Unterschiedlich verdrahtet

Bereits während der Schwangerschaft entwickelt sich das Gehirn von Jungen und Mädchen verschieden. Der „kleine biologische Unterschied“ geht weit über die primären Geschlechtsmerkmale hinaus. In der schrillen Diskussion um die Unterschiedlichkeit von Männern und Frauen ist häufig von dem lediglich „kleinen biologischen Unterschied“ die Rede, womit die primären Geschlechtsmerkmale gemeint sind. Ein genauer Blick in den menschlichen Körper jedoch widerlegt diese Behauptung. Die Biologie geht weit über diesen „kleinen Unterscheid“ hinaus: Alle Körperzellen eines Mannes sind mit XY (männlich) markiert, alle weiblichen dagegen mit XX (weiblich), auch wenn dies nicht direkt sichtbar ist.[1] Auch das Hormonsystem unterscheidet sich radikal voneinander. Insbesondere das Gehirn ist in Bezug auf das Geschlecht kein unbeschriebenes Blatt, welches „nur“ durch Erziehung und andere Einflüsse geschlechtsspezifisch geformt wird. Im Gegenteil: Ein Baby kommt bereits mit einem typisch männlichen oder weiblichen Gehirn zur Welt.

Drei Pubertäts-Phasen

Bereits in der Embryonalentwicklung werden geschlechtsspezifische Hormone – angetrieben von der DNA – tätig. Sie bewirken im Jungen die Anlage von Hoden und durch diese die Produktion von Testosteron. Infolge des Testosterons kommt es nun in zwei Schüben zu einer typisch männlichen Ausprägung des Gehirns: in der 10.–24. Schwangerschaftswoche sowie ab ca. der Mitte der Schwangerschaft bis zum sechsten Lebensmonat.[2] In diesen Phasen kommt es zu einem stark erhöhten Testosteronspiegel (zum Teil 15-fache Testosteronkonzentration im Serum im Vergleich zu gleichaltrigen Mädchen).[3] Diese Hormon-Peaks führen dazu, dass – neben vielen anderen Strukturen – sich auch das Gehirn auf geschlechtsspezifische, männliche Weise formt. Bei den Mädchen führt die Abwesenheit des hohen Testosteronspiegels in diesen sensiblen Entwicklungsphasen dazu, dass sich ihr Gehirn klassisch weiblich entwickelt. Zu diesem Zeitpunkt hat noch keinerlei Erziehung in diesen Prozess hineingewirkt. Das Gehirn von Mädchen hat ausgeprägtere Areale für Gesichtserkennung (Gyrus fusiformis), was zu einer Vorliebe für Spielzeuge mit Gesichtern führt – auch Puppen genannt. Das Gehirn von Jungen ist durch eine Vereinseitigung (Lateralisierung) der Gehirnhälften gekennzeichnet, welche dazu führt, dass räumlich-visuelle Fähigkeiten stärker ausgeprägt sind. Dies führt dazu, dass bewegte Gegenstände, wie zum Beispiel Spielautos, rasch ihre Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Mit anderen Worten: Jungen spielen bevorzugt mit Autos und Mädchen mit Puppen, weil ihr Gehirn so verschaltet wurde und nicht etwa, weil ihre Eltern ihnen diese Spielzeuge aufdrängen oder bevorzugt anbieten. Die dritte „klassische“ Pubertät schließlich, die in der Lebensphase von 9–14 Jahren verortet wird, geht mit großen Veränderungen des Gehirns (vor allem des Präfrontalhirns) einher, welche mit Entscheidungen, Begründungen, Planung, Impulskontrolle, Verständnis von Langzeitentscheidungen und ähnlichen Funktionen zusammenhängen.[4]

Wie groß ist der Unterschied?

In der Diskussion um die neurologischen Unterschiede von Männern und Frauen werden häufig Ausnahmen als Gegenbeweis zur Geschlechtsspezifität des Gehirns herangezogen. Die neurowissenschaftliche Untersuchung der unterschiedlichen Verdrahtung zielt jedoch – wie sonst auch in der wissenschaftlichen Vorgehensweise – auf eine statistische Mittelung von Männern und Frauen ab.[5] Der durchschnittliche Mann unterscheidet sich also signifikant von der durchschnittlichen Frau – auch in neurowissenschaftlicher Hinsicht.[6] Ausnahmen widerlegen diese Tatsache nicht, sondern sind vielmehr aus statistischer Sicht zu erwarten. Im Durchschnitt ist das Gehirn des Mannes 11 % größer im Vergleich zum Gehirn der Frau und unterscheidet sich anatomisch insbesondere in den Hirnregionen der Amygdala (sogenanntes Furchtzentrum), dem Hippocampus, der Inselregion sowie einigen Teilen des Frontallappens. Ein Bereich des Gehirns ist dabei in seinem anatomischen Aufbau in der Hirnforschung schon früh als besonders geschlechtstypisch aufgefallen: der Hypothalamus. Diese kleine Hirnregion unterscheidet sich besonders stark bei Männern und Frauen. Makroanatomisch sichtbar wird der Unterschied anhand eines bestimmten Kerns (Ansammlung von Hirnzellkörpern) innerhalb des Hypothalamus: der geschlechtsdimorphe Kern (SDN).[7] Frauen haben weniger Nervenzellen sowie ein geringeres Volumen pro Zelle, Männer dagegen haben sowohl mehr Zellen als auch ein größeres Volumen pro Zelle in diesem Kerngebiet.[8] Das Volumen des SDN ist bei Männern ungefähr doppelt so groß. Die unterschiedliche anatomische Struktur des Hypothalamus spiegelt eine geschlechtsspezifische Funktionsweise wider, die unter anderem Folgende Aspekte umfasst: Regulation von Tag- und Nachtrhythmus, Hunger- und Durstgefühl, Blutdruckregulation, sexuelle Erregung.[9]

Emotionales Verarbeiten

Nicht nur die Neuroanatomie unterscheidet sich – auch die Funktionsweise bestimmter Hirnareale arbeitet anders. Ein eindrückliches Beispiel hierfür ist das sogenannte Furchtzentrum – die paarig angelegte Amygdala. So verfügen Männer über ein größeres relatives Volumen der Amygdala, während Frauen ein größeres relatives Volumen in paralimbischen Kortexbereichen aufweisen.[10] Die unterschiedlichen Volumina repräsentieren eine verschiedenartige Verdrahtung der emotionalen Schleifen. Erinnert sich beispielsweise eine Frau an zurückliegende emotionale Inhalte (zum Beispiel einen Streit), so wird nach vorgeschalteten Stationen schließlich verstärkt die linke Amygdala aktiviert, welche genaue Details aus dem Gedächtnis abruft. Mit anderen Worten: Frauen können häufig sehr genaue Details eines emotional gefärbten Gedächtnisinhalts wiedergeben. Bei Männern dagegen wird vor allem die rechte Amygdala aktiviert, was dazu führt, dass nur die Hauptmerkmale eines emotionalen Ereignisses abgerufen werden, nicht jedoch genaue Details.[11] Das Erinnern von emotionalem Erleben und Verarbeiten ist beispielhaft für den Umgang mit Emotionen insgesamt. Frauen und Männer verarbeiten sie auf unterschiedliche Weise. Hier wird der Grund dafür liegen, dass Frauen häufiger unter Depressionen oder Angststörungen leiden, Männer dagegen haben häufiger Schizophrenie.

Stressreaktion

Männer und Frauen reagieren neuropathophysiologisch völlig gegensätzlich auf anhaltenden körperlichen oder psychischen Stress. Während der Mann Nervenzellen im Hippocampus (einer Hirnregion, die für Emotionen und Gedächtnisverarbeitung wichtig ist) abbaut, ändert sich die Anzahl und Verbindung der Nervenzellen bei den Frauen kaum.[12] Zugleich bewirkt Stress bei Frauen einen Anstieg nicht nur von Cortisol, sondern auch von Östrogen. Dies scheint zu einer Reduktion des Botenstoffs Serotonin zu führen[13] und depressive Symptome zu fördern. Männer hingegen neigen unter anhaltendem Stress zu vermehrten risikoreichen Verhaltensweisen.[14] Außerdem reagieren Männer auf Stress öfter mit somatischen Beschwerden wie Übergewicht, hohem Blutdruck, erhöhten Cholesterinwerten und dadurch begünstigten Herz- und Kreislauferkrankungen, insbesondere Herzinfarkten und Schlaganfällen.

Sprachbegabung

Erleiden Frauen einen Schlaganfall in einem Bereich, der Sprache verarbeitet, so sind die Defizite weniger stark ausgeprägt als bei Männern mit einem vergleichbaren Schlaganfall. Zudem erholen sie sich rascher als Männer. Dies hängt mit einer besonderen Verschaltung des weiblichen Gehirns zusammen. Es verfügt sowohl über insgesamt mehr Neuronen (Nervenzellen) als auch über eine stärkere Verdrahtung der beiden Hirnhälften, als es beim männlichen Gehirn der Fall ist. Die Folge ist, dass neugeborene Mädchen rascher und intensiver auf Stimmen reagieren. Sie fangen im Durchschnitt einen Monat früher an zu sprechen und verfügen im Kleinkindalter über einen zwei- bis dreimal so großen Wortschatz wie Jungen. Auch der Redeanteil ist deutlich erhöht. Entscheidend für die Sprachentwicklung ist die Mutter-Kind-Interaktion in den ersten Jahren.[15] Kommt es zum Beispiel durch eine fehlende feste Bezugsperson (in der Regel die Mutter) oder andere Stressfaktoren zu Störungen in dieser sensiblen Phase, so sind es aufgrund der oben genannten Hirnverschaltungen meistens die Jungen, die zuerst und ausgeprägtere Defizite in der Sprachentwicklung erkennen lassen. Nicht zuletzt das Masken-Tragen von Erwachsenen hat zu einer massiven Verlangsamung und Behinderung des Spracherwerbs beigetragen – allen voran bei Jungen.[16] Auch im Erwachsenenalter dominieren die Frauen im Bereich der Sprache – sie übertreffen die Männer im Wortschatz, im Leseverständnis, in der Sprachproduktion und -geschwindigkeit sowie im verbalen Gedächtnis.

Räumlich-mathematisches Verständnis

In räumlich-mathematischen Aufgaben ist der Mann in der Regel der Frau überlegen. Dies betrifft die räumliche Wahrnehmung, die räumliche Visualisierung, die Rotation von Gegenständen in Gedanken[17] sowie den Bereich höherer Mathematik. Vermutlich liegt es daran, dass das männliche Gehirn eine andere Art hat, die Nervenzellen miteinander zu verbinden. Zum einen hat es – obzwar weniger Nervenzellen – mehr Verbindungen zwischen den einzelnen Nervenzellen. Zum anderen sind diese Verbindungen (Synapsen) stärker regional und innerhalb einer Hirnhälfte anzutreffen als bei der Frau.

Fazit

Gott schuf den Menschen als Mann und als Frau (vergleiche 1. Mose 1,27) – geschlechtsspezifisch mit unterschiedlichen Begabungen und Stärken. Diese erleichtern es uns häufig, die Rolle auszufüllen, die der Schöpfer in der Bibel jeweils spezifisch Männern und spezifisch Frauen zuweist (vergleiche unter anderem Titus 2). Seit dem Sündenfall wird Gottes perfekt konzipiertes Gehirn nun von Verhaltensweisen durchdrungen, die nicht seinem Willen entsprechen. Von uns aus wollen wir lieber unsere eigenen Wünsche befriedigen, statt Gottes Willen für unsere Aufgaben als Mann oder Frau zu bejahen. Doch Gott kann uns samt unserer Hirnverschaltung verändern! Wir sind nicht dazu verdammt, unsere selbstsüchtige Neigung auszuleben. Unser Gehirn ist plastisch und anpassungsfähig. Wir dürfen es von demjenigen prägen und umformen lassen, der uns designt hat und daher wirklich weiß, welche Ziele sich mit dem Wunderwerk des Gehirns umsetzen lassen, damit Er geehrt wird!

 

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Quellen-Nachweis

[1] Dies führt nicht „nur“ zu den unterschiedlichen Ausprägungen der Keimbahnen, sondern umfasst jeden Bereich des Körpers, beispielhaft sei hier das Immunsystem genannt, vgl. hierzu Diab-Elschahawi, Magda et al: Gibt es Geschlechterunterschiede bei Infektionen? In: Krankenhaushygiene up2date 8. 2013. S. 101 ff. DOI: 10.1055/s-0033-1344235
[2] Vgl. Bakker, Julia: The role of steroid hormones in the sexual differentiation of the human brain. Journal of Neuroendocrinology. 2021. DOI: 10.1111/jne.13050
[3] Vgl. Lautenbacher, Stefan; Güntürkün, Onur; Hausmann, Markus (Hrsg.): Gehirn und Geschlecht. Neurowissenschaft des kleinen Unterschieds zwischen Frau und Mann. Springer. 2007. S. 5; 35f.; 56.
Vgl. außerdem: Lobardo, Michael V. et al.: Fetal Testosterone Influences Sexually Dimorphic Gray Matter in the Human Brain. 2012. DOI: 10.1523/JNEUROSCI.4389-11.2012. Vgl. Knickmeyer, Rebecca Christine et al.: Fetal testosterone and sex differences. 2006. DOI: 10.1016/j.earlhumdev.2006.09.014. Vgl. Marco Hirnstein, Kenneth Hugdahl & Markus Hausmann: Cognitive sex differences and hemispheric asymmetry: A critical review of 40 years of research, Laterality: Asymmetries of Body, Brain and Cognition. 24:2, 204-252, 2019. S. 209. DOI: 10.1080/1357650X.2018.1497044.
[4] Vgl. dazu die ausgewiesene Expertin für Phänomene von Transsexualität bei Jugendlichen Dr. C. Vonholdt: https://www.christl-r-vonholdt.de/english/transgender-issues-in-children-and-adolescents/#more-505 (zuletzt abgerufen am 26.09.2022)
[5] Wobei durch Bildung gleicher Vergleichspaare möglichst viele weitere Bias (Fehlerquellen) wie Alter, Erkrankungen, IQ etc. minimiert werden.
[6] Vgl. u. a. Nostro, Alessandra D. et al.: Correlations Between Personality and Brain Structure: A Crucial Role of Gender. Cerebral Cortex; 27: 3698–3712. 2017. DOI: 10.1093/cercor/bhw191.
[7] SDN-POA: sexually dimorphic nucleus of the preoptic area.
[8] Vgl. Swaab DF, Hofman MA: Sexual differentiation of the human hypothalamus in relation to gender and sexual orientation. Trends Neurosci. Jun;18(6):264-70. 1995. PMID: 7571001.
[9] Vgl. McEwen, Bruce S. et al.: Understanding the Broad Influence of Sex Hormones and Sex Differences in the Brain. Review. Journal of Neuroscience Research 95:24–39. 2017. DOI: 10.1002/jnr.23809
[10] Vgl. Spreng, Manfred: Adam und Eva – Die unüberbrückbaren neurophysiologischen Unterschiede. In: Vergewaltigung der menschlichen Identität. Über die Irrtümer der Gender-Ideologie. Logos Editions. 7. Auflage. 2015. S. 42.
[11] Vgl. Lautenbacher et al. 2009. S. 95. (vgl. Fn. 2)
[12] Vgl. Marrocco J. et al.: Sex in the brain: hormones and sex differences, Dialogues in Clinical Neuroscience, 18:4, 373-383. 2016. DOI: 10.31887/DCNS.2016.18.4/jmarrocco
[13] Vgl. Bethea C. L. et al.: Ovarian steroid action in the serotonin neural system of macaques. Novartis Found Symp. 230:112-30; discussion 130-3. 2000. DOI: 10.1002/0470870818.ch9.
[14] Vgl. Barel E. et al.: Sex Hormone/Cortisol Ratios Differentially Modulate Risk-Taking in Men and Women. Evol Psychol. Jan;15(1):1474704917697333. 2017. DOI: 10.1177/1474704917697333.
[15] Luby et al.: Maternal support in early childhood predicts larger hippocampal volumes at school age. 109 (8) 2854-2859. 2012. DOI: 10.1073/pnas.1118003109
[16] Vgl. https://www.gov.uk/government/publications/education-recovery-in-early-years-providers-spring-2022/education-recovery-in-early-years-providers-spring-2022 (abgerufen am 21.09.2022)
[17] S. unter anderem Hodgetts, S. et al.: Sex/Gender Differences in Brain. Lateralisation and Connectivity. Behav Neurosci 62: 71-100. 2023. DOI: 10.1007/7854_2022_303

Foto von Adi Goldstein auf Unsplash


Gottes Schöpfungsordnung – häretisch oder harmonisch?

