmerzmittel, Stressreduktion) und die Aufklärung vor allem bezüglich der unbegründeten Ängste vor schädlicher Wirkung und die intensive Begleitung essenziell für den Behandlungserfolg. Letztere muss für Christen im Rahmen einer seelsorgerlichen und gemeindlichen Einbindung erfolgen. Ein Leben, das von Angst und möglicherweise Rückzug geprägt ist, schadet nicht nur der körperlichen und geistigen, sondern auch der geistlichen Gesundheit, indem sie die gemeinschaftliche Auslebung des Glaubens schier verunmöglichen. Eindrücklich ruft der Autor des Hebräerbriefes auf, die gemeinschaftlichen Zusammenkünfte nicht zu versäumen, um gegenseitige Korrektur zu erfahren (Hebräer 10,24-25). Das Schriftzeugnis anerkennt die Ängste, die unser Leben begleiten und zeigt gleichzeitig auf, die Lösung nicht in fadenscheinigen, hochpreisigen Präventionsartikeln oder sozialer Absonderung zu suchen, sondern in dem, der gemäß Johannes 16,33 „die Welt überwunden hat“. Dieser Sieg über die Macht der Sünde darf uns getrost machen und Frieden schenken in den Ängsten, die jeden Einzelnen ganz individuell beschäftigen – auch bezüglich elektromagnetischer Strahlung.

——————————————————————————–

Quellen-Nachweis

[i] http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0221-201108036032 S. 58, letzter Zugriff am 20.07.2025

[ii] Reiter, R.J. (1995): Reported biological consequences related to the suppression of melatonin by electric and magnetic field exposure in Integrative Physiological and Behavioral Science

[iii] Wilson B.W., Chess E.K., Anderson L.E. (1986): 60-Hz electric-field effects on pineal melatonin rhythms: time course for onset and recovery in Bioelectromagnetics

[iv] VerUm-Stiftung (Hrsg.). (2004). Risk Evaluation of Potential Environmental Hazards From Low Energy Electromagnetic Field Exposure Using Sensitive in vitro Methods (REFLEX): Final Report. Europäische Union, 5. Forschungsrahmenprogramm, Vertrag QLK4-CT-1999-01574

[v] Lai, H.; Singh, N.P. (1995): Acute low-intensity microwave exposure increases DNA single-strand breaks in rat brain cells. in Bioelectromagnetics

[vi] Die ICNIRP (International Comission on Non-Ionizing Radiation Protection) veröffentlichte erstmals 1998 Guidelines, auf denen die meisten nationalen und internationalen Grenzwerte basieren. Allen voran wurden hier zunächst die thermischen Effekte einbezogen. In den konstanten Updates werden auch neuere Arbeiten zu sogenannten athermischen Effekten mit einbezogen. Siehe ICNIRP (2020) Guidelines for Limiting Exposure to Electromagnetic Fields (100kHz to 300 GHz) und ICNIRP (2025) Gaps in Knowledge Relevant to the “Guidelines for Limiting Exposure to Electromagnetic Fields (100kHz to 300 GHz)” als kritische in-house Debatte mit den eigenen Richtlinien

[vii] In der 26. Verordnung zum Bundes-Immissionsschutzgesetz ist mehrfach novelliert festgehalten, welche Grenzwerte bei elektromagnetischen Feldern einzuhalten sind. Sie umfassen einen Sicherheitsfaktor von 50. Das bedeutet, dass die niedrigste nachgewiesen schädliche Dosis elektromagnetischer Strahlung noch um das 50-fache unterschritten werden muss.

[viii] Ein zentrales Problem liegt hier in der Reproduzierbarkeit der Ergebnisse. Karipidis et al. ist als eine der neuesten Übersichtsarbeiten zu dem Ergebnis gekommen, dass, auch wenn es Studiendaten zu erhöhten Raten von verschiedenen Tumoren gibt, diese nicht konstant nachweisbar sind. Karipidis et al. (2024) The effect of exposure to radiofrequency fields on cancer risk in the general and working population: a systematic review of human observational studies – Part I: Most researched outcomes. Auch Feychting et al. (2024) in der prospektiven Kohorten-Studie COSMOS sehen aktuell keinen Zusammenhang zwischen einer erhöhten Krebs-Inzidenz und Handynutzung. Hier reihte sich Anthony Swerdlow bereits 2011mit seiner Übersichtsarbeit ein: Swerdlow et al. (2011) Mobile Phones, Brain Tumors, and the Interphone Study: Where Are We Now? In einer Meta-Analyse, die auch die experimentelle Forschung mit beachtet, kommt Xavier Bosch-Capblanch zu folgendem Resümee: die vorliegenden Ergebnisse zeigen, dass elektromagnetische Strahlung unter den gängigen Grenzwerten keine Symptome hervorrufe. Bosch-Capblanch et al. (2024) The effects of radiofrequency electromagnetic fields exposure on human self-reported symptoms: A systematic review of human experimental studies. Dass solche Grenzwerte in aller Regel eingehalten werden, untersuchte beispielsweise Ramirez-Vazquez et al. (2024) Systematic Review of Exposure Studies to Radiofrequency Electromagnetic Fields: Spot Measurements and Mixed Methodologies

[ix] In diese Einschätzung flossen beispielsweise die INTERPHONE-Studie und die Dänische Kohortenstudie ein, die im Info-Kasten näher beleuchtet werden. Auch die Arbeiten von Lennart Hardell haben die Entscheidung zu dieser Einstufung maßgeblich mit beeinflusst. Siehe hierzu beispielsweise Hardell et al. (2013). Use of mobile phones and cordless phones is associated with increased risk for glioma and acoustic neuroma

[x] Rubin, G. J., Nieto-Hernández, R., & Wessely, S. (2005). Electromagnetic hypersensitivity: a systematic review of provocation studies. Occupational and Environmental Medicine.

Bild von Sergio Cerrato – Italia auf Pixabay


Welchen Nutzen haben ätherische Öle?

Was sind ätherische Öle?

Ätherische Öle sind flüchtige, stark riechende Öle, die sich in verschiedenen Pflanzenbestandteilen finden (Blüten,Blätter, Samen, etc.). Sie werden von den Pflanzen selbst produziert. Im Gegensatz zu anderen Ölen (z. B. Sonnenblumenöl) verdunsten sie rückstandslos. Gewonnen werden ätherische Öle meist durch Destillation oder im Fall von Zitrusfrüchten durch das Pressen der Schale.[1] Die bekanntesten ätherischen Öle sind die des Lavendels, der Zitrone, des Eukalyptus und der Pfefferminze. Ätherische Öle können auch synthetisch hergestellt werden. Es gibt deshalb folgende Unterscheidungen:
• Naturbelassene/naturreine Öle: kommen direkt aus der Pflanze, auf dem Etikett steht der botanische Name, das Herkunftsland, der Pflanzenteil aus dem das Öl stammt
• Natürliche Öle: Mischung von naturbelassenen Ölen
• Naturidentische Öle: werden synthetisch herstellt, gleichen aber in der Molekularstruktur dem natürlichen Öl
• Künstliche Öle: werden synthetisch hergestellt, haben keinen Bezug zum natürlichen Öl
Die Bezeichnung ätherisches Öl ist nicht geschützt. So
können auch die komplett synthetisch hergestellten Öle
als ätherische Öle verkauft werden. Möchte man ein Öl
kaufen, das ganz sicher aus der Pfl anze kommt, deren
Name es trägt (naturbelassenes/naturreines Öl), sollte
man auf oben genannte Kriterien achten.[2]

Einsatzgebiete

Ätherische Öle haben zahlreiche Anwendungsgebiete. Sie können in Form von Inhalation (in der Raumluft oder direkt), Massagen, Wickel, Badezusatz oder oraler Einnahme angewandt werden. Es ist sehr wichtig, dass ätherische Öle niemals unverdünnt verwendet werden, da sie sonst starke Nebenwirkungen bis hin zum Tod haben können![3] Man sollte bei der Anwendung von ätherischen Ölen zwischen „Aromawellness“ und Aromatherapie unterscheiden. In beiden Fällen kann sich der oben genannten Anwendungsarten bedient werden. Allerdings ist Aromatherapie ein fester Bestandteil der Pflanzenheilkunde (Phytotherapie), die in Deutschland nur von darin ausgebildeten Ärzten und Heilpraktikern durchgeführt werden darf und auf die Behandlung von konkreten Krankheiten abzielt. Unter „Aromawellness“ fällt der Teil der Anwendungen, die im häuslichen, laienhaften Gebrauch zur Verbesserung des allgemeinen Wohlbefindens durchgeführt werden (z. B. Duftöl zur Erfrischung der Raumluft, Bad mit Lavendelöl zur Entspannung, etc.).[2] Im Weiteren wird auf das große Gebiet der Aromatherapie eingegangen, da sie auch immer mehr im medizinischen Alltag an Bedeutung gewinnt. Aufgrund des Umfangs dieses Themas, kann hier nur ein kurzer Überblick über den aktuellen Stand gegeben werden.

Aromatherapie

Definition

Die Aromatherapie gehört zur Phytotherapie. Ihr Ziel ist es, mit Hilfe von ätherischen Ölen physische und psychische Erkrankungen zu behandeln und die Gesundheit nachhaltig zu beeinflussen. Sie findet in der Prävention, der Therapie (im professionellen Rahmen und zur Selbstbehandlung), wie auch in der Krankenpflege Anwendung.“[4]

Durchführung

Bei der Aromatherapie wird eine Erkrankung mit den bei ihr wirksamen ätherischen Ölen behandelt. Die Aromatherapie kann bei leichten bis mittelschweren Erkrankungen, wie andere Phytotherapeutika, alleine angewandt werden. Bei schweren oder chronischen Verläufen spielt sie in der Regel nur eine ergänzende Rolle.[5] In welcher Form die ätherischen Öle verabreicht werden, entscheidet der Verordner. Bekannte Beispiele, die auch im Alltag Verwendung finden, sind die Inhalation von Thymol und Menthol bei Erkältung oder die Einnahme von Lavendelöl bei Schlafstörungen. Aus der Zusammenstellung der verschiedenen Öle und Anwendungsmethoden folgt eine sehr große Palette an möglichen Therapien. Wichtig ist, dass die Öle niemals unverdünnt verwendet werden. Zur äußerlichen Anwendung werden sie in einem Trägeröl gelöst, zur Inhalation mit entsprechenden Geräten verdampft und zur innerlichen Anwendung mit viel Wasser oder in Form von Kapseln eingenommen.

