Hildegard von Bingen
Leben
Hildegard von Bingen lebte von 1098 bis 1179. Als zehntes Kind der Eltern sollte sie ihr Leben der Kirche widmen (ein Zehnter an Gott) -... und meine Eltern weihten mich Gott unter Seufzern und in meinem dritten Lebensjahr sah ich ein so großes Licht, dass meine Seele erzitterte... (Autobiographie)
Mit 8 Jahren wurde sie in religiöse Erziehung gegeben. ... In meinem achten Jahr aber wurde ich zu geistlichem Leben Gott dargebracht und bis zu meinem fünfzehnten Jahr war ich jemand, der vieles sah und mehr noch einfältig aussprach, so dass auch die, welche diese Dinge hörten, verwundert fragten, woher sie kämen und vom wem sie stammten… (Autobiographie)
Hildegard lebte ab 1112 im Benediktinerkloster Disibodenberg ( heute Rheinland-Pfalz). Dort legte sie auch ihr Gelübde als Nonne vor dem Bischof Otto von Bamberg ab. 1136 wurde sie als Mutter und Lehrmeisterin der Schülerinnen gewählt. Später gründete sie ein eigenes Kloster auf dem Rupertsberg an der Nahe. Bei der Leitung ihrer Anhängerschaft und zur Begründung ihrer geschriebenen Texte beruft sich Hildegard auf Visionen, die nach ihrer eigenen Darstellung ab 1141 unwiderstehlich stark wurden. Zugleich war sie unsicher über deren göttliche Herkunft. Sie wendet sich deshalb an Bernhard von Clairvaux, einen bedeutenden Mönch des Zisterzienserordens. Dieser beruhigt sie und sorgt damit für Akzeptanz ihrer Person und Lehren.
Ihre Visionen ließ sie durch Schreiber in Latein aufschreiben. In der Niederschrift ihrer Vision: - Wisse die Wege- schreibt Hildegard:
…Ich aber, obgleich ich diese Dinge hörte, weigerte mich lange Zeit, sie niederzuschreiben- aus Zweifel und Mißglauben und der Vielfalt menschlicher Worte…
Sie schreibt dann weiter, dass sie krank wurde und diese Tatsache als Wink ansah, die Visionen doch aufschreiben zu lassen. Dabei ging es ihr besser. Weiter schreibt sie:
... Ich sprach und schreibe diese Dinge nicht aus Erfindung meines Herzens oder irgendeiner anderen Person, sondern durch die geheimen Mysterien Gottes, wie ich sie vernahm und empfing von den himmlischen Orten. Und wieder vernahm ich eine Stimme vom Himmel und sie sprach zu mir: Erhebe deine Stimme und schreibe also… Hildegard von Bingen reagierte für eine Frau der damaligen Zeit sehr dominant. So predigte sie öffentlich auf Predigtreisen. Und setzte auch ihre Interessen gegen andere durch, auch gegen bestehende kirchliche Vorschriften.
Hildegard wurde durch ihre 3 Visionswerke berühmt.
- Das Erste : -Wisse die Wege- enthält eine Glaubenslehre , die in allem wesentlichen Punkten der aktuellen Kirchenlehre entsprach
- Das zweite Visionswerk: - Buch der Lebensverdienste - enthält ethische Inhalte (Laster und Tugenden)
- Das dritte Buch ist Hildegards Schau über Welt und Mensch. Sie beschreibt hier die Schöpfungsordnung gemäß der mittelalterlichen Mikrokosmos-Makrokosmos Vorstellung
Biologie und Medizin
Hildegard von Bingen verfasste auch medizinische Abhandlungen, die allerdings nicht aus Visionen stammten. Dazu gehören Ausführungen über Pflanzen und Krankheiten. Nach 1150 verfasste Hildegard ein Buch -Ursachen und Heilungen- über die Entstehung und Behandlung von verschiedenen Krankheiten. Das zweite naturkundliche Werk handelt vom „inneren Wesen“ der verschiedenen Kreaturen und Pflanzen. Diese Werke zählen zu heute zu den Standardwerken der mehr esoterisch orientierten Naturheilkunde. Es gab zur Zeit Hildegards kein wissenschaftliches Medizinstudium. Hildegard brachte in ihren naturkundlichen Werken damalige Volksmedizin und Wissen aus der griechisch lateinischen Tradition zusammen und entwickelte daraus eine eigene Lehre über den Körper und Gesundheit. Sie bezog auch Metalle und Edelsteine in ihre Behandlungsempfehlungen ein. Zur Ergänzung sei noch gesagt, dass Hildegard auch eine Sammlung liturgischer Gesänge erstellte mit Text und Melodie. Darunter ein liturgisches Drama, das die visionäre Gedanken- und Bilderwelt Hildegard zum Ausdruck bringt.
Medizinisch/wissenschaftliche Beurteilung
Im Handbuch - die Andere Medizin- von Stiftung Warentest heißt es dazu:
- Die mittelalterlichen Namen für Krankheiten und Pflanzen waren vage Umschreibungen. Man kann sie nur selten einer heute gebräuchlichen Bezeichnung sicher zuordnen. Dementsprechend lassen sich Hildegards medizinische Empfehlungen und ihre Rezepturen kaum auf die heute Zeit übertragen.
- Eingehende wissenschaftliche Untersuchungen über Wirksamkeit und therapeutische Eigenschaften der bei Hildegard angeführten Pflanzen fehlen.
- Auch die dem Dinkel zugeschrieben wundersamen Heilwirkungen bei Krankheiten haben mit der erforschten Wirksamkeit nichts gemein.
- Die Edelsteinmedizin entstammt dem magisch-okkulten Bereich. Sie entbehrt jeder rationalen Grundlage
Die pflanzliche Hildegard-Medizin kann nicht empfohlen werden, die Behandlung mit Edelsteinen ist abzulehnen. Soweit Stiftung Warentest.
Geistliche Beurteilung
Hildegard von Bingen war, zumindest während ihrer Visionen, offensichtlich von einem fremden Geist beherrscht, der nicht der Heilige Geist war. Der Inhalt der Visionen stimmt nicht mit biblischen Lehren überein z.B. im Menschen- und Weltbild des Mittelalters von Mikrokosmos und Makrokosmos. Auch wenn Hildegard den Glauben als notwendig für eine Heilung betonte, meinte sie damit einen mystischen Glauben. Mystik ist das Streben nach Heil oder Erlösung unter Umgehung des Kreuzes, der Busse und Unterordnung unter Jesus Christus als persönlichen Heiland und Erlöser. In der Mystik will man durch Suche nach Direktkontakt mit Gott zu Erlösung, Vollkommenheit, Heil und Heilung gelangen. Im Grunde ist Mystik auch immer der Weg von unten nach oben, die Selbsterhebung es Menschen zu einer höheren Daseinsstufe. Auch wenn diese Daseinsstufe „Gott“ genannt wird, ist damit nicht der persönliche, sich offenbarende, Gott der Bibel gemeint. Die Lehren der Hildegard von Bingen und die Hildegard-Medizin sind aus biblischer Sicht für Christen abzulehnen. Sie entstammen einem nicht biblischen Welt- und Menschenbild und haben zum Teil ihre Quellen in einem „falschen Geist“, der Hildegard als „Medium“ für seine Offenbarungen gewählt hat.
Quellenangaben:
www.bible-only.org/german/handbuch/Mystik.html
wikipedia.org./Hildegard_ von_ Bingen aufgerufen 11.4.13
Handbuch: Die Andere Medizin Stiftung Warentest 4.Auflage S. 240/241
Fußreflexzonenmassage
Definition
Eine Reflexzonenmassage ist eine Behandlungsform, die in ihrer therapeutischen Ausprägung zu den alternativmedizinischen Behandlungsverfahren gezählt wird, und die auch in der Wellnessbranche eingesetzt wird.
Befürworter der Methode gehen davon aus, dass Reflexzonenmassagen in der Schmerztherapie und bei Durchblutungsstörungen übliche medizinische Verfahren und physiotherapeutische Anwendungen ergänzen sowie eine Verbesserung des Wohlgefühls unterstützen können.
Wissenschaftlichen Studien zufolge ist die Reflexzonenmassage weitgehend wirkungslos.
Die bei der Reflexzonenmassage gemeinten Reflexzonen im Körper sollen alle Organe und Muskelgruppen auf der Hautoberfläche und im Haut-Unterhautbereich „spiegeln“. Sie sind nicht mit den bekannten Head-Zonen der Medizin identisch. Es soll sie am Rücken, am Fuß, an der Hand, am Ohr, an der Nase und am Schädel geben. Diese Zonen sollen entweder diagnostisch (Irisdiagnose) oder im Rahmen einer Befundaufnahme oder therapeutisch (Reflexzonenmassage, Akupunktur und Akupressur) eingesetzt werden können.
Es gibt keine einheitliche Darstellung der Reflexzonen − etwa an Füßen und Händen, stattdessen gibt es viele voneinander abweichende, sich widersprechende Abbildungen.
Geschichte
Grundsätzlich ist die Fußreflexzonenbehandlung in den fernöstlichen Massagetraditionen bekannt: sie findet sich in der ayurvedischen Massagetradition genauso wie in der historischen Thai-Massage und der chinesischen Tuina.
Als Pionier der neueren westlichen Reflexzonenmassage gilt der amerikanische Hals-Nasen-Ohren-Arzt William Fitzgerald (1872–1942). Er hatte Kenntnisse in den Methoden indianischer Volksmedizin. Hierzu gehören Vorstellungen über reflektorische Zusammenhänge und eine Druckbehandlung, die seit Jahrhunderten angewendet worden sein sollen und auch gegenwärtig in Indianerreservaten angewendet werden.
Fitzgerald entwickelte daraufhin ein System, in dem er den Körper in zehn senkrechte Zonen einteilte. Dieses Konzept und die von ihm entwickelte Zonentherapie waren 1917 der Grundstein für die heutige Reflexzonen-Therapie. Später wurden diese Längszonen noch in jeweils drei Querzonen eingeteilt. Die Griff- und Drucktechniken der modernen Fußreflexzonentherapie arbeitete Mitte des 20. Jahrhunderts die amerikanische Masseurin Eunice D. Ingham (1889−1974) heraus. Von Amerika aus kam die Reflexology über England auch nach Deutschland.
Die Fußreflexzonentherapie gehört zum Standardangebot in Heilpraktikerschulen und Massageschulen. Heute arbeiten hauptsächlich Heilpraktiker, Physiotherapeuten und Masseure mit dieser Therapieform: Es sind Massagen, bei denen drucksensible Zonen zur Befunderhebung und durch mechanische oder andere Reizung stimuliert werden. Neben der den Heilberufen vorbehaltene Fußreflexzonentherapie findet im Wellnessbereich eine Fußreflexzonenmassage Anwendung, die vor allem eine entspannende Wirkung hat.1
Wirksamkeit
Die Fußreflexzonenmassage gründet auf dem Prinzip „pars pro toto“ (der Teil für das Ganze). Dabei wird behauptet, dass der gesamte Körper am Fuß - auf der Fußsohle und an der Oberseite bis zum Knöchel- repräsentiert sei. Dasselbe Prinzip finden wir immer wieder bei den verschiedensten, von der östlichen Philosophie geprägten Heilmethoden wie z.B. bei der Irisdiagnose und dem Handlinienlesen.
Der Heilpraktiker Gerhard Leibold beschreibt das folgendermaßen:
Die Reflexzonentherapie am Fuß geht von der Vorstellung aus, dass die Füße ein verkleinertes Abbild des gesamten Körpers und seiner Organe darstellen. Den verschiedenen Körperteilen und Organen entsprechen also ganz bestimmte Zonen an den Füßen. Durch Massage dieser Zonen können die zugehörigen inneren Organe und Körperteile reflektorisch beeinflusst werden. Außerdem sind die Fußzonen diagnostisch bedeutsam, weil Druckschmerzen einzelner Zonen auf Funktionsstörungen und Erkrankungen der entsprechenden Körpergebiete hinweisen. Es ist heute üblich, den Körper in 10 senkrechte und 4 waagerechte Zonen einzuteilen. Diese Zonen finden wir auch an den Füßen wieder. Sie teilen den Fuß in ein verkleinertes Längs-Quer-Raster des Körpers ein, in das die Körperteile und Organe entsprechend ihrer tatsächlichen Lage im Körper im Körper eingetragen werden können. So entsteht eine Landkarte „des gesamten Organismus an den Füßen, die gezielte Reflexzonentherapie ermöglicht.