„Im Anfang schuf Gott die Himmel und die Erde” [1]

1. Mose 1,1

So selbstverständlich, wie wir obige Worte lesen, sollte auch die Schlussfolgerung sein, dass Gott seiner Schöpfung eine besondere Ordnung gab. Längst ist diese Ordnung durch die Naturwissenschaften in der Tiefe und Breite auch von Atheisten erforscht, entdeckt und erkannt worden. Man macht sich viele Entdeckungen aus der Natur in technischen Anwendungen zunutze. Nur der letzte Schluss folgt so oft nicht. Zwar werden Jahr für Jahr Nobelpreisträger erkoren und geehrt, doch über dieses forschende Nachdenken wird zu selten Gott, dem HERRN, Dank und Ehre gebracht. Vielmehr liegt eine zunehmende Spannung in der Luft. Durch eine selektive, geradezu häretische[2] Wahrnehmung der Realität und der Ordnung in der Natur kommt es zu einer Mischung aus Bewunderung und Verachtung.

1. DIE HERRLICHE SCHÖPFUNG UND IHRE ORDNUNG

Wir Menschen staunen über die vielen Wunder der Natur, über Sternenhimmel, das nächtliche Gewitter, über Berge und Seen, Tiere und Pflanzen. Die Schöpfungsordnung Gottes wird teilweise als herrlich und harmonisch empfunden. Zugleich werden die göttliche Ordnung und Bestimmung von Ehe und Familie inzwischen geradezu als Irrlehre bekämpft. Der natürliche Mensch zeigt darin seine Feindschaft gegen Gott. Aus der Natur und Schöpfung Gottes lassen sich keine für Menschen verbindlichen ethisch-moralischen Grundsätze zum Thema Ehe, Familie oder Sexualität ableiten. Gott hat diese in der Heiligen Schrift offenbart. Und nur durch die Bibel erfahren wir, warum die Schöpfung seit dem Sündenfall ihre grausamen und schrecklichen Seiten zeigt. Sie ist durch Gott der Vergänglichkeit unterworfen auf Hoffnung hin.[3] Trotz aller Vergänglichkeit und Spuren der Sünde können wir Menschen über die Wunder der Natur staunen. Wir bewundern die Brandung des Meeres, die Vogelschwärme am Himmel, den tosenden Wasserfall. Wir sind fasziniert vom Flügelschlag des Schmetterlings, vom Duft der Rose.

Die Wahrnehmung für wahr nehmen
Gottes unsichtbares Wesen, seine ewige Kraft und seine Göttlichkeit werden seit der Erschaffung der Welt in dem Gemachten wahrgenommen und geschaut (vergleiche Römer 1,19–29). Diese ‚Wahrnehmung des Erkennbaren‘ macht uns voll vor Gott verantwortlich. Ihn sollten wir Menschen verherrlichen und ihm Danke sagen. Aber das geschieht nicht einfach so, da wir Menschen aufgrund unserer Trennung von Gott durch Sünde weder verständig sind noch nach ihm fragen.[4] Nur die Heilige Schrift gibt uns Licht über die Herkunft und Zukunft der Schöpfung. Die Bibel lehrt uns weit mehr, als was wir aus der Natur über Gott, seine ewige Kraft und Ordnungen ablesen können.

Woher kam die Ordnung?
Die Heilige Schrift sagt im Buch Genesis, wie Gott alles begonnen und geordnet hat. Das sehen viele Leute noch immer völlig anders. Und mit dem Glauben an die Schöpfung verbinden viele die Idee einer von Gott gelenkten Evolution. Bis dahin, dass die Hypothese des Urknalls in die christliche Theologie fast vollständig aufgenommen wurde. Nein, die Bibel ist kein wissenschaftliches Lehrbuch, aber sie spricht deutlich über die Schöpfung und den Schöpfergott, der die Welt an sechs Tagen erschaffen und weise geordnet hat. Psalm 19,2: „Die Himmel erzählen die Herrlichkeit Gottes, und die Ausdehnung verkündet seiner Hände Werk.“ Gott schuf Himmel und Erde voll Schönheit und Herrlichkeit.

2. DIE ABLEHNUNG DES SCHÖPFERS

Der natürliche Mensch denkt und handelt losgelöst von Gott und dessen Ordnungen. Er schlägt sie in den Wind. Gott fragte Hiob: „Kennst du die Gesetze des Himmels, oder bestimmst du seine Herrschaft über die Erde?“ (Hiob 38,33) Also nicht wir Menschen bestimmen und herrschen über die von Gott geschaffenen Ordnungen und Naturgesetze. Sie bestimmen uns. Die aktuellen Entwicklungen wie zum Beispiel Gender, Transgender, das geplante Selbstbestimmungsgesetz sind heillose Versuche, das Menschsein nach eigenen Gesetzmäßigkeiten zu bestimmen. Sprache, Geschlecht, Ehe und Familie werden einem Neusprech unterworfen und umgedeutet. Ganz so wie es den Menschen ohne Gott gefällt.

Der große Knall
Erst die Ablehnung Gottes als Schöpfer führte zu einer Wissenschaft und Lebensweise ohne Gott. Die Forderung nach einer anderen Ursache brachte die Idee des Urknalls hervor. Sie steht als Lückenbüßer für das, was nicht sein darf. Neue Technologien nach dem Vorbild der Natur werden seit Jahrzehnten vorangetrieben. Dazu gab es bereits vor zwanzig Jahren beachtliche Publikationen von Bionikern. Sie zeigen auf, wie man die Ordnung der Natur und ihre Baupläne erforscht und sich zunutze macht.[5] Ganz selbstverständlich wird dabei die Evolution als kreative Kraft hinter Konstruktionen der Natur vorausgesetzt. Kurt G. Blüchel spricht in seinem Buch vom „Einfallsreichtum“ der Pflanzen, von „Methoden der Evolution, welche scharfsinnigen mathematischen Optimierungsverfahren allem Anschein nach weit überlegen sind“.[6] Diese Beobachtungen führen dennoch erstaunlich selten zur Anerkennung des Schöpfers. Eine gedanklich klare Verknüpfung zu Gott als dem Ordnungsgeber kommt auf diesem Wege nicht zwangsläufig zustande. Vielmehr sehen wir heute, wie Transhumanisten einen besseren Menschen ganz ohne Gott erschaffen möchten.

“Denn Gott ist nicht ein Gott der Unordnung, sondern des Friedens, ...“

1. Korinther 14,33

 

Die Schere im Kopf
Da denken also kluge Forscher über die genialen Konzepte und Pläne der Natur nach. Sie kommen zu erstaunlichen Entdeckungen. Und doch beginnen sie nicht über den Schöpfer und seine Weisheit zu staunen. Die Schere im Kopf ist aktiv, Gott als Schöpfer des Menschen nach seinem Bild, das gilt als unwissenschaftlich, ja gesellschaftlich als häretisch. Und doch sagt das Wort Gottes: „Der HERR hat durch Weisheit die Erde gegründet und durch Einsicht die Himmel festgestellt“ (Sprüche 3,19). Nicht der Zufall, sondern Gottes Weisheit gilt als Werkmeister.[7] Christen haben Dank der Gnade Gottes geöffnete Augen des Herzens. Sie können für solche Entdeckungen Gott mit frohem Herzen Danke sagen. Der rettende Glaube kommt eben nicht durch das Studium der Natur, sondern durch das Hören von Gottes Wort.[8]

Durch Glauben verstehen
Christen sprechen von Schöpfungsordnung, weil sie durch Glauben verstehen, dass der Schöpfergott alles in seiner Weisheit und Macht herrlich geordnet hat.[9] Das betrifft dann auch die Ebene der Schöpfungsordnung im Bereich von Ehe und Familie. Das Prinzip von Ordnung ist unübersehbar. Im biblischen Kontext ist Ordnung nicht nur eine wissenschaftliche Kategorie. Sie wirkt sich direkt auf menschliche Beziehungen aus und ist auch eine moralisch-ethische Kategorie. Der Apostel Paulus stellte den zerstrittenen Korinthern einen Gott des Friedens und der Harmonie vor Augen: „Denn Gott ist nicht [ein] Gott [der] Unordnung, sondern [des] Friedens, ...“ (1. Korinther 14,33). Paulus gebrauchte nicht das zu erwartende Gegenwort Ordnung. Er stellt vielmehr der menschlichen Unordnung den Gott des Friedens gegenüber. Gott ist kein kalter Bürokrat, der seine Checklisten abarbeitet. Er ist ein liebender Gott des Friedens. In Jesus hat er sich offenbart als der großartige Friedensstifter[10] und Fürst des Friedens[11]. Befolgen wir Menschen die Schöpfungsordnung demütig aus Glauben an den Schöpfer, dürfen wir inneren und äußeren Frieden und Harmonie erwarten.

Der zunehmende Streit
Welche Zerstörung es bedeutet, Gott und seine ethischen Ordnungen zu missachten, ist seit Satans Fall unübersehbar. Die Abrissbirnen der Spötter, Frechen und Übermütigen wollen alles einreißen.[12] Der Streit um die Ehe und in Ehen und Familien hat selbstverständlich auch mit der Auflehnung gegen Gottes Ordnungen zu tun. Diese Zusammenhänge können Christen verstehen. Gottes Ordnung macht Leben möglich und wirklich lebenswert. Der Atheist lehnt eine vorgegebene göttliche Ordnung ab. Er verweigert sich ihrem ethischen Anspruch. Die Würde des Menschen, der Wert der Ehe und Familie sind für Atheisten keine beständigen Normen. Sie sind eine dem Zeitgeist unterworfene Verhandlungsmasse. Die moralischen Ordnungen Gottes werden von Atheisten als häretisch bekämpft und verachtet. Für Christen sind sie heilig, weil sie an den einen heiligen Gott glauben, der sich in der Schöpfung, in der Heiligen Schrift und in Jesus Christus offenbarte.

3. DIE SCHÖPFUNGSORDNUNG IN DER FAMILIE

Gott schuf die Menschen nach seinem Bild als Mann und Frau. 1. Mose 1,27: „Und Gott schuf den Menschen in seinem Bild, im Bild Gottes schuf er ihn; Mann und Frau schuf er sie.“ Gott schuf Adam und Eva als hetero-sexuelles Paar. 1. Mose 2,24–25: „Darum wird ein Mann seinen Vater und seine Mutter verlassen und seiner Frau anhangen, und sie werden ein Fleisch sein. Und sie waren beide nackt, der Mensch und seine Frau, und sie schämten sich nicht.“ Viele verwerfen die Ehe oder Familie, weil sie nicht verstehen, wie Gott sie sich gedacht hat. Andere verwerfen sie, weil sie Gott verworfen haben. Die Ehe wurde von Gott als eine herausragende Beziehung erschaffen. Mann und Frau unterscheiden sich deutlich von den übrigen Geschöpfen. Sowohl von Tieren als auch von Engeln. Die Ehe ist eine Ordnung Gottes für alle Menschen. Ungeachtet dessen, ob sie an Gott glauben oder nicht. Das Leben in Ehe und Familie ist wahrlich kein Spaziergang. Die Ehe ist, wie es jemand einmal nannte, die Hochschule des Lebens. Es ist unter dem heutigen gesellschaftlichen Klima keine leichte Aufgabe eine Ehe über Jahre zu bewahren und sich darin zu bewähren. Hier ist gegenseitige Stärkung unter Familien gerade in den örtlichen christlichen Gemeinden wichtig. Dass eine Ehe ein Glücksfall und kein Unglücksfall wird, hat damit zu tun, ob man versteht, wie Gott sie sich gedacht hat. Und ob man Gott dabei in die Mitte nimmt!

Der dreifache Zweck der Ehe
Gott beabsichtigte mit der Ehe (1) eine Gemeinschaft von Mann und Frau gegen Einsamkeit[13]; (2) eine treue monogame Beziehung für soziale Strukturen; (3) eine lebenslange Einheit in der Ein-Fleisch-Beziehung. Der erste Aspekt bedeutet, dass der jeweilige Ehepartner die Einsamkeit des anderen beendet. Wobei die Frau die notwendige Gehilfin für den Mann ist.[14] Die Überwindung der Einsamkeit durch Zweisamkeit führt in eine sich völlig ergänzende Gemeinsamkeit in der Ehe. Der zweite Aspekt bezieht sich auf die Aussage „seiner Frau anhängen“. Adam soll mit Zuneigung und Loyalität zu seiner Frau halten. Die Ehe ist enge, intime und vertrauensvolle Beziehung. Aus ihr können Kinder hervorgehen. Sie ist von Einigkeit geprägt. Der dritte Aspekt bezieht sich auf die innigste Verbindung zwischen zwei Menschen. Sie bezieht sich nicht nur auf die physische Vereinigung. Es geht auch um geistlich, moralisch, emotionale oder gedankliche Aspekte dieser Einigkeit. Diese Ein-Fleisch-Beziehung betont die Einheit, ohne die Unterschiede der beiden Geschlechter zu verwischen. Jesus Christus lehrte die dauerhafte lebenslange Monogamie (Matthäus 19,5–6; Markus 10,8–9). Die Ehe bleibt ein Bund bis zum Tod einer der beiden Partner (Römer 7,2).