Anwendungsgebiete

Aromatherapie wird hauptsächlich bei Erkältungssymptomatik, Schlafstörungen, Schmerzen, Stress und Angst angewandt.

Ätherisches Öl mögl. Anwendungsgebiet
Lavendel Schlafstörungen, Angst, Schmerz
Eukalyptus Erkältungen
Thymian Erkältung
Orange Stress
Pfefferminz Übelkeit
Bitterorangenblüten Angst, Panik, Depression, Stress
Zitrone Immunmodulation, Fieber

Die Studienlage in jedem dieser Gebiete ist nicht eindeutig, was man auf die meist sehr geringe Studienpopulation, die schwierige Durchführung von randomisiert kontrollierten Studien mit ätherischen Ölen (sie riechen stark, sodass alle Beteiligten wissen, dass ein Öl im Raum ist) und auf die nicht einheitliche Anwendung ätherischer Öle zurückführen kann. Es kann in den Anwendungsgebieten also nur von möglichen Wirkungen gesprochen werden, die weiter erforscht werden müssen. Mögliche Wirkungen von ätherischen Ölen bei Erkältungssymptomatik sind beispielsweise: hustenreizstillend, auswurffördernd, entzündungshemmend und antimikrobiell.[6] Außerdem gibt es Studien, die darauf hindeuten, dass ätherische Öle auch in der Behandlung von Schmerzen[7], Schlafproblemen[8], Stress[9] und Angst[10] eine Rolle spielen können.

Wirkungsweise

Ätherische Öle wirken wahrscheinlich über verschiedene Wege im menschlichen Körper. Die Forschung kann hier nur Ansatzpunkte aufzeigen, da dieses komplexe Thema noch nicht hinlänglich erforscht ist. Eine mögliche Wirkungsweise ist die über das olfaktorische System (den Geruchsinn), wobei hier die Moleküle nicht nur als Geruch erkannt werden und dadurch eine Wirkung haben, sondern auch aufgrund ihrer geringen Größe über die Riechnerven in das Gehirn gelangen und dort zentrale Wirkungen entfalten können. So gibt es Hinweise darauf, dass ätherische Öle in die Regulation verschiedener Systeme (Monoamine, Neutrophine, Neuroendokrine) eingreifen und so zum Beispiel den Cortisol-Spiegel bei Stress senken können. Außerdem wird vermutet, dass ätherische Öle entzündungshemmend wirken und freie Radikale bekämpfen.[11] Eine weitere mögliche Wirkungsweise ist die Aufnahme der Moleküle über die Haut, den Magen-Darm-Trakt und/oder die Atemwege. Hier gelangen die Moleküle ins Blut[12] und können dann möglicherweise direkte Wirkungen an den Organen entfalten.

Nebenwirkungen

Bei der Anwendung von ätherischen Ölen können, wie bei allen anderen Medikamenten, (teils schwere) Nebenwirkungen auftreten. Die hier aufgeführte Liste enthält Beispiele und ist nicht vollständig. Ätherische Öle können hautreizend wirken und sollten deshalb vor ihrer Anwendung zuerst getestet werden. Außerdem wirken einige Öle phototoxisch, was bedeutet, dass sie die Haut empfindlicher für UV-Strahlen machen und so schnell starke Verbrennungen auftreten können, wenn betreffende Areale mit Sonne in Kontakt kommen. Allergische Reaktionen sind ebenfalls nicht auszuschließen. Menschen mit einer Allergie auf Pflanzen können davon ausgehen, dass sie auch auf das entsprechende Öl allergisch reagieren. Bei der falschen, übermäßigen Einnahme von ätherischen Ölen kann es außerdem zu starken organischen Schäden kommen, die zum Tod führen können.[13]

Wechselwirkungen

Ätherische Öle sind nicht Extrakte von Pflanzen, die nur gut riechen. Wie oben gezeigt, haben sie im menschlichen Körper durchaus Wirkungen, die über das Geruchsempfinden hinausgehen. Daher ist es auch nicht verwunderlich, dass sie in Wechselwirkung mit den unterschiedlichsten Medikamenten (von Schlafmitteln über Blutdrucksenker bis Gerinnungshemmer) treten können. Diese Wechselwirkung entsteht hauptsächlich durch die Modifikation von Enzymen, die die Medikamente abbauen. So werden beispielsweise Schlafmittel oder Gerinnungshemmer langsamer abgebaut, was eine verlängerte Wirkung zur Folge hat. Blutdrucksenker können dagegen schneller abgebaut werden, wodurch die blutdrucksenkende Wirkung schneller nachlässt.[14] Hier ist es wichtig vor der (Eigen-)Therapie mit ätherischen Ölen mögliche Wechselwirkungen derselben mit der bestehenden Medikation durch den behandelnden Arzt abklären zu lassen.

Kritikpunkte

Die Behandlung von Krankheiten mit ätherischen Ölen erfreut sich einer immer größer werdenden Beliebtheit, unter professionellen Anwendern wie auch unter Laien. Leider können die Studien zu diesem Thema aufgrund ihres Aufbaus und ihrer geringen Teilnehmerzahl nur die Richtung weisen, in der weiter geforscht werden muss, sodass Studien mit größeren Populationen und dadurch mehr Aussagekraft durchgeführt werden können. Es sind außerdem kaum Studien zur Grundlagenforschung, die die genaue Wirkungsweise von ätherischen Ölen erfassen, vorhanden.

Falsche Versprechen

Einer der größten Kritikpunkte, der allerdings nichts mit der wissenschaftlichen Seite der Aromatherapie zu tun hat, ist die Vermarktung von ätherischen Ölen unter Laien und die damit verbundene Werbung. In letzter Zeit hat die Vermarktung von ätherischen Ölen nach dem Modell „Tupperabend“ zugenommen. Auch in christlichen Kreisen scheint diese neue, „alternative“ Methode zur Behandlung von Problemen/Krankheiten, angefangen bei Übergewicht bis hin zu Krebs, Wellen zu schlagen. Hier muss jedoch aus wissenschaftlicher Sicht entschieden widersprochen werden. Es gibt keine Mittel, die alles behandeln und heilen können. Wenn Krankheiten, ohne ihren medizinischen Hintergrund und ihre Vorgänge im Körper zu kennen, mit ätherischen Ölen behandelt werden, kann dies gefährliche Auswirkungen haben. Im schlimmsten Fall kann es zum Tod führen, wenn schwere oder chronische Erkrankungen ineffektiv mit ätherischen Ölen behandelt werden, wo nachgewiesenermaßen effektive Behandlungsmethoden zur Verfügung stehen.

Zusammenfassung

Aktuelle Studien deuten auf ein großes Potential von ätherischen Ölen in der Aromatherapie hin. Die Forschung steht hier aber noch am Anfang und ihre Entwicklung muss zur genauen Einordnung der Wirksamkeit der Therapie weiter beobachtet werden. Es ist ebenfalls wichtig, das Vertrauen nicht in die Werbung der Hersteller oder Verkäufer der Öle zu setzen, die durch das gesteigerte Interesse an alternativen Heilmethoden Versprechungen von der verbesserten Gewichtsabnahme bis zur Heilung von Covid-19[15] machen. Außerdem sollten Christen prüfen, ob das Öl die mit ihm in Verbindung gebrachte Wirkung wirklich hat/haben kann oder ob diese allein unter esoterischen Gesichtspunkten besteht. Der Umgang mit ätherischen Ölen sollte aufgrund ihrer möglichen Neben- und Wechselwirkungen immer reflektiert erfolgen und ihre Wirkung sollte nicht über- oder unterschätzt werden. Ätherische Öle sind weder Allheilmittel, noch einfach nur gut riechende „Ölchen“.

 

Download
Dieser Artikel als Download
Bitte achten Sie die Rechte des Autors. Nur für private Zwecke. Kommerzielle Vervielfältigung ist nicht gestattet.
Welchen Nutzen haben ätherische Öle?.pdf
PDF-Dokument [1 mb]

——————————————————————————–

Quellen-Nachweis

[1] Brockhaus, Bd. 1, S. 395. wissenmedia GmbH, Gütersloh/München, 2010.
[2] https://www.chemie.de/lexikon/%C3%84therisches_%C3%96l.html, letzer Zugriff : 26.04.2022 9:51Uhr
[3] Farrar A., Farrar F. Clinical Aromatherapy. Nurs Clin N Am 55 (2020) 489-504
[4] https://fl exikon.doccheck.com/de/Aromatherapie (letzter Zugriff 27.05.2022, 6:38 Uhr)
[5] Stefl itsch W. Aromatherapie: wann können ätherische Öle medizinisch eingesetzt werden? Dtsch Med Wochenschrift 2017, 142, 1936-1942
[6] Ebd.
[7] Ebd.
[8] Hamzeh S. et. al. Effects of Aromatherapy with Lavender and Peppermint Essential Oils on the Sleep Quality of Cancer Patients: A Randomized Controlled Trial. Evidence-Based Complementary and Alternative Medicine. Volume 2020, Article ID 7480204, 7 pages
[9] Jaafarzadeh M, Arman S, Pour FF. Eff ect of aromatherapy with orange essential oil on salivary cortisol and pulse rate in children during dental treatment: A randomized controlled clinical trial. Adv Biomed Res 2013; 2:10.
[10] Kang H., Nam E. How Strong is the Evidence for the Anxiolytic Efficacy of Lavender?: Systematic Review and Meta-analysis of Randomized Controlled Trials. Asian Nursing Research 13 (2019) 295-305
[11] Fung, T.K.H.; Lau, B.W.M.; Ngai, S.P.C.; Tsang, H.W.H. Therapeutic Effect and Mechanisms of Essential Oils in Mood Disorders: Interaction between the Nervous and Respiratory Systems. Int. J. Mol. Sci. 2021, 22, 4844.
[12] Steflitsch W. Aromatherapie: wann können ätherische Öle medizinisch eingesetzt werden? Tabelle 1. Dtsch Med Wochenschrift 2017, 142, 1936-1942
[13] Farrar A., Farrar F. Clinical Aromatherapy. Nurs Clin N Am 55 (2020) 489-504
[14] Golos M., Buchbauer G. Ätherische Öle und ihr Einfl uss auf Arzneimittelwirkungen: Einige Beispiele. MMP, 38. Jhg. 08/2015, 290-296
[15] Farrar A., Farrar F. Clinical Aromatherapy. Nurs Clin N Am 55 (2020) 489-504