Es liegt nahe, diese 10 Längszonen mit den Energiemeridianen der chinesischen Medizin zu vergleichen, auch wenn deren Verläufe nicht genau mit Fitzgeralds Körperzonen übereinstimmen. Vielleicht stellen die senkrechten Körperzonen vereinfachte chinesische Meridiane dar, die in Anlehnung an die Akupressur für die abendländische Medizin entwickelt wurden. Eine endgültige Klärung dieser Frage und ein wissenschaftlich exakter Beweis für die 10 Zonen sind heute noch nicht möglich.
An anderer Stelle beschreibt Leibold die Energiezonen wie folgt:
Damals entstand auch die von der chinesischen Naturphilosophie getragene erste Vorstellung von den Energiebahnen, die den Körper durchziehen. Man darf sich darunter keine Bahnen im anatomischen Sinn vorstellen, vergleichbar den Blutgefäßen und Nerven, sondern feststehende Strömungsrichtungen der Energie.
Dieses grundlegende Verständnis entspricht der Überzeugung der meisten heutigen Therapeuten und basiert auf uralten, chinesischen religiösen Vorstellungen. Vier der Prinzipien der östlichen Philosophie finden wir bei der Fußreflexzonenmassage wieder. Diese stehen im völligen Gegensatz zum biblischen Weltbild.
- Makrokosmos (Welt) und Mikrokosmos (Mensch) entsprechen und beeinflussen sich gegenseitig
- Der Mensch steht in einem kosmischen Energiefeld und wird von dieser Energie durchflossen
- Eine Krankheit wird von den meisten Spezialisten als Folge eines Energieungleichgewichts gesehen
- Die Behandlung der Krankheit erfolgt über den Zufluss von Energie nach den Prinzipien von Yin und Yang
Dazu schreibt der Christ Dr. Samuel Pfeifer in seinem Buch sehr treffend Folgendes:
Die Behandlung der Krankheit erfolgt über den Zufluss von Energie nach den Prinzipien von Yin und Yang. Frau Marquard2 sagt: Wir haben damit eine wirkliche Behandlung im wahrsten Sinne des Wortes. Wir befassen uns mit dem Menschen, wir fassen seinen Fuß an und dadurch, dass wir mit der Hand arbeiten stellen wir als Therapeut unsere Dynamik, unseren Rhythmus zur Verfügung, um die gestörte Dynamik und den gestörten Rhythmus des Patienten zu ordnen.
Wissenschaftliche Beurteilung:
Kurz und präzise finden wir eine Zusammenfassung im „Handbuch - die andere Medizin“
- Die von Fitzgerald willkürlich entworfenen Längszonen am Körper müssen aufgrund heutiger wissenschaftlicher Kenntnisse als Phantasieprodukte angesehen werden. Überdies weichen die Angaben, wo die einzelnen Organe auf den Fußsohlen repräsentiert sind, in den verschiedenen Darstellungen erheblich voneinander ab.
- Exakte Diagnosen können mit dieser Methode nicht gestellt werden.
- Auch für die behaupteten Wirkungen der verschiedenen Reflexzonenmassagen an anderen Körperteilen fehlt der Beweis. Der ganze Körper ist in keinem seiner Teile so repräsentiert, dass der von diesem aus behandelt werden könnte.3
Manche Anhänger der Reflexzonentherapie gehen von der Hypothese aus, dass für die Wirksamkeit der Reflexzonen die Energiebahnen der traditionellen chinesischen Medizin als Meridiane verantwortlich wären. Für die Meridiane gibt es allerdings keine wissenschaftlichen Nachweise.4
Geistliche Beurteilung
Deshalb ist z.B. eine Befunderhebung mit Hilfe von drucksensiblen Zonen (z.B. an den Füßen) diagnostische Wahrsagerei. Ebenso ist eine Druckmassage (ähnlich wie bei der Akupressur) von „gedachten“ und in ihrer Existenz nicht beweisbaren „Reflexzonen“, für Christen abzulehnen. Auch wenn im Wellnessbereich durch die Reflexzonenmassage eine entspannende Wirkung erwünscht ist, ist diese Methode für Christen aufgrund ihres Ursprungs abzulehnen.5
Der Ursprung dieser Methode, sowie das falsche Menschen- und Gottesbild, hier der fernöstliche philosophische Hintergrund, dieser Methode, sollte uns zu einer klaren ablehnenden Haltung verhelfen. Weiterhin sollten wir die fragwürdige Wirkungsweise, die Auswirkungen dieser Therapie, zuletzt die geistliche Gefährdung durch die Methode und evtl. durch den Therapeuten genau bedenken.6
Auch wenn gläubige Fußreflexzonen-Therapeuten diese Methode anbieten und eventuell dabei noch ein seelsorgerliches Gespräch führen, kann ihnen der Vorwurf nicht erspart werden, indirekt Wegweiser für eine Philosophie zu sein, die aus östlicher Weisheit schöpft und schon viele Menschen vom Evangelium weggeführt hat. Es gibt einige Beispiele von entschiedenen Christen die sich durch Fußreflexzonenmassage behandeln ließen und später Schwierigkeiten beim Gebet und Bibellesen hatten.7
Ein letzter Aspekt sollte noch betont werden. Der Apostel Paulus warnt den jungen Timotheus eindringlich:
Die Hände lege niemand zu bald auf, mache dich auch nicht teilhaftig fremder Sünden.
1 Tim 5,22
Aus der Bibel und aus der Seelsorge wissen wir, dass durch die Handauflegung Belastungen übertragen werden können. Vorsicht in diesem Zusammenhang auch bei Massagen und ähnlichen Behandlungen.
Zum Schluss möchten wir eindeutig vor der Fußreflexzonenmassage warnen und diese Methode klar ablehnen, Christen, die damit bereits Erfahrungen gemacht haben, empfehlen wir im Gebet dem Herrn alles zu nennen und sich von IHM reinigen zu lassen.8
Fußnoten:
- Wikipedia „Reflexzonenmassage“ aufgerufen am 20.3.16
- Marquardt, Hanne : Insbesondere durch sie wurde die Fußreflexzonenmassage in Deutschland publik gemacht (Anmerkung der Autorin)
- Alternative Heilverfahren- Hilfe oder Gefahr Fußreflexzonenmassage - eine brauchbare Therapie? S. 76-80 (gekürzt) ABEM e.V. 2014
- Wikipedia „Reflexzonenmassage“ aufgerufen am 20.3.16
- Anmerkung der Autorin
- Alternative Heilverfahren- Hilfe oder Gefahr Fußreflexzonenmassage-eine brauchbare Therapie? S. 80 (gekürzt) ABEM e.V. 2014
- nach Pfeifer,Samuel Dr. Gesundheit um jeden Preis? 12.Auflage Brunnen-Verlag Gießen 1999 S. 69 u.71
- Alternative Heilverfahren- Hilfe oder Gefahr Fußreflexzonenmassage-eine brauchbare Therapie? S. 80 (gekürzt) ABEM e.V. 2014
Feldenkrais
Eine Glaubensschwester schreibt:
„Es geht speziell um die Feldenkrais-Kurse und Heilungsmethoden. Es ist grad jetzt die Frage, was das denn sei. Und die Meinung war, es sei so gut. Ob Sie etwas Schriftliches darüber haben? Das wäre prima.“
Antwort
Bei der Feldenkrais-Methode, benannt nach ihrem Begründer Moshe Feldenkrais (1904-1984), handelt es sich um ein therapeutisches Verfahren in der Alternativmedizin. In die Entwicklung seiner Methode flossen Erfahrungen in 20 Jahren Judo-Unterricht sowie Erkenntnisse manueller Medizin und neurologischer Behandlungsmethoden in den 40-iger und 50-iger Jahren ein. Feldenkrais war der Meinung, dass auf eine Änderung der Bewegungsmuster eine psychische Veränderung erfolgt, sich der Mensch mit Hilfe dieser Methode quasi selbst neu gestalten kann.
Darstellung der Wirkungsweise
Feldenkrais wird als eine körperorientierte Lernmethode dargestellt, anhand derer der Ausübende mehr über den eigenen Körper und seine Bewegungsmuster erfahren soll.
Über die Wahrnehmung von Bewegungsabläufen soll der Mensch seine „Bewusstheit“ erweitern (Bewusstseinserweiterung) und eine neue Beweglichkeit für Körper und Geist soll entstehen.
Schon im Verlauf einer Lektion, so wird gesagt, kann der Lernende dabei außergewöhnliche Empfindungen erleben, die unterschiedlich lange nachwirken können.
Die Körperübungen werden zuerst vom Feldenkrais- Therapeuten passiv ausgeführt. Der Unterricht findet meist im Liegen statt. So erprobt er etwa den Bewegungsspielraum eines Gelenks bis zu den gewohnten Grenzen. Durch häufige Wiederholungen und kleine Veränderungen soll eine neue Bewegungsmöglichkeit erprobt werden. Die Bewegungen sollen ohne Anstrengung und Schmerzen durchgeführt werden. Die Arbeit verläuft ohne viele Worte, da sich die Aufmerksamkeit auf die Bewegungsabläufe richten soll. Später soll der Behandelte diese Übungen selbst ausführen und dabei bestimmte Wahrnehmungen schulen.
Bei der Entwicklung seiner Methode wurde M. Feldenkrais maßgeblich von Dr. Milton Trager und dessen Methode der Körperarbeit beeinflusst. Sie wird folgendermaßen beschrieben:
Die von Dr. Milton Trager entwickelte Körperarbeit sucht den Kontakt zwischen Körper und Geist wieder in Harmonie zu bringen. Durch sanftes rhythmisches Wiegen und Dehnen und durch das Spiel mit den Körpergewichten nähert man sich dem optimalen Gewebezustand und bewahrt die angenehmen Empfindungen im Körpergedächtnis auf. Bei einer Trager -Sitzung kann man lernen, diese Bewegungen selbst durchzuführen oder sie auf einer Massageliege passiv zu empfangen. Der Effekt dieser Arbeit ist gleichzeitig tiefe Entspannung und Präsenz, eine Verbesserung der neuromuskulären Funktionen, erhöhte Konzentrationsfähigkeit und ein Ruhigwerden des Geistes……
Wissenschaftliche Beurteilung
Die Feldenkrais Methode wird nicht als Therapie sondern als Unterricht bezeichnet, der ohne viele Worte stattfindet. Es handelt sich um eine Methode der körperorientierten Selbsterfahrung d.h. man soll mit Hilfe von körperlichen Übungen etwas über sich selbst (die Vorgänge in der Seele) erfahren.
In einigen klinischen Studien wurde bei Patienten mit MS (Multipler Sklerose) der Abbau von Stress und eine Verbesserung der Balance berichtet. Auch eine Verminderung von Rücken und Nackenschmerzen wurde nachgewiesen.
Es wird aber auch vor Risiken gewarnt: „Die psychischen Effekte der Feldenkraismethode bergen für labile Menschen das Risiko, seelisch aus dem Gleichgewicht zu geraten. Solche Krisen können Feldenkraislehrer nicht auffangen, weil sie nicht psychologisch oder psychiatrisch ausgebildet sind.
Gesetzliche Krankenkassen zahlen diese Therapie nicht.
Geistliche Beurteilung
Auf der einen Seite ist Feldenkrais eine- allem Anschein nach- seriöse erprobte Methode. Auch ein Nutzen von Bewegungen bei Bewegungs-Einschränkungen oder bestimmten Schmerzen ist allgemein belegt. Das gilt auch für den Zusammenhang von Nervensystem und Bewegung.
Aber die Feldenkrais-Methode geht (ähnlich wie bei Yoga) über die reine Bewegung hinaus und soll geistige Wirkungen entfalten. Für Christen ist dies der falsche Weg, denn alle inneren Veränderungen gehen vom menschlichen Herzen aus. Und hier kann grundlegend nur durch Hinwendung zum Herrn Jesus Christus eine Veränderung durch den heiligen Geist geschehen.
Dazu kommt, dass ein großer Teil von Feldenkrais “Anhängern“ im Umfeld sogenannter „alternativer Heilmethoden“ angesiedelt ist und unterrichtet die Methode in einem Zug mit anderen solchen Verfahren wie z.B. Reiki. Dies bedeutet, dass man durch die Inanspruchnahme solcher Therapeuten entsprechenden geistig – geistlichen Einflüssen ausgesetzt ist.
Zusammenfassende Bewertung
Die Feldenkrais –Therapie ist keine allgemein wissenschaftlich anerkannte Therapie, sondern gehört zur Alternativmedizin. Die Teilnahme an solchen Kursen birgt geistlich- seelische Gefahren in sich und ist deshalb insbesondere für Gläubige abzulehnen.