Gott schützt die Ehe
Die Bibel belehrt uns ausgehend vom Schöpfungsbericht über die verbindliche Ordnung der Ehe und Familie. Gott sprach einst zu Abimelech, der die verheiratete Sara zur Frau nehmen wollte, „Siehe, du bist des Todes wegen der Frau, die du genommen hast; denn sie ist eines Mannes Ehefrau.“ (1. Mose 20,3) Gott schützte Abrahams Frau und verhinderte, dass Abimelech Sara berührte. Er drohte Abimelech mit dessen Tod, würde er Sara nicht zurückgeben. So heilig ist Gott die Ehe. Auch in den Zehn Geboten schützt Gott die Ehe als einzigartige Gemeinschaft mit dem siebten Gebot „Du sollst nicht ehebrechen“ (2. Mose 20,14); und unter anderem im zehnten Gebot „ ...Du sollst nicht begehren, die Frau deines Nächsten, ...“ (2. Mose 20,17).

Die rasante Abkehr von Gottes Familienordnung
Hätte man vor etwa 50 Jahren Schulanfänger nach ihrer Familie befragt, so hätten die meisten gesagt, Papa geht seinem Beruf nach, Mama ist daheim und kümmert sich um mich. Gewiss würde das Ergebnis heute anders aussehen. Andere Beziehungsmodelle laufen der traditionellen Ehe den Rang ab. Gehört die Ehe auf den Schrottplatz der Geschichte? Der Zeitgeist diktiert das Motto: „Lose Beziehungen, statt lebenslanger Treue.“ Das traditionelle Bild von Ehe und Familie wird heutzutage geringschätzig betrachtet und verächtlich gemacht. Wer aber fragt nach dem Wohl und Bedürfnis der Kinder? Wollen die Kleinen schon mit zwei Jahren in die Kita? Und leider ist es so, dass es in einigen Fällen auch aus wirtschaftlichen Gründen gar nicht mehr anders geht. Doch spielt gerade in den frühen Jahren der Kindheit die Bindung an eine Bezugsperson, bevorzugt die Mutter, eine wichtige Rolle in der Entwicklung des Kindes. Zur Bildung im weitesten Sinne gehört nämlich auch die Bildung des Herzens zur Beziehungs- und Bindungsfähigkeit.

Gegenwind statt Rückenwind
Gesellschaftlich betrachtet erfährt die Familie mächtigen Gegenwind. Dabei ist seit Jahrzehnten zu beobachten, wie sich der Abbau spezifisch weiblicher und spezifisch männlicher Verhaltensmerkmale vollzieht. Die Angleichung der Geschlechter im Sinne einer Nivellierung zeigt sich. Da laut Friedrich Engels, die Ehe und Familie als Grundpfeiler kapitalistischer Wirtschaftsordnung gedeutet werden, muss Erziehung, die das kapitalistische System überwinden will, spezifisch weibliches Verhalten abbauen, um so der Ehe und Familie entgegenzuwirken. Der Autor des Buches Alarm um die Schule erklärt: „Abbau spezifisch weiblicher beziehungsweise männlicher Verhaltensweisen unterstützt den Kampf der Marxisten gegen die Ehe und Familie und damit gegen unsere Gesellschaftsordnung. Diese neue Weise der Selbsterfahrung der Geschlechter ist allerdings nur ein Ausschnitt dieses Kampfes, der seinen Höhepunkt hat in einer neuen Sexualmoral, die Ehe und Familie zu zerstören zum Ziele hat. Gott schuf den Menschen als Mann und als Frau. Er schuf die Frau als Gehilfin des Mannes, Gehilfin heißt „gegenüber“, „Ergänzung“. Jede Absicht, die speziellen Wesensmerkmale von Mann und Frau auf ein Niveau zu bringen, widerspricht Gottes Ordnung.“[15] Die Androgynität, dass jeder Mensch zu gleichen Teilen Männlichkeit und Weiblichkeit besitzt, gilt als Leitprinzip des New Age.[16]

Fromm getarnter Angriff auf die Bibel
J. Robertson McQuilkin sollte Recht behalten mit seiner These aus dem Jahr 1977. Er warnte vor dem Einfluss von Verhaltensforschern aus den Disziplinen der Psychologie, Soziologie und Anthropologie im Hinblick auf Relativierung biblischer Inhalte: „Meine These ist, dass in den nächsten zwei Jahrzehnten die größte Bedrohung für die biblische Autorität der Verhaltensforscher ist, der guten Gewissens auf die Barrikaden gehen würde, um die Vordertür gegen jeden Theologen zu verteidigen, der die Inspiration und Autorität der Heiligen Schrift angreift, während er selbst den Inhalt der Heiligen Schrift durch kulturelle oder psychologische Interpretation durch die Hintertür hinausschmuggelt.“[17] Die Relativierung biblischer Wahrheit ist gerade durch die humanistische Psychologie und kulturelle Brille in vollem Gange. Das betrifft die schleichende Relativierung der Schöpfungsordnung Gottes in Bezug zur Familie und der Rolle von Mann und Frau in der Ehe und Gemeinde.

Neue Hermeneutik
Was uns Christen betrifft, so ist Selbstkritik im eigenen Lager angebracht. Die kritische Hinterfragung der binären Geschlechter von Mann und Frau in der modernen und inzwischen auch postevangelikalen Theologie hat ihre Wurzeln in einer fehlgeleiteten neuen Hermeneutik, welche darauf abzielt, die Aussagen der Bibel der Weltanschauung des gefallenen Menschen und dessen sündigen Neigungen anzupassen. Es ist darum sehr wichtig unablässig auf die Chicago-Erklärung zur Biblischen Hermeneutik hinzuweisen.[18] Es fällt heute bei Diskussionen auf, welche Unwissenheit über die Prinzipien biblischer Hermeneutik herrscht.

Die neue Moral
Inzwischen liegen über vierzig Jahre Kampf für eine neue Sexualmoral hinter uns. Und heute begegnet uns Gender-Sprech als Neusprech oder Kunstsprache. Uns Bürgern wird dadurch ein anderes Denken über Sexualität, Geschlechter und Moral aufgedrängt. Wir haben nicht darum gebeten und wurden auch nicht danach gefragt. Das Ergebnis führt zu Uneindeutigkeit und Sprach-Verwirrung. Der deutschen Sprache wird mit so manchem gegenderten Unsinn Gewalt angetan. Birgit Kelle sagt: „Selten hat eine Ideologie mit Weltverbesserungsanspruch derart großen Unterhaltungsfaktor. Und deswegen hat Gender Mainstreaming es verdient, als das betrachtet zu werden, was es ist: eine große Satireshow. Bühne frei!“[19] Dass weiße Menschen nicht zu den PoCs (People of Color) gehören steht fest. Denn zu ihnen gehören alle Menschen mit nicht-weißer Hautfarbe. Die Zuordnung zu den PoCs hingegen ist gar nicht so einfach. Es gibt auch die BPoC (genannt: Black People of Color), die man früher als „Schwarze“ bezeichnet hat, was heute als diskriminierend gilt. Es sei denn, jemand nennt sich selbst so, dann ist das ok. Bei der Zuordnung von Latinos und Asiaten wird es dann schwieriger mit der Unterscheidung. Man ist sich da nicht einig, ob sie zu den Weißen oder zu den benachteiligten PoC gehören.[20] Da scheint doch noch viel Klärungs- und Ordnungsbedarf! Die Verwirrung wird nicht geringer, wenn wir in die Schweiz blicken. In Bern gilt die amtliche Empfehlung die biologistischen Begriffe Vater und Mutter durch Elter 1 und Elter 2 zu ersetzen. Das ist auch darum „sinnvoll‹, weil das Geschlecht neuerdings nur noch eine soziale Konstruktion ist. Wenn also der Vater – sprich Elter 1 – nun nicht mehr Rainer, sondern plötzlich Erika heißt, dann passt das besser. Das biologische Geschlecht zählt nicht mehr, es geht um die Abschaffung der biologisch gut begründeten Kategorie Geschlecht. Und wenn ihnen bei dieser Vorstellung nun schlecht wird, ist das gar nicht übel. Denn das Ganze hat Methode!

Selbstbestimmung und Geschlechtsumwandlung
Mit dem geplanten Selbstbestimmungsgesetz hat die deutsche Ampelregierung erneut ein vom Namen her wohlklingendes, aber inhaltlich höchst fragwürdiges Gesetz geplant. Bereits seit über 40 Jahren ist es in Deutschland durch das Transsexuellengesetz möglich, sein amtlich eingetragenes Geschlecht und seinen Vornamen ändern zu lassen. Die dafür notwendigen psychologischen Gutachten werden allerdings von einigen Transsexuellen und ihrer Lobby als diskriminierend angesehen. Deshalb soll in dem neuen Gesetzesvorhaben nicht nur die Notwendigkeit dieser Gutachten abgeschafft werden, außerdem soll es Kindern ab 14 Jahren ohne die Zustimmung ihrer Eltern möglich sein, ihre Geschlechtsangabe amtlich ändern zu lassen. Mit dem neuen Selbstbestimmungsgesetz soll es beim Geschlechtseintrag und der Änderung der Vornamen künftig unerheblich sein, ob es sich um einen transgeschlechtlichen, nicht-binären oder intergeschlechtlichen Menschen handelt. Gutachten zur sexuellen Identität oder ein ärztliches Attest sollen als Voraussetzung für eine Änderung nicht verlangt werden. Der moderne Trend der Geschlechtsumwandlung und Verabreichung von Pubertätsblockern unter Kindern und Jugendlichen hinterlässt eine Schneise der Verwüstung im Leben der Betroffenen. Die biblische Antwort: Erkenne, wer du bist, denn Gott sagt Ja zu dir!

Würdigung statt Entwertung
Der Wert einer Münze ergibt sich aus der Prägung durch die Münzanstalt. Eine Münze hat zwei Seiten. Wappen und Zahl verleihen einer Münze Echtheit und Wert. Gott verleiht einer Ehe Wert und Würde. Sie besteht aus Mann und Frau. Bei schwulen oder lesbischen Paaren kann man häufig etwas Interessantes beobachten: dass in einer solchen Beziehung der eine Partner eine feminine und der andere eine maskuline Seite zeigt. Selbst in solchen Beziehungen schimmert eine gewisse Polarität durch. Paulus scheint in 1. Korinther 6,9 mit den beiden Begriffen, die mit „Weichlingen“ und „Knabenschänder“ übersetzt werden, auf diese Zweiseitigkeit hinzuweisen. Hier nehmen Ausleger an, dass es sich bei „Weichlingen“, nach Bauer auch Lustknaben, um den passiven Homosexuellen handelt, der sich sexuell missbrauchen lässt. Hingegen wird der Begriff „Knabenschänder“ (vergleiche 1. Timotheus 1,10) für den aktiven Homosexuellen gebraucht. Schnabel merkt an, dass zu jener Zeit der sexuelle Verkehr mit Kindern oder Jugendlichen (Päderastie) die am weitesten verbreitete Form homosexuellen Verhaltens war und deshalb viele mit „Knabenschänder“ übersetzten.[21] „Weichlinge“ und „Knabenschänder“ beziehen sich beide laut MacArthur auf diejenigen, die die normalen Rollen und Beziehungen von Männern und Frauen vertauschen und zerstören.[22] Die gerne vorgebrachte Problematik der Intersexualität sollte nicht aufgrund falscher Zahlen überbetont werden, obschon sie für betroffene eine schwere Belastung darstellt. Es ist davon auszugehen, dass lediglich 0,018 % der Bevölkerung als intersexuell gelten und damit keinem biologischen Geschlecht eindeutig zugeordnet werden können.[23]

Von Gott gerettet und verändert
Paulus nennt in 1. Korinther 6,9–10 eine ganze Gruppe von Ungerechten, die jeweils der Ordnung und den Geboten Gottes zuwider leben: „Oder wisst ihr nicht, dass Ungerechte [das] Reich Gottes nicht erben werden? Irrt euch nicht! Weder Hurer noch Götzendiener, noch Ehebrecher, noch Weichlinge, noch Knabenschänder, noch Diebe, noch Habsüchtige, noch Trunkenbolde, noch Schmäher, noch Räuber werden [das] Reich Gottes erben.“ Der Apostel erinnert also an Gottes Ordnung, dass nämlich alle aus dieser genannten Gruppe das Reich Gottes nicht erben werden. Allerdings fügt er zur Ermutigung an, dass unter den Korinthern solche gewesen sind und betont, „aber ihr seid abgewaschen, aber ihr seid geheiligt, aber ihr seid gerechtfertigt worden in dem Namen des Herrn Jesus und durch den Geist unseres Gottes“ (1. Korinther 6,11). Das bedeutet, Gottes Schöpfungsordnung wurde nicht durch den Sündenfall aufgehoben. Vielmehr bewirkte Gott das Wunder einer völligen Veränderung und Umkehr in denen, die an Jesus Christus glaubten. So kommt es zur Reinigung, Heiligung, Rechtfertigung und dem Frieden mit Gott durch eine versöhnte Beziehung mit ihm (vergleiche Römer 5,1–2).[24] Durch die Erlösung in Christus haben die betreffenden Leute aus Korinth eine tiefgreifende Reinigung, Heiligung und Veränderung erlebt. Jesus Christus, der gestern, heute und in Ewigkeit derselbe ist, vermag das auch heute zu bewirken. Oder sollte Gott ein Ding unmöglich sein? Gottes Schöpfungsordnung ist gut und harmonisch, weil Gott gut ist und unser Bestes will. Wo wir als Christen gegen Gottes gute Ordnungen verstoßen haben, dürfen wir um Reinigung und Vergebung bitten. Die neue Erde und Himmel werden kommen. Bis dahin ruft Gott unserer von Sünde, Häresien und Irrtümern geplagten Menschheit zu:

„Tut Buße und glaubt an das Evangelium“

Markus 1,15

 

