Plötzlich oder allmählich kann diese Frage auf uns zukommen. Zum Beispiel soll die 85-jährige Mutter nach einem Schlaganfall aus dem Krankenhaus entlassen werden. Sie braucht ab jetzt Hilfe und Unterstützung, kann nicht mehr alleine in ihrem Haus wohnen und sich nicht mehr selbst versorgen. Oder ein jüngeres Familienmitglied leidet an einer chronischen Krankheit, wodurch in absehbarer Zeit Pflege notwendig sein wird. Oft muss schnell eine Entscheidung über die weitere Versorgung getroffen werden, denn die Krankenhäuser sind gehalten, möglichst zügig zu entlassen.
Wie können Angehörige hier zu einer Lösung kommen? Wie finde ich in meiner konkreten Situation eine Antwort? Dazu möchte ich einige Aspekte aufzeigen und am Schluss von meiner eigenen Erfahrung als pflegende Angehörige berichten.
Möglichkeiten der Versorgung & Pflege
1. Vollstationäre Pflege
Der Umzug in ein Pflegeheim oder eine anderweitige Pflegeeinrichtung ist eine gewaltige Umstellung für die meisten Menschen. Manchmal ist es nicht die eigene Entscheidung. Der Gedanke, selbst einmal Hilfe in Anspruch nehmen zu müssen, wird meist verdrängt. Viele haben Angst davor, eines Tages nicht mehr selbstständig, sondern abhängig von fremden Menschen zu sein, sich anpassen und das gewohnte, geliebte Milieu verlassen zu müssen. Oft ist eine solche Entscheidung auch für Angehörige schmerzhaft. Manche werden dann von einem schlechten Gewissen geplagt, wenn die Entscheidung für einen Heimplatz ausfällt. Belastet wird das Gewissen auch dadurch, dass der Ruf vieler Heime schon deshalb nicht gut ist, weil das notwendige Personal fehlt und Zeit und Zuwendung deshalb Mangelware sind. Dabei sind Geborgenheit und liebevolle Zuwendung genau die Dinge, die im Zustand der Hilflosigkeit durch die Betroffenen so ersehnt werden.
Das Gefühl der Fremdheit und die Angst vor Vereinsamung ist gegenwärtig. Es wird oft unterschätzt, welch große Umstellung es für manche Menschen bedeutet, sich an das Leben im Altenheim zu gewöhnen. Selbst wenn sich engagierte Heimleitungen und das Personal um eine gute Versorgung bemühen – ein Heim bleibt eine Institution, die nach verschiedenen Vorgaben geführt werden muss. Einem Gefühl von Zuhause kann es bestenfalls nahekommen, aber es kaum wirklich erfüllen. Doch bei hochgradig pflegebedürftigen Menschen bleibt die vollstationäre Pflege oft die einzig realistische Option. Manche Menschen treffen auch ganz bewusst eine Entscheidung für den Einzug in eine Pflegeeinrichtung und machen gute Erfahrungen damit. Sie erleben, dass es viele engagierte Mitarbeiter gibt, die sich um eine gute Versorgung und Pflege liebevoll bemühen. Leider steigen die Kosten für einen Heimplatz stetig, ohne dass sich dies zwangsweise in einer Zunahme der Betreuungsqualität niederschlagen würde. Manche Menschen, die ihr Leben lang gearbeitet haben, leiden darunter, dass sie für die Kostendeckung des Heimplatzes Zuschuss vom Sozialamt beantragen müssen.
2. Häusliche Pflege durch Angehörige
Einen Angehörigen zu Hause zu pflegen ist ein Dienst und auch ein gewisses Opfer, weil oft größere Veränderungen und Einschränkungen für den Alltag der pflegenden Angehörigen hinzukommen. Die Entscheidung resultiert aus unterschiedlichen Motiven und Gründen. Für einige ist es selbstverständlich, auch in schweren Zeiten für die kranken Angehörigen da zu sein. Oft sind es die Eltern, Schwiegereltern oder Ehepartner, die Hilfe benötigen. Wenn man bereits miteinander in einem Haus gelebt und eine gute Beziehung gepflegt hat, dann ergibt sich die häusliche Pflege eher. Vertrautheit und Geborgenheit können an keinem anderen Ort besser sein. Auch finanzielle Aspekte können bei der Entscheidung über die Form der Pflege eine Rolle spielen. Denn wenn zum Beispiel der pflegende Angehörige seinen Arbeitsplatz aufgibt, um zu pflegen, dann muss er in der Regel mit weniger Einnahmen als vorher rechnen. Er bezieht Pflegegeld, das im Vergleich zur vorherigen Vollbeschäftigung geringer ausfällt. Unter bestimmten Voraussetzungen können weitere finanzielle Unterstützungen beantragt werden. Manchmal geht der Entscheidung für die Pflege zu Hause ein längeres Abwägen und Durchringen voraus. Es gibt durchaus einiges Weitere zu durchdenken, wie zum Beispiel:
– Ist die Versorgung zu Hause – meist als Laie – überhaupt zu bewältigen oder muss man Überforderung fürchten? Gerade bei sehr umfangreichem Pflegebedarf, zum Beispiel nach einem Schlaganfall oder beim dementen Angehörigen ist dies eine ernsthafte Frage.