Lektorat: Prof. Dr. M. Weise
Quellenangaben
Stiftung Warentest: Die andere Medizin, Feldenkrais
www.wikipedia.org/wiki/Feldenkrais-Methode
www.koerpertherapie-netzwerk.de
www.trager.de
Basale Stimulation
In letzter Zeit wurden wir öfter gefragt: was ist eigentlich von basaler Stimulation zu halten? Wie ist diese Methode aus biblischer Sicht zu bewerten?
So fing ich an, mich damit zu befassen und sichtete mehrere Pflegefachzeitschriften zu diesem Thema. Die Inhalte in den vielen Fachaufsätzen, die es dazu wirklich gibt, wiederholen sich in ihren Aussagen. Folgendes kann man entnehmen: Die basale Stimulation will als ein offenes Konzept verstanden werden.
In den 70er Jahren entwickelte der Sonder- und Heilpädagoge Prof. Dr. Andreas Fröhlich die Methode speziell für schwerstbehinderte Kinder und Jugendliche. Gemeinsam mit der Krankenschwester und Diplompädagogin Christel Bienstein wurde dieses Konzept in den 80er Jahren in die Erwachsenenkrankenpflege übertragen und etabliert sich mittlerweile in vielen Bereichen in der Pflege. Es wird empfohlen für die Pflege von bewusstlosen, beatmeten, desorientierten Patienten, Schädel- Hirn- Verletzten, Alzheimerpatienten, neurologisch erkrankten Menschen, Frühgeborenen und Behinderten. Ebenso geeignet soll es für Sterbende, Patienten mit Halbseitenlähmung und Apalliker sein. Ziel dabei ist die Begleitung und Förderung in der Wahrnehmung, Bewegung und Kommunikation. Fröhlich wollte Wahrnehmungserfahrungen anbieten, die an sehr frühe, auch vorgeburtliche Erfahrungen anknüpfen. Dazu gehört für ihn u.a. folgendes: ein Spüren der Körpergrenzen, ein Sich-in-Bewegung erleben, eine Lageveränderung im Raum oder auch das Entdecken des Inneren durch Vibrationen (genannt werden hier sogen. somatische, vestibuläre, vibratorische Erfahrungen).
Fröhlich und Bienstein gehen davon aus, dass apallische und komatöse Menschen auch ein elementares Bedürfnis nach Wahrnehmung, Bewegung und Kommunikation verspüren.
Basale Stimulation in der Pflege will versuchen, schwerst beeinträchtigten Menschen bekannte, elementare Wahrnehmungserfahrungen zu ermöglichen, um sie in ihrem Erleben zu begleiten und ihre Fähigkeiten zu fördern.
Wann Pflege basal stimulierend ist, wird wie folgt beantwortet: Pflege sei strukturiert, vermittle eine Körper- und Umwelterfahrung, berücksichtige die Individualität des Patienten, sei sinngebend, heiße in Beziehung treten, begleite, unterstütze den Patienten auf seinem Weg. Basale Stimulation begänne schon mit dem ersten Händedruck, dem ersten Blickkontakt. Der Patient werde als gleichwertiger Partner, als ganzheitlicher Mensch gesehen. Maßnahmen sollen mit dem Patienten gemeinsam durchgeführt werden, sollen ein Angebot darstellen. Als Beispiele für solche Tätigkeiten werden erwähnt: basal stimulierende Ganzkörperwaschung, auch atemstimulierende Einreibung, als deren Grundlage die „Shiatsu-Massage“ [1] genannt wird.
Es ist wichtig zu wissen, dass dieser Art Massage ein esoterisches Menschenbild zugrunde liegt ! Die Anwendung basal stimulierender Maßnahmen wird ausführlich in Form von Erfahrungsberichten in Fachzeitschriften veröffentlicht und soll auch an dieser Stelle nicht weiter vertieft werden.
Wie kann man als Christ diese Methode bewerten?
Zum einen sollten wir als Christen die Dinge auch fachlich hinterfragen, prüfen und nicht einfach alles „schlucken“, was heute so angeboten wird. Desweiteren sollen wir die Dinge auch geistlich sehen:
Fachliche Aspekte
Hierbei sind folgende Anfragen zu stellen bzw. folgende Aspekte zu betrachten:
- Lassen sich Erfahrungen von schwerstbehinderten Kindern auf Erwachsene überhaupt übertragen?
- Ist es möglich, durch körper- und berührungszentrierte Methoden vorgeburtliche oder frühkindliche Erfahrungen ins Bewusstsein zu rufen?
- Werden an diese körperbetonten Maßnahmen nicht zu große Hoffnungen gesetzt, die außerdem teilweise totale Aufhebung von körperlicher Distanz beim Pflegepersonal erfordern (es ist z.B. zu lesen, dass die Pflegekraft auch mal zum Patienten ins Bett klettert!)
- Man bekommt den Eindruck, dass kompetente Pflege nur noch durch basale Stimulation erreicht wird.
Geistliche Aspekte
- Für Christen ist es eine Selbstverständlichkeit, sich dem Patienten ganzheitlich -im Sinne des biblischen Menschenbildes- zuzuwenden. Das heißt u.a. auch, dass wir über die körperliche Versorgung hinaus den Menschen in seiner Stellung vor Gott sehen: er ist immer Gottes Ebenbild und soll in einer lebendigen Beziehung zu seinem Schöpfer leben. Wir dürfen für oder mit dem Patienten beten, ihm Trost und Hoffnung von Gottes Wort her zusprechen.
- Basale Stimulation wird teilweise mit anderen Methoden gekoppelt, denen unbiblische Menschenbilder zugrunde liegen, z.B. Shiatsu-Massage, Fußreflexzonenmassage.
Davon möchten wir uns aus Liebe zum Herrn und seinem Wort eindeutig distanzieren:
„Wer meine Gebote hat und hält sie, der ist es, der mich liebt. Wer mich aber liebt, der wird von meinem Vater geliebt werden und Ich werde ihn lieben und mich ihm offenbaren.“
Johannes 14, 21
- Grundsätzlich geht die in der Fachliteratur genannte sogenannte „ganzheitliche“ Betrachtungsweise des Patienten oft vom sogen. „holistischen“ Verständnis [2] aus, das dem biblischen Menschen entgegengesetzt ist.
- Am Gleichnis des barmherzigen Samariters, das Jesus erzählt (Lukas 10, 30-37)) lernen wir, dass wir uns um Menschen in Notlagen barmherzig und liebevoll kümmern sollen. Die Barmherzigkeit, die Gott uns zuerst erwiesen hat, sollen und dürfen wir ausnahmslos an alle Menschen weitergeben.
- Wer selber Gottes Barmherzigkeit erfahren hat und weiß, dass er tagtäglich davon lebt, der darf sich in dieser Motivation aufmerksam und engagiert um die ihm anvertrauten Patienten bemühen – in fachlich kompetenter Weise und auch in geistlicher Hinsicht.
„Die Güte des Herrn ist’s, dass wir nicht gar aus sind; seine Barmherzigkeit hat noch kein Ende, sondern sie ist alle Morgen neu und deine Treue ist groß.“
Klagelieder 3, 22-23
In der ständigen Verbindung mit dem Herrn erhalten wir nach seiner Verheißung die Kraft dafür.
„Aber die auf den Herrn harren, kriegen neue Kraft, dass sie auffahren mit Flügeln wie Adler, dass sie laufen und nicht matt werden, dass sie wandeln nicht müde werden.“
Jesaja 40,31
Wie froh dürfen wir sein, dass wir diesen lebendigen Herrn kennen dürfen, der den Menschen am besten versteht, auch in Krankheitssituationen. Er hilft auch uns in den Gesundheitsberufen, mit den uns anvertrauten Menschen so umzugehen, dass wir Zeugnis davon geben dürfen, wie sehr Gott den Menschen liebt und sich ihm zuwendet. Diese Zuwendung ist unvergleichlich höher, als die von Menschen entwickelten Methoden, auch wenn sie gut gemeint sind. Mit guter fachlicher Arbeit sollen wir Gott ehren und nie aus dem Blick verlieren, dass alle Menschen den Herrn selber brauchen, seinen Trost, ewiges Leben.
Fußnoten
[1] Shiatsu ist eine japanische Variante der Akupunktur, eine Art Druckmassage an bestimmten Punkten an Meridianen (willkürlich gedachte Druckpunkte, die auch der Zahlenmagie entstammen) und an Schmerzpunkten. Die Massage soll Stauungen (der Lebensenergie „Qi“) auflösen. Der Hintergrund ist wie bei der Akupunktur das Weltbild von Yin und Yang, die in einem ausgeglichenem Wechselspiel zusammenwirkten. Sie bringen die sogen. Lebensenergie „Qi“ hervor. Diese Lebensenergie ist eine unpersönliche Kraft. Verschiedene alternative Methoden gründen genau auf diesem Weltbild: wie Shiatsu haben sie zum Ziel, die gestörte Lebensenergie wieder ins Gleichgewicht zu bringen und Gesundheit wieder herzustellen.
[2] Holismus ist ein esoterisches Verständnis von der Ganzheit des Menschen. Darunter wird verstanden, dass der Mensch als Mikrokosmos mit der Welt/Umgebung als Makrokosmos im Gleichgewicht leben soll. Zwischen beiden bewegt sich unpersönliche Energie, die durch verschiedene Maßnahmen (wie z.B. verschiedene alternative Methoden in der Medizin) immer wieder beeinflusst werden soll, damit der Mensch im Gleichgewicht lebt. Ein persönlicher, lebendiger Gott wird geleugnet, ebenso die Erlösungsbedürftigkeit des Menschen.
Ayurveda
Balsam oder Gefahr für Körper und Seele?
"Mit „Stirnguss“ und sanften Massagen zu Wohlbefinden und Ausgeglichenheit gelangen. Mit Ingwerwasser, Kurkuma und Butterschmalz entschlacken und entgiften. Im Blumenbad entspannen."
Die Idee
Ayurveda - eine mehr als 3500 Jahre alte Heilmethode aus Indien verspricht Vorbeugung und ganzheitliche Heilung bei vielen Krankheiten. Auch in Deutschland halten ayurvedische Elemente Einzug in den Pflege- und Reha-Bereich, so z.B. die Aroma-Therapie.
Handelt es sich um eine weitere, kurzlebige Blüte in der Wellness-Landschaft oder eine lebensnahe Möglichkeit der Selbstbehandlung bei vielen Zivilisationskrankheiten auch für Christen?
Die Geschichte
Ayurveda gilt als die älteste vollständige Gesundheitslehre der Welt und bedeutet übersetzt „Wissen vom Leben“ Es ist ein Lebenskonzept mit moralischen Kategorien, ein System, das auch eine möglichst umfassende und zugleich einfache Antwort auf die Frage nach dem Sinn des Lebens zu geben versucht.
Die Regeln dafür gaben „die Götter den Menschen in die Hand“, damit meinte man, dass das Wissen aus dem übernatürlichen Bereich stammt.
In den westlichen Staaten hat sich Ayurveda vornehmlich in Form des Maharishi-Ayurveda etabliert. Maharishi Mahesh Yogi, als Guru der Beatles durch die Medien gegangen, investierte Millionen in die Idee „den Ayur-Veda in seiner Ganzheit wiederzubeleben“.
Das Konzept
Ayurveda sieht den Menschen als Mikrokosmos und Abbild des ihn umgebenden Makrokosmos wie alles Lebendige bestehend aus den Prinzipien Feuer, Wasser, Erde, Luft und Raum.
Diesen Elementen entsprechen die fünf Sinne Sehen, Schmecken, Riechen, Fühlen, Hören.
Für Ayurveda gründet sich menschliches Leben auf die Komponenten Körper, Sinnesorgane, Geist und Seele, Der Körper existiert als sichtbarer Leib, der über die Sinnesorgane mit der Außenwelt in Verbindung steht. Als inneres Organ ist auch der Geist auf die Informationen der Sinnesorgane angewiesen. Die Seele schließlich prägt sich durch den Geist und das, was die Sinne aufnehmen.
Wie alles zusammenwirkt, beschreibt der Ayurveda mit dem Konzept der drei Doshas, („Lebensenergien“) Vata, Pitta und Kapha. Auch deren Qualitäten sind vom Mischungsverhältnis von Feuer, Wasser, Erde, Luft und Raum bestimmt.
Die Doshas charakterisieren die fundamentalen Regulationssysteme des Körpers. Auf die Körperebene bezogen bedeutet Vata das, was sich aus der Aktiviät des Nervensystems ergibt und ist die Ursache von Bewegung und Aktivität. Pitta steht für wärmesteuernde enzymatische Abläufe. Es soll den Hormonhaushalt regulieren und an der Bildung von Geweben und dem Stoffwechsel beteiligt sein. Kapha umschreibt Funktionen des Immunsystems und steht für alles, was in und durch Körperflüssigkeiten geschieht.