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Quellen-Nachweis

[1] Bibeltexte zitiert aus Die Heilige Schrift, CSV Elberfelder © 2006
[2] häretisch im Sinne von der gängigen Lehre abweichend. Vgl. auch abweichende Lehre, Häresie vom griechischen Wort hairesis „das Erwählte, Denkweise, Irrlehre“. Hier geht es um den Hinweis auf die selektive Auswahl und einseitige Wahrnehmung der Schöpfungsordnung Gottes.
[3] Römer 8,20
[4] Römer 3,11: da ist keiner, der verständig ist; da ist keiner, der Gott sucht. Vgl. auch Epheser 4,18: verfinstert am Verstand, entfremdet dem Leben Gottes wegen der Unwissenheit, die in ihnen ist, wegen der Verhärtung ihres Herzens.
[5] Werner Nachtigall, Kurt G. Blüchel, Das große Buch der Bionik, Deutsche Verlags-Anstalt Stuttgart München, Auflage 2001, 399 Seiten.
[6] Kurt G. Blüchel, S. 117, S. 108.
[7] Sprüche 8,30
[8] Römer 10,17
[9] Das Verstehen kommt aus dem Glauben vgl. Hebräer 11,3: Durch Glauben verstehen wir, dass die Welten durch Gottes Wort bereitet worden sind, so dass das, was man sieht, nicht aus Erscheinendem geworden ist.
[10] Vgl. Kolosser 1,20
[11] Vgl. Jesaja 9,5.
[12] Vgl. Maleachi 3,15.19
[13] 1. Mose 2,18: Und Gott der HERR sprach: Es ist nicht gut, dass der Mensch allein sei; ich will ihm eine Hilfe machen, die ihm entspricht.
[14] Die Frau ist dem Mann als dessen „Gehilfin“ oder „Hilfe“ zur Seite gestellt. Adam war vor Eva da. Der Mann hat die Aufgabe, in der Ehe zu führen. „Denn Adam ist zuerst geschaffen worden, danach erst Eva“ (1. Timotheus 2,13).
[15] Immanuel Lück, Alarm um die Schule, Kritische Auseinandersetzung mit der gegenwärtigen Erziehungs-Situation – die neomarxistische Unterwanderung, Veröffentlichung im Auftrag des Theologischen Konvents der Konferenz Bekennender Gemeinschaften, Hänssler-Verlag, Neuhausen-Stuttgart 1979, S. 201-202.
[16] John Piper, Wayne Grudem (Hrsg.), Zweimal einmalig – eine biblische Studie, Die Rolle von Mann und Frau in der Bibel, 3L Verlag 2008, S. 400.
[17] J. Robertson McQuilkin, „The Behavioral Science Under the Authority of Scripture“, JETS 20 (March 1977): S. 37.
[18] Bibeltreue in der Offensive?! Die drei Chicagoerklärungen zur biblischen Irrtumslosigkeit, Hermeneutik und Anwendung. Herausgegeben und übersetzt von Thomas Schirrmacher, Verlag für Kultur und Wissenschaft 3. überarbeitete Auflage 2009.
[19] Birgit Kelle, Gender Gaga, Wie eine absurde Idee unseren Alltag erobern will, adeo-Verlag in der Gerth Medien GmbH 2015, S. 16.
[20] Vgl. hierzu: Eckhard Kuhla (Hrsg.), Die Gender Fibel, Ein irres Konversationslexikon, fontis 2021.
[21] Eckhard. J. Schnabel, Der erste Brief des Paulus an die Korinther, Brockhaus Verlag Wuppertal 2006, S. 319.
[22] John MacArthur, 1. Korintherbrief, CLV-Bielefeld 2006, S. 156.
[23] Es treffe nicht zu, dass 1,7 % der Bevölkerung „zwischen den Geschlechtern“ geboren sind: https://statsforgender.org/wp-content/uploads/2022/12/The-proportion-of-people-with-DSDs-.pdf abgerufen am 6.5.2023.
[24] Römer 5,1-2: Da wir nun gerechtfertigt worden sind aus Glauben, [so] haben wir Frieden mit Gott durch unseren Herrn Jesus Christus, durch den wir mittels des Glaubens auch den Zugang haben zu dieser Gnade, in der wir stehen, und rühmen uns in [der] Hoffnung der Herrlichkeit Gottes.

Foto von Greg Rakozy auf Unsplash


Frühkindliche Störungen der Geschlechtsentwicklung

1. DIE PHYSIOLOGISCHE GESCHLECHTSENTWICKLUNG

Um die aktuellen Entwicklungen einordnen und Phänomene wie Intersexualität richtig bewerten zu können, muss im Blick behalten werden, wie Gott den Menschen geschaffen hat. Sonst können die großen anthropologischen Linien leicht aus den Augen verloren gehen und „Abweichungen“ (wie zum Beispiel Intersexualität) nur noch schlecht eingeordnet werden. Im Anschluss folgt ein Überblick über embryologische Grundlagen der Geschlechtsentwicklung. Darauf folgt eine Darstellung der wichtigsten Störungen der Geschlechtsentwicklung (engl. Disorder of Sex Development, abgekürzt DSD) die nur mit der Schöpfungsordnung und dem embryologischen Grundwissen im Blick sinnvoll eingeordnet werden könne.

Abbildung 1: Die ersten Tage der Entwicklung des wenige Tage alten Menschen von der Eizelle nach Eisprung bis zur Einnistung der befruchteten Eizelle in die Gebärmutterschleimhaut.

1.1 Gottes Schöpfungsordnung als Ausgangspunkt der Geschlechterdichotomie

Die maßgebliche Bibelstelle, welche die gottgewirkte Schöpfungsrealität des Menschen darstellt, steht in 1. Mose 1,26–27: „Und Gott sprach: Lasst uns Menschen machen nach unserem Bild, uns ähnlich; (…) Und Gott schuf den Menschen in seinem Bild, im Bild Gottes schuf er ihn; Mann (sachar) und Frau (nekewa) schuf er sie.“ (vergleiche 1. Mose 5,1–2; Matthäus 19,4) Hier wird eine der grundlegendsten Wahrheiten des biblischen Menschenverständnisses deutlich: Der Mensch existiert nicht neutral als Mensch, sondern nur als Mann und Frau. Einzig und allein auf diese beiden Weisen kann ein Mensch existieren, weil Gott es so geschaffen hat (erschaffen = hebräisch bara2). Nur in der Zusammenschau beider Geschlechter kann der Mensch als Mensch verstanden werden. Dieses Sosein des Menschen als Mann und Frau hat Gott gesegnet (1. Mose 1,28). Mit der Erschaffung des Menschen wird der sechstägige Schöpfungsakt finalisiert und alles für „sehr gut“ befunden (1. Mose 1,31). Eine dritte Option steht hier nicht zur Wahl. Mit den zwei Geschlechtern ist alles sehr gut. 1. Mose 1,27 ist die Basis und unser theologischer Ausgangspunkt, den wir nicht aus den Augen verlieren dürfen, wenn wir uns mit der Frage nach der Anzahl der Geschlechter auseinandersetzen. Da Gott es so verfügt hat, kann das Ergebnis logischerweise in der Naturwissenschaft auch nachvollzogen werden. Über die Jahrtausende und vor allem in den letzten Jahrhunderten wurde es den Naturwissenschaftlern geschenkt, ein wenig zu verstehen, wie Gott den Menschen geschaffen hat und worin die Geschlechtlichkeit biologisch begründet liegt. Um der Beantwortung der am Anfang aufgeworfenen Fragen näher zu kommen, müssen wir einen Blick in die Embryologie werfen – die Lehre der vorgeburtlichen Entwicklung, deren große Linien in den folgenden Abschnitten nachgezeichnet werden sollen.[3]

1.2 Der Beginn der Geschlechtsentwicklung

Kurz vor dem Startschuss zur Entwicklung eines neuen Menschen treffen zwei Keimzellen (Eizelle und Spermium) aufeinander. Diese vereinen sich zur Zygote, einer gemeinsamen Zelle (griechisch zygotos, durch ein Joch verbunden, zweispännig). Von dieser zusammengejochten Zelle wird ein wundersamer Prozess in Gang gesetzt, der aus einer einzelnen „einfachen“ Zelle einen komplexen Menschen hervorbringt. In dieser Zygote liegt die gesamte genetische Information (Chromosomen) vor, die in den folgenden Wochen durch unzählbar viele Zellteilungen auf alle Zellen kopiert wird (vergleiche Abbildung 1), bis dieser Mensch neun Monate später zur Welt kommt. Diese Entstehung des Menschen aus einer einzelnen Zelle wird verwirklicht durch etliche Regulationsprozesse und eine quasi unendliche Vielzahl einzelner Faktoren, die zum richtigen Zeitpunkt zusammengekommen sein müssen. Es ist ein Prozess, der an Komplexität kaum übertroffen werden kann und in der Tiefe nur von dem Einen verstanden werden kann (vergleiche Prediger 11,5), der alle Menschen „im Schoß (unserer) Mutter“ (Psalm 139,13) gewoben hat. Da bleibt einem nichts weiter übrig, als staunend mit den Worten aus Psalm 139,14 zu sprechen: „Ich danke dir dafür, dass ich erstaunlich und wunderbar gemacht bin; wunderbar sind deine Werke, und meine Seele erkennt das wohl!“ Ein Teil der Entwicklung des Menschen ist die Entwicklung seines Geschlechts, bei der grob gesagt drei chronologisch aufeinander folgende Etappen (chromosomale, gonadale und phänotypische Entwicklung) durchlaufen werden, die am Ende die Basis für die Ausprägung des psychischen Geschlechts bilden (siehe Abbildung 2).

 

1.3 Ausprägung des chromosomalen Geschlechts

Das chromosomale Geschlecht ist mit der Befruchtung festgelegt. Entsprechend ist das Geschlecht, das zur Ausprägung kommen soll, mit dem Zustandekommen der Zygote festgelegt und wird in der weiteren Entwicklung realisiert.[4] Das Verhältnis zwischen chromosomalem Geschlecht und „angestrebtem Geschlecht“ gleicht der Ausführung eines vorher festgelegten Plans, der durch folgende Schritte umgesetzt werden soll. Ein Embryo in der fünften Woche, in der die Geschlechtsspezifizierung langsam beginnt, könnte sich potentiell (isoliert von der chromosomalen Vorgabe) in beide Richtungen entwickeln. Er kann „Mann“ oder „Frau“ werden. Die embryologische Anlage sowohl des inneren als auch des äußeren Geschlechts ist „bipotent“ (siehe Abbildung 3). Doch ab der fünften Woche werden konkrete Schritte eingeleitet, um aus einer neutralen, generellen Anlage das bereits bei der Zeugung festgelegte, chromosomale Geschlecht auszubilden. Das heißt nicht, dass der Embryo kein Geschlecht oder zwei Geschlechter hätte, denn das Zielgeschlecht ist im Chromosomensatz festgehalten. Für die weitere Ausprägung braucht es aber eine Richtungsangabe (männlich oder weiblich). Dafür wird auf die schon von Beginn an festgelegte Genetik rekurriert und ein spezifisches „Chromosomen-Signal“ abgefragt, wobei die genetische Information aktiv abgelesen und in Proteine umgesetzt wird, welche für die weitere Geschlechtsentwicklung notwendig und spezifisch für die individuellen Geschlechter sind. Dieses Signal bieten die beiden Geschlechtschromosomen X und Y. Sie sind Teil der insgesamt 46 Chromosomen des Menschen (23 verschiedene in doppelter Ausführung). Die Anzahl spielt dabei eine sehr wichtige Rolle. Abweichungen von der Norm werden Aberrationen genannt und sind oft Ursache von (Erb-)Krankheiten wie zum Beispiel die Trisomie 21 (Downsyndrom). Der vorliegende Chromosomensatz kann schnell und einfach durch die Nennung der Gesamtanzahl der Chromosomen mit Anfügung der beiden Geschlechtschromosomen beschrieben werden: 46, XX ist weiblich und 46, XY männlich.

1.4 Ausprägung des gonadalen Geschlechts

Ab der fünften Woche wird die Spezialisierung der Keimdrüsen (Gonaden), namentlich Hoden oder Eierstöcke, initiiert durch den Chromosomensatz, eingeleitet. Das spezifische Signal, das letztlich maßgeblich ist, ist das Vorliegen des Y-Chromosoms.[5] Wenn dieses Signal fehlt (zum Beispiel beim weiblichen Chromosomensatz XX), entwickeln sich automatisch weibliche Keimdrüsen. Dementsprechend wird der bipotente Embryo eine Frau, wenn das „Y-Signal“ fehlt. Liegt das Y-Chromosom jedoch vor, bewirkt das Signal die Auslösung einer Kaskade etlicher, komplexer Abläufe, die dann schlussendlich zur Ausprägung des männlichen Geschlechts führen (siehe Abbildung 4). Besonders relevant bei diesem hochkomplizierten Signalweg ist das sogenannte SRY-Gen.[6] Nach dessen Bauanleitung wird ein Enzym zusammengesetzt, das Hodendeterminierender Faktor (TDF) heißt.[7] Im Verlauf der Umsetzung des „Y-Programms“ wird auch noch ein weiteres Hormon, das Anti-Müller-Hormon, gebildet, das zur Rückbildung des Müller-Gangs („Anti- Müller“) und zur Ausbildung des Wolff-Gangs führt (vergleiche Abbildung 3). Dadurch entstehen Hoden, Nebenhoden, Samenleiter, Vorsteherdrüse et cetera – also die männlichen inneren Genitale. Ist das SRY-Gen nicht vorhanden (kein Y-Chromosom) oder nicht funktionsfähig (zum Beispiel durch eine Mutation), prägen sich stets (automatisch beziehungsweise passiv) die weiblichen inneren Geschlechtsorgane aus (Eierstöcke, Eileiter, Gebärmutter, Vagina).[8]

1.5 Ausprägung des somatischen Geschlechts

Sind die Keimdrüsen ausgeprägt, kommen sie bereits einer ihrer wichtigen Funktionen für den Embryo nach: der Produktion von Sexualhormonen. Diese sind nun wichtig für die Ausprägung des somatischen (griechisch soma = Körper) Geschlechts. Damit wird der Staffelstab der Geschlechtsentwicklung in einer logischen Reihenfolge weitergereicht. Die Geschlechtshormone (zum Beispiel Androgene wie Testosteron und Östrogene wie Östradiol) sind wichtig für die Finalisierung der biologischen Geschlechtsreifung und Ausbildung der äußeren Genitale. Denn auch die Anlage für das äußere Genital ist erst einmal bipotent und erwartet ein je nach Zielgeschlecht spezifisch starkes Hormonsignal für die Ausprägung in die männliche oder die weibliche Richtung. Die Sexualhormone sind aber an sich nicht geschlechtsspezifisch. Auch die Frau produziert Testosteron – nur in wesentlich geringerer Dosis als der Mann (deshalb „spezifisch stark“). Die Wirkung der Hormone beschränkt sich nicht allein auf das äußere Genitale. Auch andere Organe wie zum Beispieldas Gehirn prägen sich durch den Einfluss der Hormone geschlechtsspezifisch, so kommt es zu Unterschieden in der Psyche, des Temperaments und des Verhaltens (Abbildung 2). Dadurch unterscheiden sich die Geschlechter auch neuro- und psychologisch (siehe dazu auch den Artikel „Der Unterschied beginnt im Kopf“ von Dr. med. Matthias Klaus in dieser Ausgabe).[9] Das physiologische Resultat dieses komplexen Prozesses ist ein Mann oder eine Frau (siehe Abbildung 5). Das chromosomale, gonadale und somatische Geschlecht sind regelhaft alle entweder „maskulin“ oder „feminin“ (siehe Abbildung 2), sodass sie harmonisch-einheitlich ein kohärentes Bild formen. Damit hängt die einheitliche Geschlechtsentwicklung vereinfacht vom Ineinanderwirken zweier Komponenten ab: von den Chromosomen und von den Hormonen. Auf beiden Ebenen können Komplikationen im Prozess der Geschlechtsentwicklung auftreten.