Besonders der an Demenz Erkrankte kann seine Betreuer physisch und psychisch teils auf das Äußerste fordern, wenn er zum Beispiel nachts umhergeht, sich aggressiv verhält oder oft Dinge verlegt, die dann gesucht werden müssen.
– Ist die Wohnsituation geeignet? Müssen Anpassungen vorgenommen werden und welche Folgen hat das für andere Familienmitglieder, wenn zum Beispiel ein Zimmer für die pflegebedürftige Person frei gemacht werden soll?
– Trägt die Familie oder der Partner des pflegenden Angehörigen die Entscheidung und die Veränderung in der Familie mit?
– Ist der pflegende Angehörige gesundheitlich in der Lage, die Pflege zu übernehmen? Kann noch jemand mithelfen und auch einmal ablösen?
– Muss mit der Pflege noch eine Berufstätigkeit vereinbart werden?
Und es entsteht noch eine lange Liste an weiteren Fragen aus der jeweiligen individuellen Situation heraus.
Für viele Hürden und Bedenken finden sich nach gründlichen Überlegungen und dem Einholen von diversen Informationen doch Lösungen, um eine Pflege zu Hause zu realisieren.
3. Häusliche Pflege durch angestellte Betreuungskraft
Es besteht die Möglichkeit eine Pflegekraft beziehungsweise Betreuungskraft selbst anzustellen. Zahlreiche Agenturen in Deutschland vermitteln Betreuungskräfte meist aus dem osteuropäischen Ausland. Dabei handelt es sich nicht um qualifizierte Pflegekräfte, sondern um Personen mit unterschiedlichsten Erfahrungen. Sie sind rund um die Uhr im Haushalt präsent und übernehmen insbesondere hauswirtschaftliche und grundpflegerische Tätigkeiten. Medizinische und behandlungspflegerische Tätigkeiten dürfen sie nicht durchführen.
Die Kosten sind im Lauf der letzten Jahre gestiegen und variieren zum Beispiel nach dem Niveau der Deutschkenntnisse oder dem Vorhandensein eines Führerscheins. Mit mindestens 3000,- € monatlich muss man rechnen. Dieser Betrag kann nicht über die Pflegeversicherung abgerechnet werden.
Nach einem zeitlich verabredeten Einsatzturnus kommt in der Urlaubszeit der Betreuungskraft entweder eine Ersatzkraft oder die Familie übernimmt die Pflege. Man hört von guten und weniger guten Erfahrungen mit Betreuungskräften. Eine große Rolle spielt dabei, inwieweit Vertrauen zwischen pflegebedürftiger Person und der Betreuungskraft entsteht, wächst und wie zuverlässig diese arbeitet. Manche nehmen Abstand von dieser Betreuungsform, weil sie keine fremde Person im Haus wohnen haben möchten. Ist die Betreuungskraft allein mit dem Pflegebedürftigen und kein Angehöriger in der Nähe, der mal „nachschaut“, spielt das Vertrauen in die Qualität der Versorgung und in die Person eine besonders große Rolle.
Der Vorteil für diese Art der Betreuung liegt vor allem darin, in den eigenen vier Wänden bleiben zu können. Bei der Wahl eines bestimmten Betreuungsdienstes ist es von Vorteil, jemanden zu kennen, der diesen schon in Anspruch nimmt und gute Erfahrungen damit macht.
Jegliche häusliche Pflege, egal ob durch einen Angehörigen oder eine Betreuungskraft geleistet, kann durch die Hinzunahme eines ambulanten Pflegedienstes und weiterer Hilfsdienste unterstützt werden – insbesondere dann, wenn fachliche Expertise notwendig ist.
Grundsätzliche Überlegungen für die Entscheidungsfindung
– Was entspricht dem Willen des Pflegebedürftigen?