Foto von Towfiqu barbhuiya auf Unsplash


Phytotherapie - eine Domäne für sich

Unter Phytotherapie (griechisch phyton = Pflanze, therapeia = Pflege) versteht man die Anwendung von Phytopharmaka zur wirksamen Behandlung, Linderung, Heilung und Vorbeugung von Krankheiten. Phytopharmaka sind Fertigarzneimittel aus frischen oder getrockneten Pflanzenteilen (in der pharmazeutischen Fachsprache auch Drogen oder Teedrogen genannt) oder deren Zubereitungen (zum Beispiel Extrakte). Im Unterschied zu chemisch-synthetischen Wirkstoffen, die als Einzelstoffe weiterverarbeitet werden, bestehen Phytopharmaka aus einem komplex zusammengesetzten Vielstoffgemisch an Pflanzeninhaltsstoffgruppen, kurz gesagt: der Wirkstoff eines Phytopharmakons ist der Pflanzenextrakt. Häufig werben Inverkehrbringer von Nichtarzneimitteln auf ihren Verpackungen mit Schlagworten wie „pflanzlich“, „Naturkraft“ oder „natürlich“ – dies suggeriert eine nachgewiesene Wirksamkeit, was aber leider nicht immer der Fall ist. Im Dschungel der angepriesenen pflanzlichen Substanzen ist es daher wichtig, die einzelnen Präparateklassen auseinanderzuhalten. Die folgende Übersicht gibt dem Laien Unterscheidungsmerkmale an die Hand:

Phytopharmaka:

Sie müssen für die Marktzulassung die gleichen im Arzneimittelgesetz festgeschriebenen Anforderungen hinsichtlich Qualität, Wirksamkeit und Unbedenklichkeit erfüllen wie chemisch-synthetische Arzneimittel. Sie enthalten Angaben zu verwendeten Pflanzenteilen, Droge-Extrakt-Verhältnis und Auszugsmitteln.

Je nach Zulassungsstatus unterscheidet man:
1. Rationale oder well-established Phytopharmaka mit Zulassungsnummer (Zul.Nr.) auf der Umverpackung und einer klaren Indikation, zum Beispiel „Pflanzliches Arzneimittel gegen…“.
2. Traditionelle Phytopharmaka, die nur als solche registriert werden können, wenn die Wirksamkeit auf einen 30-jährigen plausiblen Einsatz zurückzuführen ist. Sie tragen dann eine Registrierungsnummer (Reg.Nr.) auf der Verpackung und haben keine eindeutige Indikation, zum Beispiel „Zur Unterstützung bei…“.

Medizinprodukte:

Sie wirken auf rein physikalischem Wege und haben keine pharmakologische Wirkung, das heißt, sie greifen nicht in den Stoffwechsel des Menschen ein.

Beispiel hier sind Isla®Moos Hustenpastillen mit Schutzfilmbildung auf trockenen Mundschleimhäuten.
Erkennungsmerkmal beim Medizinprodukt ist das CE-Kennzeichen.

Nahrungsergänzungsmittel:

Sie werden auf der Verpackung auch als solche deklariert, verfügen über eine Nährwerttabelle und gehören zu den Lebensmitteln.
Sie werden seitens der Behörden weder registriert noch zugelassen, noch auf Wirksamkeit und Sicherheit geprüft. Sie müssen nur beim Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit angezeigt werden.

Darreichungsform und Verpackung von diesen ähnelt einem „Arzneimittel-Outfit“ wie beispielsweise ipalat® Halspastillen.
Neben Vitaminen und Mineralstoffen dürfen auch pflanzliche Wirkstoffe enthalten sein, aber auf der Verpackung darf rechtlich keine Nennung einer Indikation erfolgen.

In den Medien, aber auch in der Apotheke wird Phytotherapie völlig undifferenziert, vor allem in der Selbstmedikation, neben Homöopathie und Anthroposophie gestellt. Aber: Phytotherapie und letztgenannte Therapien sind keine Einheit. Sie folgen anderen Gesetzmäßigkeiten und Denkweisen! Die Homöopathie folgt dem Simile Prinzip: „Ähnliches wird durch Ähnliches geheilt“. Also etwas, was Fieber auslöst, wird verdünnt, um dann gegen Fieber eingesetzt zu werden. Die Anthroposophie, wörtlich übersetzt „Weisheit vom Menschen“, durchgeistigt den Menschen durch Zuschreibung verschiedener Wesensglieder und gibt jedem Krankheitsbild und der Therapie eine spirituelle und übersinnliche Dimension. Beiden Denkweisen liegt ein esoterisches, der Bibel widersprechendes Heilsverständnis zu Grunde. Nachfolgende Merkmale auf Verpackungen helfen Laien bei der Unterscheidung zu Phytopharmaka:

Sie gehören zur Alternativmedizin nach Samuel Hahnemann.
Sie enthalten unter anderem pflanzliche Ausgangsstoffe in Urtinkturen, die durch mehrfach abgestufte Verdünnung (sogenannte Potenzierung) in Form von Zuckerkügelchen (sogenannte Globuli), Tabletten oder Tropfen erhältlich sind. Die dabei erreichten Konzen-trationen können so niedrig ausfallen, dass der Stoff, dem man eine Wirkung zuschreibt, nicht mehr auf atomarer Ebene nachgewiesen werden kann.
Auf ihrer Verpackung findet sich immer eine Potenzangabe wie zum Beispiel D6 oder C30, die den Grad dieser Verdünnung beschreibt. Das „D“ steht für „Dezimale“, was bedeutet, dass bei einer D6-Potenz die ursprüngliche Substanz sechs Mal hintereinander im Verhältnis 1:10 verdünnt wurde. Der Arzneigehalt beträgt damit 0,0001 Prozent.
C-(Centisimal)-Potenzen (von lateinisch centum = 100) werden in einem Verhältnis 1:100 verdünnt.

Sie sind als solche auf der Verpackung deklariert. Für sie werden weder eine bestimmte Wirkung noch ein Anwendungsgebiet angegeben. Ein Wirkungsnachweis entfällt. Sie enthalten unter anderem pflanzliche Ausgangsstoffe, die nach homöopathischen oder nach einem besonderen anthroposophischen Zubereitungsverfahren nach dem Begründer Rudolf Steiner verarbeitet worden sind, zum Beispiel Veraschung, Röstung oder Verkohlung.

Resümierend lässt sich festhalten: Die in der Phytotherapie eingesetzten Mittel, die sogenannten Phytopharmaka, folgen den Gesetzmäßigkeiten der evidenzbasierten Medizin. Unter Evidenz versteht man die wissenschaftliche Aussagekraft, die sich auf empirisch nachgewiesene Grundlagen, sprich experimentelle Studien, stützt. Phytopharmaka sind immer als einzelne Produkte zu betrachten, denn nicht die Stammpflanze ist ausschlaggebend als Wirkstoff, sondern das, was mit der Stammpflanze gemacht wurde, um den Pflanzenextrakt zu gewinnen. Die Zusammensetzung dieses Pflanzenextraktes variiert je nach
– verwendetem Pflanzenteil der Stammpflanze (Wurzel oder Blüte),
– Auszugsmittel (Wasser = löst nur hydrophile Inhaltsstoffe oder Alkohol = löst auch lipophile),
– Herstellungsprozess (Extraktionszeit, Temperatur, Druck, Schnittgröße) und
– verwendetem Droge-Extrakt-Verhältnis.
Analysiert man einen pflanzlichen Extrakt, besteht er als Vielstoffgemisch je nach verwendeter Stammpflanze aus vielen einzelnen Wirkstoffgruppen (unter anderem Flavonoiden, ätherischen Ölen, Saponinen, Bitterstoffen, Gerbstoffen, Cumarinen), die erst in ihrer Gesamtheit das Wirkspektrum ergeben. Extrakte kann man je nach Herstellungsaufwand in standardisierte Extrakte, quantifizierte Extrakte und Spezialextrakte einteilen, wobei die Spezialextrakte eine besondere Stellung einnehmen. Spezialextrakte sind patentierte Extrakte, die von Herstellern mit viel Forschungseifer durch Anreicherung wirksamkeitsbestimmender pflanzlicher Inhaltsstoffe und Entfernung unerwünschter Substanzen entwickelt werden. Diese Spezialextrakte müssen vor Zulassung wie auch synthetisch-chemische Arzneimittel randomisierte, kontrollierte Doppelblindstudien durchlaufen. Diese Forschungsschritte auf hohem Niveau schlagen sich auch dementsprechend auf den Marktwert der einzelnen Phytopharmaka nieder. Ergebnisse von Studien mit Phytopharmaka sind aufgrund der unterschiedlichen Herstellungsprozesse und Wirkstoffanteile also nicht grundsätzlich für eine Pflanze gültig, sondern nur für das eine getestete Präparat mit seinem individuellen Extrakt. Folglich können Präparate von unterschiedlichen Herstellern, die aus der gleichen Stammpflanze bestehen, selten gegeneinander ausgetauscht werden. Im Folgenden zeigt eine Tabelle einige Präparate der rationalen Phytotherapie mit hohem Evidenzgrad.

*Bitte beachten: Phytotherapeutika sind Arzneimittel, die ebenso Wirkstoffe enthalten, wie synthetisch hergestellte Präparate. Daher kann es bei der Einnahme zu Wechsel- und Nebenwirkungen kommen. Diese Auflistung an Medikamenten dient nicht als Anleitung zur Selbsttherapie, sondern dazu, sich einen besseren Überblick über das breite Angebot an Phytotherapeutika zu verschaffen. Neue Medikamente sollten nicht ohne Rücksprache mit dem Arzt oder Apotheker eingenommen werden.