2. STÖRUNGEN DER GESCHLECHTSENTWICKLUNG

Dass es zu diesen Komplikationen kommen kann, liegt theologisch im Sündenfall des Menschen begründet. Auf die göttliche Erschaffung einer sehr guten Schöpfung in 1. Mose 1–2 folgt der Sündenfall im dritten Kapitel. Dieser „verkompliziert“ das Leben auf der Erde enorm und ist letztlich Türöffner für Leid und Tod in das Leben der Menschen. Der einst vollkommen geschaffene Mensch muss nun sterben (1. Mose 3,19; vergleiche Römer 5,12 und 1. Korinther 15,21f.) und erfährt die Auswirkungen der Sünde fortan in der Beziehung zu Gott, zu seinen Mitmenschen und auch zu seinem Körper, der nun krank und schwach werden kann. Auch die Natur leidet (Römer 8,18ff.). Es ist ein Zustand, der so von Gott nicht gewollt war (vergleiche Jesu Trauerreaktion auf den Tod des Lazarus, obgleich er wusste, dass er Lazarus gleich von den Toten auferwecken würde, und das Leiden der Angehörigen in Johannes 11,35) und der für die Erlösten bei Gott in Ewigkeit aufgehoben wird (Offenbarung 7,15–17). Deshalb kann auch die Geschlechtsentwicklung des Menschen fehlerhaft verlaufen. Fehlerhafte Entwicklungen können auf der chromosomalen und hormonellen Ebene auftreten, die seit 2006 mit dem Oberbegriff „Störungen der Geschlechtsentwicklung“ (DSD[10]) zusammengefasst werden.[11] Einige von ihnen wollen wir uns im Folgenden ansehen.

2.1 Gonosomale Störungen der Geschlechtsentwicklung

Zu der ersten Gruppe der DSD gehören die Abweichungen von der physiologischen Anzahl der Geschlechtschromosomen (Gonosomen).[12] Darunter fallen allen voran das Klinefelter- und das Ullrich-Turner-Syndrom.

Klinefelter-Syndrom (47,XXY)

Das Klinefelter-Syndrom [13] deckt einen großen Teil der DSD-Fälle ab und betrifft 1–2 : 1000 der männlichen Neugeborenen.[14] 75 % der Fälle bleiben vermutlich unentdeckt. [15] Es handelt sich um eine Trisomie, bei der ein zusätzliches X-Chromosom vorliegt. Die Betroffenen sind männlich (innere und äußere Genitalien), weil das Y-Chromosom die oben beschriebene Wirkung entfaltet. Durch einen relativen Testosteronmangel sind sie jedoch kleinwüchsig und unfruchtbar. Meistens fällt die Erkrankung auf, weil die Pubertät zu spät eintritt. Die Betroffenen sind eindeutig Männer. Sie bedürfen lebenslang der Gabe von Testosteron, um die durch den Testosteronmangel bedingten Probleme zu behandeln (Libidoverlust, Depressivität, Antriebsmangel, Osteoporose, höheres Risiko für Diabetes und Blutarmut, et cetera). Viele dieser Probleme können durch die Testosterongabe vermindert oder gar behoben werden.[16]

Ullrich-Turner-Syndrom (45,X0)

Das Turner-Syndrom [17] (oder auch Ullrich-Turner-Syndrom) betrifft 1 : 2500 der weiblichen Neugeborenen.[18] Bei ihnen liegt typischerweise nur ein X-Chromosom vor. Da kein Y-Chromosom vorliegt, sind die Betroffenen nicht männlich, sondern weiblich. Mädchen mit diesem Syndrom sind in der Regel kleinwüchsig, haben überschüssige Haut im Nacken, leiden an Lernbehinderungen und gehen nicht in die Pubertät über.[19] Nicht zuletzt sind die Betroffenen unfruchtbar. Eine Hormonbehandlung kann das Wachstum anregen und die Pubertät einleiten. Ab einem Knochenalter von 12–13 Jahren wird eine Therapie mit Östrogenen/Gestagenen sowie mit Wachstumshormonen begonnen. Bei rechtzeitigem Therapiebeginn erreichen die Patientinnen dadurch eine normale Körpergröße. Auch Brust, Vagina sowie Uterus vergrößern sich, und die Menstruation setzt ein. Erkrankte am Turner-Syndrom sind also eindeutig Frauen.

Seltene Aberrationen der Geschlechtschromosomen

Es gibt auch noch viele weitere Formen der Chromosomenaberration. Beispielhaft sei noch das Triple-X-Syndrom [20] genannt. Liegt im ersten Fall ein weiteres X-Chromosom vor, wird es deaktiviert. Das geschieht auch bei gesunden Frauen, weil nur eines der zwei X-Chromosomen „gebraucht“ und das andere inaktiviert wird. Das deaktivierte X nennt man dann Barr-Körperchen. Liegen drei X-Chromosomen vor, werden zwei zum Barr-Körperchen deaktiviert. Dasselbe geschieht auch im Falle des Klinefelter-Syndroms. Ein seltener Spezialfall ist das „Chromosomale Mosaik“. Hier tragen nicht alle Körperzellen den gleichen Chromosomensatz. [21]

2.2 Hormonbedingte Störungen der Geschlechtsentwicklung bei männlichem Chromosomensatz

Auch hormonbedingte Störungen können die Geschlechtsentwicklung beeinflussen. Dabei kann erstens ein normaler männlicher (46-XY-DSD) oder zweitens ein weiblicher (46-XX-DSD) Chromosomensatz zugrundeliegen. Im ersten Fall lässt sich die Störung in der Regel auf die männlichen Geschlechtshormone, die Androgene, zurückführen. Durch unterschiedliche Beeinträchtigungen können die Androgene nicht wie vorhergesehen wirken. So kann es beispielsweise sein, dass vom Körper zu wenig Androgene produziert werden. Obwohl die Betroffenen genetisch männlich sind, können sie unterschiedlich stark weiblich erscheinen. Außerdem können Androgene eine verminderte Wirkkraft haben, wenn die entsprechenden Androgenrezeptoren defekt sind. In diesem Fall spricht man von „Androgenresistenz“. Es gibt verschiedene Grade der Ausprägung dieser Resistenzen. Die komplette Androgenresistenz ist innerhalb dieser Störung die häufigste Form. Sie tritt dennoch nur selten mit einer Häufigkeit von 1 : 20.000 auf. [22] Aufgrund einer Mutation im Androgenrezeptor kann unter anderem Testosteron seine Wirkung nicht entfalten. Das führt dazu, dass die Betroffenen mit einem XY-Chromosomensatz erst einmal männliche, innere Geschlechtsorgane (Gonaden) ausbilden. Diese Keimdrüsen produzieren dann Testosteron, welches dann aber nicht wirken kann. Dadurch entwickelt sich ein weibliches Erscheinungsbild. Es liegen dann weibliche äußere Genitale vor, aber die Vagina endet „blind“ und die bereits angelegten Hoden sinken nicht (vollständig) ab, sondern verbleiben im Bauchraum. Es ist also die Ausprägung der äußeren Geschlechtsmerkmale gestört, nachdem die Gonaden schon spezifiziert sind. Häufig fällt das erst mit dem Beginn der Pubertät auf, wenn die Monatsblutung ausbleibt, weil kein Uterus vorliegt. [23] Eine Androgenresistenz kann auch nur teilweise vorliegen. Der Deutsche Ethikrat schreibt in seiner Stellungnahme zur Intersexualität zu diesem Phänomen: „Ist die Androgenwirkung nicht komplett blockiert (Partial Androgen Insensitivity Syndrome [PAIS], Häufigkeit: selten), dann entwickelt sich je nach Ausmaß der Teilblockade der Körper mehr in Richtung zum männlichen Pol, sodass das äußere Aussehen gemischt männlich-weiblich oder überwiegend männlich ist. Bei PAIS besteht ein deutlich erhöhtes Risiko der Ausbildung bösartiger Tumoren, wenn die unreifen Gonaden im Bauchraum verbleiben (…).“ [24] Aufgrund des Tumorrisikos werden die Hoden häufig entfernt. [25] Je nach Ausprägung der partiellen Androgenresistenz kann das Erscheinungsbild der äußeren Genitalien in mehrere verschiedene Grade (nach Quigley) eingeteilt werden und von einer normalen männlichen Ausprägung bis hin zu einem äußerlich quasi normalen weiblichen Genitale reichen.

2.3 Hormonbedingte Störungen der Geschlechtsentwicklung bei weiblichem Chromosomensatz

Bei einer hormonbedingten Störung der Geschlechtsentwicklung kann aber auch ein normaler weiblicher Chromosomensatz zugrundeliegen. Trotzdem mutet das Erscheinungsbild stark maskulin an. Meist liegt es daran, dass die Wirkung von Androgenen (Testosteron) bei den Betroffenen zu stark ausfällt. Zugespitzt formuliert, hat man es mit genetischen Frauen zu tun, die einen „männlichen“ Hormonspiegel aufweisen. Diese Problematik wird meistens durch das sogenannte Adrenogenitale Syndrom verursacht, welche als häufigste Form der Hormonstörungen mit weiblichem Chromosomensatz ebenfalls mit 1 : 10.000 sehr selten ist. [26] Die Erkrankung führt zu einem Mangel an Steroiden. Beim Versuch der Nebenniere, den Mangel zu kompensieren, produziert diese zu viele männliche Hormone, wodurch bei Frauen ein männliches Erscheinungsbild in der Embryonalentwicklung in unterschiedlicher Ausprägung entstehen kann. [27]

3.FAZIT

Nach diesen Betrachtungen physiologischer Geschlechtsentwicklungen und der Darstellung pathophysiologischer Ursachen wichtiger DSD, muss eine abschließende Einordnung folgen. Diese mündet für den im medizinischen Bereich arbeitenden Christen in den klaren Auftrag, Gottes Gnade in das Leben Betroffener leuchten zu lassen.

3.1 Wichtige Unterschiede zwischen den Bezeichnungen „Disorders of Sex Development“, Intersexualität und Transsexualität

Mit Disorders of Sex Development (DSD) sind sowohl Personen gemeint, bei denen die Feststellung des Geschlechts problemlos möglich ist, als auch Personen, bei denen die Feststellung erschwert ist. [28] Dazu zählen das Turner- und das Klinefelter-Syndrom. [29] Die meisten Störungen der Geschlechtsentwicklung (vor allem in Bezug auf die Häufigkeit) erlauben eine eindeutige Feststellung des entweder männlichen oder weiblichen Geschlechts. Wenn Intersexualität aber durch die Uneindeutigkeit des Geschlechts definiert wird, die eindeutige Feststellung des Geschlechts also mindestens erschwert ist, ist DSD und Intersexualität nicht äquivalent verwendbar. [30,31] Zusätzlich muss von der Intersexualität (und DSD) die Transsexualität unterschieden werden. Transsexualität „liegt dann vor, wenn die körperlichen Merkmale eine eindeutige Zuordnung zum weiblichen oder männlichen Geschlecht erlauben, aber nicht mit dem psychischen Zugehörigkeitsgefühl übereinstimmen.“ [32] Der Ethikrat begründet diese Unterscheidung von Transsexualität und Intersexualität weiterhin wie folgt: „Im Gegensatz (zu Intersexuellen, Anm. des Autors) sind Transsexuelle Menschen mit einem eindeutigen biologischen Geschlecht, die sich jedoch psychisch dem anderen Geschlecht zugehörig fühlen.“ Diese Begriffsunterscheidungen müssen berücksichtigt werden, denn nur in der eindeutigen und nicht miteinander gleichsetzenden Verwendung der Begriffe „Intersexualität“ und „Transsexualität“ kommt diesen eine sinnvolle Bedeutung zu.

3.2 Epidemiologie der Intersexualität

Intersexualität im soeben definierten strengen Sinne von erschwerter Feststellung des Geschlechts trifft am ehesten auf die beiden Teilgruppen der Hormonstörungen mit männlichem oder weiblichem Chromosomensatz zu. In Deutschland leben nach dieser Definition 8.000–10.000 Intersexuelle. [33] Wird das Verständnis von Intersexualität [34] jedoch auf alle Gruppen der DSD erweitert und damit auch noch das Turner- und Klinefelter-Syndrom mit einbezogen, spricht man nicht mehr wie in der medizinischen Fachliteratur von 10.000 Fällen von Intersexualität , sondern von 100.000 in deutschen Zeitungen [35] oder gar 160.000 beim BVerfG [36]. Die letzten beiden Zahlen suggerieren ein falsches Bild der medizinischen Fakten, weil im Falle des Turner- und Klinefelter-Syndroms keine Uneindeutigkeit des Geschlechts und damit keine Intersexualität im eigentlichen Sinne vorliegt.

3.3 Fragwürdigkeit der „dritten Option“

Nach all dem müssen wir zu dem Schluss kommen, dass die „dritte Option“ nicht als eine Hilfestellung zur Behandlung beziehungsweise Unterstützung leidender Intersexueller zu betrachten ist, sondern als ein Schritt in Richtung Legitimation der Transsexualität unter dem Deckmantel biologischer Unklarheit. Man braucht kein drittes Geschlecht, um das Auftreten dieser Erkrankungen theoretisch-pathophysiologisch zu erklären.

Man benötigt aber das dritte Geschlecht, wenn man eine Krankheit zur Gesundheit deklarieren will, zur neuen Normalität.

Doch theologisch ist der Fall klar. Es gibt kein drittes Geschlecht. Gott schuf den Menschen als Mann und Frau. Biologisch ist der Fall klar. Es gibt nur sehr wenige Menschen, bei denen aufgrund einer Erkrankung eine Diskrepanz zwischen dem genetischen und dem phänotypisch ausgeprägten Geschlecht besteht, also zwischen den Chromosomen und dem Erscheinungsbild. Ein winziger Bruchteil der Bevölkerung kann nicht als Anlass dazu dienen, biologische Regelhaftigkeit zu negieren. Zuletzt ist ein drittes Geschlecht auch insofern fragwürdig, als dass es keine Möglichkeit gibt, dieses Geschlecht klar zu definieren und einheitlich zu beschreiben. Da können einem auch die DSD nicht helfen, weil bei dem Großteil der Betroffenen das Geschlecht klar benannt werden kann. Intersexualität ist damit in seiner absoluten Rarität ein sehr komplexes und schwieriges Phänomen, bei dem man jeden Patienten individuell betrachten muss. Dabei kann die Gewissheit aus Psalm 139,13–14 eine Hilfe sein, denn trotz Krankheit und Not, die durch den Menschen beim Sündenfall hervorgerufen wurde, ist auch ein kranker Menschen von Gott geschaffen, gewollt und geliebt: „Denn du hast meine Nieren gebildet; du hast mich gewoben im Schoß meiner Mutter. Ich danke dir dafür, dass ich erstaunlich und wunderbar gemacht bin; wunderbar sind deine Werke, und meine Seele erkennt das wohl!“ Erkrankungen verursachen nicht die Trennung von Gott. Gerade in eine leidende und verlorene Welt hat Gott seinen Sohn gesandt (Johannes 3,16; vergleiche Römer 8,20f.), um dadurch seine Liebe zu zeigen (1. Johannes 3,16), weil er will, dass alle Menschen gerettet werden (1. Timotheus 4,2). Nur durch das Evangelium, die Unterwerfung unter Gott und das Bekenntnis der eigenen Schuld, kann seine Gnade empfangen werden. Weiterhin wird der „Wert“ intersexueller Menschen nicht durch ihr (scheinbares) Herausfallen aus der großen Mehrheit geschmälert. Jeder Mensch trägt das Ebenbild Gottes (dabei sei auf Eberhard Dahms Artikel „Was gibt dem Menschen Würde?“ aus dem letzten Magazin verwiesen), weshalb seine Würde unveräußerlich ist. Ein erfülltes Leben mit einer in Christus fundierten Identität kann von jedem Menschen geführt werden. Sowohl als Kranker als auch als Gesunder kann man sich an der Gnade Gottes genügen lassen (vergleiche 2. Korinther 12,7) und in jeder Situation – ob „arm oder reich“ aber auch gesund oder krank – Freude in Gott zu haben (Philipper 4,11–13). Die Gnade Gottes mitten im Leid ist der Trost, den wir als Christen den Betroffenen spenden müssen. Und dann liegt es im Auftrag der ärztlichen Heilkunst mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln den Betroffenen zur Seite zu stehen und ihnen ein möglichst normales Leben im binären Geschlechtersystem zu ermöglichen, das Gott von der Schöpfung an als „sehr gut“ bezeichnet hat. Zu einer medizinischen Behandlung kann niemand gezwungen werden. Aber von Intersexualität Betroffene können nicht eine scheinbare, selbst erfundene, neue Normalität mit einer faktischen Abnormität erzwingen. Auch ein Leben mit Krankheit ist umfassend lebenswert. Dafür muss die Krankheit nicht zur „neuen“ Gesundheit deklariert werden. Ein drittes Geschlecht gibt es nicht, denn „männlich und weiblich schuf er sie“ (vergleiche 1. Mose 1,27).