– Wurde in der Familie bereits vor Eintritt der Pflegesituation über das Thema einer möglichen Pflegesituation und deren Bewältigung gesprochen?
– Was denken die betroffenen Familienmitglieder? Ist die Bereitschaft grundsätzlich da, sich zu kümmern? Oft muss zwischen mehreren Familienmitgliedern gesprochen werden, wenn zum Beispiel mehrere Geschwister oder Kinder da sind: Wer kann und will sich hauptverantwortlich um die kranke Mutter kümmern? Wer hilft in welchem Umfang mit?
– Wie war die familiäre Situation vorher, zum Beispiel die Beziehungen untereinander? Waren sie von einem Miteinander, von Vertrauen und gegenseitiger Fürsorge geprägt? Wenn nicht, kann besonders die Anfangszeit in der häuslichen Pflegesituation schwieriger werden oder Reibungen verursachen, die bewältigt werden müssen.
– Gebet um Wegweisung und Rat ist ganz besonders wichtig. Man muss sich mit der Frage auseinandersetzen wie Gott über das Thema Fürsorge und Pflege in der Familie denkt.
– Praktische Aspekte sollten nüchtern und sachlich angegangen werden. Der pflegende Angehörige muss sich fragen, was sich konkret in seinem Alltag als häusliche Pflegekraft ändert und wie er diese Änderung bewerkstelligen kann beziehungsweise, welche Unterstützungsdienste in Anspruch genommen werden können. An späterer Stelle nenne ich dazu einige hilfreiche Adressen.
Biblische Prinzipien zum Umgang mit kranken und hilfsbedürftigen
Menschen in der Familie
Jesus beschreibt das Doppelgebot der Liebe als das größte Gebot, nämlich Gott als seinen Herrn zu lieben und seinen Nächsten wie sich selbst (Matthäus 22,39). Unsere Familienangehörigen sind unsere Nächsten. Sie zu lieben schließt ein, dass wir uns um eine gute Lösung der Versorgung im Fall einer Pflegebedürftigkeit kümmern. Gott möchte, dass wir füreinander sorgen – insbesondere innerhalb der Familie. Eheleute haben bei der Trauung gelobt, einander zu lieben und zu ehren, in guten wie in bösen Tagen. Gott ist der Schöpfer der Ehe. Er hat Mann und Frau zusammengestellt, um einander zu lieben und zu unterstützen.
Für das Eltern-Kind-Verhältnis gilt: Du sollst Vater und Mutter ehren (Matthäus 19,19).
Dazu finden wir auch direkte Beispiele in der Bibel. Joseph erkundigte sich bei seinen Brüdern nach dem Wohlergehen seines Vaters (1. Mose 43,27). Auch Saul beschäftigte es, dass sich sein Vater um ihn sorgen könne (1. Samuel 9,1ff). Selbst der Herr Jesus regelte vor seinem Tod in seinen schwersten Stunden die Fürsorge für seine Mutter (Johannes 19,26–27). Zum Verhältnis von Schwiegermutter zu Schwiegertochter lesen wir vom guten Vorbild der Ruth, die ihrer Schwiegermutter Naemi eine treue Tochter wurde. (Ruth 1)
Zur Fürsorge von Eltern für ihre Kinder lesen wir von Amram und Jochebed (2. Mose 2,1–4), die ihr Baby weggegeben haben in einer Notsituation, um es vor dem Morden des Königs von Ägypten zu retten. Im Hintergrund aber sind sie wachsam geblieben und haben beobachtet, was mit ihrem Kind geschieht. Dabei haben sie Gott vertraut.
Dass Christen zur Fürsorge ihrer Angehörigen verpflichtet sind, lehrt uns 1. Timotheus 5,8: „Wenn aber jemand für die Seinen, besonders für seine Hausgenossen, nicht sorgt, so hat er den Glauben verleugnet und ist schlimmer als ein Ungläubiger.“
Dieses „Sorgen“ schreibt nicht die Form der Fürsorge vor. Aber die Verantwortung zur Fürsorge als Angehörige tragen wir immer, egal für welche Art der pflegerischen Versorgung wir uns entscheiden.
Wie kann sich Fürsorge praktisch gestalten?