Download

Tabelle einiger Präparate der rationalen Phytotherapie mit hohem Evidenzgrad zum Download
PDF-Dokument [627 kB]

Tabelle ansehen

Legende der Fachtermini zur Tabelle:


antiphlogistisch

entzündungshemmend

antiviral

gegen Viren wirkend

antibakteriell

gegen Bakterien wirkend

zytoprotektiv

zellschützend

sekretomotorisch

den Abtransport von zähem Schleim verstärkend

sekretolytisch

die Bildung von dünnflüssigem Schleim anregend

broncho-spasmolytisch

wirkt entkrampfend auf die Bronchialmuskulatur

uteral

die Gebärmutter betreffend

neuroprotektiv

Nervenzellen und Nervenfasern werden vor dem Absterben bewahrt

synaptosomal

in Synapsen auftretende Vesikel betreffend

synaptische Plastizität

Fähigkeit von Synapsen, je nach Abhängigkeit ihrer Aktivität sich umzubauen. Sie dient dazu, die Funktion des Nervensystems zu erhalten, anzupassen und gegebenenfalls zu erweitern

Neurotransmission

die Kommunikation über Botenstoffe im Nervensystem

carminativ

blähungstreibend, sodass der Abgang von Darmgasen erleichtert wird

motilitätsregulierend

wirkt unterstützend bei Magen-Darm-Beschwerden, die auf unstimmige Bewegungsabläufe der Magen-Darm-Muskulatur und Störungen des enterischen Nervensystems („Bauchhirn“) zurückzuführen sind

antiemetisch

gegen Übelkeit wirkend

cholagog

gallentreibend

choleretisch

den Gallenfluss fördernd

hepatoprotektiv

die Leber schützend

spasmolytisch

entkrampfend

Download

Dieser Artikel als Download
Bitte achten Sie die Rechte des Autors. Nur für private Zwecke. Kommerzielle Vervielfältigung ist nicht gestattet.
Phytotheraphie.pdf
PDF-Dokument [627 kB]

Foto von Colin Lloyd auf Unsplash


Umgang mit fragwürdigen Arzneimitteln & Behandlungsmethoden

Es gibt einige Arzneimittel und Behandlungsmethoden, die oberflächlich betrachtet als nützlich und hilfreich erscheinen, bei ihrer Anwendung für einen Christen im Nachhinein aber für Gewissensprobleme sorgen können oder sich sogar als Sünde herausstellen. Gemeint sind hier Arzneimittel und Behandlungsmethoden, die aufgrund ihrer möglichen (Nicht-)Wirkung, ihrer Herstellung oder ihres entstehungsgeschichtlichen und kulturellen Hintergrundes kritisch zu beurteilen sind. Hierzu zählen beispielsweise Verhütungsmittel mit abtreibender Wirkung[1], homöopathische Präparate[2] und andere sogenannte „Alternativmedizin“ oder Arzneimittel, die mit Hilfe von fetalen Zelllinien hergestellt wurden.[3] Diese Arzneimittel und Behandlungsmethoden werden von den meisten Ärzten ohne weitere Aufklärung verordnet und sind in der allgemeinen Bevölkerung als „Medizin“ anerkannt (z. B. Homöopathie, Akkupunktur, etc.). Oft gilt der Grundsatz „Wer (was) heilt, hat recht.“ Es kann also geschehen, dass Christen diese Arzneimittel oder Behandlungsmethoden unbefangen anwenden, da sie sich nicht darüber im Klaren sind, welchen Hintergrund sie haben. An dieser Stelle soll es ausdrücklich nicht um den Umgang mit der Tötung ungeborenen Lebens (Abtreibung) oder der aktiven Sterbehilfe gehen, da hier bewusst der Tod eines Menschen herbeigeführt wird, was offensichtlich eine Sünde darstellt.[4]

Wie gehe ich damit um, wenn ich die Mittel/Methoden angewandt habe?

Wenn wir erkannt haben, dass die Mittel/Methoden nicht haltbar sind, sollten wir zuerst die Anwendung unterlassen und uns stattdessen auf die Suche nach Alternativen begeben. Wenn es sich um Arzneimittel handelt, die beispielsweise mithilfe von fetalen Zelllinien hergestellt werden, aber für uns essentiell wichtig sind, sollte die Suche nach Alternativen natürlich in Absprache mit den Ärzten erfolgen. Es ist ein Unterschied, ob ich z. B. ein Medikament dringend brauche, um weiterleben zu können oder ob ich eine fernöstliche „Sportart“ anwende, um mich besser zu fühlen. Die Entscheidung im Einzelfall ist hier sehr wichtig und darf nicht verallgemeinert werden. Deshalb ist es wichtig, dass sich jeder persönlich kritisch damit auseinandersetzt, welche Medikamente, Präparate oder medizinische Therapien ihm verordnet oder vorgeschlagen werden. Wenn wir die Anwendung der Mittel/Methoden als Sünde erkannt haben, dann gilt auch hier „Wenn wir unsere Sünden bekennen, so ist er (Gott) treu und gerecht, dass er uns die Sünden vergibt und uns reinigt von aller Ungerechtigkeit.“ (1. Johannes 1,9)

Wie kann ich mich zukünftig schützen?

Zum Einen durch kritisches Hinterfragen und Recherchieren. Das nüchterne Prüfen sollte sich nicht auf Fragen des Glaubens beschränken. Vielmehr ist ein sorgfältiges Prüfen in allen Bereichen unseres Lebens, auch in den Fragen der Gesundheit, anzustreben. Dazu gibt es die Möglichkeit den Arzt des Vertrauens zu fragen oder (Fach-)Literatur zum Thema zu lesen. Zum Anderen wird allerdings immer ein Restrisiko bleiben. Die Medizin ist eine Wissenschaft und befindet sich deshalb zwangsläufig im Wandel. Wissenschaftliche Diskussionen können immer wieder neue Erkenntnisse hervorbringen. Das heißt vereinfacht: Nur weil etwas vor 20 Jahren als bedenklich oder unbedenklich galt, heißt das nicht, dass dies auch noch dem aktuellen wissenschaftlichen Stand entspricht. Auch hier können wir die Parallele zur Prüfung unseres Zeitgeistes ziehen. Wir sind als Christen zu jeder Zeit dazu angehalten „alles zu prüfen und das Gute zu behalten“ (1. Thessalonicher 5,21). Das erfordert Arbeit, birgt aber auch großen Segen und es gibt Menschen und Hilfsmittel, die uns dabei zur Seite stehen. Lassen Sie sich also nicht entmutigen. Prüfen Sie die Dinge, die Sie betreffen, im Licht von Gottes Wort!

 

Download
Dieser Artikel als Download
Bitte achten Sie die Rechte des Autors. Nur für private Zwecke. Kommerzielle Vervielfältigung ist nicht gestattet.
Umgang mit fragwürdigen Arzneimitteln & Behandlungsmethoden.pdf
PDF-Dokument [603 kB]

--------------------------------------------------------------------------------

Quellen-Nachweis

[1] https://www.cdkev.de/app/download/25897579/Wirken+Verh%C3%BCtungsmittel+abtreibend_Rahel+Hedrich_CDK.pdf
[2] https://www.cdkev.de/alternativmedizin/hom%C3%B6opathie/
[3] fetale Zelllinien: siehe S. 29
[4] Siehe dazu folgende Artikel: https://www.cdkev.de/app/download/25615118/Assistierter+Suizid++Menschenw%C3%BCrde_+Eine+biblisch-theologische+Einordnung_+J.+Koberschinski.pdf, https://www.cdkev.de/app/download/25110720/Die+fortschreitende+Aush%C3%B6hlung+des+Rechts+auf+Leben.pdf

Foto von Nataliya Vaitkevich: https://www.pexels.com/de-de/foto/gesund-blatt-behandlung-pulver-7615616/

Alternative Körpertheraphien

Anmerkungen zu alternativen Körpertherapien

 

Von Sabine Hundertmark , Lingen / Ems

Seit vielen Jahren nehmen Al­ternative Heilmethoden wie Shiatsu, Tuina, Reiki, Fußreflexzonen­therapie und andere einen zunehmend breiten Raum bei Fortbildungsveran­staltungen der Physiotherapeuten ein. Auch ich hatte mich dafür interessiert, habe Kurse besucht und dabei viel Zeit und Geld investiert in der Hoffnung, Menschen dadurch helfen zu können. Als ich schließlich bereit war, die er­lernten Methoden kritisch zu hinterfra­gen und an Gottes Wort zu prüfen, wie es uns der Apostel  Paulus nahe legt[1] , erkannte ich meinen Irrweg.

„...und es gibt nichts Neues unter der Sonne“ [2]

Was geschieht eigentlich bei diesen als „ganzheitlich“ de­klarierten Methoden?

Ich zitiere: „ Bei körperlichem Kontakt kommt es immer zu einer Übertragung von Muskeltonus und neurovegetativen Spannungen, zur Übertragung von inneren und äußeren Elementen. Bei der therapeutischen Be­rührung handelt es sich nicht um ein vages, gefühlsmäßiges Einbeziehen des Gegenüber, sondern um ein klares Übergreifen des Bewusstseins, um ei­nen Transzensus...., da die meisten Men­schen unfähig sind, solche subtilen Ein­flüsse und Übertragungen zu re­gistrie­ren, bleiben sie unerkannt und unkon­trolliert. Kenner der modernen Grup­penmethoden, die auf unmittel­barer Körperberührung basieren, sind sich der Gefahr durchaus bewusst und empfehlen Psychotherapie zur Auf­schlüsselung der Erfahrung. Es können schwere Störun­gen des seelischen Gleichgewichts auf­treten.“[3] Bei einer an­deren Autorin[4] heißt es ganz unverblümt „Durch die Berührung entsteht ein elektromagneti­sches Kraftfeld durch die Begegnung zweier offener Kraftfelder, das eine fortwährende Homöostase an­strebt“ Während eines Lehrganges im Jahre 1992 erklärte Frau Marquard noch er­gänzend hierzu, dass diese Therapie eine Psychose bei Patienten auslösen kann. Können wir als Christen hier nur schweigend zuhören, wenn uns dies vorgesetzt wird? Als ich einen  Reiki-Lehrer, der im Rahmen einer Osteopo­rosefortbildung seine Methode vor­stellte, fragte, ob diese Methode auch psychische Störungen zur Folge haben könnte oder gar eine Psychose er­zeuge, bejahte er ohne zu zögern diese meine Fragen.  „Ja , und?“ meinte er knapp „dann macht man eben Psychotherapie“! ...