 

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Quellen-Nachweis

[1] BVerfG, Beschluss des Ersten Senats vom 10. Oktober 2017 – 1 BvR 2019/16 –, Rn. 1–69, http://www.bverfg.de/e/rs20171010_1bvr201916.html (abgerufen am 21.06.2023).
[2] Dieses Verb des Erschaffens wird im Alten Testament allein im Zusammenhang göttlicher Handlungsakte gebraucht.
[3] Die folgenden Ausführungen können in einem einschlägigen Lehrbuch zur Embryologie nachvollzogen werden (zum Beispiel: Moore et al.: Embryologie. 6. Auflage Elsevier 2013).
[4] Beim Turner-Syndrom, einer der später angesprochenen Störungen der Geschlechtsentwicklung, kommt es zeitnah nach dem Zustandekommen der Zygote zu einem Verlust eines der beiden Geschlechtschromo-somen (sei es ein Y- oder ein X-Chromosom).
[5] „The presence or absence of the Y chromosome determines whether a mammalian embryo develops as a male or female.“, Page DC, Mosher R, Simpson EM, Fisher EM, Mardon G, Pollack J, McGillivray B, de la Chapelle A, Brown LG. The sex-determining region of the human Y chromosome encodes a finger protein. Cell. 1987 Dec 24;51(6):1091-104. doi: 10.1016/0092-8674(87)90595-2.
[6] ebd., ausgeschrieben: „Sex determining region of Y“.
[7] „Die Aktivität des Y-chromosomalen Gens SRY(= Sex-determining Region on the Y) kontrolliert die Synthese des für die männliche Entwicklung notwendigen Testes determining Factor (TDF). In Abwesenheit des TDF entwickelt sich die Gonade zum Ovar.“, aus: Zerres K. Störungen der Geschlechtsentwicklung. In: Murken J, Grimm T, Holinski-Feder E, Zerres K, Hrsg. Taschenlehrbuch Humangenetik. 9. teilaktuali-sierte Auflage. Stuttgart: Thieme; 2017. doi:10.1055/b-0037-145342.
[8] ebd.
[9] Möglicherweise sind die Prozesse der Geschlechtsentwicklung, die sich auch auf die neuronale Entwicklung auswirken, noch komplexer. Siehe dazu: McCarthy, M. M., & Arnold, A. P. (2011). Reframing sexual differentiation of the brain. Nature Neuroscience, 14(6), 677-683. https://doi.org/10.1038/nn.2834, Hirnstein, M., & Hausmann, M. (2021). Sex/gender differences in the brain are not trivial—A commentary on Eliot et al. (2021). Neuroscience & Biobehavioral Reviews, 130, 408-409. https://doi.org/https://doi.org/10.1016/j.neubiorev.2021.09.012, Hirnstein, M., Hugdahl, K., & Hausmann, M.
(2019). Cognitive sex differences and hemispheric asymmetry: A critical review of 40 years of research. Laterality, 24(2), 204-252. https://doi.org/10.1080/135765 0X.2018.1497044, Hjelmervik, H., Hausmann, M., Craven, A. R., Hirnstein, M., Hugdahl, K., & Specht, K. (2018). Sex- and sex hormone-related variations in energy metabolic frontal brain asymmetries: A magnetic resonance spectroscopy study. NeuroImage, 172, 817-825. https://doi.org/ https://doi.org/10.1016/j.neuroimage.2018.01.043.
[10] Später folgt eine kritische Analyse des DSD-Konzepts.
[11] Hughes IA, Houk C, Ahmed SF, Lee PA; LWPES Consensus Group; ESPE Consensus Group. Consensus statement on management of intersex disorders. Arch Dis Child. 2006 Jul;91(7):554-63. doi: 10.1136/ adc.2006.098319. Wieacker P. Genetische Aspekte der Fertilitätsstörungen. medgen. 2011;23:229– 230. doi: 10.1007/s11825-011-0271-2.
[12] „Die letzte Gruppe (gemeint ist die Gruppe Chromosomenaberrationen) wird im deutschen Sprachraum in der Regel nicht zur Intersexualität gerechnet.“ (Richter-Appelt H (2007) Intersexualität – Störungen der Geschlechtsentwicklung. Bundesgesundheitsbl Gesundheitsforsch Gesundheitsschutz 50(1):52–61).
[13] Tüttelmann F. Genetische Aspekte der Spermatogenesestörungen. medgen. 2011;23:259–266. doi: 10.1007/s11825-011- 0274-z.
[14] Nieschlag E: Klinefelter syndrome: the commonest form of hypogonadism, but often overlooked or untreat-ed. Dtsch Arztebl Int 2013; 110(20): 347–53. DOI: 10.3238/ arztebl.2013.0347.
[15] ebd.
[16] Nieschlag, E. (2013). Klinefelter-Syndrom. Dtsch Arztebl International, 110(20), 347-353. https://www.aerzteblatt.de/int/article.asp?id=138479.
[17] Ledig S, Wieacker P. Genetische Ursachen der prämaturen Ovarialinsuffizienz und Ovardysgenesie. medgen. 2011;23:237–243. doi: 10.1007/s11825-011-0270-3.
[18] ebd.
[19] Powell-Hamilton N, Turner-Syndrom, MSD Manual, https://www.msdmanuals.com/de-de/heim/gesundheitsprobleme-vonkindern/chromosom-und-genanomalien/turner-syndrom (abgeru-fen am 21.06.2023).
[20] Ledig S, Wieacker P. Genetische Ursachen der prämaturen Ovarialinsuffizienz und Ovardysgenesie. medgen. 2011;23:237– 243. doi: 10.1007/s11825-011-0270-3. Schwemmle C., Ptok M. Häufiges Syndrom, selten diagnostiziert: das Triple-X-Syndrom. Monatsschr Kinder-heilkd 161, 40–45 (2013). https://doi.org/10.1007/s00112-012-2750-1.
[21] Vgl. Deutscher Ethikrat, Intersexualität – Stellungnahme, S. 30, https://www.ethikrat.org/fileadmin/Publikationen/Stellungnahmen/deutsch/DER_StnIntersex_Deu_Online.pdf.
[22] „In der Europäischen Union (EU) gilt eine Erkrankung als selten, wenn nicht mehr als 5 von 10.000 Menschen von ihr betroffen sind.“, in BMG, Seltene Erkrankungen, https://www.bundesgesundheitsministerium.de/themen/praevention/gesundheitsgefahren/seltene-erkrankungen.html (abgerufen am 21.06.2023).
[23] Wieacker P., Ledig S. Androgeninsensitivität. medgen. 2011;23:249–253. doi: 10.1007/s11825-011-0275-y.
[24] Deutscher Ethikrat, Intersexualität – Stellungnahme, S. 42, https://www.ethikrat.org/fileadmin/Publikationen/Stellungnahmen/deutsch/DER_StnIntersex_Deu_Online.pdf(abgerufen am 21.06.2023).
[25] A.a.O., S. 46–47.
[26] Siehe Fußnote 25.
[27] Eventuell können auch sogenannte Mineralokortikoide fehlen, was zum gefährlichen Salzverlustsyndrom führen kann, aus dem sich schnell ein medizinischer Notfall entwickeln kann, s. hierzu Wieacker P., Ledig S. Ledig S, Wieacker P. Androgeninsensitivität. medgen. 2011;23:249–253. doi: 10.1007/s11825-011-0275-y.
[28] Deutscher Ethikrat, Intersexualität – Stellungnahme, S. 24, https://www.ethikrat.org/fileadmin/Publikationen/Stellungnahmen/deutsch/DER_StnIntersex_Deu_Online.pdf (abgerufen am 21.06.2023).
[29] „Die mit einer Chromosomenanomalie einhergehenden anatomischen Erscheinungsbilder des Turner-Syndroms (45,X0; weiblich mit nur einem Geschlechtschromosom) sowie des Klinefelter-Syndroms (47,XXY; männlich mit überschüssigem X-Chromosom) werden nicht näher dargestellt, weil sie anatomisch keine zwischengeschlechtlichen Merkmale aufweisen.“, a.a.O., S. 38. Siehe auch Sax L. How common is intersex? a response to Anne Fausto-Sterling. J Sex Res. 2002 Aug;39(3):174-8. doi: 10.1080/00224490209552139.
[30] Diese Unterschiede können zum Beispiel zwischen der Darstellung der „beschwerdeführenden Person“ im Urteil des BVerfG zum Personenstandsrecht von 2017 und der Stellungnahme des Deutschen Ethikrats zur Intersexualität nachgewiesen werden. Der Deutsche Ethikrat schreibt über einige Formen der DSD wie das Turner-Syndrom: „Die hier vorgelegte Stellungnahme beschäftigt sich nicht mit allen Formen von DSD. So behandelt sie zum Beispiel nicht die Syndrome, die durch numerische Abweichungen der Geschlechtschromosomen gekennzeichnet sind. Beispiele dafür sind das Turner-Syndrom und das KlinefelterSyndrom. In beiden Fällen gibt es zwar Abweichungen der sexuellen Entwicklung, die auch oft der Therapie mit Sexualhormonen bedürfen; es handelt sich bei diesen Personen jedoch um geschlechtlich eindeutig zuzuordnende Individuen, die anatomisch keine zwischengeschlechtlichen Merkmale aufweisen.“, Deutscher Ethikrat, Intersexualität – Stellungnahme, S. 38, https://www.ethikrat.org/fileadmin/Publikationen/Stellungnahmen/deutsch/DER_StnIntersex_Deu_Online.pdf (abgerufen am 21.06.2023). Hingegen schreibt das BVerfG über „die beschwerdeführende Person“ mit TurnerSyndrom: „Die beschwerde-führende Person wurde bei der Geburt dem weiblichen Geschlecht zugeordnet und als Mädchen in das Geburtenregister eingetragen. Sie verfügt über einen atypischen Chromosomensatz (sog. Turner-Syndrom) und fühlt sich dauerhaft weder dem weiblichen noch dem männlichen Geschlecht zugehörig.“ Und später: „Die beschwerdeführende Person empfinde sich nicht als „geschlechtlos“, sondern als Mensch mit dem Geschlecht „intersexuell“.“, BVerfG, Beschluss des Ersten Senats vom 10. Oktober 2017 - 1 BvR 2019/16 -, Rn. 1-69, http://www.bverfg.de/e/rs20171010_1bvr201916.html (abgerufen am 21.06.2023).
[31] Siehe dazu 4.2 „Epidemiologie der Intersexualität“ „Nach Schätzungen leben 8 000 bis 10 000 intersexuelle Menschen in Deutschland. Betroffenenverbände gehen von 120 000 Personen aus. Unter 5 000 Neugeborenen ist eines, das sich aufgrund körperlicher Besonderheiten nicht eindeutig als „männlich“ oder „weiblich“ einordnen lässt.“, Bühring, P. (2012). Intersexualität: Geschlecht: „anderes“. Dtsch Arztebl International, 109(10), A-472-A-472. https://www.aerzteblatt.de/int/article.asp?id=123599.
[32] Deutscher Ethikrat, Intersexualität – Stellungnahme, S. 11, https://www.ethikrat.org/fileadmin/Publikationen/Stellungnahmen/deutsch/DER_StnIntersex_Deu_Online.pdf (abgerufen am 21.06.2023).
[33] Holterhus, PM. Intersexualität und Differences of Sex Development (DSD). Bundesgesundheitsbl. 56, 1686–1694 (2013). https://doi.org/10.1007/s00103-013-1850-y. Die in der Literatur teilweise verschiedenen Zahlen hängen unter anderem davon ab, wie viele von dem wesent-lich weiteren Begriff der DSD man auch in das Begriffsfeld der Intersexualität miteinschließt. Siehe hier-zu: Sax L. How common is intersex? a response to Anne Fausto-Sterling. J Sex Res. 2002 Aug;39(3):174-8. doi: 10.1080/00224490209552139. Je mehr man die klaren und häufigeren Fälle mit einbezieht, desto mehr Intersexuelle zählt man zum Beispiel auch in Deutschland. Siehe dazu auch: Helms, Tobias. Brauchen wir ein drittes Geschlecht? Reformbe-darf im deutschen (Familien-) Recht nach Einführung des § 22 Abs. 3 PStG, Berlin, München, Boston: De Gruyter, 2015. https://doi.org/10.1515/9783110435702.
[34] Hauck L., Richter-Appelt H., Schweizer K. Zum Problem der Häufigkeitsbestimmung von Intergeschlecht-lichkeit und Varianten der Geschlechtsentwicklung: Eine Übersichtsarbeit. Z Sex Forsch 2019 Vol. 32 Issue 02 Pages 80-89. DOI: 10.1055/a-0897-0404
[35] Menkens, S. (09.11.2017). Das dritte Geschlecht. WELT. https://www.welt.de/print/welt_kompakt/article170454356/Das-dritte-Geschlecht.html (abgerufen am 21.06.2023), Schmitt, P.-P. (08.11.2017). Das empfundene Geschlecht. Frankfurter Allgemeine Zeitung. https://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/ geschlecht-etwa-100-000-intersexuelle-indeutschland-15283406.html#:~:text=In%20 Deutschland%20leben%20etwa%20100.000,das%20war%20Hermaphroditos%20bei%20Ovid (abgerufen am 21.06.2023).
[36] BVerfG. (2017). Beschluss des Ersten Senats vom 10. Oktober 2017 - 1 BvR 2019/16 -, Rn. 1-69. http://www.bverfg.de/e/rs20171010_1bvr201916.html (abgerufen am 21.06.2023).

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Geschlechtsdysphorie bei Kindern und Jugendlichen

Was ist eine Geschlechtsdysphorie?