Vor einer Entscheidung, wie die Pflege eines Angehörigen aussehen soll, müssen – wie in der weiteren Ausführung aufgezeigt – vielfältige Informationen zum Thema Pflege und Betreuung gesammelt und ausgewertet werden. Das Internet bietet hier zahlreiche Möglichkeiten. Der Sozialdienst im Krankenhaus ist ebenfalls ein guter Ansprechpartner für die Organisation von Pflege und Hilfsmitteln. Wenn schließlich die Vorstellung reift, dass eine Pflege zu Hause prinzipiell in Frage kommt, werden die Überlegungen und erste Schritte für die Umsetzung konkreter. Gespräche in der Familie sollen klären, zu welchem Verzicht zugunsten der Pflege zu Hause die Familienmitglieder und die Pflegenden bereit sind. Vor allem die eigene Motivation der Entscheidung ist zu überprüfen. Die Pflege zu Hause soll liebevoll und nicht murrend durchgeführt werden. Die Einschränkung der eigenen Bequemlichkeit ist immer wieder neu zu bejahen. Das kann bedeuten, sich seinen Entschluss für eine gute Pflege zu Hause immer wieder vor Augen zu halten und Quellen der Kraft aufzusuchen. Dazu gehört unter anderem, sich persönliche Freiräume zu verschaffen, um die Pflege-Aufgabe ausgeglichen bewältigen zu können.
Wenn eine Pflege zu Hause nicht machbar ist, dann gibt es viele andere Möglichkeiten, sich auch im Heim um seine Angehörigen liebevoll zu kümmern und über deren Betreuung zu wachen. Regelmäßige Besuche und Anrufe gehören dazu. Wer gläubig ist, möchte seinen Angehörigen auch geistlich begleiten, indem er ihn zum Vertrauen auf Gott ermutigt, dazu unter anderem Predigtaufnahmen und gute Literatur mitbringt, ihm zuhört, gegebenenfalls vorliest oder mit ihm singt und betet. Während der Besuche kann man sich ein Bild über die Qualität der Versorgung verschaffen und sich dabei aktiv um die Zusammenarbeit mit den Mitarbeitern der Pflegeinrichtung bemühen. In Gesprächen mit dem Pflegedienst sollte das Anliegen der guten Betreuung für den Angehörigen und die eigene Mithilfe dazu glaubwürdig herüberkommen. So kann man den Pflegedienst je nach Situation unterstützen, indem man zum Beispiel anwesend ist bei Mahlzeiten oder mit dem Angehörigen spazieren geht. Eine Möglichkeit kann ebenfalls sein, sich für den Heimbeirat aufstellen zu lassen und auf diesem Weg die Arbeit im Heim zu fördern. Auf jeden Fall ist es besser, die Pflege im Heim zu begleiten und zu unterstützen als widerwillig und völlig überfordert zu Hause zu pflegen. Bei Unentschlossenheit oder während des Wartens auf einen Heimplatz kann man die Pflege auch erst einmal zu Hause versuchen. Dann kann sich zeigen, ob die Bedingungen dafür doch gegeben sind und die Aufgabe schaffbar ist. Eine Umstellung auf vollstationäre Pflege ist auch später noch möglich, sollte sich zeigen, dass es zu Hause wirklich nicht geht. Aber der Wille zum Versuch wurde unternommen.
Unsere Angehörigen selbst zu pflegen, zu unterstützen und zu begleiten ist ein gutes Zeugnis für Christen vor der Welt. Der Verzicht auf ein Leben, das nur an die eigenen Bedürfnisse denkt und bestrebt ist, nur diese zu erfüllen, steht im Kontrast zu einem Leben, das im Dienst für Gott und seine Anliegen steht. Wenn wir durch unseren Dienst am Angehörigen auch Gott Ehre machen wollen, wird er uns dafür segnen. Und was ist größer als das?
Auch, wer aktuell keine pflegebedürftigen Angehörigen hat, steht in der Pflicht, Fürsorge zu üben. Gottes Wort lehrt uns mitleidig, brüderlich, barmherzig und gütig zu sein (1. Petrus 3,8) statt gefühllos und unnachgiebig. Wir sollen einander Lasten tragen und Gutes tun. Dabei liegt die Priorität darauf, dies bei Glaubensgeschwistern zu tun (Galater 6,10).
Wer seine Angehörigen pflegt, ist nicht nur für Gebet dankbar, sondern auch für ganz konkrete praktische Unterstützung! Das Besuchen des Gottesdienstes, die Gemeinschaft mit Freunden oder das Ausgehen mit dem Ehepartner sind wichtig, um Kraft zu tanken, aber oft nur realisierbar, wenn jemand anderes für die Betreuung des Pflegebedürftigen einspringt.