Die drei Doshas bestimmen auch die Eigenschaften von Menschen. Das Verhältnis der Anteile von Vata, Pitta, oder Kapha zueinander macht den Menschen- oder Konstitutionstyp aus. Die Konstitution soll die Stärke eines Menschen und seine Krankheitsbereitschaft erklären, seine Reaktionen auf Ernährung, Medikamente, Sinneseindrücke, Klima usw.
Im heutigen Indien werden die wissenschaftliche Medizin (in der Alternativmedizin oft als Schulmedizin bezeichnet) und Ayurveda als traditionelle Volksmedizin gleichermaßen gelehrt. Es praktizieren dort schätzungsweise 300 000 ayurvedische Heiler, darunter viele Ärzte.
Das Ziel einer ayurvedischen Behandlung ist, die Selbstheilungskräfte des Organismus zu aktivieren.
Plausibilität des Konzeptes
Die Stiftung Warentest schreibt dazu: Das Gesamtkonzept des Ayurveda ist nicht plausibel. Es ist geprägt vom Denken der Zeit, in der dieses Medizinsystem entstanden ist, und hat sich seitdem kaum weiterentwickelt. Die Erklärungen, wie Krankheiten entstehen und wie sie zu beeinflussen sind, müssen vor diesem Hintergrund gesehen werden und lassen sich nicht ohne weiteres auf unser heutiges Leben übertragen.
Die Mittel
Wann Substanzen arzneilich wirksam sind, definiert Ayurveda anders als die naturwissenschaftliche Pharmakologie.
Im Ayurveda ist die Wirkung bestimmt durch:
- die Fähigkeit, im Empfänger Assoziationen, Stimmungen oder sonstige Reaktionen auszulösen
- ihren Einfluss auf die Doshas
Ein ayurvedisches Arzneimittel soll wirken durch:
- den Geschmack. Süß Schmeckendes gleicht zum Beispiel zuviel Bitteres im Körper aus;
- seine physikalischen Eigenschaften. Etwas Schweres erhöht das Körpergewicht;
- das, was während des Verdauungsprozesses aus ihm wird,
- seine innere Kraft,
- die spezielle Wirkstoffzusammensetzung.
Ayurvedische Arzneimittel sind meist aus vielen Bestandteilen kombiniert.
Untersuchung
Ziel ayurvedischer Medizin ist es, die jeweiligen Ursachen genau zu ermitteln, die den Menschen aus seinem „inneren Gleichgewicht“ gebracht haben, und dann zu beseitigen.
- Diagnose
Ayurveda braucht zwei Diagnosen: die der Krankheit und die des Patienten. Die klassischen Methoden dafür sind sehen, fragen, hören, riechen und tasten.
Ein ayurvedischer Arzt drückt körperliche Veränderungen in den Begriffen der Doshas aus. Wenn ein Dosha „krankhaft dominiert“ oder „geschwächt“ ist, führt das zu typischen Symptomen, die durch Gegenmaßnahmen ausgeglichen werden müssen. - Pulsdiagnose
Ein besonderes Verfahren stellt die Pulsdiagnose dar. Sie berücksichtigt viele verschiedene Pulsqualitäten (stark, schwach, drängend, flüchtig usw.). Der Puls wird mit 3 Fingern gefühlt. Daraus kann der ayurvedische Arzt Rückschlüsse auf den Zustand der Doshas ziehen. Wenn der Ayurvedist durch Meditation seine intuitiven Fähigkeiten geschult hat, soll der sich mit seiner Vorstellung im Körper des Gegenüber bewegen können. Angeblich verfeinert und erweitert das die Möglichkeiten der Pulsdiagnose. - Pakriti-Analyse
Hierbei soll die „Natur des Menschen“ bestimmt werden. Die „Prakriti“ soll mit der Geburt festgesetzt sein und das Leben hindurch bestehen bleiben. Ihre Ausprägung erhält sie durch astrologische Konstellationen, durch die Bedingungen während der Zeugung und Schwangerschaft u. viele andere Komponenten.
Behandlung
Um die Doshas wieder in ihr ursprüngliches Gleichgewicht zurückzuführen, werden meist verschiedene Methoden miteinander kombiniert.
- Ernährung
Da Lebensmittel und Gewürze auf die Doshas wirken sollen, können sie ein Ungleichgewicht ausgleichen. Gekochte Nahrung gilt als bekömmlicher als Rohkost. - Reinigung (Panchakarma-Kur)
Stoffwechselschlacken, von denen der Ayurveda meint, dass sie sich infolge der gestörten Doshas angesammelt haben, sollen gelöst und ausgeschieden werden.
Dazu dienen das Fasten, Ganzkörperölmassagen, Wärmedampfbäder, Einläufe, das Auslösen von Erbrechen oder Niesen und der Aderlass. Auch das Trinken von warmer Butter (Ghee genannt) soll die Stoffwechselausscheidung fördern. Allmählich wird auf eine bekömmlichere Ernährung umgestellt. Auch Yoga- Übungen gehören zur Reinigungsbehandlung. - Medikamente
Der Ayurveda benutzt zur Heilung Medikamente aus Pflanzen, Kräutern Mineralien und Metallen. Die Übergänge von Nahrungsmittel, Gewürz- und Heilpflanzen sind fließend. Die Pflanze wird als Ganzes verwendet, nicht nur als medizinisch wirksamer Extrakt.
Allerdings sind ayurvedische Medikamente in Deutschland nicht zugelassen, da sie nicht den strengen deutschen Qualitätskontrollen und Arzneimittelprüfungen entsprechen. In Deutschland muss in kontrollierten Studien die Wirksamkeit nachgewiesen werden und es darf keine Schädigung für den menschlichen Körper von dem Medikament ausgehen.
Bislang hat sich noch keine deutsche Firma gefunden, die ayurvedische Medikamente produziert. Viele Touristen bringen sich ausländische Medikamente mit oder lassen sich vor Ort damit behandeln. Davor muss jedoch gewarnt werden. Diese Mittel enthalten eine hohe Konzentration an Schwermetallen wie Quecksilber, Blei, Arsen und können deshalb zu Vergiftungen führen. - Yogaübungen und Meditation
Körper- und Atemübungen, Übungen zur inneren Sammlung und Versenkung waren seit jeher Bestandteil von Ayurveda. - Farb-, Aroma- und Musik-(Klang)therapie
Vom Konstitutionstyp eines Menschen hängt es ab, welche Sinne besonders ansprechbar sind (Geruchssinn, Geschmacks- und Gehörsinn). Die Anregung der Sinne soll die Doshas harmonisieren. - Wann werden die ayurvedischen Therapien angewendet?
Meist bei chronischen Krankheiten wie Rheuma, Bronchialasthma, Allergien, Bluthochdruck oder Kopfschmerzen. Auch in der Nachbehandlung, im Anschluss an eine Chemotherapie, Strahlenbehandlung oder Operation wird diese Therapie eingesetzt, um einen Erholungseffekt zu bewirken und das natürliche „Gleichgewicht“ wiederherzustellen. - Ayurvedische Kurelemente
Auch in Deutschland gibt es Behandlungszentren für ayurvedische Medizin. Eine Kur umfasst bis zu 24 verschiedene Behandlungsstrategien. Alle Maßnahmen der Panchakarma-Kur sollen dazu dienen, die „Schlacken- und Giftstoffe im Körper zu lösen und auf natürlichem Wege auszuscheiden“.
Die Kur wird durch eine „Entgiftungsmaßnahme“ eingeleitet. Dazu trinkt der Patient warme, geklärte Butter, Ghee genannt. Das Ghee soll sich über Verdauungstrakt und Leber auf dem Blutweg in alle Zellen des Körpers verteilen. Die flüssige Butter soll helfen, die „Altlasten des Stoffwechsels“ zu beseitigen.
Verschiedene Formen ayurvedischer Anwendungen
- Udvartana ist eine Ganzkörper-Peelingmassage mit einer Mischung aus Gersten- und Kichererbsenmehl, vermischt mit etwas Sesamöl. Sie regt den Stoffwechsel an, wobei das Sesamöl eine beruhigende Wirkung auf alle drei Doshas haben soll, außerdem desinfizierende Funktionen.
- Abhyanga bedeutet so viel wie „liebende Hände“. Bei der Synchronmassage arbeiten zwei Therapeuten parallel. Die Massage erfolgt nicht kraftvoll, sondern eher sanft.
- Bashpa Svedana ist die gebräuchlichste Form der Wärmetherapie. Der Körper liegt in einem Holzkasten und wird mit dosha-gerechten Heilkräuterdämpfen behandelt.
- Pizzichilli: Der „Königsguss“ ist eine Behandlung unter einem warmen Ölstrahl. Dabei sollen die Wirkungen von Massage-, Öl- und Wärmetherapie vereint zur Geltung kommen. Während der Anwendung wird die Temperatur des Öls behutsam erhöht.
- Shirodhara ist ein Stirnguss mit Sesamöl. In langsamen Pendelbewegungen wird das Öl für eine knappe halbe Stunde über die Stirn gegossen. Der Stirnguss soll ausgleichend und beruhigend auf das vegetative Nervensystem wirken. Er wird bei Kopfschmerzen, hohem Blutdruck und Tinnitus angewendet.
- Netra-Tarpana: Bei dieser Augenbehandlung wird ein Teigring um die Augen gelegt und körperwarmes Ghee in die Augenhöhlen gegossen. Das Ghee soll beruhigend auf rote und gereizte Augen wirken.
- Blumenbad: Das Blumenbad ist der Abschluss einer Ayurveda-Kur. Dabei werden Sandelholz und Blütenessenzen verwendet wobei, das Wasser relativ kalt ist.
Verschiedene Elemente dieser Kur haben in Reha- und Wellnesseinrichtungen Einzug gehalten.
Zusammenfassung
Ayurveda ist ein Lebenskonzept, das aus dem übernatürlichen Bereich stammt und aus dem die traditionelle indische Heilkunde ihr Wissen schöpft.
Unter anderem besagt Ayurveda:
- Der Mensch ist als Mikrokosmos ein Abbild des ihn umgebenden Makrokosmos.
- Alles Lebendige besteht aus den Prinzipien Feuer, Wasser Erde, Luft und Raum, entsprechend den fünf Sinnen des Menschen.
- Die drei „Doshas“ Vata, Pitta, Kapha charakterisieren die fundamentalen Regulationssysteme des Körpers und bestimmen gleichzeitig den Konstitutionstyp des Menschen. Die Konstitution erklärt die Stärke eines Menschen, und seine Schwachstellen, seine Krankheitsbereitschaft, seine Reaktionen auf Ernährung, Medikamente, Sinneseindrücke usw.
Wissenschaftliche Beurteilung
Ayurveda erfreut sich mittlerweile auch in westlichen Ländern großer Beliebtheit, Deutschland eingeschlossen. Die Wirksamkeit des kompletten Medizinsystems des Ayurveda ist jedoch nicht nachgewiesen.
Bei den wissenschaftlichen Untersuchungen, die sich auf 70 in Südasien von verschiedenen Herstellern produzierte ayurvedische Präparate bezogen, wurden Schwermetalle, wie Blei, Quecksilber und Arsen in einer potentiell toxischen Konzentration nachgewiesen.
Die Hälfte der Präparate wurde dabei sogar für Kinder empfohlen!
In Deutschland sind mehrere Vergiftungsfälle bekannt geworden.
Bei Patienten, die Produkte der ayurvedischen Medizin einnehmen, wird Ärzten dringend zur Entnahme von entsprechenden Blutproben geraten!
Zudem sind manche Ernährungsvorschriften ernährungswissenschaftlich fragwürdig, wie z.B. die Empfehlung keine Rohkost zu essen (Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung DGE empfiehlt tgl. eine Portion Rohkost) und der Verzicht auf Nahrungsmittel wie Paprika, Kohl, Hülsenfrüchte usw.
Aus diesen Ausführungen ergibt sich, dass Ayurveda als allgemeines Behandlungskonzept zur Behandlung von Krankheiten und Störungen nicht geeignet ist.
Geistliche Beurteilung
Um eine Methode geistlich zu prüfen, müssen wir das dieser Methode zugrunde liegende Welt- und Menschenbild anhand des Wortes Gottes prüfen.
Die Vorstellung, dass der Mensch als Mikrokosmos eine Projektion des ihn umgebenden Makrokosmos (Universum) sein soll, ist unbiblisch. Gottes Wort offenbart uns, dass der Mensch als Ebenbild Gottes, des Schöpfers geschaffen wurde (1.Mose 1,27). Er ist kein Abbild der Schöpfung Gottes.