Im Jahr 2021 fanden in Deutschland 2598 geschlechtsangleichende Operationen statt, davon 7,3 % an 15 bis 20-Jährigen.[2] Insgesamt hat die Zahl der Kinder, welche sich nicht mit ihrem biologischen Geschlecht identifizieren, rasant zugenommen. Daten der Tavistock Gender Clinic in London bestätigen diesen Trend: Während sich im Jahr 2009 51 Jugendliche zur Beratung im Krankenhaus vorstellten, waren es im Jahr 2022 bereits 3585 Jugendliche.[3] Kinder, die sich selbst als geschlechtsdysphorisch bezeichnen, sind mehrheitlich Mädchen im Alter von 12 bis 17 Jahren (85 %).[4] Was ist eine Geschlechtsdysphorie? Von Geschlechtsdysphorie oder Transgender spricht man, wenn das empfundene Geschlecht nicht mit dem biologischen Geschlecht übereinstimmt. Die Betroffenen fühlen sich „fremd“ in ihrem Körper. Die Diagnose darf nach ICD-10 gestellt werden, wenn der genderdysphorische Zustand mindestens 6 Monate anhält und mit
einem subjektiven Leidensdruck einhergeht.[5] Bei präpubertalen Kindern gelten zusätzlich folgende Kriterien: Vorlieben für die Kleidung, Aktivitäten und Spielzeuge des anderen Geschlechts sowie bevorzugtes Rollenspiel im anderen Geschlecht.[6]

Problematik der Geschlechtsdysphorie

Kinder und Jugendliche mit Geschlechtsdysphorie sind biologisch gesunde Mädchen und Jungen. Bis auf wenige Ausnahmen weisen sie keine Fehlbildungen der Geschlechtsorgane oder Fehlentwicklungen der Geschlechtschromosomen auf. Auch die neuronalen Verknüpfungen im Gehirn unterscheiden sich zwischen Mann und Frau. Es gibt keinen wissenschaftlichen Beweis, dass Transgender-Kinder strukturelle Anomalien aufweisen, die ihre Geschlechtsdysphorie medizinisch erklären könnten.[7] Die Existenz eines „Transgender-Gehirns“ ist medizinisch nicht haltbar.[8] Auch die Psychiater McHugh und Mayer der John-Hopkins-Universität bestätigen: „Die Hypothese, dass bei einigen Menschen, die Geschlechtsidentität ein angeborenes, festgelegtes, vom biologischen Geschlecht unabhängiges Merkmal ist – die Hypothese also, dass ein Mann oder eine Frau im falschen Körper geboren sind – hat keine wissenschaftliche Grundlage.“[9]
Ursachen für Geschlechtsdysphorien bei Kindern und Jugendlichen
Doch wie entsteht der Gedanke, man sei im falschen Körper geboren? Wie bereits festgestellt, kann eine Geschlechtsdysphorie nicht angeboren sein. Es muss also mögliche Auslöser dafür geben. Eine Studie, an der sich vier Gender Zentren Europas beteiligten, zeigt, dass 70 % aller genderdysphorischen Erwachsenen mindestens eine psychische Vorerkrankung haben oder in der Vergangenheit hatten. Die meisten litten unter Angststörungen und Depressionen.[10] Diese Zahlen lassen sich auch auf genderdysphorische Kinder und Jugendliche übertragen.[11]
Somit stellt sich die Frage nach der Kausalität. Was war zuerst da, die Dysphorie oder die psychische Instabilität? In einer finnischen Studie aus dem Jahr 2015 hatten 75 % der geschlechtsdysphorischen Kinder eine psychiatrische Erkrankung. In 68 % der Fälle bestand diese bereits bevor sich der Wunsch, dem anderen Geschlecht anzugehören, manifestierte.[12] In dieselbe Richtung weist auch eine im Jahr 2018 veröffentlichte Studie aus den USA. 75 % der Mädchen und 71 % der Jungen hatten vor der Ablehnung ihres biologischen Geschlechts eine psychiatrische Erkrankung oder eine Entwicklungsstörung wie Autismus oder ADHS. In der Kontrollgruppe ohne Geschlechtsdysphorie waren nur 4 % der Mädchen und 3 % der Jungen psychiatrisch vorerkrankt.[13] Des Weiteren sind Autismus-Spektrum-Störungen unter den Transgender-Kindern mit 14 % bis 26 % im Vergleich zur Durchschnittsbevölkerung deutlich überrepräsentiert. Das zeigen verschiedene Studien aus Finnland[14] und Australien[15]. In der Tavistock Gender Clinic in London waren es sogar 35 % aller geschlechtsdysphorischen Kinder und Jugendlichen.[16]
Diese Ergebnisse sind wichtig, um den Ursprung der Geschlechtsdysphorie nachvollziehen zu können. Die häufige Aussage, die Kinder würden nur noch labiler, wenn man ihrem Wunsch nach Identitätswechsel nicht nachkäme, ist wissenschaftlich nicht belegt.
Bei einer Befragung von 80.000 Jugendlichen der 9. bis 11. Klasse gaben Transgender-Kinder häufiger traumatische Ereignisse in ihrer Kindheit an als Kinder ohne Geschlechtsdysphorie. Darunter fallen alle Formen von Gewalt, die unter dem Begriff ACE (Adverse childhood experiences) zusammengefasst werden. Die australische Studie von Kozlowska et al. zeigt, dass unter den Kindern mit Genderdysphorie 97,5 % mindestens eine Form der ACE erfahren hatten, im Durchschnitt sogar fünf verschiedene Formen. Die Studie verdeutlicht auch, dass die Mehrheit der Kinder eine psychiatrische Vorgeschichte hatte. Nur 11 % waren weder psychisch vorerkrankt noch litten sie an einer Entwicklungsstörung.[17]
Auch Bindungstraumata können ein wesentlicher Faktor für die Entstehung einer Geschlechtsdysphorie sein. Der Bindungsexperte Allan Schore drückt dies so aus: „Das Unvermögen eines Kindes, sein Geschlecht anzunehmen, hat seine Wurzel aus unserer Sicht in der Beziehungsdynamik zwischen Mutter und Baby.“[18] Gerade in den ersten zwei Lebensjahren ist die Mutter als wichtigste Bezugsperson maßgebend an der Identitätsentwicklung des Kindes beteiligt. Laut Schore beeinflussen diese Bindungserfahrungen die neuronale Entwicklung des Kindes maßgeblich.[19] Ist die Beziehung zu den eigenen Eltern gestört, erfährt das Kind chronischen Stress. In der Folge kann es zu Defiziten in der Selbstwahrnehmung und Verarbeitung von Emotionen kommen.[20] Sämtliche Resilienzfaktoren eines Kindes können durch frühe Bindungstraumata außer Kraft gesetzt werden.[21] Eine italienische Studie mit 95 genderdysphorischen Erwachsenen kommt zu dem Schluss, dass 56 % mindestens vier Formen eines frühen Bindungstraumas erfahren hatten. Nur 10 % hatten kein frühes Bindungstrauma erlebt. Man kann also sagen: Wer als Kind kaum oder gar keine Liebe und Zuwendung erfahren hat, ist besonders anfällig für eine Geschlechtsdysphorie. Die Kinder wünschen sich einen anderen, einen „neuen“ Körper, weil sie in ihrem „alten“ Körper viel Leid erfahren mussten.

"Eltern werden dazu animiert der Wahrnehmung ihres Kindes zu folgen, das selbst noch gar nicht über Geschlechtskonsistenz verfügen kann.
Damit einhergehend werden oft Entscheidungen getroffen, die das weitere Leben des Kindes massiv beeinflussen beziehungsweise beeinträchtigen können."

Die soziale Transition

Der erste Schritt, sein biologisches Geschlecht „zu wechseln“[22], ist oft die soziale Transition. Dazu gehören unter anderem die Namensänderung und das Tragen geschlechtsspezifischer Kleidung. Nach § 8 des Transsexuellengesetzes ist eine Personenstandsänderung möglich, wenn sich der Betroffene
a) seit mindestens drei Jahren dem anderen Geschlecht zugehörig fühlt und
b) sich sein „Zugehörigkeitsempfinden […] mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht mehr ändern wird“.[23]
Eine Langzeitstudie von Olsen et al. aus dem Jahr 2022 zeigt, dass nach fünf Jahren der sozialen Transition nur noch 2,5 % der Kinder in ihrem ursprünglichen Geschlecht leben wollen. 94 % bezeichneten sich als binäre Transgender-Personen, 3,5 % als non-binär. Zwischenzeitig nahmen 7,3 % der Kinder mindestens einmal ihr biologisches Geschlecht wieder an. Die 317 Studienteilnehmer hatten ihre Transition im Alter von drei bis zwölf Jahren begonnen.[24] Die Forscher sahen die hohe Transitionsquote als Bestätigung dafür, dass genderdysphorische Kinder schon früh wüssten, ob sie transgender seien. Nicht zur Diskussion gestellt wurde hierbei die Tragweite der sozialen Transition. Wenn ein Kind ständig von seinem Umfeld Bestätigung erfährt, sich als biologisches Mädchen wie ein Junge zu kleiden, dann denkt es irgendwann auch, es sei ein Junge. Zumal ein Kind erst mit circa sieben Jahren entwicklungspsychologisch über Geschlechtskonsistenz verfügt.[25] Vorher denken Kinder, das Geschlecht lasse sich durch das Tragen eines bestimmten Kleidungsstücks ändern.
Die Studie von Olsen et al. beweist mitnichten den starken Entscheidungswillen der Kinder, sondern die gravierende Beeinflussung der Psyche, wenn ein Kind jahrelang im anderen Geschlecht erzogen wird. Im Review von Dr. Hilary Cass heißt es dazu: „Die soziale Transition sollte als aktive Intervention angesehen werden, denn sie kann erhebliche Auswirkungen auf das psychische Funktionieren eines Kindes oder einer jungen Person haben. […] Sie ist keine neutrale Handlung.“[26]
Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend empfiehlt den Eltern folgende Umgangsform, wenn ihr Kind sie mit dem Wunsch nach Transition konfrontiert: „Erlauben Sie darum Ihrem Kind, sich in seiner Geschlechtsidentität auszuprobieren – wenn es sich später für die ‚alte‘ oder eine ganz andere Rolle entscheidet, ist auch das okay“[27], schließlich sollten „Sie Ihr Kind als Expert*in für sein Leben sehen.“[28] Dieses Zitat macht erschreckend deutlich, wie sehr der Zeitgeist in die staatlichen Behörden vorgedrungen ist. Eltern werden dazu animiert der Wahrnehmung ihres Kindes zu folgen, das selbst noch gar nicht über Geschlechtskonsistenz verfügen kann. Damit einhergehend werden oft Entscheidungen getroffen, die das weitere Leben des Kindes massiv beeinflussen beziehungsweise beeinträchtigen können.

Die medizinische Transition

Die Trans-Medizin verspricht den verwirrten Jugendlichen einen Ausweg, der oft mit irreversiblen Maßnahmen einhergeht. Am Anfang der medizinischen Transition steht die Behandlung mit Pubertätsblockern. Sie sollen die natürliche Produktion der körpereigenen Hormone unterbinden und den Körper in eine Art „Pausenzustand“ versetzen, damit die geschlechtsdysphorischen Jugendlichen keine Pubertät „im falschen Körper“ durchlaufen. Die bekanntesten Präparate auf dem deutschen Markt sind die GnRH-Analoga Leuprorelin (Lupron®) und Triptorelin. Es handelt sich hierbei um synthetisch hergestellte Botenstoffe, die die Freisetzung von Östrogen und Testosteron verhindern sollen.
Ohne Testosteron kommen die Jungen nicht in den Stimmbruch, die Körperbehaarung ist weniger stark ausgeprägt und die Spermienproduktion eingeschränkt. Bei den Mädchen wird durch das Senken der Östrogenkonzentration unter anderem das Brustwachstum und das Einsetzen der Menstruation verhindert. Die Pubertätsblocker sollten maximal für eine Dauer von ein bis drei Jahren eingenommen werden.[29] In der Realität werden sie oft länger gegeben. Hauptnebenwirkung der Pubertätsblocker ist die Abnahme der Knochendichte. Die New York Times berichtete kürzlich von einem Mädchen, das nach zweijähriger Einnahme eines GnRH-Analogons eine Knochendichte im Osteoporose Bereich hatte.[30] Von einem ähnlichen Fall berichtet der Soziologieprofessor Michael Biggs: Ein Mädchen, das bereits seit seinem vierten Lebensjahr Pubertätsblocker einnahm, erlitt bis zum 17. Lebensjahr vier Knochenbrüche, die eindeutig auf das Medikament zurückzuführen waren.[31] Außerdem finden in der Pubertät wichtige Entwicklungsprozesse im Körper der Heranwachsenden statt. Durch den massiven Östrogenabfall entwickelt sich auch das skelettale System unzureichend. Mädchen haben nach der Behandlung oft ein schmaleres Becken, was in späteren Schwangerschaften zu komplizierten Geburtsverläufen und potenziell einer lebensbedrohlichen Situation für Mutter und Kind führen kann. Zudem greifen Pubertätsblocker in die neuronale Entwicklung des Kindes ein, vor allem in die Reifung des präfrontalen Cortex. In diesem Bereich des Gehirns finden höhere kognitive Prozesse statt. Bei Schädigung dieses Areals treten vermehrt Persönlichkeitsstörungen auf.[32]
In manchen Studien konnte eine Abnahme der Intelligenz (gemessen am Intelligenzquotient) und ein höheres Risiko für die Entwicklung einer Depression festgestellt werden.[33] Daten der Londoner Tavistock Gender Clinic zeigen eine Zunahme von selbstverletzendem Verhalten und Suizidversuchen unter Mädchen, die ein Jahr lang Pubertätsblocker einnahmen.[34,35] Selbst nach Absetzen der Intelligenzquotient kann es bis zu einem Jahr dauern, bis der Körper die Produktion der Hormone zurückerlangt.[36]
Keira Bell, die ihre Transition heute bereut, beschreibt die Nebenwirkungen der Pubertätsblocker mit folgenden Worten: „Die Pubertätsblocker, die ich mit 16 Jahren bekam, sollten meine sexuelle Reifung stoppen: Die Idee war, dass mir das eine ‚Pause‘ geben würde, um darüber nachzudenken, ob ich eine weitere Geschlechtsumwandlung machen wollte. Diese sogenannte ‚Pause‘ brachte mich in die Wechseljahre mit Hitzewallungen, Nachtschweiß und Benommenheit. All das machte es nur schwieriger, darüber nachzudenken, was ich tun sollte.“[37]
Ab dem 15. Lebensjahr können Transgender-Kinder parallel dazu gegengeschlechtliche Hormone einnehmen, um Merkmale des anderen Geschlechts zu entwickeln. Man bezeichnet dies als Hormonersatztherapie (HET). Auch diese haben zahlreiche Nebenwirkungen wie zum Beispiel Thromboembolien, Bluthochdruck, Depression, Infertilität und möglicherweise ein höheres Krebsrisiko. Oft sind die Transgender Jugendlichen nach jahrelanger Einnahme der Präparate unfruchtbar, da sich die entsprechenden Geschlechtsorgane sowie Spermien und Eizellen nicht richtig entwickeln konnten.[38] In Deutschland darf man sich mit der Vollendung des 18. Lebensjahres einer Operation unterziehen, bei der die äußeren und inneren Geschlechtsorgane unwiderruflich entfernt und durch künstliche Geschlechtsteile mittels Aufbauplastik ersetzt werden. Dieser Vorgang wird beschönigend als „geschlechtsangleichende Operation“ angepriesen. Entscheidet sich ein Kind für die Operation, werden die ursprünglichen äußeren und inneren Geschlechtsorgane entfernt und eine Aufbauplastik unternommen. In den USA wurden solche Eingriffe bereits an 13- und 14-Jährigen vorgenommen.[39] Es gibt keinen Beweis, dass die operative Geschlechtsanpassung die Rate an Suiziden senkt.[40,41] Im Gegenteil, eine schwedische Studie konnte zeigen, dass zehn Jahre nach der Operation verglichen mit der Allgemeinbevölkerung eine 20-fach höhere Suizidrate unter den Transpersonen herrschte.[42] Die in Kauf genommene Unfruchtbarkeit ist nur eine der zahlreichen Folgen. Die international agierende Organisation WPATH (World Professional Association for Transgender Health) hat in ihren neuen Richtlinien von September 2022 gefordert, sämtliche Altersgrenzen für Pubertätsblocker, HET und geschlechtsangleichende Operationen zu streichen.[43]