Nützliche Hilfen für die Bewältigung einer Pflegesituation
Wenn Pflegebedürftigkeit eintritt, sind viele bürokratische Hindernisse zu überwinden. Überforderung kann schnell eintreten, weil oft nicht bekannt ist, an wen man sich wenden, wer helfen kann und wer zuständig ist. Hier finden sich einige Aspekte und Quellen zur Orientierung:
Pflegegrad: Um überhaupt Leistungen bei der Pflegekasse beantragen zu können, muss vorher eine Einstufung in einen Pflegegrad erfolgen. Dazu ist ein Antrag bei der Pflegekasse zu stellen, die bei der Krankenkasse angegliedert ist.
Pflegestützpunkt: Das ist eine unabhängige, örtliche Auskunfts- und Beratungsstelle für Menschen mit Pflegebedarf beziehungsweise deren Angehörige. Es gibt lokale Sprechstunden und telefonische Beratung.
Pflegehilfsmittel oder Wohnfeldverbessernde
Maßnahmen: Informationen darüber können auf der Homepage der Krankenkassen
eingesehen werden. Ambulante Pflegedienste geben auch gerne Auskünfte
dazu.
Fachliche Beratung, Pflegetipps und Hilfen bei bürokratischen Fragen können über zahlreiche Plattformen im Internet abgerufen werden. Eine Auswahl davon findet sich in der untenstehenden Liste:
www.pflege.de
www.pflegeberatung.de
www.verbraucherzentrale.de
Allgemeines Pflegewissen für pflegende Angehörige und Tipps für die Pflege von Angehörigen zu Hause mit praktischen Anleitungen
www.aok.de
Pflegewissen; Informationen zur finanziellen Unterstützung von pflegenden Angehörigen
www.bundesgesundheitsministerium.de
Informationen zu Pflegegeld, Sachleistungen, Verhinderungs- und Kurzzeitpflege
www.barrierefrei-leben.de
Informationen über Hilfsmittel, Wohnraumanpassung, Bauberatung für Barrierefreiheit
www.pflegelotse.de
www.zqp.de
Plattformen zur Suche von Pflegeangeboten
www.deutsche-alzheimer.de
Professionelle Beratung im Fall einer Demenzerkrankung
www.angehoerige-pflegen.de
Online-Kurse für praxisnahes Wissen rund um die Pflege eines Angehörigen im häuslichen Umfeld (kostenfrei)
www.deutsche-rentenversicherung.de
Informationen zu Rentenansprüchen für pflegende Angehörige
Entlastungsmöglichkeiten für pflegende Angehörige
Der pflegende Angehörige braucht Entlastung und Erholung. Er ist sieben Tage in der Woche für den Pflegebedürftigen verantwortlich, manchmal sogar aktiv in der Nacht. Wenn keiner mithelfen würde, würde das unweigerlich schnell zur Überforderung führen. Insbesondere die Versorgung von schwer erkrankten Menschen muss von mehreren Helfern bewältigt werden.
Im Folgenden nenne ich einige Hinweise, an welche Entlastungen man denken darf:
Als von der Pflegekasse getragene Entlastungsangebote sind für Berufstätige die vollzeitige oder teilzeitige Freistellung für die Pflegezeit von bis zu sechs Monaten unbezahlt möglich. Für diese Zeit kann man ein zinsloses Darlehen beim Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben beantragen, welches in Raten ausgezahlt wird. Bei einem akuten Pflegefall können bis zu zehn Tage Freistellung in Anspruch genommen werden. Es kann Pflegeunterstützungsgeld beantragt werden, um die Verdienstausfälle zu kompensieren. Pflegende Angehörige brauchen Auszeiten, mal für kurze Dauer wegen eines Termins, mal für längere Zeit wegen einer Krankheit oder um in den Urlaub zu fahren. Dann greift die sogenannte Verhinderungspflege, mit der sich Hauptpflegepersonen vertreten lassen können. Es ist sehr wichtig, Zeiten der Erholung zu planen. Man sollte keine falsche Scheu oder falschen Stolz haben, sich vertreten zu lassen. Gott möchte, dass wir zur Ruhe kommen (Matthäus 11,28–30) und ihm vertrauen, dass er weiß, was wir an Aufgaben tragen können, und dass er dabei hilft (Psalm 68,20). Vertretung darf und soll ohne Weiteres aktiv geplant werden. Dafür kann zum Beispiel auch die Kurzzeitpflege in Anspruch genommen werden, also die kurzzeitige Unterbringung in einem Pflegeheim. Allerdings sind die Wartelisten für einen Platz manchmal recht lang. Man sollte frühzeitig danach suchen. Im Alltag sind kleinere, aber regelmäßige und verlässliche Ruhepausen und Freiräume hilfreich. Angebotene Hilfe sollte auf jeden Fall ohne Zurückhaltung angenommen werden. Genauso ist es richtig, selbst um Hilfe zu bitten. Die vorhandenen Hilfsmittel sollten genutzt werden, um die eigene Gesundheit zu erhalten. Der ambulante Pflegedienst berät gerne, welche Materialien geeignet sein könnten.
