Das Sterben eines guten Todes ist wie ein Dank, ein innerer Frieden, eine große Geborgenheit in Gott und hilft, Verzagtheit und Depressionen in der Zeit der Trauer, mal mutig, mal weniger mutig, zu widerstehen. Mein Mann, Manfred Weise, ist in die Geborgenheit Gottes hineingestorben, für mich nur begreifbar durch seine innige Liebe und Hingabe an seinen Herrn Jesus Christus. Ich, seine Frau, nun seine Witwe, blieb zurück am diesseitigen Ufer. Getrennt nach 54 gemeinsamen Ehejahren – allein gelassen, verwundet, mit einer Todessehnsucht, die mir jeden Lebenswillen zu rauben schien. Jesus, der Sohn Gottes, hat alles selbst durchlitten und in seiner Todesstunde für eine neue Heimat seiner Mutter gesorgt.
Sollte Er nicht auch für mich sorgen?
Wie tief getroffen ich mich auch immer fühlte, wie allein gelassen, schweigend, ausgegrenzt. Oder mit wohlmeinenden Ratschlägen an die Seite gestellt, mit einem tiefsitzenden Schmerz. Der fast tägliche Gang zum Grab. Manfreds Lieblingslied auf den Lippen: Wenn Friede mit Gott, meine Seele durchdringt. Und die Gebete und der Segen lieber Menschen. Menschen, die sahen, hörten und halfen. Gläubige Menschen und solche, die fern von Gott waren.
Langsam erwachte mein Lebenswille erneut. Jesus Christus wischt auch schon hier auf der Erde Tränen ab und ich konnte meinen Kummer täglich neu in Gottes Hand legen. Ich fragte nicht mehr: Herr, wie lange soll ich hier noch ausharren? Ich sagte und sage: Herr, Du weißt es und Du leitest mich nach Deinem Rat und Du weißt es, wie ich es meine, und siehe, ob ich auf bösen Wegen bin und leite mich auf ewigen Wegen (nach Psalm 139). „Ich habe dich erlöst, ich habe dich bei deinem Namen gerufen, du bist mein“ (Jesaja 43,1). Ich konnte nach drei Jahren während eines Hauskreis-Gebetsabends in die Gruppe hineinfragen: Hat jemand gemerkt, wie verzweifelt und mutlos ich war, hat jemand gemerkt, dass ich nicht mehr leben wollte? Die Reaktion meiner Brüder und Schwestern aus der Gemeinde, die mich seit vielen Jahren kennen, darauf war diese: Das erschüttert uns, Du, das haben wir nicht gewusst.
Als Witwe trauern, das Leben danach, vor drei Jahren ging mein Mann in die Ewigkeit. Ich konnte nach einem wunderbaren gemeinsam erlebten Tag, einem Sonntag, die Nacht nach Manfreds Heimgang bei ihm wachen, loslassen und ins Gebet versinken, traurig und fröhlich sein, einsam und neu geliebt, wandeln wie im Traum. Bis dann der Traum einer harten Realität wich. Es war so, als ob ich einen Schlüssel brauchte zum Öffnen einer Tür der Einsamkeit. Wer schließt auf? Eines Tages hat mir Gott diese Frage beantwortet: Geh hin, siehst Du nicht die Not und das Leid so vieler Menschen? Helfe, pack zu! Bete für sie und mache, was notwendig ist und setze Deine Fähigkeiten ein: Es gibt so viele kranke und alte Menschen, Alleingelassene, verunsicherte Mütter, Menschen, die einen Kaffee brauchen, ein Mittagessen.
Mein Alltag war plötzlich voller Licht und Segen. Es treten immer wieder neue wunderbare Menschen in mein Leben hinein: Und mir werden auch Zeiten der Muße und Erholung geschenkt. Und Gott meint es gut mit mir. Ich kann noch zu meinen Kindern und Enkeln reisen. Ich habe 16 Enkel, unterschiedlich kleine und große Persönlichkeiten, denen ich Großmutter sein kann.