Eine Kollegin, die aktiv Shiatsu praktiziert und als Leiterin der Psychotherapeutischen Abteilung einer Kurklinik tätig ist, teilte mir auf An­frage mit, dass sie Patienten, die auf­grund dieser Therapie aus dem see­lischen Gleichgewicht geraten, gleich an den Klinikpsychologen weiterleitet!

Der Apostel Paulus macht uns in seinem Brief an Timotheus[5] deut­lich, dass es durch Berührung / Hand­auflegung zu einer Übertragung von Sünden kommen kann. Der Mensch wird „eins" mit der sündhaften Natur des Gegenüber. Diese Warnungen von Paulus sollen wir sehr ernst nehmen. In der einschlägigen Literatur finden wir Bestätigung, dass die Warnungen von Paulus nicht vergeblich sind, denn:

„... bei ... Körperarbeit wird mit der „kineästhetischen Trance“ gearbeitet. Was genau im Körper, im Gehirn und den Sinnesorganen während solcher Phasen passiert, bleibt zu klären... „kineästhetische Trance“ scheint auch der Kernpunkt der Heilungsrituale von Naturvölkern zu sein." [6]

Oder noch deut­licher:

„...im Trance gehen“ heißt Hinüber­gehen in die Sphäre der Götter, Geister und Dämonen“ [7].

Der oben er­wähnte Reiki-Lehrer erklärt seinen Teil­nehmern bei der Behandlung ganz offen: „Ich nehme mich jetzt ganz zurück und bitte die schöpferische Kraft durch  mich hindurch in den Körper des Patienten zu strömen“. Hier erkennen wir den Abfall, die Versuchung von unten!

Es kommt hinzu, dass Therapeuten ihre okkulten Praktiken oft ohne Wissen des Patienten praktizieren. Ich weiß von ei­ner Kollegin, die Anhängerin des tibeta­nischen Buddhismus ist, dass sie wäh­rend der Fußreflexzonentherapie „ohne Wissen des Patienten den ‚Medizin­buddha‘ visualisiert und ihn bittet durch sie hindurch im Patienten zu wirken...!“

Alle diese Techniken zielen auf  ei­nen veränderten Bewusstseins­zustand beim Patienten.  Es muss uns klar sein, dass diese Praktiken, die heute mit dem Etikett „Krankengym­nastik, Physiotherapie“ etc. durchge­führt werden, zum ureigentlichen Auf­gabenbereich von Schamanen und heidnischen Medizinmännern, also Menschen, die Kontakte zur Geisterwelt pflegen, gehören -  somit kurz gesagt zum Arbeitsfeld derer, die die Bibel als „Zauberer“ bezeichnet. Gott verbietet seinem Volk eindeutig den Kontakt mit Zauberern ! [8] , [9] , [10] , [11]

Im Gebot sagt uns Gott , dass wir keine anderen Götter neben ihm haben sollen. Paulus stell fest, dass die Heiden den Dämonen opfern[12] und er warnt uns eindeutig vor der Gemein­schaft mit ihnen[13]. Vom König Asa wird uns berichtet[14], wie er in seiner Krank­heit Hilfe nicht bei Gott, sondern bei Priesterärzten sucht. Diese Priester­ärzte gehörten zum Kultpersonal der heidnischen Tempel auf den Höhen außerhalb Jerusalems. Asa wünschte sich also durch die Macht der fremden Götter geheilt zu werden. Er vertraute nicht auf Gott, der doch versprochen hatte:  „Ich bin der Herr, dein Arzt“[15]. Auch für Christen gibt es die Ver­suchung, ihr Heil in alternativen Kör­pertherapien zu suchen. Sie versün­digen sich hier an Gott und laufen Ge­fahr, die Gemeinschaft mit Ihm zu ver­lieren ![16], [17]

Noch etwas fällt auf: die Berührun­gen, Streichungen, die Körperthera­peuten am Patienten durchführen, um z.B. eine angebliche Harmonie zwi­schen Mikro- und Makrokosmos herzu­stellen, einen Energieausgleich, der Gesundheit be­wirkt, sind in Anlage und Wirkung ver­gleichbar mit den Strei­chungen, den „passes“, die Franz Mesmer (1734-1815) bei seinen Pati­enten im Rahmen seiner „magnetischen Heilbehandlung“ durchführte. Charcot entwickelte daraus dann seine Hypno­sebehandlung (1879). Praktizierende Hypnotiseure erklären, dass es ihnen möglich sei, dem Pati­enten Befehle zu geben, die er dann im Alltag ausführt, und zwar auch dann, wenn sie seinem Willen widersprechen[18]. Dass schizo­phrene Persönlichkeits­spaltungen unter Hypnose möglich sind wird immer wie­der in der Literatur an­geführt.[19], [20]  Gottes Wille und Sein Heilsplan mit uns Menschen sind keine gespaltene Persönlichkeiten, sondern Menschen, die Ihm ungeteilt und von ganzem Herzen dienen und Ihn lieben.  Ich erinnere an Dr. med. William Kroger und den Psychologen William Fetzler, die beide[21] aufgrund langjähriger For­schungsarbeit vor einer Verwirrung warnen, die entsteht, wenn man Hyp­nose, Zen, Yoga und andere fernöst­liche Heilmethoden zu sehr voneinander trennt. Fazit: auch wenn die verschie­denen Methoden äußerlich unterschied­liche Rituale pflegen, haben sie doch alle den gleichen okkulten Hintergrund.

Ich habe Buße getan, meine Sünden vor dem Herrn bekannt und mich rigoros von allen alternativen Körpertherapien losgesagt. So erfahre ich Gottes Verge­bung und Frieden !

[1]    1. Thess. 5,21

[2]    Prediger 1,9

[3]    Gerda Alexander: „Eutonie“, Kössel Verlag, 1992

[4]    Hanne Marquard: „Lehrbuch der Reflexzonentherapie am Fuß“ , Hippokrates Verlag , 1992

[5]    1. Tim. 5,22

[6]    Manuela Brinkmann: „Rolfing und NLP“ . Jungfermann Verlag , 1991

[7]    Wolfgang Büscher: „Unterwegs in magische Welten“, Geo , 9/1999

[8]    5. Mose 18

[9]    Psalm 58,6

[10]   Micha 5,11

[11]   Off. 21, 8  und  22,15

[12]   1. Kor. 10,20

[13]   2. Kor. 6,14

[14]   2. Chron. 16 , 12

[15]   2. Mose 15 , 26

[16]   Jer. 2,13

[17]   Jes. 59, 12

[18]   Kurt Tepperwein: „Die hohe Schule der Hypnose“ , Ariston , 1999

[19]   Ulla Fröhling: „Vater unser in der Hölle“ , Kallmeyersche , 1996

[20]   John Upledger: „Auf den inneren Arzt hören“ , Heyne , 2000

[21]   Dave Hunt: „Die okkulte Invasion“ , CLV , 1999


Yoga - nur harmlose Gymnastik?

Wie kommt es eigentlich, dass so viele Menschen für diese fernöstliche Entspannungs­technik offen sind?

 

Das Interesse an Yoga-Kursen hat in den letzten Jahren in unserem Lande erheblich zugenommen. Kurkliniken und andere Rehabilitationseinrichtungen, Volkshochschulen, Kirchen und Krankenkassen bieten regelmäßig Yoga-Kurse an.

Im Programmheft einer großen Krankenkasse sind unter Entspannungs-Kursen aufgeführt:

  • Autogenes Training
  • Yoga
  • Tai Chi – Schattenboxen.

Es heißt dort: „Hektik im Beruf und Familie, Leistungsdruck und Prüfungsstress führen zu Nervosität, Gereiztheit, Unruhe und Schlaflosigkeit. Sie können jedoch etwas dafür tun, Abstand zu gewinnen und Stress zu vermeiden.“ In dem Prospekt heißt es dann weiter: „Yoga bedeutet im weiteren Sinne bewusst leben.“

„Im Yoga wurde über Jahrtausende ein System von Körperübungen (bzw. Haltungen = Asanas) entwickelt, das die Konstitution tief greifend beeinflusst. Folglich wächst bei regelmäßigem Üben von Yoga die gesundheitliche Stabilität; auch gestörte Organfunktionen harmonisieren sich allmählich. Darüber hinaus bewirken Yoga-Übungen unmittelbar körperliche Entspannung und seelische Ausgeglichenheit und führen zu innerer Ruhe“. Soweit dieser Prospekt.

Wie kommt es eigentlich, dass so viele Menschen für diese fernöstliche Entspannungs­technik offen sind? Warum suchen Menschen Heilung bei der Alternativ-Medizin, denn dazu gehört ja Yoga und andere meditative Praktiken wie autogenes Training und Transzendentale Meditation?
Wir wollen auch der Frage nachgehen, was die Ursache für den Alltagsstress vieler Menschen ist und ob es eine ursächliche Behandlung dafür gibt.