Meine persönliche Erfahrung mit Pflege in der Familie – ein Prozess
Im letzten Jahr wurde meine 93-jährige Mutter aufgrund eines Sturzes und eines kurz darauf erlittenen Schlaganfalles von einem Tag auf den anderen pflege- und unterstützungsbedürftig. Vorher war sie selbstständig und konnte ihren Alltag allein bestellen. Ich lebe mit meinem Mann 500 km von ihrem Wohnort entfernt. Im Krankenhaus wurden wir drei Geschwister vom Sozialdienst ziemlich schnell damit konfrontiert, einen Heimplatz für die Mutter zu suchen. Da es erfahrungsgemäß länger dauern würde, einen solchen zu bekommen, würde man sie für die Übergangszeit auf irgendeinen nächst freiwerdenden Kurzzeitpflegeplatz verlegen. Gefühle der Hilflosigkeit, Überforderung und Zurückhaltung zu einem jeweils eigenen Standpunkt kamen bei meinen Geschwistern auf.
Leider hatte sich unsere Mutter nie dazu geäußert, wie sie sich eine Unterstützung im Fall einer Pflegebedürftigkeit vorstellt. Das erschwerte für uns die Entscheidung. Sie lebte allein in ihrem Haus und pflegte auch ihren Garten.
Nun musste ich als Tochter selbst erst einmal lernen, die neue Situation anzunehmen, aber doch gleichzeitig nach einer Lösung suchen, die ich verantworten konnte. Keiner von uns Geschwistern äußerte am Anfang den Gedanken, die Mutter bei sich aufzunehmen. Was mich betraf, deshalb nicht, weil ich nicht damit rechnete, dass meine Mutter von Bayern zu uns nach Baden-Württemberg ziehen würde. Mein Mann und ich hatten sie immer wieder in ihrer Heimat besucht, aber zu uns ist sie nie gekommen.
Schließlich teilten wir unter uns notgedrungen einige Adressen von Pflegeheimen auf, um nachzufragen, ob und wann ein Platz frei sein würde. Die Antworten waren erwartungsgemäß negativ: lange Wartelisten.
Aber ich persönlich konnte mir im Unterschied zu meinen Geschwistern nach wie vor keine Heimunterbringung für unsere Mutter vorstellen. Ich weiß ja, wie wenig Zeit in den Pflegeeinrichtungen ist, um sich um den Einzelnen so zu kümmern, wie es notwendig wäre und wie die Anpassung der Bewohner an die Institution mehr oder weniger erwartet wird. Es ist bekannt, wie einsam die Bewohner trotz vieler Menschen um sie herum dort sein können. Darum begann ich der Möglichkeit nachzugehen, selbst eine Pflegekraft anzustellen, und zwar deshalb, weil ich immer noch annahm, dass es meine Mutter bevorzugen würde, in ihrer gewohnten häuslichen Umgebung zu bleiben. Ich fand eine wohnortnahe Vermittlungsagentur für Betreuungskräfte und nahm Kontakt auf, der sich als durchaus kompetent und vertrauenswürdig erwies. Die häuslichen Rahmenbedingungen für eine Betreuungskraft hätten wir erfüllen können.
In der gesamten Behandlungszeit im Krankenhaus war es für meine Mutter nicht leicht, ihre hilflose Situation anzunehmen und zu verarbeiten, obwohl sie immer eine realistische Sicht zu ihrem hohen Alter und keine überzogenen Erwartungen an ihren Gesundheitszustand gehabt hatte. Zwar trat nach einigen Wochen in der Reha-Klinik eine gewisse Besserung ihres Zustandes ein, aber klar war, dass sie sich nicht mehr alleine versorgen können würde und nun Unterstützung bei vielen alltäglichen Verrichtungen benötigen würde. Außerdem war die Sturzgefahr sehr hoch und sie brauchte Hilfe bei der Mobilität. Noch saß sie überwiegend im Rollstuhl.
Ich begann behutsam, gleichzeitig offen, mit meiner Mutter über ihre Situation und das Wie nach ihrer Entlassung zu sprechen. Ich musste sie ein Stück weit damit konfrontieren, weil sie ihre Situation eigentlich verdrängte. Es war mir wichtig, dass sie mitentscheidet. Eine Betreuungskraft im eigenen Haushalt zu haben, lehnte sie jedoch sofort ab mit der Begründung, keine fremden Leute im Haus haben zu wollen. So schied diese Form der Versorgung aus.