Zu dieser oben genannten sogen. Projektionslehre gehört die Vorstellung, dass ein bestimmter Teil des menschlichen Körpers seinerseits eine getreue Widerspiegelung des – Mikrokosmos - des Menschen nach Leib und Seele sei.
Es gibt unterschiedliche Auffassungen darüber, welcher Körperteil das Medium ist, das einen genauen Einblick sowohl in seine verborgenen Organe und Krankheiten, als auch in seinen Charakter und psychischen Zustand vermittelt. Der Ayurveda benutzt hierzu den Puls. Er sucht mit Hilfe der Pulsdiagnostik nach den genannten Merkmalen.
Das ist diagnostische Zeichendeuterei ! (5.Mose 18)
Das Krankheitsverständnis eines Ayurveda unterscheidet sich grundlegend von einem naturwissenschaftlichen Krankheitsverständnis. Gesundheit bedeutet im Ayurveda, in Harmonie mit sich und seiner Umwelt zu sein. Das wird durch die Balance der elementaren Lebenskräfte erreicht, die auch Körpersäfte oder Doshas genannt werden.
Hier haben wir es mit einem unbiblisch-energetischen Weltbild zu tun. Dabei handelt es sich um den Glauben an eine unsichtbare, universelle Kraft oder Energie, die als letzte Wirklichkeit hinter der sichtbaren Welt stehen soll. Wir kennen solche Begriffe wie z.B. Tao, Prana (Hinduismus), Lebensenergie, Bioenergie, Reiki, Ying (negative Energie), Yan (positive Energie) aus anderen fernöstlichen Denksystemen.
Durch diese universelle „kosmische Kraft bestehe ein kosmischer Zusammenhang zwischen der Schöpfung (Universum und Natur) und den Menschen. Im Ayurveda werden diese Energien als Doshas, elementare Lebenskräfte, bezeichnet.
Diese Sichtweise ist als unbiblisch abzulehnen. Gottes Wort offenbart uns, dass Gott nur den Leib aus der Erde bildete. Aus diesem Grund gibt es lediglich einen Zusammenhang zwischen dem menschlichen Leib und der Erde, und zwar nur in materieller, physisch-chemischer Hinsicht, niemals aber in immaterieller metaphysischer Hinsicht.
Fazit
Ayurveda ist eine alternativmedizinische Methode mit fernöstlichem Hintergrund. Da die unbiblische Wurzel (das Menschenbild) nicht von der Frucht (die ayurvedischen Heilmethoden) zu trennen ist, müssen wir sie als Christen ablehnen und über evtl. durchgeführte Anwendungen Buße tun.
Quellenangaben
Handbuch: Die andere Medizin Stiftung Warentest 1996 und 2005
Medizin und Weltbild Els Nannen 1996 (Vertrieb CDK e.V.)
Bayrischer Rundfunk
Apotheken Umschau und Gesundheit
Deutsches Ärzteblatt online 17.12.2004 http://www.aerzteblatt.de
Atlastherapie
"Gottes Geist hat mich geschaffen,
der Atem des Allmächtigen hat mir das Leben geschenkt."
Hiob 33 Vers 4a
Die Atlastherapie ist eine Form der Alternativmedizin und wird meist von Heilpraktikern durchgeführt, aber auch im Rahmen von Physiotherapien angeboten.
Es eine Lehre vom 1. Halswirbel, die sich aus der ebenfalls alternativmedizinischen Chiropraktik entwickelt hat. Dessen Gründer D. Palmer begann 1895 mit den ersten Wirbelbehandlungen. Daraus entwickelte sich die Chiropraktik. Walter Landis begann vor rund 20 Jahren in der Schweiz die Methode aufzugreifen und entwickelte daraus die Atlasiologie, indem er sich nur auf den 1. Halswirbel konzentrierte. Wie ein Relief aus dem 4. Jahrhundert vor Christus zeigt, waren bereits in den Hochkulturen des Altertums, bei den Mayas und Ägyptern manuelle Repositionstechniken des Atlas bekannt. Schon zu dieser Zeit wurde also am Atlas "behandelt", um die Wirbelsäule wieder ins Lot zu bringen
Mittels einer speziellen Berührungsbehandlung mit dem Finger, der sogenannten Atlaszentrierung, die sich auf den 1. Halswirbel konzentriert, soll der Körper sich mit Lebensenergie regenerieren. Es wird auch behauptet, dass damit die ganze Wirbelsäue in einer bestmöglichen Statik gehalten werden kann. Das ist aber wissenschaftlich nicht nachzuweisen.
Der Atlas, der oberste Halswirbel, hat seinen Namen aus der griechischen Antike. Wie der Gott Atlas laut den alten Schriften auf die Erde Einfluss haben soll, so die Erklärung der Befürworter dieser Therapie, so habe auch unser Wirbel eine übergeordnete Stellung im Körper. So könne der Atlas, wenn er "aus dem Lot kommt" ganz schön Turbulenzen auf der Erde bescheren.
Das Gleiche gelte für unseren Halswirbel.
Aus biblischer Sicht ist dieses Denken abzulehnen, auch weil es die Grundidee der Lebensenergie beinhaltet. Wir kennen sie aus dem Taoismus. Sie ist auch Denkgrundlage der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) Dort wird gelehrt dass man diesen Energiefluss (Chì) braucht, um am Leben zu bleiben.
Jedoch ist die lebenserhaltende Kraft, die hier einer unpersönlichen, kosmischen Energie zugeschrieben wird, nach biblischem Zeugnis die Gabe eines persönlichen Gottes durch den Heiligen Geist.
Was ist Naturheilkunde?
Zur Naturheilkunde gehört zunächst die so genannte Phytotherapie d.h. die Anwendung von Medikamenten, die rein pflanzlichen Ursprungs sind, wie Kamille, Baldrian, Weißdorn usw.
Hier könnte ein Zitat hinkommen.
Ursprung des Zitates
Es sind Medikamente, die zur Behandlung von Infekten des Atemtraktes, leichten Formen der Magenschleimhautentzündung, aber auch bei Affektionen der ableitenden Harnwege und der Prostata eingesetzt werden, Ihre heilende Wirkung ist vielfach nachgewiesen.Ein weiterer Bereich der Naturheilkunde ist die physikalische Therapie. Also die Anwendung von Wasser, Wärme, z.B. Fangopackungen, Kurzwellenbestrahlung, Reizstrom, Luft und Licht. Wir denken hier besonders an rheumatische Erkrankungen einschließlich degenerativen Knochenerkrankungen, aber auch an Kreislaufbeschwerden.Die physikalische Medizin spielt besonders in der Rehabilitation eine große Rolle. Auch hier sind heilende Wirkungen wissenschaftlich nachgewiesen.Streng davon zu trennen ist aber die Alternativ- oder Paramedizin, die auf nichtwissenschaftlichen diagnostischen und therapeutischen Methoden beruht. Es handelt es sich hierbei um okkulte Heilmethoden aus asiatischen Religionen und westlichen Philosophien. Damit könnte man sie auch als übernatürliche Medizin bezeichnen.Wir müssen also die Alternativmedizin streng von der wissenschaftlich begründeten Medizin und von der Naturheilkunde trennen.
Christ und Verhütung
Christ und Verhütung
Aktuelle Diskussion und theologische Orientierungshilfe
Autor: Prof. Michael A. Grisanti
In seinem Artikel geht Michael A. Grisanti ausführlich auf die gesellschaftliche Entwicklung und die medizinischen Aspekte von
Verhütungsmethoden ein und beleuchtet die Thematik anschließend im Licht der Bibel. Dabei gibt der achtfache Vater und Professor
für Altes Testament Ehepaaren einen biblisch begründeten Leitfaden an die Hand, um eine Familie(nplanung) zur Ehre Gottes
zu gestalten. Der Artikel, der im Original in englischer Sprache veröffentlicht wurde, ist hier in Auszügen abgedruckt und beschränkt sich auf die wesentlichen theologischen Aspekte und Standpunkte zu diesem Themenbereich.
Prof. Grisanti - Christ und Verhütung_CD[...]
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Frühkindliche Störungen der Geschlechtsentwicklung
1. DIE PHYSIOLOGISCHE GESCHLECHTSENTWICKLUNG
Um die aktuellen Entwicklungen einordnen und Phänomene wie Intersexualität richtig bewerten zu können, muss im Blick behalten werden, wie Gott den Menschen geschaffen hat. Sonst können die großen anthropologischen Linien leicht aus den Augen verloren gehen und „Abweichungen“ (wie zum Beispiel Intersexualität) nur noch schlecht eingeordnet werden. Im Anschluss folgt ein Überblick über embryologische Grundlagen der Geschlechtsentwicklung. Darauf folgt eine Darstellung der wichtigsten Störungen der Geschlechtsentwicklung (engl. Disorder of Sex Development, abgekürzt DSD) die nur mit der Schöpfungsordnung und dem embryologischen Grundwissen im Blick sinnvoll eingeordnet werden könne.
Abbildung 1: Die ersten Tage der Entwicklung des wenige Tage alten Menschen von der Eizelle nach Eisprung bis zur Einnistung der befruchteten Eizelle in die Gebärmutterschleimhaut.
1.1 Gottes Schöpfungsordnung als Ausgangspunkt der Geschlechterdichotomie
Die maßgebliche Bibelstelle, welche die gottgewirkte Schöpfungsrealität des Menschen darstellt, steht in 1. Mose 1,26–27: „Und Gott sprach: Lasst uns Menschen machen nach unserem Bild, uns ähnlich; (…) Und Gott schuf den Menschen in seinem Bild, im Bild Gottes schuf er ihn; Mann (sachar) und Frau (nekewa) schuf er sie.“ (vergleiche 1. Mose 5,1–2; Matthäus 19,4) Hier wird eine der grundlegendsten Wahrheiten des biblischen Menschenverständnisses deutlich: Der Mensch existiert nicht neutral als Mensch, sondern nur als Mann und Frau. Einzig und allein auf diese beiden Weisen kann ein Mensch existieren, weil Gott es so geschaffen hat (erschaffen = hebräisch bara2). Nur in der Zusammenschau beider Geschlechter kann der Mensch als Mensch verstanden werden. Dieses Sosein des Menschen als Mann und Frau hat Gott gesegnet (1. Mose 1,28). Mit der Erschaffung des Menschen wird der sechstägige Schöpfungsakt finalisiert und alles für „sehr gut“ befunden (1. Mose 1,31). Eine dritte Option steht hier nicht zur Wahl. Mit den zwei Geschlechtern ist alles sehr gut. 1. Mose 1,27 ist die Basis und unser theologischer Ausgangspunkt, den wir nicht aus den Augen verlieren dürfen, wenn wir uns mit der Frage nach der Anzahl der Geschlechter auseinandersetzen. Da Gott es so verfügt hat, kann das Ergebnis logischerweise in der Naturwissenschaft auch nachvollzogen werden. Über die Jahrtausende und vor allem in den letzten Jahrhunderten wurde es den Naturwissenschaftlern geschenkt, ein wenig zu verstehen, wie Gott den Menschen geschaffen hat und worin die Geschlechtlichkeit biologisch begründet liegt. Um der Beantwortung der am Anfang aufgeworfenen Fragen näher zu kommen, müssen wir einen Blick in die Embryologie werfen – die Lehre der vorgeburtlichen Entwicklung, deren große Linien in den folgenden Abschnitten nachgezeichnet werden sollen.[3]
1.2 Der Beginn der Geschlechtsentwicklung
Kurz vor dem Startschuss zur Entwicklung eines neuen Menschen treffen zwei Keimzellen (Eizelle und Spermium) aufeinander. Diese vereinen sich zur Zygote, einer gemeinsamen Zelle (griechisch zygotos, durch ein Joch verbunden, zweispännig). Von dieser zusammengejochten Zelle wird ein wundersamer Prozess in Gang gesetzt, der aus einer einzelnen „einfachen“ Zelle einen komplexen Menschen hervorbringt. In dieser Zygote liegt die gesamte genetische Information (Chromosomen) vor, die in den folgenden Wochen durch unzählbar viele Zellteilungen auf alle Zellen kopiert wird (vergleiche Abbildung 1), bis dieser Mensch neun Monate später zur Welt kommt. Diese Entstehung des Menschen aus einer einzelnen Zelle wird verwirklicht durch etliche Regulationsprozesse und eine quasi unendliche Vielzahl einzelner Faktoren, die zum richtigen Zeitpunkt zusammengekommen sein müssen. Es ist ein Prozess, der an Komplexität kaum übertroffen werden kann und in der Tiefe nur von dem Einen verstanden werden kann (vergleiche Prediger 11,5), der alle Menschen „im Schoß (unserer) Mutter“ (Psalm 139,13) gewoben hat. Da bleibt einem nichts weiter übrig, als staunend mit den Worten aus Psalm 139,14 zu sprechen: „Ich danke dir dafür, dass ich erstaunlich und wunderbar gemacht bin; wunderbar sind deine Werke, und meine Seele erkennt das wohl!“ Ein Teil der Entwicklung des Menschen ist die Entwicklung seines Geschlechts, bei der grob gesagt drei chronologisch aufeinander folgende Etappen (chromosomale, gonadale und phänotypische Entwicklung) durchlaufen werden, die am Ende die Basis für die Ausprägung des psychischen Geschlechts bilden (siehe Abbildung 2).