Als Arzt, der täglich eine Anzahl von Patienten mit körperlichen und seelischen Krankheiten begegnet und ihnen helfen möchte, darf ich auch der Frage nach­gehen, ob Yoga oder andere so genannte Entspannungstechniken für die Patienten eine Hilfe sein können oder eine Gefahr bedeuten. Äußerst dankbar bin ich, dass mir bei der Betreuung der Patienten der enorme naturwissenschaftliche Fortschritt zur Verfügung steht, den wir ja alle in den letzten Jahrzehnten erleben durften. So hat die Entwicklung der Antibiotika zu einem deutlichen Rückgang der gefähr­lichen Infektionskrankheiten geführt. Auch neuere sehr wirksame Medikamente bei Herz- und Kreislauferkrankungen haben die Lebenserwartung erheblich ver­bessert, wobei ein gläubiger Christ sich immer bewusst ist, dass seine Zeit in Gottes Händen steht. (Psalm 31,16)

Moderne diagnostische Verfahren wie Sonographie, Röntgen, Computertomographie usw. sind bei der Früherkennung von Krankheiten, insbesondere beim Krebs, eine große Hilfe.
In der Chirurgie denken wir auch an die Möglichkeit, verschiedene Organe wie Niere, Leber, Herz usw. zu transplantieren. Auch an verschiedenen Hirnabschnitten sind heute Operationen möglich. Insgesamt kann man sagen, dass die medizinische Hilfe bei körperlichen Krank­heiten in unserem Lande noch nie so gut war wie in der heutigen Zeit. Dennoch erleben wir in dieser Zeit eine starke Hinwendung zu den verschiedenen Methoden der Alternativ-Medizin wie Homöopathie, Akupunktur, Irisdiagnostik, Fußreflexzonenmassage, Anthroposophische Medizin, Bachblütentherapie, Makrobiotik, Autogenes Training, Yoga usw. Woran liegt das?

Ich denke, hierbei spielen Nachteile oder Enttäuschungen an der naturwissen­schaftlichen Medizin eine Rolle. Dazu möchte ich einige Punkte aufführen:

  • Auf den Begleitzetteln der Medikamente sind alle Nebenwirkungen aufgeführt. Viele Patienten sind dadurch sehr verängstigt. Die Alternativ-Medizin bietet dagegen Medikamente an, die angeblich "keine Nebenwirkungen" haben und auch natürliche Medikamente sein sollen.
  • Die moderne Medizin hat zu einer starken Spezialisierung geführt. Es wird oft nur das Organ z. B. Herz, Leber, Niere usw. gesehen und nicht mehr der ganze Mensch mit Körper und Seele. Der Patient kommt sich dann leicht als Objekt vor und fühlt sich lieblos be­handelt. Die Alternativ-Medizin dagegen spricht vom ganzen Menschen und verspricht eine Harmonie von Körper und Seele.

Yoga ist verwandt mit dem lateinischen Wort jugum (Joch). Die religiöse Wurzel des Yoga ist der Hinduismus in Indien. Der Hinduismus kennt keinen bestimmten Gründer, sonders eine lange historische Entwicklung, die in 3 Phasen eingeteilt werden kann:

  • Vedismus (ca. 1.700 - l.000 vor Chr.)
  • Brahmanismus (ca. l.000 - 400 vor Chr.) mit seinem Kastensystem und seiner Lehre der Reinkarnation
  • der Hinduismus.

Der Hinduismus ist eine Mischreligion und vereinigt in sich Brahmanismus (Brahma = unpersönliche Weltseele, universaler Geist, Urgrund allen Seins), verschiedene andere Philosophien, Mythologien, Elemente aus dem Buddhismus, Christentum und Islam und viel Okkultismus. Mahatma (große Seele) Gandhi meinte: „Im Hinduismus ist Raum für die Ver­ehrung aller Propheten der Welt.“ Alle seien Erscheinungen in menschlicher Gestalt (Avatara) des einen "Urgottes", der einen Weltseele Brahman: Konfuzius, Laotse, Buddha, Jesus, Mohammed usw.

Der Hinduismus stelle damit die vollkommenste Religion der Erde dar, weil er die universalste ist. Das Christentum sei somit lediglich eine "Teil-Religion" eine "Teil-Wahrheit" - Jesus Christus nur einer der Propheten. Der Hinduismus ist nur scheinbar eine Religion der Toleranz. In Wirklichkeit ist er eine Religion der Intoleranz gegen jenes Christentum, das Jesu Absolutheitsanspruch ernst nimmt: Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben. Niemand kommt zum Vater, denn durch mich (Johannes 14, 6).

Die Götter des Hinduismus

Das Brahman sei ein unpersönliches, höchstes Wesen bzw. eine unpersönliche Weltseele, der universale Geist. Es nimmt die Gestalt von 3 Göttern an:

  • das Brahman, der Urheber
  • Vishnu, der Erhalter der Welt. Er greift ein um zu retten, wenn die Welt unterzugehen droht, und zwar durch seine Verkörperungen wie Krishna und Rama.
  • Shiva, der Zerstörer, um einen Neuanfang zu schaffen. Er ist der Gott des Tanzes, der Ekstase und der Heilkräuter.
    Neben diesen 3 Hauptgöttern kennt der Hinduismus ca. 33 Millionen Götter.

Das hinduistische Welt- und Menschenbild

Da der Hinduismus die geistige Wurzel des Yoga ist, soll diese Religion im Lichte des Wortes Gottes betrachtet werden.

  • Der Hinduismus kennt einen religiösen Monismus, d. h. alles und alle seien auf ein Grundprinzip, auf eine unpersönliche göttliche Weltseele (das Brahman) zurückzuführen. Die Bibel jedoch offenbart: "Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde (l. Mose l, l). Der Schöpfer ist göttliche Person.
  • Der Hinduismus kennt viele Götter (Polytheismus). Die Bibel jedoch offenbart: Es gibt nur einen Gott, Gott-Vater, Sohn und Heiliger Geist (Monotheismus) 5. Mose 4, 35, 39; l. Korinther 8, 6. Hinter Göttern bzw. Götzen stehen immer Dämonen.
  • Der Hinduismus meint, dass das Universum (Makrokosmos) die Natur und der Mensch (Mikrokosmos) eine Ausstrahlung der göttlichen Weltseele und somit ein Teil von ihr, ja selber göttlich seien (Pantheismus). Das Brahman sei alles in allem. Die Bibel offenbart, dass die Schöpfung (Universum, Natur) das Werk von Gottes Hand, jedoch nicht selber göttlich ist. Gott steht außerhalb seiner Schöpfung, wenn ER auch ihr Erhalter ist. Aber Gott und Seine Schöpfung sind nicht eins. Gleicherweise ist der Mensch nicht göttlich, sondern Geschöpf Gottes. Der Hinduismus meint, dass der Mensch ein eigenes göttliches Potential in seinem Inneren habe. Deshalb auch bei der Transzen­dentalen Meditation: Zurück zur göttlichen Quelle in dir selbst.
    Die Bibel jedoch sagt: "Alle meine Quellen sind in dir" (Psalm 87, 7 b), d. h. außerhalb von uns, von mir selbst, in Gott bzw. in Jesus Christus. Gott hat den Menschen in Abhängigkeit von IHM geschaffen.
  • Der Hinduismus behauptet, dass der Mensch als Teil der göttlichen Weltseele in seinem Kern gut sei.
    Die Bibel jedoch offenbart, dass der von Gott geschaffene Mensch zum Sünder geworden und völlig verdorben ist (Römer 3,23. u. 7.18) Der Mensch ist nicht ein Teil von Gott, sondern getrennt von Gott durch die Sünde (Epheser 4, 17 - 19).
  • Der Hinduismus meint, der Mensch sei unwissend und erkenne den göttlichen Kern in sich nicht und ebenso wenig seine Bestimmung sich mit dem Brahman zu vereinigen. Deshalb befinde er sich in einem ewigen Kreislauf der Reinkarnation (Wiederverkörperung)der Seele. Die Bibel jedoch offenbart, dass die Strafe Gottes über die sündige Menschheit der Tod ist - der physische und geistliche Tod und sogar der ewige Tod. So heißt es: Es ist den Menschen einmal gesetzt zu sterben und dann kommt das Gericht. (Hebräer 9, 27)
  • Der Hinduismus denkt, die Erlösung aus diesem ewigen Kreislauf der Reinkarnation ist Yoga. Er kennt 3 grundlegende, gleichberechtigte Wege der Selbster­lösung:
    • Jnane-Yoga - der Weg der inneren Erkenntnis, der über Yoga Meditation bzw. tiefe Versenkung in den Gegenstand der Meditation, Askese und Studium der "heiligen Schriften" geht.
    • Karma-Yoga - der Weg der Werke über Pflichterfüllung in Familie und Gesellschaft und über Riten und Zeremonien.
    • Bhakti-Yoga - der Weg der Frömmigkeit, Hingabe, Liebe über Verehrung eines selbsterwählten Gottes, über Askese, Rituale, Opfer, ständige Wiederholung einer Formel oder des Namens eines Hindu-Gottes (Mantra).

Alle Formen des Yoga haben das gleiche Ziel: Die völlige Herrschaft über das "ich" auf körperlichem, seelischem und geistigem Gebiet zu erlangen. In den verschiedenen Stufen der Versenkung nimmt man teil an der Einheit der Natur. Aus dem Gefühl der Einheit und der Ganzheit soll dann die eigene Ge­sundheit erwachsen: Bei den verschiedenen Stufen des Yoga wird schließlich die Erhebung des "ich" zum höchsten Weg - in Indien zum Brahman-, erreicht. Yoga ist somit eine Religion der Selbsterlösung. In der westlichen Welt erscheint Yoga harmlos als eine Folge von gymnastischen Übungen.
Yoga hat jedoch nichts mit einer neutralen Entspannungstechnik, mit Gymnastik oder Sport zu tun. Yoga ist die untrennbare religiöse Frucht der religiösen Wurzel des Hinduismus - auch der körperliche Yoga!

Bei Yoga geht es um unbewegliche Haltungen - bei Gymnastik um Bewegungen - es geht um Passivität des Körpers, der Gedanken und des Willens. Diese Passivität ist eine gefährliche offene Tür für eine Verführung und den Einfluss der Finsternis. Bei Yoga ist das langsame Tempo bis zur vollkommenen Ruhe wichtig (innere Stille, Leere, Passivität) um kosmische Energie aufzunehmen. Bei der Gymnastik geht es um ein schnelles, lebendiges Tempo, wobei natürliche Energie verbraucht wird.
Das Yoga-Atmen bedeutet nicht ein normales, unbewusstes physiologisches Atmen (Sauerstoff aufnehmen), sondern ein unnormales, bewusstes, geistiges Atmen kombiniert mit körperlicher Unbeweglichkeit. Beim Yoga-Atmen soll kosmische Energie in die Wirbelsäule bzw. in die so genannten Energiezentren strömen, beim normalen Atmen strömt Luft in die Lungen.
Wichtig beim Yoga-Atmen ist, eine immer längere Pause zu erreichen, um die "kosmische Energie" zu zwingen, sich über die "Energiezentren" zu verteilen.