Zusammenfassung

Die Mehrheit der geschlechtsdysphorischen Kinder verliert den Wunsch, das Geschlecht zu wechseln während ihrer Adoleszenz von selbst, sofern man nicht in ihre Entwicklung eingreift. Oft wissen die Kinder gar nicht, wer sie sein wollen. Sie wissen nur, wer sie nicht sein wollen. Viele Betroffene leiden an einer allgemeinen „Selbst- und Identitätsunsicherheit“, die oft auf frühe Bindungstraumata zurückzuführen sind. 71–75 % der Kinder sind bereits vor dem Wunsch, das Geschlecht zu wechseln, psychisch vorerkrankt.[44] Knapp die Hälfte der Jugendlichen hatte kurz vor ihrem Geschlechtswechsel eine traumatische Erfahrung oder eine mit Stress belastete Situation erfahren wie zum Beispiel die Scheidung der Eltern, den Tod eines nahen Verwandten oder sexuelle Übergriffe. 45 % gaben selbstverletzendes Verhalten an, bevor sie ihren Wunsch nach Transition äußerten.[45] Hat ein Kind die Transition durchlaufen, verringert sich das Risiko für psychiatrischen Erkrankungen wie Depressionen oder Angststörungen nicht. Im Gegenteil: Es steigt massiv an.[46,47] Geschlechtsdysphorische Kinder brauchen daher unseren besonderen Schutz. Sie verdienen es, mit ihren Problemen ernst genommen zu werden. Es muss nach der eigentlichen Ursache der Ablehnung ihres biologischen Geschlechts gesucht werden und es dürfen auf keinen Fall Maßnahmen ergriffen werden, die sie weiter in ihre Identitätskrise hineintreiben. Wir müssen ihnen sagen, dass die Transition ihre Ängste, Depressionen und die hohe Suizidalität nicht beseitigen kann. Ihre Probleme werden nicht verschwinden, nachdem sie den „falschen Körper“ abgelegt haben. Als Christen ist es unsere Aufgabe, diesen Kindern von Gott als ihrem Schöpfer zu erzählen und für sie zu beten. Sie sollen wissen, dass Jesus Christus auch für sie am Kreuz von Golgatha gestorben ist und ihnen ewiges Leben geben will.

Egal, wie gut die medizinischen Möglichkeiten eines Tages sein werden, wir Menschen werden immer nur Symptome lindern können, doch nur der Herr kann von Wunden aus leidvoller Vergangenheit heilen.[48]

Was unsere Kinder hören müssen, ist, dass Gott sie bewusst so geschaffen hat, wie sie sind, eben männlich oder weiblich – und das ist genau richtig so. Das biologische Geschlecht wird mit dem Zeitpunkt der Befruchtung im Mutterleib festgelegt und kann nicht geändert werden.

"Heute bereue ich alles"

Keira Bell

Die Stimmen der Detransitioners werden immer lauter. Damit sind Menschen gemeint, die sich gegen ihre Trans-Identität entschieden haben und wieder in ihrem biologischen Geschlecht leben. Ein solcher Detransitioner ist Keira Bell, die 2021 die Tavistock Gender Clinic in London verklagte.
Ihre Kindheit war geprägt von dramatischen Familienverhältnissen. Der Vater verließ die Familie als Keira fünf Jahre alt war. Die Mutter verfiel dem Alkohol. Keira besuchte die Schule nur noch unregelmäßig, brachte keine Freunde mit nach Hause aus Angst, sie könnten ihre Mutter in ihrem Zustand sehen. Es war die Mutter und auch die spätere Stiefmutter, die Keira als erstes mit der Frage, ob sie lieber ein Junge sein wolle, konfrontierten. Mit 15 Jahren kam sie in psychologische Behandlung. Weil sie darauf bestand, ein Junge sein zu wollen, verwies sie ihr Psychologe an die Tavistock Gender Clinic in London. Dort wurde bei ihr eine Geschlechtsdysphorie diagnostiziert. Sie selbst sagt: „Als ich in die Tavistock Clinic kam, war ich fest entschlossen, dass ich in das andere Geschlecht wechseln musste. Es war die Art von unverschämter Behauptung, die typisch für Teenager ist. Was wirklich los war, war, dass ich ein unsicheres Mädchen in einem Körper war, das elterliche Vernachlässigung erfahren hatte, mich von meinen Altersgenossen entfremdet fühlte und unter Angst und Depression litt.“[49]
Im Alter von 17 Jahren wurden Keira Pubertätsblocker verschrieben. Ein Jahr später begann sie mit der Einnahme von Testosteron zur Hormonersatztherapie. Im Alter von 20 Jahren nahm man an ihr eine beidseitige Mastektomie vor, das Entfernen der Brüste. Rückblickend sagt sie: „Je älter ich wurde, umso mehr erkannte ich, dass die Geschlechtsdysphorie nur ein Ausdruck meines Elendszustandes war, nicht der eigentliche Auslöser.“

„Ich war ein unglückliches Mädchen, das Hilfe brauchte. Doch anstatt mir zu helfen, experimentierte man an mir herum.“

Keira Bell

Medienberichten zufolge verklagten bis zu 1000 Familien die Tavistok Gender Clinic, weil sie den „undurchdachten Wünschen von vulnerablen Kindern nachgab und sie auf den schädlichen, irreversiblen Weg der Trans-Medizin schickte.“50 Im Frühling diesen Jahres musste die weltweit größte Gender-Klinik schließen. Begründung: die Behandlungen seien nicht evidenzbasiert und das Therapiekonzept bürge ein „erhebliches Risiko für die psychischen Gesundheit junger Menschen.“[51] Man wolle das Zentrum durch regionale Krankenhäuser ersetzen, die mit Experten auf dem Gebiet der Traumabewältigung und dem Autismus zusammenarbeiten, „um die Betreuung von Kindern und Jugendlichen mit geschlechtsspezifischen Problemen in einen breiteren Gesundheitskontext einzubetten.“[52] Die Society for Gender based Medicine gesteht sich selbst ein: „Eine Behandlung, die sich ausschließlich auf geschlechtsspezifische Dysphorie konzentriert und gleichzeitig auftretende psychische Erkrankungen ignoriert, [wird] keine optimale Versorgung für junge Menschen bieten [können].“[53]

Definitionen

Von einer Geschlechtsdysphorie spricht man, wenn das biologische Geschlecht mit dem „empfundenen Geschlecht“ nicht übereinstimmt. Personen bezeichnen sich dann als geschlechtsdysphorisch beziehungsweise genderdysphorisch.
Als Transition bezeichnet man den Wechsel vom biologischen Geschlecht in das „empfundene Geschlecht“. Man unterteilt die Transition in soziale und medizinische Maßnahmen.
Zur sozialen Transition gehört beispielsweise das Tragen von gegengeschlechtlicher Kleidung oder das Annehmen eines anderen geschlechtsspezifischen Namens.
Die medizinische Transition umfasst die Einnahme von Pubertätsblockern und Hormonpräparaten sowie geschlechtsangleichende Operationen.
Ein Transitioner (engl.) ist eine Person, die sowohl die soziale als auch medizinische Transition durchlaufen hat.
Ein Non-Transitioner ist eine Person, die geschlechtsdysphorisch ist, aber (noch) keine Transition durchlaufen hat.
Im binären System gibt es zwei Geschlechter: Mann und Frau. Jeder Mensch ist einem dieser Geschlechter zugeordnet.[54] Identifiziert sich eine Person weder als männlich noch als weiblich, wählt sie den Ausdruck non-binär.

 

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Quellen-Nachweis

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[2] M. Brandt, 2023, Statista, „Der letzte Schritt zum richtigen Geschlecht“, https://de.statista.com/infografik/27135/anzahl-der-geschlechtsangleichenden-operationen-in-deutschland/ abgerufen am 30.04.2023
[3] J. Kuitenbrouwer, 2023, „So fragwürdig ist das Standardverfahren mit Hormonen für Trans-Jugendliche“, https://www.welt.de/debatte/kommentare/plus243116625/Hormone-fuer-Trans-Jugendliche-So-fragwuerdig-ist-das-Dutch-Protocol.html abgerufen am 29.04.2023
[4] A. Korte, 2023, TAZ, Jugendpsychiater über Transidentität - Interview mit Alexander Korte, https://taz.de/Jugendpsychiater-ueber-Transidentitaet/!5845336/ abgerufen am 29.04.2023
[5] American Psychiatric Association, „ What is Gender Dysphoria?”, 2022, https://www.psychiatry.org/patients-families/gender-dysphoria/what-is-gender-dysphoria abgerufen am 29.04.2023
[6] Ebd.
[7] L. Mayer, P. McHugh, Sexuality and Gender. Part III: Gender Identity. The New Atlantis, Fall 2016.
[8] Siehe S.13 in diesem Magazin
[9] L. Mayer, P. McHugh, Sexuality and Gender. Part III: Gender Identity. The New Atlantis, Fall 2016.
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[13] Becerra-Culqui et al., Mental Health of Transgender and Gender Nonconforming Youth Compared With Their Peers. Pediatrics 141, 5, 2018.
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[15] Kozlowska et al., Australian children and adolescents with gender dysphoria: Clinical presentations and challenges experienced by a multidisciplinary team and gender service. Culture and Attachments. Vol. 1, 1, 2021, S. 70–95.
[16] https://www.dailymail.co.uk/news/article-6401947/How-NHS-childrens-transgender-clinic-buried-fact-372-1-069-patients-autistic.html abgerufen am 30.04.2023
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[20] A. Schore, Affect Dysregulation and Disorders of the Self, London 2003, S. 261.
[21] Ebd., S. 261
[22] Ein Geschlechtswechsel ist nicht möglich, da das Geschlecht mit der Befruchtung festgelegt ist.
[23] Transsexuellengesetz vom 10. September 1980 (BGBl. I S. 1654) zuletzt geändert durch Art. 2 Abs. 3 G vom 20.7.2017
[24] Olsen et al., Gender Identity Five Years after Social Transition. Pediatrics 150, 2. 2022.
[25] D. Ruble, The Role of Gender Constancy in Early Gender Development. Child Development, 78, 4, 2007.
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[27] Jung und trans, Regenbogenportal, BMFSFJ. https://www.regenbogenportal.de/informationen/mein-kind-ist-trans abgerufen am 29.04.2023
Jung und trans, Regenbogenportal, BMFSFJ. 28 https://www.regenbogenportal.de/informationen/mein-kind-ist-trans abgerufen am 29.04.2023
[29] B. Kendal, Redaktionsnetzwerk Deutschland, „Pubertätsblocker: Was Sie über die Medikamente wissen sollten“, 17.10.2022, https://www.rnd.de/gesundheit/pubertaetsblocker-nebenwirkungen-einnahme-wirkung-was-steckt-dahinter-DKJZFETU4VFRBNBWNIKGPKQ4VY.html abgerufen am 29.04.2023
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[33] P. Hayes, Commentary: Cognitive, Emotional, and Psychosocial Functioning of Girls Treated with Pharmacological Puberty Blockage for Idiopathic Central Precocious Puberty. Januar 2017. https://www.frontiersin.org/articles/10.3389/fpsyg.2017.00044/full
[34] M. Biggs, Tavistock’s Experimentation with Puberty Blockers: Scrutinizing the Evidence, März 2019
[35] M. Biggs: What is most disturbing is that after a year on blockers, ‘a significant increase was found in the first item “I deliberately try to hurt or kill myself”’. https://www.transgendertrend.com/tavistock-experiment-puberty-blockers/
[36] M. Laidlaw, 2020.
[37] Zitat Keira Bell https://www.persuasion.community/p/keira-bell-my-story abgerufen am 30.04.2023.
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[39] J. Van Maren, Doctor says teen “trans” girls getting mastectomies can “go and get” new breasts later in life if they change their mind. 22 April 2019.
[40] Bränström et al., Reduction in Mental Health Treatment Utilization after gender-affirming surgeries: A total population study. Am J Psychiatry, Oct 2019. Im August 2020 gab es eine weitreichende Korrektur der zunächst falsch angegebenen Studienergebnisse: Major Correction: Aug 2020
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[46] Bränström et al., Reduction in Mental Health Treatment Utilization after gender-affirming surgeries: A total population study. Am J Psychiatry, Oct 2019. Im August 2020 gab es eine weitreichende Korrektur der zunächst falsch angegebenen Studienergebnisse: Major Correction: Aug 2020.
[47] Van Mol et al, Correction: Transgender Surgery Provides No Mental Health Benefit, 2020.
[48] Medicus curat, deus sanat“ (lat.)
[49] Zitat Keira Bell https://www.persuasion. community/p/keira-bell-my-story abgerufen am 30.04.2023
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[51] World‘s Largest Pediatric Gender Clinic Shut Down Due To Poor Evidence, Risk of Harm and Operational Failures, Society for Evidence-Based Gender Medicine, 29.07.2022, https://segm.org/UK_shuts-down-worlds-biggest-gender-clinic-for-kids abgerufen am 30.04.2023
[52] Siehe ebd.
[53] https://segm.org/UK_shuts-down-worlds-biggest-gender-clinic-for-kids abgerufen am 30.04.2023
[54] Die Zahl der intersexuellen Menschen in Deutschland wird auf 80.000 bis 100.000 geschätzt. Bei einer Einwohnerzahl von 83 Millionen entspricht der Anteil der Intersexuellen derzeit 0,1 bis 0,12 %.
https://www.antidiskriminierungsstelle.de/DE/ueber-diskriminierung/diskriminierungsmerkmale/geschlecht-und-geschlechtsidentitaet/inter/inter-node.html#:~:text=2.,bis%20hin%20zu%20120.000%20Personen abgerufen am 16.06.2023