1.3 Ausprägung des chromosomalen Geschlechts
Das chromosomale Geschlecht ist mit der Befruchtung festgelegt. Entsprechend ist das Geschlecht, das zur Ausprägung kommen soll, mit dem Zustandekommen der Zygote festgelegt und wird in der weiteren Entwicklung realisiert.[4] Das Verhältnis zwischen chromosomalem Geschlecht und „angestrebtem Geschlecht“ gleicht der Ausführung eines vorher festgelegten Plans, der durch folgende Schritte umgesetzt werden soll. Ein Embryo in der fünften Woche, in der die Geschlechtsspezifizierung langsam beginnt, könnte sich potentiell (isoliert von der chromosomalen Vorgabe) in beide Richtungen entwickeln. Er kann „Mann“ oder „Frau“ werden. Die embryologische Anlage sowohl des inneren als auch des äußeren Geschlechts ist „bipotent“ (siehe Abbildung 3). Doch ab der fünften Woche werden konkrete Schritte eingeleitet, um aus einer neutralen, generellen Anlage das bereits bei der Zeugung festgelegte, chromosomale Geschlecht auszubilden. Das heißt nicht, dass der Embryo kein Geschlecht oder zwei Geschlechter hätte, denn das Zielgeschlecht ist im Chromosomensatz festgehalten. Für die weitere Ausprägung braucht es aber eine Richtungsangabe (männlich oder weiblich). Dafür wird auf die schon von Beginn an festgelegte Genetik rekurriert und ein spezifisches „Chromosomen-Signal“ abgefragt, wobei die genetische Information aktiv abgelesen und in Proteine umgesetzt wird, welche für die weitere Geschlechtsentwicklung notwendig und spezifisch für die individuellen Geschlechter sind. Dieses Signal bieten die beiden Geschlechtschromosomen X und Y. Sie sind Teil der insgesamt 46 Chromosomen des Menschen (23 verschiedene in doppelter Ausführung). Die Anzahl spielt dabei eine sehr wichtige Rolle. Abweichungen von der Norm werden Aberrationen genannt und sind oft Ursache von (Erb-)Krankheiten wie zum Beispiel die Trisomie 21 (Downsyndrom). Der vorliegende Chromosomensatz kann schnell und einfach durch die Nennung der Gesamtanzahl der Chromosomen mit Anfügung der beiden Geschlechtschromosomen beschrieben werden: 46, XX ist weiblich und 46, XY männlich.
1.4 Ausprägung des gonadalen Geschlechts
Ab der fünften Woche wird die Spezialisierung der Keimdrüsen (Gonaden), namentlich Hoden oder Eierstöcke, initiiert durch den Chromosomensatz, eingeleitet. Das spezifische Signal, das letztlich maßgeblich ist, ist das Vorliegen des Y-Chromosoms.[5] Wenn dieses Signal fehlt (zum Beispiel beim weiblichen Chromosomensatz XX), entwickeln sich automatisch weibliche Keimdrüsen. Dementsprechend wird der bipotente Embryo eine Frau, wenn das „Y-Signal“ fehlt. Liegt das Y-Chromosom jedoch vor, bewirkt das Signal die Auslösung einer Kaskade etlicher, komplexer Abläufe, die dann schlussendlich zur Ausprägung des männlichen Geschlechts führen (siehe Abbildung 4). Besonders relevant bei diesem hochkomplizierten Signalweg ist das sogenannte SRY-Gen.[6] Nach dessen Bauanleitung wird ein Enzym zusammengesetzt, das Hodendeterminierender Faktor (TDF) heißt.[7] Im Verlauf der Umsetzung des „Y-Programms“ wird auch noch ein weiteres Hormon, das Anti-Müller-Hormon, gebildet, das zur Rückbildung des Müller-Gangs („Anti- Müller“) und zur Ausbildung des Wolff-Gangs führt (vergleiche Abbildung 3). Dadurch entstehen Hoden, Nebenhoden, Samenleiter, Vorsteherdrüse et cetera – also die männlichen inneren Genitale. Ist das SRY-Gen nicht vorhanden (kein Y-Chromosom) oder nicht funktionsfähig (zum Beispiel durch eine Mutation), prägen sich stets (automatisch beziehungsweise passiv) die weiblichen inneren Geschlechtsorgane aus (Eierstöcke, Eileiter, Gebärmutter, Vagina).[8]
1.5 Ausprägung des somatischen Geschlechts
Sind die Keimdrüsen ausgeprägt, kommen sie bereits einer ihrer wichtigen Funktionen für den Embryo nach: der Produktion von Sexualhormonen. Diese sind nun wichtig für die Ausprägung des somatischen (griechisch soma = Körper) Geschlechts. Damit wird der Staffelstab der Geschlechtsentwicklung in einer logischen Reihenfolge weitergereicht. Die Geschlechtshormone (zum Beispiel Androgene wie Testosteron und Östrogene wie Östradiol) sind wichtig für die Finalisierung der biologischen Geschlechtsreifung und Ausbildung der äußeren Genitale. Denn auch die Anlage für das äußere Genital ist erst einmal bipotent und erwartet ein je nach Zielgeschlecht spezifisch starkes Hormonsignal für die Ausprägung in die männliche oder die weibliche Richtung. Die Sexualhormone sind aber an sich nicht geschlechtsspezifisch. Auch die Frau produziert Testosteron – nur in wesentlich geringerer Dosis als der Mann (deshalb „spezifisch stark“). Die Wirkung der Hormone beschränkt sich nicht allein auf das äußere Genitale. Auch andere Organe wie zum Beispieldas Gehirn prägen sich durch den Einfluss der Hormone geschlechtsspezifisch, so kommt es zu Unterschieden in der Psyche, des Temperaments und des Verhaltens (Abbildung 2). Dadurch unterscheiden sich die Geschlechter auch neuro- und psychologisch (siehe dazu auch den Artikel „Der Unterschied beginnt im Kopf“ von Dr. med. Matthias Klaus in dieser Ausgabe).[9] Das physiologische Resultat dieses komplexen Prozesses ist ein Mann oder eine Frau (siehe Abbildung 5). Das chromosomale, gonadale und somatische Geschlecht sind regelhaft alle entweder „maskulin“ oder „feminin“ (siehe Abbildung 2), sodass sie harmonisch-einheitlich ein kohärentes Bild formen. Damit hängt die einheitliche Geschlechtsentwicklung vereinfacht vom Ineinanderwirken zweier Komponenten ab: von den Chromosomen und von den Hormonen. Auf beiden Ebenen können Komplikationen im Prozess der Geschlechtsentwicklung auftreten.
2. STÖRUNGEN DER GESCHLECHTSENTWICKLUNG
Dass es zu diesen Komplikationen kommen kann, liegt theologisch im Sündenfall des Menschen begründet. Auf die göttliche Erschaffung einer sehr guten Schöpfung in 1. Mose 1–2 folgt der Sündenfall im dritten Kapitel. Dieser „verkompliziert“ das Leben auf der Erde enorm und ist letztlich Türöffner für Leid und Tod in das Leben der Menschen. Der einst vollkommen geschaffene Mensch muss nun sterben (1. Mose 3,19; vergleiche Römer 5,12 und 1. Korinther 15,21f.) und erfährt die Auswirkungen der Sünde fortan in der Beziehung zu Gott, zu seinen Mitmenschen und auch zu seinem Körper, der nun krank und schwach werden kann. Auch die Natur leidet (Römer 8,18ff.). Es ist ein Zustand, der so von Gott nicht gewollt war (vergleiche Jesu Trauerreaktion auf den Tod des Lazarus, obgleich er wusste, dass er Lazarus gleich von den Toten auferwecken würde, und das Leiden der Angehörigen in Johannes 11,35) und der für die Erlösten bei Gott in Ewigkeit aufgehoben wird (Offenbarung 7,15–17). Deshalb kann auch die Geschlechtsentwicklung des Menschen fehlerhaft verlaufen. Fehlerhafte Entwicklungen können auf der chromosomalen und hormonellen Ebene auftreten, die seit 2006 mit dem Oberbegriff „Störungen der Geschlechtsentwicklung“ (DSD[10]) zusammengefasst werden.[11] Einige von ihnen wollen wir uns im Folgenden ansehen.
2.1 Gonosomale Störungen der Geschlechtsentwicklung
Zu der ersten Gruppe der DSD gehören die Abweichungen von der physiologischen Anzahl der Geschlechtschromosomen (Gonosomen).[12] Darunter fallen allen voran das Klinefelter- und das Ullrich-Turner-Syndrom.
Klinefelter-Syndrom (47,XXY)
Das Klinefelter-Syndrom [13] deckt einen großen Teil der DSD-Fälle ab und betrifft 1–2 : 1000 der männlichen Neugeborenen.[14] 75 % der Fälle bleiben vermutlich unentdeckt. [15] Es handelt sich um eine Trisomie, bei der ein zusätzliches X-Chromosom vorliegt. Die Betroffenen sind männlich (innere und äußere Genitalien), weil das Y-Chromosom die oben beschriebene Wirkung entfaltet. Durch einen relativen Testosteronmangel sind sie jedoch kleinwüchsig und unfruchtbar. Meistens fällt die Erkrankung auf, weil die Pubertät zu spät eintritt. Die Betroffenen sind eindeutig Männer. Sie bedürfen lebenslang der Gabe von Testosteron, um die durch den Testosteronmangel bedingten Probleme zu behandeln (Libidoverlust, Depressivität, Antriebsmangel, Osteoporose, höheres Risiko für Diabetes und Blutarmut, et cetera). Viele dieser Probleme können durch die Testosterongabe vermindert oder gar behoben werden.[16]
Ullrich-Turner-Syndrom (45,X0)
Das Turner-Syndrom [17] (oder auch Ullrich-Turner-Syndrom) betrifft 1 : 2500 der weiblichen Neugeborenen.[18] Bei ihnen liegt typischerweise nur ein X-Chromosom vor. Da kein Y-Chromosom vorliegt, sind die Betroffenen nicht männlich, sondern weiblich. Mädchen mit diesem Syndrom sind in der Regel kleinwüchsig, haben überschüssige Haut im Nacken, leiden an Lernbehinderungen und gehen nicht in die Pubertät über.[19] Nicht zuletzt sind die Betroffenen unfruchtbar. Eine Hormonbehandlung kann das Wachstum anregen und die Pubertät einleiten. Ab einem Knochenalter von 12–13 Jahren wird eine Therapie mit Östrogenen/Gestagenen sowie mit Wachstumshormonen begonnen. Bei rechtzeitigem Therapiebeginn erreichen die Patientinnen dadurch eine normale Körpergröße. Auch Brust, Vagina sowie Uterus vergrößern sich, und die Menstruation setzt ein. Erkrankte am Turner-Syndrom sind also eindeutig Frauen.