Mir tat meine Mutter sehr leid, als ich sie so hilflos im Rollstuhl sitzend sah. Jedes Mal, wenn ich sie in der Reha-Klinik besuchte, weinte sie beim Abschied. Das war dann genug Anlass für mich, meinen Mann zu fragen, ob er einverstanden wäre, wenn ich meine Mutter fragen würde, ob sie bei uns einziehen wolle. Ich hielt es für richtig, ihr diese Möglichkeit vorzuschlagen und ihr damit die Wahl anzubieten. So war ich erleichtert, dass mein Mann dieses Anliegen unterstützte. Ohne seine Zustimmung hätte ich es nicht durchgesetzt. Meine Mutter sagte sofort zu, dass sie zu uns kommen wolle! Wie dann alles werden würde, konnte ich mir im Einzelnen noch nicht vorstellen. Aber im Vertrauen auf unseren Gott und Herrn wollten wir diesen Weg Schritt für Schritt, Tag für Tag gehen. Am Anfang war es für uns alle eine große Umstellung, die wir aber im Rückblick auf das inzwischen hinter uns liegende dreiviertel Jahr mit Gottes Hilfe meistern durften. Für mich als ehemals gelernte Krankenschwester war fachlich sicher einiges einfacher als für einen Laien. Trotzdem musste auch ich mich durch den „Dschungel“ der Bürokratie durcharbeiten und in die Umstellung für uns und die tägliche Versorgung einer pflegebedürftigen Person hineinwachsen.
Nach der Bewältigung der Bürokratie, der Anpassung unserer Wohnsituation, der Organisation der Hilfsmittel und der immer noch stattfindenden Therapietermine spielte sich der Alltag für uns immer mehr ein. Inzwischen ist meine Mutter wieder um einiges selbstständiger geworden und braucht meine Unterstützung nicht mehr ganz so viel. Sie wurde uns mit Rollstuhl gebracht. Inzwischen geht sie mit Begleitung am Rollator. Das war nicht absehbar und wir alle freuen uns darüber. Natürlich bin ich nach wie vor zeitlich gebunden und ohne Pflegevertretung können mein Mann und ich nicht länger als einen guten halben Tag abwesend sein. Es fehlt uns auch noch etwas an entsprechender Unterstützung aus dem persönlichen Umfeld. Doch der Herr weiß darum und auch, dass wir Erholung brauchen. Inzwischen haben wir für den kommenden Herbst zwölf Tage Urlaub geplant. In dieser Zeit werden mein Bruder und meine Schwägerin im Haus bei uns wohnen und sich kümmern.
Seit wir meine Mutter bei uns aufgenommen haben, hat sich natürlich auch für meinen Mann und mich manches geändert. Zum Beispiel ist sie bei allen Mahlzeiten anwesend. Das führt dazu, dass mein Mann und ich uns währenddessen nicht über jedes Thema austauschen wollen. Persönliche Dinge, die nur uns zwei betreffen, verschieben wir dann auf Momente, wenn wir zu zweit sind. Solche Zeiten müssen wir nun bewusster planen als vorher. Seit kurzem besucht meine Mutter an einem Tag in der Woche die Tagespflege. Dieser Tag gehört dann meinem Mann und mir. Das schenkt uns beiden Entspannung, die wir bewusst genießen. In den ersten Monaten konnten wir nicht gemeinsam zum Gottesdienst gehen. Inzwischen ist es aber wieder möglich. Natürlich hätte ich mehr zeitliche Freiheiten, wenn meine Mutter nicht hier wäre. So könnte ich ausschlafen, wenn ich das wollte, denn ich bin ja nicht mehr berufstätig. Nun aber stehe ich jeden Tag zur gleichen Zeit auf, um das Frühstück zuzubereiten und meiner Mutter behilflich zu sein. Das ist ein gewisses Opfer, aber ich dachte auch manchmal: Wie oft ist meine Mutter für mich aufgestanden, als ich klein war? Mein Mann und ich könnten auch jetzt, da wir beide nicht mehr im Berufsleben stehen, öfter länger wegfahren. Das geht unter den aktuellen Umständen nicht mehr so einfach. Ich möchte aber gerne aus Liebe zu meinem Gott und zu meiner Mutter diese Einschränkungen annehmen und dankbar sein.
Dankbar bin ich auch dafür, dass mein Mann die ganze Situation mitträgt und mitunterstützt. Ohne ihn ginge es nicht so einfach.