Es gibt viele Formen des indischen und tibetanischen Yoga. Einige Kernsätze aus dem Werk Mishras erschließen uns die geistige Atmosphäre des Yoga:

  • das höhere Ich des Menschen ist transzendent und immanent, es ist ohne Anfang und ohne Ende, hat keine Geburt noch den Tod
  • Yoga bedeutet die Synthese des physischen und metaphysischen Universums
  • Himmel und Hölle seien nur Produkte des menschlichen Geistes
  • auch hinter der Magie, Mystik und hinter dem Okkultismus ist das Yoga-System gegenwärtig.

Schon diese 4 Sätze zeigen, dass Yoga und Bibel nicht im Entferntesten zusammen­zubringen sind. Die fernöstlichen Systeme und der christliche Glaube sind unver­einbare Gegensätze.
Im Folgenden möchte ich noch etwas zu den 4 Stufen des Yoga sagen, wobei in der westlichen Welt im Wesentlichen die 1. Stufe praktiziert wird.

  1. Stufe - sie hat das Ziel, dem Yoga-Schüler die Herrschaft über sein Bewusstsein und seinen Körper zu vermitteln. Der Verwirklichung dieses Ziels dienen geistige und körperliche Übungen. Zu den geistigen Übungen gehören Meditation, autogenes Training, Konzentration, Litanei mit der dauernden Wiederholung eines Geheimwortes (Mantra). Die körperliche Übung umfasst die so genannte Atemgymnastik, ver­schiedene Körperstellungen wie Lotussitz, Kobrastellung, Kopfstand usw.
    Die 1. Stufe hat also psychosomatischen Charakter, die Herstellung der Einheit von Körper und Geist.
    Diese von den Yogi viel gerühmte Entspannungstechnik und Entleerungs­übungen führen nur dazu, dass ein anderer Geist - andere Geister einströmen und der Yoga Schüler merkt es nicht. Hierzu ein Beispiel:
    Eine gläubige Lehrerin berichtete, dass ein Tierarzt und seine Tochter anlässlich einer Evangelisation ihr Leben Christus über­geben wollten. Sie waren aber blockiert. Erst, als sie sich von ihren Yoga-Übungen losgesagt und Buße darüber getan hatten, gelang ihnen der Durchbruch zu Christus.
  2. Stufe - Diese Stufe des Yoga umfasst die Beherrschung des Unbewussten. Der Meister der 2. Stufe kontrolliert und lenkt  z. B. das einge­weihte Nervensystem oder auch den Pulsschlag. Yoga befreit nicht, sondern knechtet. Yoga löst nicht, sondern bindet. Yoga erleuchtet nicht, sondern vernebelt. Yoga bereitet nicht den Boden für Christus, sondern macht die Menschen für die Erlösung durch Christus immun. Yoga öffnet nicht die Pforte für den Heiligen Geist, sondern die Türen für die spiritistischen Geister. Dies wird noch deutlicher, wenn wir die Stufen 3 und 4 kurz be­schreiben.
  3. Stufe - Diese 3. Stufe des Yoga betreibt die Beherrschung der Naturkräfte. Im Westen kommt dies äußerst selten vor. Im Osten dagegen sehr häufig. Es ist eine Spezialität der tibetanischen Yogi, Magie und Yoga zu kombinieren.
    Nach einer 3 jährigen Lehrzeit bei einem Lama, dem Meister dieser Kunst, muss der Lehrling in der Lage sein, in der Natur Wärmeenergien auszulösen und etwa durch Gedankenkonzentration Eis zu schmelzen.
  4. Stufe - Auf der 4. Stufe erringt der Yogi die Meisterschaft der schwarzen Künste. Dafür sind vor allem die tibetanischen Lamas bekannt. Hierbei handelt es sich um eine so genannte Technik der Gottesver­wirklichung. Die Gottesebenbildlichkeit wird durch Einsicht in höher entwickelndes Bewusstsein erreicht. Yoga-Nanda unterscheidet ein transzendentales Bewusstsein - ein astrales und kausales Bewusstsein - ein kosmisches Bewusstsein und zuletzt das Christus-Bewußtsein. Bei der Differenzierung der Bewusstseinsformen wird das Grund­konzept des Yoga deutlich. Der Mensch klettert die Leiter hoch bis er Gott erreicht hat. Eine eindeutige Selbsterlösung. Der Verführungsplan der Schlange im Paradies - sein wie Gott - ist damit erfüllt.

Zusammenfassung

Zusammenfassend kann gesagt werden, dass Yoga bei uns verhüllt im Gewand von Entspannungstechniken oder Gymnastik angeboten wird. Es behauptet eine Lösung für Spannungen, Unruhe, Unfrieden, Schlaflosigkeit, Süchte usw. zu sein. Es ist aber keine Hilfe, da es nur eine Symptombehandlung darstellt und nicht nach der Ursache fragt. Der Mensch wird in eine schwere okkulte Bindung und Knechtschaft geführt. Tiefe Einsamkeit und Hoffnungslosigkeit sind die Folgen - eine Harmonie mit dem Kosmos ist etwas sehr Unpersönliches, Hoffnungsloses, ja der Mensch fühlt sich verloren. Depression und vermehrte Ich - Sucht können die Folge dieser geistigen Knechtschaft sein. Jeder Mensch hat viel mehr die tiefe Sehnsucht nach Geborgenheit; ihn bewegt die Frage nach Sinn und Ziel des Lebens.

Wenn diese Frage nicht geklärt ist, entsteht Unruhe, Hektik, Nervosität. Deshalb kann uns hier niemals eine Religion der Selbsterlösung helfen, sondern nur Gott, der Schöpfer Himmels und der Erde. Er hat uns das Leben geschenkt, einmalig, einzigartig, nach Körper, Seele und Geist.

Im Sündenfall hat sich der Mensch von Gott abgewandt, die Gemeinschaft verlassen. Sünde heißt ja Getrenntsein von Gott. In großer Liebe ist unser Schöpfer aber den Menschen nachgegangen. Schon im Garten Eden rief er: Adam, wo bist du? Jesus Christus, Gottes Sohn, kam als Retter in diese Welt, um verlorene Menschen zu suchen und zu retten. ER starb für meine und Ihre Schuld am Kreuz von Golgatha. ER ist wahrhaftig auferstanden und sagt: "Ich lebe und ihr sollt auch leben" Menschen, die wirklich Sehnsucht nach Frieden und Geborgenheit haben lädt er heute ein:

"Kommet her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid.
Ich will euch erquicken.
Nehmt mein Joch auf euch und lernet von mir,
denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig.
So werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen".

Matthäus 11,28-30

Kein kosmischer Mensch, keine Verlorenheit in dem riesigen Kosmos, sondern ein persönlicher Gott ruft uns zu:

"Weil du so wertgeachtet bist vor meinen Augen
habe ich dich wunderbar gemacht
und ich habe dich lieb".

Jesaja 43,4

Jesus Christus möchte nicht nur unsere Schuld vergeben, alle Not, Lasten hinweg­räumen, sondern ewiges Leben schenken in der Gemeinschaft mit IHM. Es kommt auf unsere persönliche Entscheidung an. Nehmen wir die Einladung an, tun wir Buße und nehmen Jesus als unseren Retter auf, dann sind wir auf dem schmalen Weg, der durch die enge Pforte zum ewigen Leben führt. Lehnen wir diese Einladung ab, so sind wir auf dem breiten Weg, der in die ewige Verdammnis führt, wie Jesus sagt.


Urin-Therapie

In den letzten Jahren beobachtet man bei vielen Patienten eine zunehmende Hinwendung zu Naturheilverfahren und zur Alternativmedizin. Was sind die Motive hierfür? Auf der einen Seite hat der Patient den Wunsch nach einer engen Beziehung zum Arzt verbunden mit Zuwendung und großer Gesprächsbereitschaft. Auf der anderen Seite besteht eine persönliche Skepsis gegenüber der Technisierung und Spezialisierung in der Medizin und damit verbunden eine größere Angst vor Nebenwirkungen der Arzneimittel.

 

Auf meinen Reisen durch die Länder der ehemaligen Sowjetunion wurde mir häufig die Frage gestellt: "Was halten Sie von der Urintherapie?" Als Wissenschaftler war ich zunächst erstaunt und fragte nach: "Was meinen Sie damit?" Ich bekam zur Antwort: "Das Trinken des eigenen Urins soll gegen viele Krankheiten helfen!" Was sagt nun die Wissenschaft dazu?
Zunächst hielt ich diese Methode für ausgesprochen dumm. Beim Urin handelt es sich ja um Ausscheidungsprodukte des Körpers, die der Körper sozusagen loswerden will. In letzter Zeit hörte ich aber auch in Deutschland mehrfach von der Urintherapie. Dies gab mir Anlass, mich näher mit der Urintherapie zu befassen.

Der Harn hat in der Medizin über viele Jahrhunderte eine bedeutende Rolle gespielt. Schon vor 4.000 Jahren haben die indischen Yogis täglich Urin getrunken und be­haupteten, dass dies zu einer Lebensverlängerung führe. In manchen asiatischen Ländern wird bis heute Eigen-, Fremd- und tierischer Urin zur Behandlung verschiedener Krankheiten verabreicht. In Europa, von der Antike bis ins Mittelalter, stützten Ärzte ihre Diagnose auf die Harnschau (Uroskopie). Der griechische Arzt Hippokrates empfahl um 400 v. Chr. Urintrinken als Mittel gegen Geschwüre, Augenleiden, Schlangenbisse und Tollwut.