Seltene Aberrationen der Geschlechtschromosomen
Es gibt auch noch viele weitere Formen der Chromosomenaberration. Beispielhaft sei noch das Triple-X-Syndrom [20] genannt. Liegt im ersten Fall ein weiteres X-Chromosom vor, wird es deaktiviert. Das geschieht auch bei gesunden Frauen, weil nur eines der zwei X-Chromosomen „gebraucht“ und das andere inaktiviert wird. Das deaktivierte X nennt man dann Barr-Körperchen. Liegen drei X-Chromosomen vor, werden zwei zum Barr-Körperchen deaktiviert. Dasselbe geschieht auch im Falle des Klinefelter-Syndroms. Ein seltener Spezialfall ist das „Chromosomale Mosaik“. Hier tragen nicht alle Körperzellen den gleichen Chromosomensatz. [21]
2.2 Hormonbedingte Störungen der Geschlechtsentwicklung bei männlichem Chromosomensatz
Auch hormonbedingte Störungen können die Geschlechtsentwicklung beeinflussen. Dabei kann erstens ein normaler männlicher (46-XY-DSD) oder zweitens ein weiblicher (46-XX-DSD) Chromosomensatz zugrundeliegen. Im ersten Fall lässt sich die Störung in der Regel auf die männlichen Geschlechtshormone, die Androgene, zurückführen. Durch unterschiedliche Beeinträchtigungen können die Androgene nicht wie vorhergesehen wirken. So kann es beispielsweise sein, dass vom Körper zu wenig Androgene produziert werden. Obwohl die Betroffenen genetisch männlich sind, können sie unterschiedlich stark weiblich erscheinen. Außerdem können Androgene eine verminderte Wirkkraft haben, wenn die entsprechenden Androgenrezeptoren defekt sind. In diesem Fall spricht man von „Androgenresistenz“. Es gibt verschiedene Grade der Ausprägung dieser Resistenzen. Die komplette Androgenresistenz ist innerhalb dieser Störung die häufigste Form. Sie tritt dennoch nur selten mit einer Häufigkeit von 1 : 20.000 auf. [22] Aufgrund einer Mutation im Androgenrezeptor kann unter anderem Testosteron seine Wirkung nicht entfalten. Das führt dazu, dass die Betroffenen mit einem XY-Chromosomensatz erst einmal männliche, innere Geschlechtsorgane (Gonaden) ausbilden. Diese Keimdrüsen produzieren dann Testosteron, welches dann aber nicht wirken kann. Dadurch entwickelt sich ein weibliches Erscheinungsbild. Es liegen dann weibliche äußere Genitale vor, aber die Vagina endet „blind“ und die bereits angelegten Hoden sinken nicht (vollständig) ab, sondern verbleiben im Bauchraum. Es ist also die Ausprägung der äußeren Geschlechtsmerkmale gestört, nachdem die Gonaden schon spezifiziert sind. Häufig fällt das erst mit dem Beginn der Pubertät auf, wenn die Monatsblutung ausbleibt, weil kein Uterus vorliegt. [23] Eine Androgenresistenz kann auch nur teilweise vorliegen. Der Deutsche Ethikrat schreibt in seiner Stellungnahme zur Intersexualität zu diesem Phänomen: „Ist die Androgenwirkung nicht komplett blockiert (Partial Androgen Insensitivity Syndrome [PAIS], Häufigkeit: selten), dann entwickelt sich je nach Ausmaß der Teilblockade der Körper mehr in Richtung zum männlichen Pol, sodass das äußere Aussehen gemischt männlich-weiblich oder überwiegend männlich ist. Bei PAIS besteht ein deutlich erhöhtes Risiko der Ausbildung bösartiger Tumoren, wenn die unreifen Gonaden im Bauchraum verbleiben (…).“ [24] Aufgrund des Tumorrisikos werden die Hoden häufig entfernt. [25] Je nach Ausprägung der partiellen Androgenresistenz kann das Erscheinungsbild der äußeren Genitalien in mehrere verschiedene Grade (nach Quigley) eingeteilt werden und von einer normalen männlichen Ausprägung bis hin zu einem äußerlich quasi normalen weiblichen Genitale reichen.
2.3 Hormonbedingte Störungen der Geschlechtsentwicklung bei weiblichem Chromosomensatz
Bei einer hormonbedingten Störung der Geschlechtsentwicklung kann aber auch ein normaler weiblicher Chromosomensatz zugrundeliegen. Trotzdem mutet das Erscheinungsbild stark maskulin an. Meist liegt es daran, dass die Wirkung von Androgenen (Testosteron) bei den Betroffenen zu stark ausfällt. Zugespitzt formuliert, hat man es mit genetischen Frauen zu tun, die einen „männlichen“ Hormonspiegel aufweisen. Diese Problematik wird meistens durch das sogenannte Adrenogenitale Syndrom verursacht, welche als häufigste Form der Hormonstörungen mit weiblichem Chromosomensatz ebenfalls mit 1 : 10.000 sehr selten ist. [26] Die Erkrankung führt zu einem Mangel an Steroiden. Beim Versuch der Nebenniere, den Mangel zu kompensieren, produziert diese zu viele männliche Hormone, wodurch bei Frauen ein männliches Erscheinungsbild in der Embryonalentwicklung in unterschiedlicher Ausprägung entstehen kann. [27]
3.FAZIT
Nach diesen Betrachtungen physiologischer Geschlechtsentwicklungen und der Darstellung pathophysiologischer Ursachen wichtiger DSD, muss eine abschließende Einordnung folgen. Diese mündet für den im medizinischen Bereich arbeitenden Christen in den klaren Auftrag, Gottes Gnade in das Leben Betroffener leuchten zu lassen.
3.1 Wichtige Unterschiede zwischen den Bezeichnungen „Disorders of Sex Development“, Intersexualität und Transsexualität
Mit Disorders of Sex Development (DSD) sind sowohl Personen gemeint, bei denen die Feststellung des Geschlechts problemlos möglich ist, als auch Personen, bei denen die Feststellung erschwert ist. [28] Dazu zählen das Turner- und das Klinefelter-Syndrom. [29] Die meisten Störungen der Geschlechtsentwicklung (vor allem in Bezug auf die Häufigkeit) erlauben eine eindeutige Feststellung des entweder männlichen oder weiblichen Geschlechts. Wenn Intersexualität aber durch die Uneindeutigkeit des Geschlechts definiert wird, die eindeutige Feststellung des Geschlechts also mindestens erschwert ist, ist DSD und Intersexualität nicht äquivalent verwendbar. [30,31] Zusätzlich muss von der Intersexualität (und DSD) die Transsexualität unterschieden werden. Transsexualität „liegt dann vor, wenn die körperlichen Merkmale eine eindeutige Zuordnung zum weiblichen oder männlichen Geschlecht erlauben, aber nicht mit dem psychischen Zugehörigkeitsgefühl übereinstimmen.“ [32] Der Ethikrat begründet diese Unterscheidung von Transsexualität und Intersexualität weiterhin wie folgt: „Im Gegensatz (zu Intersexuellen, Anm. des Autors) sind Transsexuelle Menschen mit einem eindeutigen biologischen Geschlecht, die sich jedoch psychisch dem anderen Geschlecht zugehörig fühlen.“ Diese Begriffsunterscheidungen müssen berücksichtigt werden, denn nur in der eindeutigen und nicht miteinander gleichsetzenden Verwendung der Begriffe „Intersexualität“ und „Transsexualität“ kommt diesen eine sinnvolle Bedeutung zu.
3.2 Epidemiologie der Intersexualität
Intersexualität im soeben definierten strengen Sinne von erschwerter Feststellung des Geschlechts trifft am ehesten auf die beiden Teilgruppen der Hormonstörungen mit männlichem oder weiblichem Chromosomensatz zu. In Deutschland leben nach dieser Definition 8.000–10.000 Intersexuelle. [33] Wird das Verständnis von Intersexualität [34] jedoch auf alle Gruppen der DSD erweitert und damit auch noch das Turner- und Klinefelter-Syndrom mit einbezogen, spricht man nicht mehr wie in der medizinischen Fachliteratur von 10.000 Fällen von Intersexualität , sondern von 100.000 in deutschen Zeitungen [35] oder gar 160.000 beim BVerfG [36]. Die letzten beiden Zahlen suggerieren ein falsches Bild der medizinischen Fakten, weil im Falle des Turner- und Klinefelter-Syndroms keine Uneindeutigkeit des Geschlechts und damit keine Intersexualität im eigentlichen Sinne vorliegt.
3.3 Fragwürdigkeit der „dritten Option“
Nach all dem müssen wir zu dem Schluss kommen, dass die „dritte Option“ nicht als eine Hilfestellung zur Behandlung beziehungsweise Unterstützung leidender Intersexueller zu betrachten ist, sondern als ein Schritt in Richtung Legitimation der Transsexualität unter dem Deckmantel biologischer Unklarheit. Man braucht kein drittes Geschlecht, um das Auftreten dieser Erkrankungen theoretisch-pathophysiologisch zu erklären.
Man benötigt aber das dritte Geschlecht, wenn man eine Krankheit zur Gesundheit deklarieren will, zur neuen Normalität.
Doch theologisch ist der Fall klar. Es gibt kein drittes Geschlecht. Gott schuf den Menschen als Mann und Frau. Biologisch ist der Fall klar. Es gibt nur sehr wenige Menschen, bei denen aufgrund einer Erkrankung eine Diskrepanz zwischen dem genetischen und dem phänotypisch ausgeprägten Geschlecht besteht, also zwischen den Chromosomen und dem Erscheinungsbild. Ein winziger Bruchteil der Bevölkerung kann nicht als Anlass dazu dienen, biologische Regelhaftigkeit zu negieren. Zuletzt ist ein drittes Geschlecht auch insofern fragwürdig, als dass es keine Möglichkeit gibt, dieses Geschlecht klar zu definieren und einheitlich zu beschreiben. Da können einem auch die DSD nicht helfen, weil bei dem Großteil der Betroffenen das Geschlecht klar benannt werden kann. Intersexualität ist damit in seiner absoluten Rarität ein sehr komplexes und schwieriges Phänomen, bei dem man jeden Patienten individuell betrachten muss. Dabei kann die Gewissheit aus Psalm 139,13–14 eine Hilfe sein, denn trotz Krankheit und Not, die durch den Menschen beim Sündenfall hervorgerufen wurde, ist auch ein kranker Menschen von Gott geschaffen, gewollt und geliebt: „Denn du hast meine Nieren gebildet; du hast mich gewoben im Schoß meiner Mutter. Ich danke dir dafür, dass ich erstaunlich und wunderbar gemacht bin; wunderbar sind deine Werke, und meine Seele erkennt das wohl!“ Erkrankungen verursachen nicht die Trennung von Gott. Gerade in eine leidende und verlorene Welt hat Gott seinen Sohn gesandt (Johannes 3,16; vergleiche Römer 8,20f.), um dadurch seine Liebe zu zeigen (1. Johannes 3,16), weil er will, dass alle Menschen gerettet werden (1. Timotheus 4,2). Nur durch das Evangelium, die Unterwerfung unter Gott und das Bekenntnis der eigenen Schuld, kann seine Gnade empfangen werden. Weiterhin wird der „Wert“ intersexueller Menschen nicht durch ihr (scheinbares) Herausfallen aus der großen Mehrheit geschmälert. Jeder Mensch trägt das Ebenbild Gottes (dabei sei auf Eberhard Dahms Artikel „Was gibt dem Menschen Würde?“ aus dem letzten Magazin verwiesen), weshalb seine Würde unveräußerlich ist. Ein erfülltes Leben mit einer in Christus fundierten Identität kann von jedem Menschen geführt werden. Sowohl als Kranker als auch als Gesunder kann man sich an der Gnade Gottes genügen lassen (vergleiche 2. Korinther 12,7) und in jeder Situation – ob „arm oder reich“ aber auch gesund oder krank – Freude in Gott zu haben (Philipper 4,11–13). Die Gnade Gottes mitten im Leid ist der Trost, den wir als Christen den Betroffenen spenden müssen. Und dann liegt es im Auftrag der ärztlichen Heilkunst mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln den Betroffenen zur Seite zu stehen und ihnen ein möglichst normales Leben im binären Geschlechtersystem zu ermöglichen, das Gott von der Schöpfung an als „sehr gut“ bezeichnet hat. Zu einer medizinischen Behandlung kann niemand gezwungen werden. Aber von Intersexualität Betroffene können nicht eine scheinbare, selbst erfundene, neue Normalität mit einer faktischen Abnormität erzwingen. Auch ein Leben mit Krankheit ist umfassend lebenswert. Dafür muss die Krankheit nicht zur „neuen“ Gesundheit deklariert werden. Ein drittes Geschlecht gibt es nicht, denn „männlich und weiblich schuf er sie“ (vergleiche 1. Mose 1,27).
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Quellen-Nachweis
[1] BVerfG, Beschluss des Ersten Senats vom 10. Oktober 2017 – 1 BvR 2019/16 –, Rn. 1–69, http://www.bverfg.de/e/rs20171010_1bvr201916.html (abgerufen am 21.06.2023).
[2] Dieses Verb des Erschaffens wird im Alten Testament allein im Zusammenhang göttlicher Handlungsakte gebraucht.
[3] Die folgenden Ausführungen können in einem einschlägigen Lehrbuch zur Embryologie nachvollzogen werden (zum Beispiel: Moore et al.: Embryologie. 6. Auflage Elsevier 2013).
[4] Beim Turner-Syndrom, einer der später angesprochenen Störungen der Geschlechtsentwicklung, kommt es zeitnah nach dem Zustandekommen der Zygote zu einem Verlust eines der beiden Geschlechtschromo-somen (sei es ein Y- oder ein X-Chromosom).