Außerdem mussten wir einige Änderungen an unserem Zuhause vornehmen, um es für meine pflegebedürftige Mutter herzurichten. Da wir Mieter eines Hauses sind, mussten wir zuerst beim Vermieter erfragen, ob wir meine Mutter bei uns mitwohnen lassen dürften. Seine Antwort war, dass es sich ja um einen Angehörigen handele und es daher in Ordnung sei. Einen Treppenlift hatten wir bereits. Dafür bekamen wir natürlich keinen Zuschuss mehr. Bei vorhandenem Pflegegrad kann sonst bei der Pflegekasse ein Antrag für wohnfeldverbessernde Maßnahmen (bauliche Veränderungen und technische Hilfen) gestellt werden. Bis zu 4000 € können gewährt werden. Wichtig ist, dass man immer vor einer Maßnahme den Antrag stellt. Wir räumten für meine Mutter ein Zimmer frei, das uns bisher als Büro mit Gästebett diente. Ein anderes großes Zimmer wurde nun dafür mit diesem Inventar bestückt. Dieses ist nun voller und die Möbel mussten enger gestellt werden. Seitdem sind wir räumlich etwas eingeschränkter, aber wir haben noch genug Platz für uns und wollen damit zufrieden sein. Wenn wir Übernachtungsgäste haben, dann verzichten wir in dieser Zeit auf die Nutzung dieses großen Zimmers. Mein Mann installierte Handläufe und Bewegungslichter im Flur, damit die Gangsicherheit für meine Mutter unterstützt wird. Im Badezimmer auf der gleichen Wohnebene befindet sich nun über der Badewanne ein drehbarer Duschsitz mit Rückenlehne und Haltegriffe an der Toilette, die bereits an der Sitzerhöhung integriert waren. Wir haben den Vorteil, dass wir zwei Badezimmer haben, so dass eines für meinen Mann und mich allein bleibt.
Alle diese Hilfsmittel, sowie Rollstuhl (den wir nicht mehr benötigen), Rollator und Pflegebett organisierten wir zeitnah vor der Entlassung mit dem Sozialdienst der Reha-Klinik. Ich möchte noch erwähnen, dass die Lieferung dieser Hilfsmittel äußerst knapp vor der Entlassung aus der Reha-Klinik geschah, wirklich gerade noch rechtzeitig. Die Kosten für die Hilfsmittel übernahm die Pflegekasse. Bei manchen mussten wir eine kleinere Zuzahlung leisten. Das Zimmer für meine Mutter richteten wir mit einigen ihrer persönlichen Dinge ein. Darüber freute sie sich und sie fühlt sich wohl darin.
Wir erleben trotz mancher nicht einfacher Tage immer wieder die Hilfe Gottes. Wir erleben auch, wie gut sich eine Umgebung der Geborgenheit und Zuwendung auf das Befinden eines pflegebedürftigen Menschen auswirkt. Gott hat geschenkt, dass sie sich erholen und wieder mehr Selbstständigkeit und damit mehr Freiheit zurückgewinnen durfte. Für meine Mutter wurde seit einem Dreivierteljahr alles neu, sie kannte nur mich und meinen Mann. Das Gefühl von Fremdheit erlebt sie besonders in der Tagespflege. Erschwerend kommt hinzu, dass sie die Leute dort aufgrund ihrer Schwerhörigkeit und auch aufgrund des anderen Dialektes sehr schlecht versteht. Ich bekomme bei dieser und auch bei anderen Situationen deutlich mit, was es an Anstrengung und Belastung bedeuten kann, im hohen Alter mit neuen Erfahrungen umgehen zu müssen. Im Rückblick kann sich meine Mutter nicht mehr gut daran erinnern, wie ich versucht habe, mit ihr über die Entscheidung bezüglich ihrer Versorgung zu sprechen. Sie ist sehr dankbar dafür, dass sie bei uns sein kann. Inzwischen hilft sie sogar nach ihren Fähigkeiten im Haushalt etwas mit.
Das geistliche Leben liegt uns besonders am Herzen. Mein Mann und ich wünschen uns – und dafür beten wir –, dass unsere Mutter zum lebendigen Glauben an Jesus kommt. Die Liebe Gottes zu uns und sein Gebot, die Eltern zu ehren, motivieren uns, für sie da zu sein. Es ist die praktische Umsetzung des Doppelgebotes Jesu für uns. Und solange wir die Kraft vom Herrn dazu bekommen, solange wollen wir diesen Dienst gerne und zur Ehre Gottes tun.