Im Laufe der Jahrhunderte wurde der eigene und auch fremder Urin als Trank oder auch in Verbindung mit anderen Stoffen als Mittel zum Einreiben, für Umschläge und Injektionen gegen nahezu alle Krankheiten gegeben, besonders bei Erkrankung der Harn­wege und der Haut, bei Augen- und Ohrenleiden, Gicht, Atembeschwerden und Wassersucht. Im 17. Jahrhundert glaubten manche Ärzte, dass mit dem Trinken des eigenen Urins Geschlechtskrankheiten geheilt werden konnten. Dem eigenen Harn wurde dabei eine Heil­kraft zugesprochen.

Um 1900 und später setzten die Naturheiler Eigenharninjektionen als Reiztherapie ein. Seit einigen Jahren, mit dem Aufblühen der Esoterik, ist die Eigenharntherapie durch Trinken und Injektionen wieder sehr populär geworden.

Welche Erklärung sieht man für die Wirkung?

Der Urin soll zusammen mit den vom Körper gegen die Krankheitskeime erzeugten Antigenen den Körper zur verstärkten Abwehrreaktion reizen. Diese Wirkung wird mit einer passiven Impfung oder Immunisierung verglichen. Die Durchführung der Behandlung kann auf 3 verschiedene Arten erfolgen.

  1. Die Injektionsbehandlung
    0,5 ml Eigenurin, steril filtriert wird in den Muskel gespritzt. Im Abstand von 2-3 Tagen wird jeweils um 0,1 Milliliter gesteigert, also die 2. Injektion 0,6 ml, die 3. 0,7 ml usw. bis maximal 5 Milliliter. Durch die Injektion soll eine Umstimmung des Körpers angeregt werden.
    Angeblich sollen die Infektanfälligkeit verringert, chronische Harnwegsinfekte verbessert, schwangerschaftsbedingter Hochdruck gemildert sowie Allergien und Migräne kuriert und Beschwerden der Wechseljahre erleichtert werden.
  2. Urintrinken (Uropathie)
    Über einige Wochen wird täglich 1 Becher frisch gewonnener Morgenurin getrunken oder die gesamte Tagesmenge am Abend eingenommen. Hierbei soll es zu einer "Umstimmung", Entgiftung und zur Anregung des Stoffwechsels kommen. Der Urin soll dabei gegen alles und jedes helfen.
  3. Äußerliche Anwendung
    Mit Eigenharn werden Umschläge, Spülungen und Einläufe gemacht. Anwendungsgebiet sind hierbei Hautkrankheiten und Wunden, aber auch Darm­reinigung und andere Erkrankungen.
  4. Wie erklärt man nun die Wirkung des Urins?
    Die Injektionsbehandlung soll eine unspezifische Reiztherapie am Körper bewirken.
    Erwachsene scheiden mit dem Urin etwa 30 g Harnstoff aus. Harnstoff hat eine osmotische Wirkung, d. h. er fördert den Flüssigkeitsaus­tausch zwischen den Zellen. Bei äußerlicher Anwendung könnten Pilze, Bakterien und Sporen zugrunde gehen. Bei innerlicher Anwendung wirkt Harnstoff harntreibend.
    Der Urin enthält Spuren von Melatonin, einem Hormon der Zirbeldrüse. Dieses Hormon fördert die Schlafbereitschaft des Körpers. Urin über mehrere Wochen täglich eingenommen soll einen beruhigen Effekt haben.
    Das Trinken von Eigenharn kann u.U. einem psychologischen Effekt haben: z.B. bei Furcht vor einer Schädigung durch einen bestimmten Stoff. So kann jemand, der sich vor dem Urin ekelt, überzeugt werden, sich rasch besser zu fühlen.

Bei der Beurteilung einer Therapie für Krankheiten gilt es zunächst wissen­schaftlich zu prüfen: Wirkt diese Methode überhaupt? Auf welche Weise ist die reproduzierbar? Was sind die Nebenwirkungen und Risiken?
Wenn keine nachprüfbare Wirkung und Erklärung vorliegt, welche übernatürliche Wirkung steckt dahinter? Welches ist die geistige Wurzel dieser Methode und welches Welt- und Menschenbild steckt dahinter?
Gerade bei der Frage der Heilung können wir uns dunklen Mächten öffnen, wenn wir diese Frage vernachlässigen und nach dem Motto leben - Gesundheit um jeden Preis.

Bei der wissenschaftlichen Überprüfung des Urins lassen sich positive Wirkungen nicht nachweisen. Der Harn enthält: Endprodukte des Stoffwechsels, auch als harnpflichtige Substanzen bezeichnet wie Kreatinin, Harnsäure, Harnstoff, Elektrolyte in geringerer Konzentration als im Blut. Hierzu gehören Natrium, Kalium, Calcium, spurenhaft Albumin und einzelne Aminosäuren.
Experimentelle Untersuchungen haben keinen Nachweis einer Heilwirkung erbracht. Wenn es dennoch zur Abheilung von Krankheiten kommt, so sind hierfür die körpereigene Immunabwehr verantwortlich zu machen.

Welche Risiken der Urintherapie liegen vor?

Im Harn wachsen wenige Minuten nach der Ausscheidung Keime heran, so dass es bei der Einnahme und Einreibung, ohne vorhergehende Sterilisation zu Infektionen kommen kann.
Der Harn wird tatsächlich häufig unbehandelt angewendet, um mit den Keimen das Immunsystem "anzuregen". Dies ist jedoch keine Hilfe für den Patienten, sondern eine Schädigung durch Bakterien. Der Patient kann auch dadurch geschädigt werden, dass mit dem Harn auch Viren ausge­schieden werden z.B. Masernviren.

Bei Harninjektionen besteht die Gefahr, dass sich an der Einstichstelle ein Abszess, also eine eitrige Entzündung bildet. Als Unverträglichkeitsreaktionen können auch Hautausschlag, Schwindel, Kopf­schmerzen, Fieber und Herzklopfen auftreten.
Das Urintrinken kann auch auf psychischem Wege (Ekel vor dem Urin) zu Nebenwirkungen führen wie Durchfall, Kopfschmerzen, Schlafstörungen und anderes mehr.
Im Harn können sich auch mit Nahrung- und Genussmittel aufgenommene und im Stoff­wechsel entstandene Gifte aus dem Körper befinden. Wird der Harn nun getrunken, so werden diese Giftstoffe im Magen-Darm-Trakt wieder freigesetzt und vom Körper auch wieder aufgenommen.

Die Zusammensetzung des Urins schwankt im Tagesablauf je nach Nahrungsauf­nahme beträchtlich, so dass eine einheitliche Wirkung nicht erwartet werden kann. So kann zusammenfassend gesagt werden, dass die Harntherapie aus wissenschaftlichen Gründen abgelehnt werden muss, da eine positive Wirkung nicht nachgewiesen ist und erhebliche Nebenwirkungen durch Infektionen und auch allergischen Reaktionen in vielen Fällen festgestellt wurde.

Wie steht es nun mit der geistlichen Beurteilung?

Christen sollen alles beurteilen und nach dem geistlichen Ursprung fragen, gemäß dem Bibelwort:

Prüft aber alles, und das Gute behaltet. Meidet das Böse in jeder Gestalt.

1. Thessalonicher 5, 21 und 22

Wie eingangs erwähnt, stammt die Urintherapie aus den asiatischen Religionen, aus dem Hinduismus und aus der chinesischen Philosophie. Eine gemeinsame Grundlage ist der falsche Glaube an ein "vibrierendes Universum", d. h. eine unsichtbare verborgene Kraft oder Energie, die universell und übernatürlich ist und hinter der sichtbaren, d. h. sowohl hinter dem Universum und der Natur als auch hinter dem Menschen und seiner Krankheit als letzte Wirklichkeit stehen soll. Man meint: Durch diese kosmische Kraft bestehe eine innere energetische Verbunden­heit und Verwandtschaft zwischen der Schöpfung, also dem Universum und der Natur und den Menschen. Der Mensch sei ein Teil des kosmisch Ganzen, also ein so genannter kosmischer Mensch. Gesundheit bedeutet damit, dass der Mensch durch diese kosmische Energie mit dem Universum in Harmonie gebracht wurde. Krankheit bedeutet eine Störung des kosmischen Energieflusses. Der Urin als besonderer Saft soll den kranken Menschen wieder in Harmonie mit dem Kosmos bringen und den Energiefluss normalisieren. Dadurch sollen auf spiritistische Weise Krankheiten geheilt werden. Dies steht aber im völligen Gegensatz zu dem christlichen Menschen- und Weltbild.

Als Christen aber glauben wir an Gott als den Schöpfer Himmels und der Erden, der alle Welt geschaffen hat und auch unser Schicksal in seinen Händen hält und an Jesus Christus, Gottes Sohn, durch den wir von der Knechtschaft der Sünde erlöst sind und ewiges Leben haben, wenn wir Buße tun und IHN als unseren Heiland aufnehmen. Krankheiten sind durch die Sünde in die Welt gekommen und bis zur Wiederkunft unseres Herrn Jesus Christus werden Menschen an Krankheiten leiden und jeder wird infolge einer Krankheit sterben müssen.

Die Urintherapie ist also aus wissenschaftlichen Gründen - keine heilende Wirkung und schädliche Nebenwirkungen - sowie aus geistlichen Gründen abzulehnen.

Das Ziel unseres Herrn Jesus Christus mit uns ist nicht die Abschaffung der Krank­heit, sondern das ewige Leben.
Diese "Heilung für die Ewigkeit" darf jeder erfahren, der Buße tut und Jesus Christus aufnimmt in sein Leben und sich bekehrt.
Für die Heilung körperlicher Krankheiten gilt die naturwissenschaftliche Medizin, weil sie sich nach den Erkenntnissen der Naturwissenschaft richtet. Gott hat unseren Körper und die Welt nach seiner göttlichen Weisheit geschaffen.

In Jesus Christus haben wir eine lebendige Hoffnung, dass unser sterblicher Leib bei der ersten Auferstehung in einen unsterblichen Leib umgewandelt wird und wir dann bei Christus sind alle Zeit. Wir wollen uns mit diesen Worten untereinander trösten (1. Thessalonicher 4, 18):

Er aber, der Gott des Friedens heilige euch durch und durch
und bewahre euren Geist samt Seele und Leib unversehrt,
untadelig für die Ankunft unseres Herrn Jesus Christus.

(2. Thessalonicher 5, 23)