[5] „The presence or absence of the Y chromosome determines whether a mammalian embryo develops as a male or female.“, Page DC, Mosher R, Simpson EM, Fisher EM, Mardon G, Pollack J, McGillivray B, de la Chapelle A, Brown LG. The sex-determining region of the human Y chromosome encodes a finger protein. Cell. 1987 Dec 24;51(6):1091-104. doi: 10.1016/0092-8674(87)90595-2.
[6] ebd., ausgeschrieben: „Sex determining region of Y“.
[7] „Die Aktivität des Y-chromosomalen Gens SRY(= Sex-determining Region on the Y) kontrolliert die Synthese des für die männliche Entwicklung notwendigen Testes determining Factor (TDF). In Abwesenheit des TDF entwickelt sich die Gonade zum Ovar.“, aus: Zerres K. Störungen der Geschlechtsentwicklung. In: Murken J, Grimm T, Holinski-Feder E, Zerres K, Hrsg. Taschenlehrbuch Humangenetik. 9. teilaktuali-sierte Auflage. Stuttgart: Thieme; 2017. doi:10.1055/b-0037-145342.
[8] ebd.
[9] Möglicherweise sind die Prozesse der Geschlechtsentwicklung, die sich auch auf die neuronale Entwicklung auswirken, noch komplexer. Siehe dazu: McCarthy, M. M., & Arnold, A. P. (2011). Reframing sexual differentiation of the brain. Nature Neuroscience, 14(6), 677-683. https://doi.org/10.1038/nn.2834, Hirnstein, M., & Hausmann, M. (2021). Sex/gender differences in the brain are not trivial—A commentary on Eliot et al. (2021). Neuroscience & Biobehavioral Reviews, 130, 408-409. https://doi.org/https://doi.org/10.1016/j.neubiorev.2021.09.012, Hirnstein, M., Hugdahl, K., & Hausmann, M.
(2019). Cognitive sex differences and hemispheric asymmetry: A critical review of 40 years of research. Laterality, 24(2), 204-252. https://doi.org/10.1080/135765 0X.2018.1497044, Hjelmervik, H., Hausmann, M., Craven, A. R., Hirnstein, M., Hugdahl, K., & Specht, K. (2018). Sex- and sex hormone-related variations in energy metabolic frontal brain asymmetries: A magnetic resonance spectroscopy study. NeuroImage, 172, 817-825. https://doi.org/ https://doi.org/10.1016/j.neuroimage.2018.01.043.
[10] Später folgt eine kritische Analyse des DSD-Konzepts.
[11] Hughes IA, Houk C, Ahmed SF, Lee PA; LWPES Consensus Group; ESPE Consensus Group. Consensus statement on management of intersex disorders. Arch Dis Child. 2006 Jul;91(7):554-63. doi: 10.1136/ adc.2006.098319. Wieacker P. Genetische Aspekte der Fertilitätsstörungen. medgen. 2011;23:229– 230. doi: 10.1007/s11825-011-0271-2.
[12] „Die letzte Gruppe (gemeint ist die Gruppe Chromosomenaberrationen) wird im deutschen Sprachraum in der Regel nicht zur Intersexualität gerechnet.“ (Richter-Appelt H (2007) Intersexualität – Störungen der Geschlechtsentwicklung. Bundesgesundheitsbl Gesundheitsforsch Gesundheitsschutz 50(1):52–61).
[13] Tüttelmann F. Genetische Aspekte der Spermatogenesestörungen. medgen. 2011;23:259–266. doi: 10.1007/s11825-011- 0274-z.
[14] Nieschlag E: Klinefelter syndrome: the commonest form of hypogonadism, but often overlooked or untreat-ed. Dtsch Arztebl Int 2013; 110(20): 347–53. DOI: 10.3238/ arztebl.2013.0347.
[15] ebd.
[16] Nieschlag, E. (2013). Klinefelter-Syndrom. Dtsch Arztebl International, 110(20), 347-353. https://www.aerzteblatt.de/int/article.asp?id=138479.
[17] Ledig S, Wieacker P. Genetische Ursachen der prämaturen Ovarialinsuffizienz und Ovardysgenesie. medgen. 2011;23:237–243. doi: 10.1007/s11825-011-0270-3.
[18] ebd.
[19] Powell-Hamilton N, Turner-Syndrom, MSD Manual, https://www.msdmanuals.com/de-de/heim/gesundheitsprobleme-vonkindern/chromosom-und-genanomalien/turner-syndrom (abgeru-fen am 21.06.2023).
[20] Ledig S, Wieacker P. Genetische Ursachen der prämaturen Ovarialinsuffizienz und Ovardysgenesie. medgen. 2011;23:237– 243. doi: 10.1007/s11825-011-0270-3. Schwemmle C., Ptok M. Häufiges Syndrom, selten diagnostiziert: das Triple-X-Syndrom. Monatsschr Kinder-heilkd 161, 40–45 (2013). https://doi.org/10.1007/s00112-012-2750-1.
[21] Vgl. Deutscher Ethikrat, Intersexualität – Stellungnahme, S. 30, https://www.ethikrat.org/fileadmin/Publikationen/Stellungnahmen/deutsch/DER_StnIntersex_Deu_Online.pdf.
[22] „In der Europäischen Union (EU) gilt eine Erkrankung als selten, wenn nicht mehr als 5 von 10.000 Menschen von ihr betroffen sind.“, in BMG, Seltene Erkrankungen, https://www.bundesgesundheitsministerium.de/themen/praevention/gesundheitsgefahren/seltene-erkrankungen.html (abgerufen am 21.06.2023).
[23] Wieacker P., Ledig S. Androgeninsensitivität. medgen. 2011;23:249–253. doi: 10.1007/s11825-011-0275-y.
[24] Deutscher Ethikrat, Intersexualität – Stellungnahme, S. 42, https://www.ethikrat.org/fileadmin/Publikationen/Stellungnahmen/deutsch/DER_StnIntersex_Deu_Online.pdf(abgerufen am 21.06.2023).
[25] A.a.O., S. 46–47.
[26] Siehe Fußnote 25.
[27] Eventuell können auch sogenannte Mineralokortikoide fehlen, was zum gefährlichen Salzverlustsyndrom führen kann, aus dem sich schnell ein medizinischer Notfall entwickeln kann, s. hierzu Wieacker P., Ledig S. Ledig S, Wieacker P. Androgeninsensitivität. medgen. 2011;23:249–253. doi: 10.1007/s11825-011-0275-y.
[28] Deutscher Ethikrat, Intersexualität – Stellungnahme, S. 24, https://www.ethikrat.org/fileadmin/Publikationen/Stellungnahmen/deutsch/DER_StnIntersex_Deu_Online.pdf (abgerufen am 21.06.2023).
[29] „Die mit einer Chromosomenanomalie einhergehenden anatomischen Erscheinungsbilder des Turner-Syndroms (45,X0; weiblich mit nur einem Geschlechtschromosom) sowie des Klinefelter-Syndroms (47,XXY; männlich mit überschüssigem X-Chromosom) werden nicht näher dargestellt, weil sie anatomisch keine zwischengeschlechtlichen Merkmale aufweisen.“, a.a.O., S. 38. Siehe auch Sax L. How common is intersex? a response to Anne Fausto-Sterling. J Sex Res. 2002 Aug;39(3):174-8. doi: 10.1080/00224490209552139.
[30] Diese Unterschiede können zum Beispiel zwischen der Darstellung der „beschwerdeführenden Person“ im Urteil des BVerfG zum Personenstandsrecht von 2017 und der Stellungnahme des Deutschen Ethikrats zur Intersexualität nachgewiesen werden. Der Deutsche Ethikrat schreibt über einige Formen der DSD wie das Turner-Syndrom: „Die hier vorgelegte Stellungnahme beschäftigt sich nicht mit allen Formen von DSD. So behandelt sie zum Beispiel nicht die Syndrome, die durch numerische Abweichungen der Geschlechtschromosomen gekennzeichnet sind. Beispiele dafür sind das Turner-Syndrom und das KlinefelterSyndrom. In beiden Fällen gibt es zwar Abweichungen der sexuellen Entwicklung, die auch oft der Therapie mit Sexualhormonen bedürfen; es handelt sich bei diesen Personen jedoch um geschlechtlich eindeutig zuzuordnende Individuen, die anatomisch keine zwischengeschlechtlichen Merkmale aufweisen.“, Deutscher Ethikrat, Intersexualität – Stellungnahme, S. 38, https://www.ethikrat.org/fileadmin/Publikationen/Stellungnahmen/deutsch/DER_StnIntersex_Deu_Online.pdf (abgerufen am 21.06.2023). Hingegen schreibt das BVerfG über „die beschwerdeführende Person“ mit TurnerSyndrom: „Die beschwerde-führende Person wurde bei der Geburt dem weiblichen Geschlecht zugeordnet und als Mädchen in das Geburtenregister eingetragen. Sie verfügt über einen atypischen Chromosomensatz (sog. Turner-Syndrom) und fühlt sich dauerhaft weder dem weiblichen noch dem männlichen Geschlecht zugehörig.“ Und später: „Die beschwerdeführende Person empfinde sich nicht als „geschlechtlos“, sondern als Mensch mit dem Geschlecht „intersexuell“.“, BVerfG, Beschluss des Ersten Senats vom 10. Oktober 2017 - 1 BvR 2019/16 -, Rn. 1-69, http://www.bverfg.de/e/rs20171010_1bvr201916.html (abgerufen am 21.06.2023).
[31] Siehe dazu 4.2 „Epidemiologie der Intersexualität“ „Nach Schätzungen leben 8 000 bis 10 000 intersexuelle Menschen in Deutschland. Betroffenenverbände gehen von 120 000 Personen aus. Unter 5 000 Neugeborenen ist eines, das sich aufgrund körperlicher Besonderheiten nicht eindeutig als „männlich“ oder „weiblich“ einordnen lässt.“, Bühring, P. (2012). Intersexualität: Geschlecht: „anderes“. Dtsch Arztebl International, 109(10), A-472-A-472. https://www.aerzteblatt.de/int/article.asp?id=123599.
[32] Deutscher Ethikrat, Intersexualität – Stellungnahme, S. 11, https://www.ethikrat.org/fileadmin/Publikationen/Stellungnahmen/deutsch/DER_StnIntersex_Deu_Online.pdf (abgerufen am 21.06.2023).
[33] Holterhus, PM. Intersexualität und Differences of Sex Development (DSD). Bundesgesundheitsbl. 56, 1686–1694 (2013). https://doi.org/10.1007/s00103-013-1850-y. Die in der Literatur teilweise verschiedenen Zahlen hängen unter anderem davon ab, wie viele von dem wesent-lich weiteren Begriff der DSD man auch in das Begriffsfeld der Intersexualität miteinschließt. Siehe hier-zu: Sax L. How common is intersex? a response to Anne Fausto-Sterling. J Sex Res. 2002 Aug;39(3):174-8. doi: 10.1080/00224490209552139. Je mehr man die klaren und häufigeren Fälle mit einbezieht, desto mehr Intersexuelle zählt man zum Beispiel auch in Deutschland. Siehe dazu auch: Helms, Tobias. Brauchen wir ein drittes Geschlecht? Reformbe-darf im deutschen (Familien-) Recht nach Einführung des § 22 Abs. 3 PStG, Berlin, München, Boston: De Gruyter, 2015. https://doi.org/10.1515/9783110435702.
[34] Hauck L., Richter-Appelt H., Schweizer K. Zum Problem der Häufigkeitsbestimmung von Intergeschlecht-lichkeit und Varianten der Geschlechtsentwicklung: Eine Übersichtsarbeit. Z Sex Forsch 2019 Vol. 32 Issue 02 Pages 80-89. DOI: 10.1055/a-0897-0404
[35] Menkens, S. (09.11.2017). Das dritte Geschlecht. WELT. https://www.welt.de/print/welt_kompakt/article170454356/Das-dritte-Geschlecht.html (abgerufen am 21.06.2023), Schmitt, P.-P. (08.11.2017). Das empfundene Geschlecht. Frankfurter Allgemeine Zeitung. https://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/ geschlecht-etwa-100-000-intersexuelle-indeutschland-15283406.html#:~:text=In%20 Deutschland%20leben%20etwa%20100.000,das%20war%20Hermaphroditos%20bei%20Ovid (abgerufen am 21.06.2023).
[36] BVerfG. (2017). Beschluss des Ersten Senats vom 10. Oktober 2017 - 1 BvR 2019/16 -, Rn. 1-69. http://www.bverfg.de/e/rs20171010_1bvr201916.html (abgerufen am 21.06.2023).
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